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Lexikon

Apfel / Apfelbaum

Ute Neumann-Gorsolke

(erstellt: Dez. 2005)

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1. Botanisch

Die Identifizierung von hebr. תַּפּוּחַ tappûaḥ „der Duftende“ mit Apfel / Apelbaum wird immer wieder bestritten, weil sich das Vorkommen für die biblische Zeit in Palästina nicht nachweisen lässt. Indizien sind jedoch einige gut erhaltene Exemplare des nicht sehr ansehnlichen Holzapfels (Malus sylvestris), die bei Ausgrabungen in Kadesch-Barnea gefunden wurden und ins 9. Jh. v. Chr. datiert werden. Zum anderen sprechen verwandte ägyptische wie arabische Bezeichnungen, so z.B. arab. tuffah „Apfelbaum“, eher für die Zuordnung von hebr. תַּפּוּחַ tappûaḥ zum Apfel / Apfelbaum als zur immer wieder ins Spiel gebrachten Aprikose oder einer Zitrusfrucht. Daher ist es wahrscheinlich, dass der Apfel etwa 4000 v. Chr. von Iran und Armenien aus nach Israel kam. Der Apfelbaum kann eine Höhe von 8-12 m erreichen, bildet weiße Blüten aus, die in Büscheln zusammenstehen. Die Frucht, der Apfel, ist eine 3-6 cm große und hat eine rundliche Kernfrucht in grüner oder rötlicher Schale. Wie in Europa haben sich auch im Nahen Osten Hunderte von Sorten entwickelt.

2. Vorkommen im Alten Testament

Im Alten Testament kommt hebr. תַּפּוּחַ tappûaḥ entgegen der Wirkungsgeschichte, die auf die Doppeldeutigkeit von lat. malum „Böses / Apfel“ zurückgeht, in der Paradieserzählung nicht vor. Hier ist nur von der „Frucht“ des Baumes die Rede. Der hebräische Begriff ist aber sechsmal in der Bedeutung Apfel / Apfelbaum zu finden, wobei die Häufung im Hohen Lied auffällt (Hhld 2,3; Hhld 2,5; Hhld 7,9; Hhld 8,5; Spr 25,11). Nach Joel 1,12 werden die Apfelbäume wie die anderen Kulturbäume einer Heuschreckenplage zum Opfer fallen; und auch Hhld 2,3 stellt den Apfelbaum als Kulturpflanze dem unwirtlichen, undurchdringlichen Wald entgegen. Hhld 2,5 und Hhld 7,9 heben den belebenden Geschmack bzw. Duft der Frucht hervor, und Hhld 7,9 nennt den Duft der Äpfel als Bild für den Atem der Liebsten: „Lass … deinen Atem sein wie Äpfel“. Hinter diesem Vergleich steht die Vorstellung, dass im alten Orient Äpfel als Früchte galten, die die Liebe erregen. In Spr 25,11 wird das Wort zur rechten Zeit mit „goldenen Äpfeln auf silbernen Schalen“ verglichen, ein Bild, das die Köstlichkeit der Frucht mit der Kostbarkeit der Edelmetalle verbindet. Daneben ist hebr. תַּפּוּחַ tappûaḥ auch als Orts- und Eigenname belegt (Jos 12,17; Jos 15,34; Jos 16,8 und 1Chr 2,43), was auf die Popularität und Verbreitung von Äpfeln weist.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Kurzes Bibelwörterbuch, Tübingen / Leipzig 1903
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Hepper, F.N., 1992, Pflanzen der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P., 2003, Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des Alten Israel, Stuttgart
  • Löw, I., 1967 (Nachdruck von 1928), Die Flora der Juden, Hildesheim
  • Zohary, M., 3. Aufl. 1995, Pflanzen der Bibel, Stuttgart
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