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Lexikon

Amon

Benedict Schöning

(erstellt: Febr. 2017)

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1. Name

© public domain (Foto: Klaus Koenen, 2017)

Abb. 1 Der judäische König Amon (oben) wird wie sein Sohn und Nachfolger Josia (unten) in Mt 1,10 im Stammbaum Jesu als Vorfahre Josefs genannt. Beide Könige finden sich deswegen in den Archivolten des Hauptportals des Kölner Doms (19. Jh.).

Der Name Amon (אָמֹן ’āmon, אָמוֹן ’āmôn) ist von dem hebräischen Verb אמן ’mn „feststehen / treu sein“ abzuleiten. Er wird in der Bibel für drei Personen und für eine Gottheit verwendet.

2. Personen

2.1. Ein Stadtfürst (1Kön 22; 2Chr 18)

In 1Kön 22,26 || 2Chr 18,25 wird unvermittelt ein Mann namens Amon in die Handlung eingeführt, der allerdings keine Rolle spielt. Er wird als „Fürst / Oberster“ (שַׂר śar) „der Stadt“ bezeichnet, womit angesichts des Artikels die Hauptstadt Samaria gemeint ist. Zu ihm soll der Prophet → Micha ben Jimla auf Geheiß von Israels König → Ahab gebracht werden, um ihn dort festzusetzen. Dieser Amon unterscheidet sich insofern von den folgenden Personen gleichen Namens, als nur in 1Kön 22,26 im Hebräischen der Name defektiv geschrieben ist (אָמֹן ’āmon statt אָמוֹן ’āmôn). Die → Septuaginta gibt den Namen in 1Kön 22,26 und in 2Chr 18,25 mit Εμηρ Emēr wieder.

2.2. Ein König des Südreichs im 7. Jh. v. Chr. (2Kön 21; 2Chr 33)

In 2Kön 21,18-25 ist Amon (Septuaginta: Αμων Amōn) der Sohn → Manasses, der ihm mit 22 Jahren auf dem Thron des Südreiches regulär nachfolgt. Seine Regierungszeit wird mit zwei Jahren angegeben. Sie endet mit einer Verschwörung, in der ihn seine eigenen Diener töten. Das Volk des Landes (‎עַם־הָאָרֶץ ‘am-hā’āræṣ; → Volk) tötet die Verschwörer und setzt Amons Sohn → Josia als König ein (2Kön 21,23-24).

Eine Ursache für die Verschwörung wird nicht genannt, sodass die Forschung über eine mögliche Auseinandersetzung zwischen pro- und antiassyrischen Kräften nur spekuliert. Im Text selbst festmachen lässt sich das allerdings nicht; dieser erwähnt allein ein kultisches Problem: Amon folgt seinem Vater Manasse in der Fremdgötterverehrung und damit im Abfall von JHWH (2Kön 21,20-22). Auf der literarischen Ebene ließe sich darin ein Anlass für die Ermordung sehen, denn die führt letztlich dazu, dass ein neuer König, Josia, eingesetzt wird, der sich der → Tora und JHWH wieder zuwendet.

In 2Chr 33,20-25 findet sich nahezu die gleiche Erzählung wie in 2Kön 21,18-25. Allerdings wird Amon hier dafür kritisiert, dass er sich anders als sein Vater nicht gedemütigt habe (2Chr 33,23). Diese Variante braucht die Chronik, weil sie Manasse anders als die Königebücher eine Umkehr zuschreibt. Dadurch aber wird Amons kultische Schuld umso größer (2Chr 33,23). In beiden Darstellungen (Königebücher und Chronik) wird Amon so als Kontrastbild zu seinem Nachfolger Josia stilisiert.

2.3. Ein Heimkehrer aus dem Exil (Neh 7)

Neh 7,59 erwähnt die „Kinders Amons“ (Septuaginta: Ημιμ Emim), die in einem Buch mit → Genealogien verzeichnet sind, das Nehemia nutzt, um von den Heimkehrern ein neues Verzeichnis zu erstellen. Da im näheren Kontext von Neh 7,59 Josia und Manasse nicht erwähnt werden, handelt es sich hier nicht um den Südreichkönig aus 2Kön 21. Im Paralleltext Esr 2,57 taucht der Name Amon nicht mehr auf, hier steht stattdessen im hebräischen und griechischen Text „Kinder Amis“.

3. Der ägyptische Gott (Jer 46; Nah 3)

Jer 46,25 und Nah 3,8 erwähnen Amon von No beziehungsweise No-Amon. Gemeint ist damit der ägyptische Gott → Amun, der im → Neuen Reich Reichsgott war. Mit No ist jeweils die Stadt Theben gemeint. Die beiden Texte verwenden den Götternamen, um sie als religiöses Zentrum anzusprechen, das dann auch pars-pro-toto für Ägypten stehen kann.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Encyclopaedia Judaica, 2. Aufl., Jerusalem 2007
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden 1999 (Art. Amun)
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Der judäische König Amon (oben) wird wie sein Sohn und Nachfolger Josia (unten) in Mt 1,10 im Stammbaum Jesu als Vorfahre Josefs genannt. Beide Könige finden sich deswegen in den Archivolten des Hauptportals des Kölner Doms (19. Jh.). © public domain (Foto: Klaus Koenen, 2017)
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