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Lexikon

Ahimelech

Andere Schreibweise: Achimelech

Joachim Vette

(erstellt: März 2010)

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1. Name

Der Name Ahimelech (hebräisch: אֲחִימֶלֶךְ ’ǎchîmælækh; griechisch: Αβιμελεχ abimelech; lateinisch: Ahimelech) bedeutet „Mein Bruder / Freund / Verwandter / Stammesgenosse / Landsmann ist König“. Er ist im altorientalischen Umfeld gut bezeugt, sowohl inschriftlich (Diringer, 41), akkadisch (Tallquist, 17) wie auch ugaritisch (Gröndahl, 362). Innerbiblisch werden mit diesem Namen unterschiedliche Personen aus dem Umfeld Davids bezeichnet; der wichtigste ist sicherlich Ahimelech, Sohn des Ahitub, Priester zu Nob (1Sam 21,2-10; 1Sam 22,6-23).

2. Ahimelech, der Priester von Nob

Die Episode zwischen → David, → Saul und Ahimelech, Sohn des Ahitub, gehört zu den dunkelsten Kapiteln der → Aufstiegsgeschichte Davids. Ahimelech entstammte dem alten Priestergeschlecht → Elis, das in → Silo ansässig war. Wie diese Familie von Silo nach → Nob kam, ob auf der Flucht vor den → Philistern oder als Ergebnis der Erfolge → Sauls, ist nicht nachzuvollziehen (vgl. Stoebe, 395). Wir wissen aus Jes 10,32 und Neh 11,31-32, dass die Priesterstadt Nob etwas nördlich von Jerusalem in Gebiet Benjamin lag. 1Sam 14,3 erzählt davon, dass Ahimelechs Bruder, → Ahija, Sauls Feldgeistlicher auf seinen Militärzügen war. Diese kurze Passage deutet auf eine enge Verbindung zwischen dem saulidischen Haus und dieser Priesterfamilie, die als Hintergrund wichtig ist für das Verständnis der Erzählung von 1Sam 21,2-10 und 1Sam 22,6-23.

In dieser Erzählung belügt David Ahimelech und gibt vor, einen geheimen Auftrag Sauls auszuführen. Er wird daraufhin von Ahimelech mit den fünf → Schaubroten und dem Schwert → Goliaths versorgt. Später von → Doëg verraten und von Saul zur Rede gestellt, beruft sich Ahimelech auf Davids Aussage und spricht: „Wer ist unter allen deinen Knechten so treu wie David, dazu des Königs Schwiegersohn und der Oberste deiner Leibwache und geehrt in deinem Hause?“ (1Sam 22,14). Offenkundig unschuldig werden er und seine Familie auf Sauls Befehl von Doëg niedergemetzelt. Ahimelech geht also an einem Loyalitätskonflikt zwischen Saul und David zugrunde. David selbst bekennt seine Schuld an diesen Geschehnissen (1Sam 22,22), ein Umstand der durch die sekundäre Überschrift zu Psalm 52 vertieft und erweitert wird (Ps 52,1; vgl. Johnson). Im Licht seines gewaltsamen Todes ist die Bedeutung des Namens Ahimelech („Mein Bruder / Freund ist König“) ein bewusst tragisches Element der Erzählung.

In Folge der Bluttat kann einzig → Abjatar, der Sohn Ahimelechs entkommen. Er wird Priester unter David (1Sam 23,6.9; 1Sam 30,7) und steigt schließlich zum Hohepriester neben → Zadok auf (2Sam 15,29), bis er sich im Streit zwischen Salomo und → Adonija auf die falsche Seite schlägt und von Salomo ins Exil geschickt wird (1Kön 2,26-27). Dieses Schicksal des letzten Priesters aus dem Hause Eli wird vom Erzähler als Erfüllung der Gerichtsworte gegen Eli gedeutet (vgl. 1Sam 2,36; 1Sam 3,14).

3. Weitere Personen

1Sam 26,6 erwähnt einen hethitischen Söldner namens Ahimelech (im Übrigen der einzige Hethiter außer dem bekannten → Uria, der im Umfeld Davids namentlich erwähnt wird).

In 2Sam 8,17 und 1Chr 24,3.6.31 begegnet neben Zadok, dem Sohn Ahitubs und Nachkommen Eleasars, ein Ahimelech, Sohn des Abjatar und Nachkomme Itamars. Die beiden Priester Davids waren nach 1Chr 24 an der Gruppeneinteilung der Priester beteiligt (vgl. auch 1Chr 18,16, wo Abimelech statt Ahimelech steht).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Dietrich, W., 1997, Die frühe Königszeit in Israel. 10. Jahrhundert v. Chr., Stuttgart
  • Diringer, D., 1934, Le iscrizioni antico-ebraiche palestinesi, Firenze
  • Gröndahl, F., 1967, Die Personennamen der Texte aus Ugarit, Roma
  • Johnson, V.L., 2009, David in Distress. His Portrait Through the Historical Psalms, New York
  • McCarter, P. Kyle, 1980, I Samuel. A New Translation with Introduction, Notes and Commentary, New York
  • Stoebe, H., 1973, Das Erste Buch Samuelis, Gütersloh
  • Tallquist, K., 1914, Assyrian Personal Names, Helsingfors
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