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Lexikon

Ahab

(871-852 v. Chr.)

Thomas Wagner

(erstellt: Jan. 2007)

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Abb. 1  Jahwe erweist sich vor Ahab als wahrer Gott (1Kön 18; Holbein; 16. Jh.).

Abb. 1 Jahwe erweist sich vor Ahab als wahrer Gott (1Kön 18; Holbein; 16. Jh.).

Ahab regierte von 871-852 v. Chr. als König über das Nord-Reichs Israel. Er war der Sohn und Nachfolger des Dynastiegründers → Omri. Die Regierungszeit Ahabs ist vor allem durch wirtschaftlichen Aufschwung, hohe Bautätigkeit und die Integration Israels in die syro-palästinische Staatenwelt gekennzeichnet. Sein Hauptkritiker war der Prophet Elia, der sich vor allem gegen Ahabs Religionspolitik wandte. Die Erzählungen in 1Kön 17f. sind jedoch deutlich deuteronomistisch geprägt (→ Deuteronomismus), so dass sie für ein historisches Urteil über Ahab nur bedingt verwendbar sind.

1. Das Ahab-Bild des Deuteronomistischen Geschichtswerks

1.1. Das deuteronomistische Urteil über Ahab

Das Ahab-Bild des → Deuteronomistischen Geschichtswerks ist vielschichtig und teilweise auch widersprüchlich. Historische Fakten wurden mit verschiedenen Überlieferungen kombiniert, die zum Teil traditionelle Motive aufnehmen. Diese haben vor allem theologische Gründe und geben nur bedingt Auskunft über die historische Person.

Die theologische Prägung des Ahab-Bilds im Deuteronomistischen Geschichtswerk fällt schon bei der Beurteilung des Königs durch den Deuteronomisten auf. 1Kön 16,29-22,40, der Abschnitt des Deuteronomistischen Geschichtswerks, in dem von Ahab berichtet wird, steht ganz unter dem Aspekt der Kultpolitik. In der Beurteilung Ahabs in 1Kön 16,29-33 wird seine Herrschaft als sehr schlecht dargestellt („er tat, was Jhwh missfiel, mehr als alle, die vor ihm waren“), da er die von → |pJerobeam I.|&x] 22356 installierten Jahwe-Kulte in → Dan und → Bethel weiter betrieb, eine phönizisch-stämmige Frau heiratete und in seinem Herrschaftsgebiet neben dem Jahwe-Kult auch kanaanäische Kulte durch Ausstattung von Heiligtümern förderte.

1.2. Ahabs Familie

Mit der von Ahabs Vater Omri begründeten Dynastie konnte sich im Nordreich → Israel erstmals eine über mehr als zwei Generationen andauernde dynastische Linie etablieren. Ahabs Nachfolger wurde sein Sohn → Ahasja (652-851 v. Chr.). Da er ohne Sohn starb (2Kön 1,17), kam mit → Joram ein zweiter Sohn Ahabs auf den Thron (851-846 v. Chr.). Danach wurde der Dynastie durch den gewaltsamen Putsch → Jehus (846-818 v. Chr.) ein Ende bereitet. Verheiratet war Ahab mit → Isebel, der Tochter des Herrschers eines benachbarten phönizischen Fürstenhauses. Außer den beiden genannten Söhnen ging aus dieser Ehe die Tochter → Atalja hervor.

Die genaue Herkunft Isebels, der Frau Ahabs, ist in der Forschung umstritten. Während 1Kön 16,31 Isebel als „Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier“ bezeichnet (so auch LXX), stellt Josephus sie als Tochter Etbaals, des Königs von → Tyrus und → Sidon vor (Antiquitates Iudaicae VIII, 316ff. und IX, 138; Text gr. und lat. Autoren). Auf jeden Fall ist sie phönizischer Herkunft. 1Kön 16f. bringt sie mit der Verehrung → Baals in Verbindung. Bei ihm handelt es sich zwar nicht um den Hauptgott der Phönizier, doch um eine bei ihnen hoch verehrte Gottheit. Zudem ist der Name von Isebels Vater Baal-haltig, was von der hohen Bedeutung dieses Gottes für ihr Vaterhaus zeugt.

