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Lexikon

Basilisk

Kathrin Liess

(erstellt: April 2009)

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Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 5.9.2008

Abb. 1 Basilisk (Holzschnitt aus: Ulisse Aldrovandi, „Monstrorum historia“, 1642).

Der Basilisk ist ein seit hellenistischer Zeit belegtes, fabelhaftes Schlangenwesen, das als besonders giftig galt und seinen Weg in die → Septuaginta gefunden hat. In christlicher Tradition wurde es zu einer Verkörperung des Bösen und z.B. als Mischwesen aus Hahn und Schlange dargestellt.

1. Literarische Quellen

1.1. Altes Testament

Basilisk („kleiner König“) ist in der griechischen und lateinischen Übersetzung des Alten Testaments eine Bezeichnung für eine Schlangenart (→ Schlange). Das Wort leitet sich ab von griechisch basilískos (Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13]; Jes 59,5) bzw. lateinisch basiliscus (Ps 90,13 Vulgata [Lutherbibel: Ps 91,13]); vgl. (serpens) regulus (Jes 11,8; Jes 14,29; Jes 30,6; Jes 59,5; Jer 8,17; Spr 23,32). Diese Bezeichnungen geben in der → Septuaginta (LXX) und → Vulgata unterschiedliche hebräische Lexeme für verschiedene Schlangenarten wieder:

Die Septuaginta gibt mit basilískos in Ps 90,13 (Lutherbibel: Ps 91,13) פתן pætæn, die Bezeichnung für eine Kobra oder Uräusschlange, wieder und in Jes 59,5 אפעה ’æf‘æh, wahrscheinlich eine gefährliche Sandviper. Die Vulgata transliteriert in Ps 90,13 (Lutherbibel: Ps 91,13) das auf פתן pætæn zurückgehende basilískos der LXX mit basiliscus. Ansonsten übersetzt sie mit regulus צפעוני ṣif‘ônî (Jes 11,8; Jer 8,17; Spr 23,32) bzw. צפע ṣæfa‘ (Jes 14,29). Diese hebräische Bezeichnung bezieht sich auf eine Viper, die als größte und gefährlichste Schlange Palästinas gilt (vgl. Fabry, 389). Ein Sonderfall ist Jes 30,6 mit der lateinischen Übersetzung regulus volans für שׂרף מעופף śārāf mə‘ôfef, „fliegender Seraph“ als eine Schlangenart. (Zu den hebr. und dt. Bezeichnungen für die Schlangenarten s. Riede)

Während Luther in seiner Biblia Germanica (1545) im Anschluss an die griechische und lateinische Tradition z.T. noch die Übersetzung „Basilisk“ wählt (vgl. Jes 11,8; Jes 14,29; Jes 59,5; Jer 8,17; anders in Ps 91,13; Spr 23,32: „Otter“), übersetzt die moderne Lutherübersetzung (1984) die jeweiligen Lexeme mit „(giftige) Natter“ (Jes 11,8; Jes 14,29; Jer 8,17); „Schlange“ (Jes 59,5) oder „Otter“ (Ps 91,13; Spr 23,32).

Schlange; → Otter / Viper; → Kobra / Natter

Die alttestamentlichen Texte betonen die Gefährlichkeit der Schlangenart, die mit basilískos bzw. basiliscus / regulus übersetzt wird. Sie beißt (Jer 8,17: נשׁך nšk; Vulgata: mordeo), lässt sich nicht beschwören (Jer 8,17) und verspritzt Gift (Spr 23,32: פרשׁ prš Hif.; die Bedeutung des Wortes ist allerdings unsicher [vgl. Gesenius, 18. Aufl. 1084]; s. aber Vulgata: venena diffundit). Die Gefährlichkeit der Basilisken kommt auch darin zum Ausdruck, dass sie häufig im Zusammenhang mit anderen gefährlichen Tieren wie Löwen (Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13]; Jes 30,6 Vulgata); Seraphen (Jes 14,29 Vulgata) oder Drachen bzw. Meeresdrachen (Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13]) genannt werden. Nach Jes 30,6 Vulgata zählen sie zu den „Tieren des Südlandes“, „dem Land der Not und Bedrängnis“.

