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Lexikon

Aloe

Ute Neumann-Gorsolke

(erstellt: Sept. 2006)

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1. Botanische Identifizierung

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 1 Aloe vera oder succotrina

Die biblische erwähnte Aloe wird heute mit zwei unterschiedlichen Pflanzen identifiziert. Das hebr. אֲהָלִים / אֲהָלוֹת ’ǎhālôt / ’ǎhālîm, überwiegend mit Aloe bzw. Aloebaum übersetzt, meint wahrscheinlich den Adlerbaum (Aquilaria agallocha), der mit über 20 Arten in Ostafrika und Nordindien beheimatet ist. Der bis zu 36 Meter hohe Baum trägt ganzrandige, wechselständige Blätter und bildet Büschel von Blüten mit farbiger Fruchthülle aus. Die Frucht ist eine zweiteilige Kapsel. Wenn der Baum von einer Pilzerkrankung befallen wird, sondert er ein Harz aus, das das ansonsten weiche, leichte Holz zu einem harten, aromatisch duftenden Holz werden lässt. Diese Holz wird als Duftstoff geschätzt und entfaltet seinen Duft besonders, wenn es als Räucherwerk verbrannt wird.

Im Neuen Testament bezeichnet griech. ἀλόη aloē die Aloe vera oder succotrina, die aus dem südwestlichen Arabien stammt. Diese stämmige, büschelige Pflanze hat dicke, schwertähnliche Blätter, die an den Rändern dornig gezähnt sind. Inmitten der rosettenangeordneten Blätter wachsen auf einem bis zu 60cm langen Blütenstängel viele röhrenförmige, orangefarbige Blüten. Aus den fleischigen Blättern wird ein wohlriechendes, aber bitteres Öl gewonnen, das Grundlage für die Arzneidroge Aloe oder Aloin ist. Als eingedampfte feste Masse wird es ein begehrtes Handelsgut in biblischer Zeit, das als Heilmittel (Abführmittel) oder beim Einbalsamieren von Toten Verwendung fand, insbesondere im Alten Ägypten.

2. Vorkommen in der Bibel

Im Alten Testament wird das Holz der Aloe / des Adlerbaums wegen seines würzigen Duftes oft neben → Myrrhe, Kassia und Zimt sowie anderen ausländischen Gewürzen genannt (Ps 45,9; Spr 7,17; Hhld 4,14). Im Bileamspruch Num 24,6 wird der Adlerbaum neben die Zeder gestellt, die beide von JHWH gepflanzt sind. Dagegen bezieht sich das Neue Testament auf die Verwendung der Aloe vera bei der Toteneinbalsamierung: Nach Joh 19,39 brachte Nikodemus neben Myrrhe auch Aloe als Duftstoff für die Leichentücher Jesu.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Kurzes Bibelwörterbuch, Tübingen / Leipzig 1903
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Hepper, F.N., 1992, Pflanzen der Bibel. Eine illustrierte Enzyklopädie, Stuttgart
  • Neumann-Gorsolke, U. / Riede, P., 2003, Das Kleid der Erde. Pflanzen in der Lebenswelt des Alten Israel, Stuttgart
  • Zohary, M., 3. Aufl. 1995, Pflanzen der Bibel, Stuttgart

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Aloe vera oder succotrina © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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