Im Blick auf Ahab berichtet das Deuteronomistischen Geschichtswerk zwar, dass er fremde Kulte in Israel errichtet hat, doch zeigen die Namen seiner drei Kinder deutlich, dass er Jahwe weiterhin als wichtigste Gottheit verehrte. Allein seine Frau Isebel (אִיזֶבֶל) trägt einen Namen, der mit זבל ein Epitheton aufweist, das im Zusammenhang mit Baal überliefert wird (vgl. KTU 1.2:I:38.43; 1.2:IV:8; 1.3:I:3; 1.5:VI:10; 1.6:I:42; 1.6:III:1.3.9.21; 1.6:IV:5.16; 1.22:I:10; 2Kön 1,2f.6.16; Josephus, Antiqitates Iudaicae IX, 19 [Text gr. und lat. Autoren]; Mt 10,25; Mt 12,24.27; Mk 3,22; Lk 11,15.18f.).

Die seit der → Reichsteilung 926 v. Chr. bestehende Spannung zwischen Israel und Juda wichen in der Zeit Ahabs einem freundschaftlichem Verhältnis. Die Hochzeit seiner Tochter Atalja mit dem judäischen Thronfolger Joram (2Kön 8,26) dokumentiert die politische Annäherung. Es scheint aber, dass das Verhältnis von Israel dominiert wurde. Davon zeugen die Waffenfolge, die Juda Israel im Konflikt mit den → Aramäern (→ Aramäerkriege) erweist und die von → Joschafat von Juda in diesem Zusammenhang verwendete Formel in 1Kön 22,4b („Ich will sein wie du, und mein Volk wie dein Volk, und meine Rosse wie deine Rosse.“).

1.3. Das Verhältnis zwischen Ahab und Elia

In die deuteronomistischen Berichte über Ahab sind die Elia-Überlieferungen integriert. Diese sind in einem langen Wachstums- und Traditionsprozess entstanden, in dem das Verhältnis zwischen Ahab und → Elia unterschiedlich gesehen wurde.

In der deuteronomistischen Darstellung treffen Elia und Ahab erstmals in 1Kön 17,1 aufeinander. Die Ansage der kommenden Trockenzeit bleibt ohne Begründung, so dass als solche am ehesten die kultischen Verfehlungen Ahabs, die in 1Kön 16,29-33 aufgeführt werden, angenommen werden können. Die folgende Strafansage wendet sich dann zwar an den König, betrifft aber das gesamte Volk. Eine Reaktion Ahabs wird in diesem Zusammenhang jedoch nicht überliefert.

1Kön 18. Das Kapitel umfasst drei Szenen: 1Kön 18,1-14.15-19.20-46. In allen dreien wird Ahab namentlich genannt und als Herrscher beschrieben, der Elia verfolgt (Tötung der Jahwepropheten durch Isebel 1Kön 18,4). Doch im Gegensatz zur Erzählung von der Ermordung der Jahwepropheten kann Elia vor dem König auftreten, ihm seine Schuld ansagen und anschließend wieder gehen. Elia wird von Ahab beschuldigt, die Trockenzeit und die daraus resultierende Hungerkatastrophe hervorgerufen zu haben. Ahab nimmt Elia und sein Auftreten sogar so ernst, dass er seiner Aufforderung folgt, die Priester zu versammeln. Ziel des mit der Versammlung verbundenen Gotteserweises ist es für Ahab, herauszufinden, welcher Gott erzürnt ist, um diesen zu besänftigen, damit die Dürre ein Ende findet. Dass Ahab Elias Aufforderung folgt, deutet auf ein konfliktloses Verhältnis hin, wie es sich auch am Ende der Erzählung (1Kön 18,41-46) erkennen lässt: Nach dem Gotteserweis auf dem Karmel gehorcht Ahab den Anweisungen Elias.