Die Schlangenart findet im Alten Testament bes. im Kontext der Bildsprache Verwendung. Sie ist Ausdruck von Bedrohung und Gefahr (vgl. Jes 14,29 Vulgata). Sie kann das gefährliche Wesen der Frevler charakterisieren (vgl. Jes 59,5 LXX: die Frevler brüten Basiliskeneier aus), aber auch als Bild für die Folgen des Weingenusses stehen (vgl. Spr 23,32 Vulgata: der Wein geht „schmeichlerisch“ ein, „aber zuletzt wird er beißen wie eine Schlange und wie ein regulus Gift verbreiten“). Ein Kontrastbild zur Gefährlichkeit des Basilisken findet sich Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13] und Jes 11,8. Die Vertrauensaussage Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13] beschreibt im Bild des Schreitens über „Schlange und Basilisk“ den göttlichen Schutz für den Beter, denn die gefährlichen Tiere können diesem nichts anhaben. Jes 11,8 Vulgata (vgl. Luther 1545) schildert den eschatologischen Tierfrieden als eine Heilszeit, in der selbst für das wehrloseste und schwächste Geschöpf, den am „Loch des Basilisken“ spielenden Säugling, keine Gefahr mehr von diesem Tier ausgeht, so dass die Feindschaft zwischen Schlange und Mensch aufgehoben wird (vgl. Gen 3,15).

1.2. Antike und mittelalterliche naturgeschichtliche Quellen

In der Antike und im Mittelalter war der Basilisk u.a. durch die naturkundlichen Beschreibungen von Plinius dem Älteren (1.Jh. n.Chr.) (Naturalis Historiae VIII Kap. XXXIII, 78f.; Text gr. und lat. Autoren) oder von Isidor von Sevilla (um 560-636) bekannt, der ihn als „König der Schlangen“ (rex serpentium) bezeichnet (vgl. Etymologiae XII,4,6-9 [Migne, Patrologia Latina 82, 443]). Nach Plinius ist der Basilisk in der lybischen Provinz Kyrenaika heimisch; er bewegt sich nicht schlangenartig, sondern halb aufgerichtet vorwärts und hat auf dem Kopf einen hellen Fleck, der die Form eines Diadems bildet. Er gilt als die giftigste Schlangenart, deren Zischen, Geruch oder Blick töten können. Nur ein Wiesel kann den Basilisken vernichten. Nach einer anderen Tradition stirbt der Basilisk beim Krähen eines Hahnes oder beim Anblick seines eigenen Bildes, wenn man ihm einen Spiegel vorhält. Zur Entstehung des Basilisken kursierten im Mittelalter unterschiedliche Legenden; so soll er z.B. von einer Kröte auf dem Mist aus einem Schlangen-, Hühner- oder Hahnenei ausgebrütet worden sein (s. z.B. Hildegard von Bingen, Physica VIII,12 [Migne, Patrologia Latina 197, 1343]; vgl. Jes 14,29 Vulgata: de radice enim colubri egreditur regulus „aus der Wurzel der Natter geht nämlich ein Königlicher hervor“).

1.3. Allegorische Bibelauslegung

© Kathrin Liess

Abb. 2 Ein Putto besiegt den Basilisken (vgl. Ps 90,11-13; an der Münchener Mariensäule; 17. Jh.).

In der allegorischen Bibelauslegung der Kirchenväter gilt der Basilisk als Sinnbild für Ungerechtigkeit, falsches Richten, Lüge und Bosheit (vgl. die Auslegungen von Jes 59,5; s. Sammer, Bedeutungsgeschichte, 171ff.). Die Auslegungen von Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13] sehen im Basilisken ein Symbol des Todes, der Sünde oder des Teufels, die Christus oder die Ecclesia überwinden (vgl. z.B. Augustinus, Enarrationes in Ps. 90 serm. 2,9 [Migne, Patrologia Latina 37, 1168; Text Kirchenväter]; Isidor, Quaestiones in Gen. 5,8 [Migne, Patrologia Latina 83, 221]).

