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Lexikon

Aschmodai

Andere Schreibweise: Asmodäus ; Asmodeus

Esther Brünenberg-Bußwolder

(erstellt: Dez. 2006)

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1. Name

Beim Namen Aschmodai bzw. Asmodäus (griech. Asmodaíos; Schreibvarianten: Asmodáys; Asmodéos) handelt es sich vermutlich um eine Aramaisierung des persischen aēšma-daēva (ašma-dewa), übersetzt etwa „Dämon des Zorns“ (Fitzmyer, 150-151). Da das Buch Tobit jedoch an zahlreichen Stellen ägyptisches Lokalkolorit ausmachen lässt, kann auch eine Verbindung mit dem aus ptolemäischer Zeit bekannten Gottesnamen Śmdj vermutet werden (Görg, in: Neues Bibel-Lexikon I, 187). Um eine Volksetymologie handelt es sich bei der Ableitung von der hebräischen Wurzel šmd, die im Kausativ die Bedeutung „verderben“ annimmt (also „jemand, der zerstört“, wie der Vernichtungsengel in 2Sam 24,16; Weish 18,25; Apk 9,11).

2. Geschichte

Explizit erwähnt wird Aschmodai an zwei Stellen des deuterokanonischen Buches → Tobit (Tob 3,8.17 [Lutherbibel: Tob 3,8]). Er ist ein namentlich erwähnter böser → Dämon, der als Feind der Ehe gilt. Sara, eine der Hauptfiguren des Buches Tobit, war sieben Männern hintereinander zur Frau versprochen. Doch in dem Moment, in dem jeweils der Bräutigam das Brautgemach Saras betrat, wurde er jedes Mal durch das Wirken Aschmodais getötet. Dessen Aggressivität gründet in seiner Liebe zu Sara (Tob 3,8). Für Sara bedeutete das ein schweres Schicksal, zumal ihr der Vorwurf begegnet, sie selbst sei für den Tod der Männer verantwortlich. In ihrer Not wendet sich Sara in einem Bittgebet an Gott, der lieber ihr Leben nehmen solle als sie weiter dieser Schmach auszusetzen. Die Erhörung ihres Gebets findet ihren Ausdruck im Auftreten des Engels → Rafael, der Tobias, einem Verwandten Saras, zum Reisebegleiter und Berater wird. Erst Tobias gelingt es mit Hilfe des Engels Rafael den Dämon durch den Geruch von verbrannter Fischleber und verbranntem Fischherzen zu bannen. Aschmodai flieht nach Ägypten, wo er von einem Engel gefesselt wird. Dies zeigt, wie sich das Böse, das sich in Aschmodai verkörpert, teilweise eindämmen, jedoch nicht vernichten lässt. Tobias wird Sara schließlich heiraten, womit er dem väterlichen Rat folgt, nur eine Frau aus seiner Verwandtschaft zu heiraten. Die Endogamie zählt in der Diaspora zu einem der zentralen Prinzipien, um eine Assimilation durch Mischehen zu verhindern. Innerhalb des Tobitbuches gilt die Ehe zwischen Tobias und Sara als toragemäß. Die Heirat gilt so als Realisierung der Tora.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden 1999
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Deselaers, P., 1982, Das Buch Tobit (OBO 43), Freiburg (Schweiz) / Göttingen
  • Ego, B., 1999, Buch Tobit (JSHRZ II/6), Gütersloh, 873-1007
  • Ego, B., 2003, „Denn er liebt sie“ (Tob 6,15 Ms. 319) – Zur Rolle des Dämons Asmodäus in der Tobit-Erzählung, in: A. Lange u.a. (Hgg.), Die Dämonen. Demons, Tübingen, 309-317
  • Drewermann, E., 1993, Der gefahrvolle Weg der Erlösung, die Tobit-Legende tiefenpsychologisch gedeutet, Freiburg
  • Hieke, T., 2005, Endogamy in the Book of Tobit, Genesis, and Ezra-Nehemiah, in: Xeravits, Géza G. / Zsengellér, József (Hgg.), The Book of Tobit. Text, Tradition, Theology (Supplements to the Journal for the Study of Judaism 98), Leiden / Boston, 103-120.
  • Rabenau, M., 1994, Studien zum Buch Tobit (BZAW 220), Marburg
  • Ranke, K., 1977, Art. Asmodeus, in: Brednich, R.W. / H. Bausinger (Hg.), Enzyklopädie des Märchens. Handbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, Vol. I, Berlin, 880-882
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