Der Erzählung 1Kön 18 ist demnach zu entnehmen, dass nicht alle Elia-Tradenten einen dauerhaften Konflikt Ahabs mit Elia überlieferten, sondern zum Teil auch ein zeitweise positives Verhältnis zwischen Prophet und König voraussetzen (vgl. Timm, 1982, 66f.).

1Kön 19. Die Erzählung aus 1Kön 18 wird in 1Kön 19,1f. fortgesetzt, doch erscheint Ahab nicht mehr als Haupthandlungsträger. Hauptgegner Elias wird vielmehr Isebel, die dem Propheten droht, ihn umbringen zu lassen. Daraufhin ergreift Elia die Flucht zum Gottesberg Horeb. Der Übergang der Handlungsträgerschaft von Ahab auf Isebel entspricht der Notiz in 1Kön 18,4, Isebel habe die Jahwepropheten ermorden lassen. Sie wird als diejenige dargestellt, die den Baalskult fördert und diesen mit allen Mitteln durchsetzen will. Dieses wiederum entspricht nur bedingt der Beschreibung von Ahabs Herrschaft in 1Kön 16,29-33.

1Kön 20. Die Erzählung über die Kriege mit → Ben-Hadad in 1Kön 20,1f. hat sich in der Forschung als sekundärer Zusatz zur Ahab-Überlieferung erwiesen, so dass dieses Kapitel hier nicht weiter besprochen wird. Der in diesem Kapitel auftretende „Gottesmann“ wird nicht namentlich benannt. Für eine Identifikation mit Elia im Rahmen der ursprünglich selbständigen Erzählung gibt es keine Anzeichen.

Abb. 2 Isebel stiftet die Ermordung Nabots an (Wenzelsbibel; 14. Jh.).

Abb. 2 Isebel stiftet die Ermordung Nabots an (Wenzelsbibel; 14. Jh.).

1Kön 21. Anders verhält es sich bei der Erzählung über → Nabots Weinberg in 1Kön 21,1ff. Diese wird als altes Traditionsstück der ursprünglichen Ahab-Tradition zugerechnet; hier tritt auch wieder Elia als Gegenüber des Königs auf. Als Ortslage für den Weinberg wird in 1Kön 21,1Jesreel angegeben. Die Kritik an Ahab zielt in diesem Text auf seine Willkür im Umgang mit einem Volksangehörigen. Die durch Justizmord erfolgte Inbesitznahme des Weinbergs führt schließlich zur Untergangsansage an das Haus Omri (1Kön 21,21-24). Ahab scheint, darauf verwies bereits 1Kön 18,41-46, zwei Residenzstädte unterhalten zu haben: → Samaria und Jesreel (zur religionsgeschichtlichen Stellung vgl. u. 1.4.).

Der Überblick über die einzelnen Erzählungen zeigt, dass das Verhältnis von Elia und Ahab gewisse Unterschiede aufweist. Während die ältere Elia-Tradition nicht in allen Erzählungen von einer Konfrontation Ahabs mit Elia ausgeht, hebt die spätere Ausweitung der Elia-Überlieferung diese hervor. Dabei tritt Isebel immer stärker als Gegenspielerin zu Elia in den Vordergrund der deuteronomistischen Darstellung.

1.4. Ahabs Verhältnis zu kanaanäischen Kulten

Stellt das deuteronomistische Urteil Ahab als den König vor, der die Kanaanäisierung Israels vorantrieb, finden sich in den Elia-Erzählungen nur in 1Kön 18 Hinweise darauf. Daher muss sich ein historisches Urteil auf diese wenigen Notizen stützen.

1Kön 16,29-33 nennt verschiedene kultische Maßnahmen Ahabs, die auf eine Förderung kanaanäischer Kulte deuten: Errichtung eines Baal-Tempels mit Altar und Aufstellung einer → Aschera-Statue in Samaria. Als Grund für diese Kultpolitik sieht der Deuteronomist die Hochzeit mit Isebel an, die eine Baalisierung bewirkte. Daneben wird am Ende der Ahab-Überlieferung in 1Kön 22,39 erwähnt, Ahab habe ein Elfenbeinhaus in Samaria errichtet. Dieses mit Elfenbeinschnitzereien versehene Haus stellt ein Novum in Israel dar. Sein Ursprung ist in der phönizischen Kultur zu suchen und deutet auf die guten Beziehungen hin, die Ahab zu den phönizischen Städten der Küstenebene unterhielt.