© Kathrin Liess

Abb. 3 Ein Putto besiegt den Basilisken (Ausschnitt der Münchener Mariensäule).

Auch Maria kann als speculum sine macula „Spiegel ohne Flecken“ den Basilisken besiegen (vgl. die Münchener Mariensäule von 1638/40 mit Ps 90,13 LXX als Inschrift; s. Abb. 2 u. 3).

In der Jesaja-Exegese wird der „fliegende Basilisk“ (Jes 30,6 Vulgata) mit dem apokalyptischen Drachen bzw. → Leviatan gleichgesetzt und auf die Ankunft des Antichristen am Weltende bezogen (vgl. die Auslegung von Jes 14,29; Jes 59,5 bei Hieronymus, Commentariorum in Esaiam libri; s. dazu Sammer, Basilisk, 150f.). Luther vergleicht in seiner Konfessionspolemik den Papst und die katholische Konfession mit dem Basilisken (vgl. Sammer, Bedeutungsgeschichte, 185ff.).

2. Ikonographie

Abb. 4 Eine österreichische 10 Euro Münze von 2009 zeigt den Basilisken von Wien. Nach der Sage wurde er getötet, indem man ihm einen Spiegel vorhielt, so dass sich seine tödliche Kraft gegen ihn selbst wandte.

Abb. 4 Eine österreichische 10 Euro Münze von 2009 zeigt den Basilisken von Wien. Nach der Sage wurde er getötet, indem man ihm einen Spiegel vorhielt, so dass sich seine tödliche Kraft gegen ihn selbst wandte.

In der Ikonographie sind unterschiedliche Darstellungen belegt. Seit dem Mittelalter wird der Basilisk als ein Hahn mit einem Schlangenschwanz, als ein Mischwesen zwischen einem Hahn und einer Kröte mit Vogelkrallen oder als geflügelter Drache mit einem Hahnenkopf abgebildet (vgl. Abb. 3). Auf seine Benennung als „kleiner König“ kann eine kleine Krone auf dem Kopf verweisen. In der christlichen Kunst sind Darstellungen belegt, die Christus zeigen, wie er als Zeichen des Sieges über das Böse, den Tod oder den Teufel den Basilisken mit den Füßen zertritt (vgl. die allegorischen Auslegungen von Ps 90,13 LXX [Lutherbibel: Ps 91,13]).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Realencyclopädie, Stuttgart, 1893-1978
  • Reallexikon für Antike und Christentum, Stuttgart 1950ff.
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Lexikon der christlichen Ikonographie, Freiburg i.Br. 1968-1976
  • Lexikon des Mittelalters, München 1977ff.
  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff.
  • Der Neue Pauly, Stuttgart / Weimar 1996-2003
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Fabry, H.-J., Art. נחשׁ, in: ThWAT V, 384-397
  • Riede, P., 2001, Art. Tiernamen, in: NBL 3, 873ff.
  • Sammer, M., Zur Bedeutungsgeschichte des Basilisken im Abendland, Euphorion 92 (1998) 143-221
  • Sammer, M., Basilisk – regulus. Eine bedeutungsgeschichtliche Skizze, in: Müller, U. / Wunderlich, W. (Hg.), Dämonen, Monster, Fabelwesen, St. Gallen 1999, 135-160
  • Weissert, D., Der Basilisk und das Windei in LXX – Jes 59,5, ZAW 79, 1967, 315-322

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Basilisk (Holzschnitt aus: Ulisse Aldrovandi, „Monstrorum historia“, 1642). Aus: Wikimedia Commons; © public domain; Zugriff 5.9.2008
  • Abb. 2 Ein Putto besiegt den Basilisken (vgl. Ps 90,11-13; an der Münchener Mariensäule; 17. Jh.). © Kathrin Liess
  • Abb. 3 Ein Putto besiegt den Basilisken (Ausschnitt der Münchener Mariensäule). © Kathrin Liess
  • Abb. 4 Eine österreichische 10 Euro Münze von 2009 zeigt den Basilisken von Wien. Nach der Sage wurde er getötet, indem man ihm einen Spiegel vorhielt, so dass sich seine tödliche Kraft gegen ihn selbst wandte.
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