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Lexikon

Adoni-Besek

Andere Schreibweise: Adoni-Bezek (engl.) ; Adonibezeq ; Adonibezec

Dominik Markl SJ

(erstellt: Juni 2011)

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Adoni-Besek ist der Name oder Titel eines kanaanäischen Herrschers, der ausschließlich in Ri 1,5-7 bezeugt ist.

1. Name / Titel

Abb. 1 Adoni-Besek wird der große Zeh abgehackt (Matthäus Merian; 17. Jh.).

Abb. 1 Adoni-Besek wird der große Zeh abgehackt (Matthäus Merian; 17. Jh.).

Adoni-Besek (hebräisch אֲדֹנִי־בֶזֶק ’ǎdonî bæzæq, griechisch Αδωνιβεζεκ) bedeutet „Herr von Besek“ und bezieht sich daher auf das Oberhaupt der Lokalität → Besek, die außer in Ri 1,4f noch in 1Sam 11,8 bezeugt ist. Grammatikalisch wäre auch die Bedeutung „mein Herr ist Besek“ möglich, wonach Besek zugleich der Name einer lokal verehrten Gottheit wäre, die sonst aber nicht bezeugt ist (vgl. Hertzberg; Groß, 121).

2. Die Erzählung in Ri 1

Während Besek als historisch realer Ort anzusehen ist und mit Chirbet Ibziq westlich des Jordan identifizierbar sein dürfte (s. Gaß, 10f und 207f; Keel, 142; ausführlich Welten), scheint der Eigenname und die Erzählung um Adoni-Besek eher fiktiv konstruiert zu sein. Nach Josuas Tod (Jos 24,29; Ri 1,1) seien die Stämme Juda und Simeon gemeinsam gegen die Kanaanäer gezogen und hätten bei Besek zehntausend Mann geschlagen (Ri 1,1-4). Der Stadtherr Adoni-Besek sei nach seiner Flucht gefangen genommen sowie an Daumen und großen Zehen verstümmelt worden (Ri 1,6). Dies verhinderte, dass der Verstümmelte jemals wieder Waffen ergreifen und in den Krieg ziehen konnte (zu vergleichbarer Praxis bei Griechen und Römern s. Gaster, 416f, 528; zu Verstümmelung im AT vgl. Lemos; im Alten Orient: Timm; → Krieg). Adoni-Besek deutet sein Schicksal als gerechte Vergeltung Gottes: „Siebzig Könige, denen die Daumen ihrer Hände und die großen Zehen ihrer Füße abgehauen waren, lasen Reste auf unter meinem Tisch.“ Er sei nach Jerusalem gebracht worden und dort gestorben (Ri 1,7).

Zahlreiche Spekulationen wurden zu einem möglichen Verhältnis des Adoni-Besek zu → Adoni-Zedek (Jos 10,1) angestellt (s. Groß, 125; Na’aman, 262). Der Name Adoni-Besek und die Erzählung in Ri 1 nehmen möglicherweise in verhöhnender Weise auf Adoni-Zedek, jene Gestalt des kanaanäischen Königs von Jerusalem aus Jos 10, Bezug und deuten diese aus.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

  • Gaß, E., 2005, Die Ortsnamen des Richterbuchs in historischer und redaktioneller Perspektive (ADPV 35), Wiesbaden
  • Gaster, T.H., 1969, Myth, Legend, and Custom in the Old Testament. A comparative study with chapters from Sir James G. Frazer’s Folklore in the Old Testament (two volumes), New York
  • Groß, W., 2009, Richter (HThK.AT), Freiburg i. Br.
  • Hamlin, E.J., 1984, Adoni-Bezek, in: Proceedings of the Eastern Great Lakes and Midwest Biblical Societies 6, 114-119
  • Han, J.H., 2009, Art. Adoni-Bezek, in: Encyclopedia of the Bible and its Reception, Bd. 1, Berlin, 378f
  • Hertzberg, H.W., 1926, Adonibezeq, in: Journal of the Palestine Oriental Society 6, 213-221
  • Keel, O., 2007, Die Geschichte Jerusalems und die Entstehung des Monotheismus (Orte und Landschaften der Bibel IV,1), Göttingen
  • Lemos, T.M., 2006, Shame and Mutilation of Enemies in the Hebrew Bible, in: Journal of Biblical Literature 125, 225-241
  • Na’aman, N., 1994, The „Conquest of Canaan” in the Book of Joshua and in History, in: I. Finkelstein / N. Na’aman (Hgg.), From Nomadism to Monarchy, Jerusalem, 218-281
  • Schley, D.G., 1992, Art. „Adoni-Bezek”, in: The Anchor Bible Dictionary 1, 74.
  • Timm, S., 2007, Wird Nebukadnezar entlastet?, in: F. Hartenstein / M. Pietsch (Hgg.), „Sieben Augen auf einem Stein“ (Sach 3,9) (FS I. Willi-Plein), Neukirchen-Vluyn, 359-389
  • Welten, P., 1965, Bezeq, in: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 81, 138-165

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Adoni-Besek wird der große Zeh abgehackt (Matthäus Merian; 17. Jh.).
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