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang das Gegenüber der beiden Residenzstädte Samaria und Jesreel. Die Existenz von zwei Königspalästen mit zugehörigen kultischen Zentren wurde in der Forschung häufig als eine bewusste Trennung des israelitischen Jahwekultes (Jesreel) und des kanaanäischen Baalkultes (Samaria) verstanden. Diese Trennung lässt sich jedoch nicht aufrechterhalten. Dass Ahab dem Jahwekult verpflichtet blieb, ist bereits an den Jahwe-haltigen Namen seiner Kinder zu erkennen. Des Weiteren wird nicht berichtet, Ahab habe das Jahweheiligtum in Samaria zugunsten eines Baal-Tempels aufgegeben. Auf die Existenz des in Hos 8,5 erwähnten Stierbildes in Samaria (עגלך שׁמרון) gibt es keinen weiteren Hinweis. Vielmehr legt Hos 10,5 nahe, dass Samaria an dieser Stelle als Bezeichnung für das Nordreich verwendet wird (vgl. Wolff, 1961, 179-181). Dieses Stierbild wird – im Blick auf die Tempel in → Dan und → Bethel – nach deuteronomistischer Interpretation als ein jahwistisches Kultbild verstanden. Um das Gegenüber von Jesreel und Samaria erklären zu können, bleibt damit letztendlich nur eine saisonale Trennung zwischen einer Winter- und einer Sommerresidenz (vgl. Timm, 1982, 148). Derartige saisonale Trennungen sind nicht nur aus Ägypten und Mesopotamien, sondern auch aus dem westsemitischen Raum bekannt (zur Trennung von Sommer- und Winterresidenzen vgl. Am 3,15; Bauinschrift des Königs Barrakib von Samal, TUAT I, 630f.).

In der Erzählung 1Kön 18 finden sich mehrere Hinweise auf einen lebendigen Baalskult in Israel zur Zeit Ahabs. Es wird von einem Opferaltar auf dem Karmel berichtet, der sowohl für Elia, als auch für die Baalspriester als Kultstätte zugänglich war. Dass es einen aktiven Baalskult in Israel gab und dass dieser vom Königshaus unterstützt wurde, darauf weist die Anklage Elias in 1Kön 18,18 und die hohe Anzahl der Baals- und Ascherapriester hin, die vom Königshaus unterhalten wurden (1Kön 18,19).

Sowohl die deuteronomistischen Notizen, die Elia-Überlieferung als auch die außerbiblischen Belege zeigen Spuren einer kanaanäisch geprägten Verehrung Baals zur Regierungszeit Ahabs. Die Jahwe-haltigen Namen seiner Kinder weisen jedoch darauf hin, dass nicht Baal, sondern Jahwe als Dynastiegott und höchster Gott verehrt wurde. In dieselbe Richtung zielt auch die Elia-Überlieferung: Nicht die Existenz Baals, sondern seine Wirksamkeit und seine Macht werden bestritten.

2. Außerbiblische Notizen über Ahab

2.1. Die Annalen Salmanassars III.

In den Annalen → Salmanassars III. erscheint Ahab von Israel in einer Liste syro-palästinischer Könige, die sich dem nach Westen expandierenden assyrischen Heer in Qarqar am → Orontes entgegenstellten (→ Schlacht von Qarqar; dort auch Text der Annalen).

