Andere Schreibweise: Mikraot Gedolot; Mikra'ot Gedolot; Miqra'ot Gedolot

Abb. 1 Seite aus Miqraot Gedolot
Miqraot Gedolot („Große Textsammlung“) ist der Titel großer hebräischer Bibelausgaben, die mit Kommentaren jüdischer Gelehrter versehen sind. Sie werden auch „Rabbinerbibel“ genannt.
Die erste Ausgabe einer solchen ‚rabbinischen Bibel’ wurde von Daniel da Prate (Felix Pratensis) in Venedig in der Druckerei Daniel Bombergs (gest. ca. 1549/53) besorgt. Diese vierbändige Ausgabe enthielt den Text der hebräischen Bibel, den Targum sowie die Kommentare verschiedener mittelalterlicher Ausleger (Raschi; Ibn Esra; Qimchi), jedoch noch keine Masora.
Die zweite Ausgabe der Miqraot Gedolot wurde in Venedig durch Jacob ben Chajjim ben Jizchaq ibn Adoniah (ca. 1470 - ca. 1538) herausgegeben, der in Daniel Bombergs Druckerei mit dem Korrekturlesen der hebräischen Drucke betraut war. Der Text der Hebräischen Bibel wurde als Mischtext aus mehreren Manuskripten zusammengestellt („textus receptus“) und mit Masorah Parva, Masorah Magna und Masorah Finalis versehen, die Jacob ben Chajjim ebenfalls auf der Basis mehrerer Handschriften erstellte. Er verfasste auch die Einleitung in diese Bibelausgabe. Sie wurde 1667 von Claudius Capellus ins Lateinische übersetzt. Ben Chajjims Text der Masora wurde vor allem nach dem Masora-Kommentar des Jedidiah Solomon Raphael ben Avraham von Norzi vielfach korrigiert. Dieser war 1626 unter dem Titel Goder Perez verfasst worden, ist 1742-1744 in Mantua unter dem Titel Minchat Shai erschien und wurde späteren Ausgaben der Miqraot Gedolot beigegeben.
„Die“ Ausgabe der Miqraot Gedolot existiert nicht, keine Ausgabe gleicht der anderen in der Auswahl ihrer Kommentare. So wurde beispielsweise David ben Salomos (zwischen 1675 und 1714) Kelale ha-Diqduq (‚Prinipien der Grammatik’) in der Ausgabe „Miqraot Gedolot, Venedig 1675-1678“ gedruckt, findet sich aber in den späteren Ausgaben nicht mehr. Auch der Kommentar des Jesaja ben Elijah di Trani (gest. c. 1280) mit dem Titel Perusch Rabbenu Jeschajah ist längst nicht in allen Ausgaben der Miqraot Gedolot gedruckt worden. Der Buchdrucker Moses Frankfurter (1672-1762) brachte eine Ausgabe der Miqraot Gedolot heraus (Amsterdam 1724-27), der er nicht nur eine Reihe bislang unpublizierter Kommentare, sondern auch seinen eigenen Kommentar (Kehillat Mosche) beigab.
Die am meisten verbreitete traditionelle Ausgabe der Miqraot Gedolot ist die Ausgabe Warschau 1860-66 (Nachdruck: Jerusalem 1958). Daneben existieren heute mehrere halbkritische Ausgaben der Miqraot Gedolot nebeneinander: Unter dem Titel Torat Chaim. Chamischa Chumsche Tora brachte M.L. Katzenellenbogen 1986-1993 eine 7bändige Ausgabe heraus. Sie enthält die gängigen Kommentare der Ausleger, die ihrerseits auf kritischen / halbkritischen Ausgaben basieren. Die von M. Cohn herausgegebene Ausgabe Miqraot Gedolot ha-Keter (1992-2003) umfasst bis heute erst die Bücher Gen, Jos/Ri; 1/2 Sam; 1/2 Kön; Jes; Ez; Ps).
Vor allem folgende Kommentare wurden in den Miqraot Gedolot abgedruckt:
Raschi = Rabbi Schelomo Jizchaqi (1040-1105; Troyes)
Avraham Ibn Esra (1089-1167; Spanien / Italien)
Raschbam = Rabbi Schemuel ben Meir (1080-1160; Enkel von Raschi)
Ramban = Rabbi Mosche ben Nachman = Nachmanides (1194-1270; Gerona)
Radaq = Rabbi David Qimchi (1160-1235)
Jesaja ben Elijah di Trani (gest. c. 1280)
Rabbi Josef Qara (geb. ca. 1050-1125)
Josef (Ibn) Kaspi (1278-1340; Provence)
Ralbag = Rabbi Levi ben Gerschon = Gersonides (1288-1344; Südfrankreich)
Außerdem wurden in den Miqraot Gedolot abgedruckt:
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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