Die Annalen Salmanassars III. (TUAT I/4, 360-362; Grayson, RIMA III, 23f.) über seinen Syrienfeldzug im Jahr 853 v. Chr. sind in mehreren Fassungen überliefert. Die älteste bekannte Form bildet eine 1861 in Kurch gefundene Steleninschrift, die in die Lebenszeit Salmanassars III. datiert werden kann. Die Inschrift vermittelt dem Leser den Eindruck, Salmanassar III. habe die sich ihm bei Qarqar entgegenstellende Allianz von insgesamt neun Regionalfürsten besiegen können. Gegen seine Darstellung spricht jedoch, dass die Koalition erst 841 v. Chr. auseinanderbrach. Daher ist historisch eher ein Sieg der antiassyrischen Koalition anzunehmen.

Die Liste der neun syro-palästinischen Könige besteht aus zwei Teilen. In Z.90-92 werden drei Herrscher genannt, die das militärische Hauptpotential der antiassyrischen Koalition stellten. In den Z. 92-95 werden dann weitere sechs Herrscher genannt, die Soldaten und / oder Reittiere sowie Ausrüstung zur Verfügung stellten. Im ersten Teil der Liste erscheint → Hadadeser als Kopf der Koalition. Neben ihm tragen Irchuleni von Hamat und Ahab von Israel mit einem sehr großen Truppenkontingent zum Erfolg der Koalition bei. Ahab stellt von allen Verbündeten die größte Zahl an Streitwagen zur Verfügung, immerhin 2000; außerdem 10.000 Soldaten.

Mit der Teilnahme an der antiassyrischen Koalition bewies Ahab außenpolitisches Geschick, da er die Assyrergefahr früh genug erkannte, um sie zumindest für die Dauer seiner Regierungs- und Lebenszeit zu bannen. Da Ahab bzw. seine Nachfolger → Ahasja (852-851 v. Chr.) und → Joram (852-841 v. Chr.) in den assyrischen Inschriften der Feldzüge 849-845 v. Chr. nicht mehr erwähnt werden, liegt die Annahme nahe, Israel sei im Anschluss an diesen Erfolg aus der Koalition ausgetreten. Über die Gründe für sein Ausscheiden gibt es keine Nachrichten. Annehmbar wäre, dass er sich der anwachsenden Dominanz Damaskus’ nicht unterstellen wollte. Ebenfalls gibt es keine weiteren Notizen über Ahabs Verhältnis zur assyrischen Expansionspolitik.

2.2. Die Mescha-Inschrift

Neben den Annalen Salmanassars III. ist für die Regierungszeit Ahabs mit der Inschrift des moabitischen Königs → Mescha eine weitere nicht-biblische Quelle von Bedeutung.

Die 1868 entdeckte Basaltstele trägt eine in moabitischer Sprache verfasste Inschrift des Königs Mescha von Moab, die von der Besetzung Moabs durch das Haus Omri, die Besatzungszeit und die Befreiung Moabs unter König Mescha berichtet.

In Z. 4-8 wird über die Besetzung des nördlichen Teiles von Moab durch die Israeliten berichtet. Insgesamt dauerte die Oberherrschaft 40 Jahre, bis „Omri wieder nach Israel zurück gedrängt werden konnte“ (vgl. KAI II, 168f.). Ahab von Israel wird in der Stele nicht explizit erwähnt, doch zeigt die lange Dauer der Oberherrschaft Israels über Moab, dass diese zur Zeit Ahabs Fortbestand hatte. Nach 2Kön 1,1; 2Kön 3,5 fiel Moab nach dem Tode Ahabs von Israel ab.

Die Ausdehnung des Herrschaftsbereichs Ahabs in das südliche Ostjordanland passt mit der biblischen Erzählung über die versuchte Ausdehnung der omridischen Herrschaft nach 1Kön 22 im nördlichen Ostjordanland und die Einnahme von Ramot in Gilead überein. Erst unter Ahabs Nachfolger Ahasja gingen die ostjordanischen Gebiete wieder verloren.

3. Archäologische Zeugnisse

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 3 Karte zur Lage von Samaria und Jesreel.

Die archäologischen Zeugnisse können nur bedingt Auskunft über die Herrschaft Ahabs geben, da sich die Bauschichten nur schwierig einzelnen omridischen Herrschern zuweisen lassen. Von besonderer Bedeutung für die Darstellung der omridischen Zeit sind die Ausgrabungen in Samaria und Jesreel. Gemäß dem biblischen Bericht wurde die Stadt → Samaria von Omri gegründet und in den folgenden Jahren von ihm und seinen Nachfolgern ausgebaut.

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Abb. 4 Eine Mauer des Palastes von Samaria. Steinquader mit Spiegelschlag sind als Läufer und Binder gesetzt (Eisenzeit II).

In den Jahren 1908-1910 wurden von der amerikanischen Harvard University unter der Leitung von G.A. Reisner und C.S. Fisher und in den Jahren 1931-1935 von britischen Institutionen, der Berliner Humbold Universität und der Harvard University in Samaria archäologische Grabungen durchgeführt, mit denen eine Besiedlung seit der Eisenzeit nachgewiesen werden konnte. Die eisenzeitliche Stadt bestand aus einer Akropolis (Oberstadt) und einer Unterstadt, die jeweils eigene Befestigungsanlagen aufweisen. Die Grabungen konzentrierten sich vor allem auf die Akropolis. Diese lässt sich in zwei Bereiche unterteilen, die jeweils einen eigenen Mauerzug aufweisen. Die äußere Mauer wird in der Forschung auf Omri zurückgeführt. Sie scheint als nicht ausreichend angesehen worden zu sein, so dass einer der Nachfolger Omris (Ahab, vgl. 1Kön 22,39 Ausbau der Städte) den Mauerbau erweiterte. Die innere Mauer erscheint bei weitem stabiler, so dass man bei ihr von einer Verbesserung der Verteidigungsanlagen sprechen kann.

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Abb. 5 Elfenbeinschnitzereien zeugen von dem Wohlstand und dem phönizischen Einfluss in Samaria.

Insgesamt konnten bei den Grabungen sechs Keramikphasen und sechs Bauperioden für die Zeit von 876-722 v. Chr. nachgewiesen werden. Zur Besieldungphase aus der Zeit Omirs gehören der Palast und die Akropolismauer, zur nächstfolgenden Besiedlungsphase (Ahab) werden die Kasemattenmauer, die Speicher und evtl. das Osttor gerechnet. Die Bauten der folgenden Besiedlungsphase sind nur noch Erweiterungs- und Verbesserungsbauten. Tempelanlagen, wie sie die biblischen Berichte voraussetzen, wurden jedoch nicht gefunden.

Neben den Bauperioden und Keramikphasen ist eine Fundgruppe für die Regierungszeit Ahabs von besonderer Bedeutung: die Elfenbeinschnitzereien. Solche wurden in hoher Anzahl in der Oberstadt gefunden und dokumentieren sowohl den phönizischen Einfluss auf die Stadt, als auch den mit den Handelskontakten verbundenen Wohlstand. Einige dieser Schnitzereien gehören in die Zeit Ahabs, die meisten entstammen jedoch der Regierungszeit → Jerobeams II. (787-747 v. Chr.). Die motivische Gestaltung ist typisch phönizisch. D.h. es finden sich Motive aus unterschiedlichen Kulturkreisen, wobei ägyptisch geprägte Bilder dominieren.

Neben den Bauten in Samaria wurden auch in → Megiddo, → Hazor und → Bethel umfangreiche Bauten aus der 1. Hälfte des 9.Jh.s v. Chr. ausgegraben, die zu der in 1Kön 22,39 erwähnten Bautätigkeit Ahabs gerechnet werden.

Die archäologischen Ergebnisse deuten – wie auch schon die Erwähnung der hohen Truppenkontingente in den Annalen Salmanassars III. – auf einen wirtschaftlichen Aufschwung unter Omri und Ahab. Verbunden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung war eine Öffnung nach außen, die sich in der archäologischen Untersuchung in den gefundenen phönizischen Kunst- und Gebrauchsgegenständen niederschlägt.

4. Historische Evidenz

Die deuteronomistische Beurteilung in 1Kön 16,29-33 spiegelt das späte Ahab-Bild der deuteronomistischen Theologie wider, die den König nach dem für sie zentralen Kriterium der Kultpolitik negativ beurteilt. Frühere Schichten der Ahab-Erzählungen bieten dagegen ein wesentlich positiveres Bild des Königs. In ihnen wird der Vorwurf, Ahab habe Jahwe verlassen, noch nicht geäußert. Vielmehr weist die Benennung seiner Kinder darauf hin, dass der Jahwe-Kult für Ahab der Hauptkult blieb, da alle drei Kinder Jahwe-haltige Namen tragen (Ahasja, Joram und Atalja). Archäologisch haben sich die in 1Kön 16,29-33 erwähnten Tempelbaumaßnahmen nicht nachweisen lassen. Doch auch wenn sich in Stratum I und II der Grabungen in Samaria keine Spuren von Tempelgebäuden fanden, ist anzunehmen, dass in der Hauptstadt des Reiches Tempelanlagen existierten. Archäologisch nachgewiesen werden konnten dagegen mehrere Gegenstände, die die phönizischen Kontakte Ahabs dokumentieren (Keramiken und Elfenbeinschnitzereien).

Wie die Elfenbeinschnitzereien, so weist auch die Truppenstärke, mit der Ahab an der antiassyrischen Koalition 853 v. Chr. teilnahm, auf den wirtschaftlichen Aufschwung, den Israel während der Regierungszeit (Omris und) Ahabs erlebte. Teil dieses wirtschaftlichen Aufschwungs war neben dem Warenhandel die Ausbeutung der ostjordanischen Gebiete. Das von seinem Vater Omri eroberte Moab blieb unter Ahab weiterhin von Israel abhängig. Die in der Mescha-Inschrift erwähnte Bedrängung Moabs (Z.5f.), deutet nicht nur auf eine militärische Aktion Omris gegen Moab, sondern auf eine Ausbeutung des Landes (vgl. den in 2Kön 3,4 erwähnten Tribut).

Neben der Ausweitung des Herrschaftsgebiets in das Ostjordanland kam es zur Zeit Ahabs zur Annäherung an den südlichen Bruderstaat Juda. Die Hochzeit des Thronfolgers Joram von Juda mit der Tochter Ahabs ist als öffentliches Zeichen Teil dieses Annäherungsprozesses. Dabei legt die Erzählung in 1Kön 22 nahe, Israel als den dominierenden Part dieses Verhältnisses zu sehen.

Ahabs Politik zielte – in Fortsetzung der Politik seines Vaters – auf eine Integration Israels in die syro-palästinische Staatenwelt. Dieses bedingte auch, dass er tolerant gegenüber kanaanäischen Kulten war, auch wenn er selber dem Glauben seiner Väter treu geblieben ist. Die Kriterien, nach denen er von den Deuteronomisten beurteilt wurde, waren zu seiner Zeit noch nicht bekannt und dementsprechend auch noch nicht gültig. Mit der Benennung seiner Kinder dokumentiert Ahab seine Verbundenheit zum Gott Israels. Gerade die Namensgebung zeigt, dass Jahwe als Familien- und Dynastiegottheit verstanden wurde. Dass Ahab neben dem Jahwekult auch kanaanäische Kulte förderte, spricht im Kontext eines multireligiösen Staates für eine ausgleichende Religionspolitik.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

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Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Jahwe erweist sich vor Ahab als wahrer Gott (1Kön 18; Holbein; 16. Jh.).
  • Abb. 2 Isebel stiftet die Ermordung Nabots an (Wenzelsbibel; 14. Jh.).
  • Abb. 3 Karte zur Lage von Samaria und Jesreel. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 4 Eine Mauer des Palastes von Samaria. Steinquader mit Spiegelschlag sind als Läufer und Binder gesetzt (Eisenzeit II). © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
  • Abb. 5 Elfenbeinschnitzereien zeugen von dem Wohlstand und dem phönizischen Einfluss in Samaria. © Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
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