
Tabellenvorschau.
Die beiden Samuelbücher schildern den Geschichtsablauf von der Geburt des letzten Richters, → Samuel, der das → Königtum in Israel einführt, über den ersten israelitischen König → Saul zu → David bis kurz vor dessen Tod. Es ergeben sich um diese drei Figuren angeordnete Überlieferungsblöcke.
Tabelle: Bibelkundlicher Überblick über die Samuelbücher

Abb. 1 Samuel wird von seiner Mutter Hanna dem Priester Eli am Tempel von Silo übergeben (1Sam 2); Psalter des Heiligen Ludwig (13. Jh.)
Die Intention der Samuelbücher als Geschichtsschreibung wird kontrovers diskutiert. Besonders die deutschsprachige Forschung des 20. Jh.s hob hervor, dass die Samuelbücher Geschichtsereignisse nicht auf direkten göttlichen Einfluss zurückführen (von Rad 1944) und dass in der Erzählüberlieferung deswegen eine zuverlässige geschichtliche Quelle für Geschehnisse der David- bzw. Salomozeit vorliege. Dem hielt man entgegen, dass es sich bei den Erzählungen der Samuelbücher lediglich um Unterhaltungsliteratur ohne jede Bedeutung für die israelitisch-judäische Königszeit handele (Gunn 1978; van Seters 1983, 287).
Während die Intention der Samuelbücher insgesamt und ihrer einzelnen Unterabschnitte noch weiterer Klärung bedarf, wird die Tendenz ihrer Geschichtsdarstellung zumeist als projudäisch / prodavidisch bestimmt. Dies lässt sich bereits in einer vordeuteronomistischen Stufe der Samuel- und → Königsbücher nachweisen; lediglich einige späte Überlieferungen weichen ab (2Sam 12; ; 2Sam 24).
Ausgehend von der projudäischen / prodavidischen Haltung ergibt sich das Verständnis der Samuelbücher als Quellen der israelitisch-judäischen Geschichte. Die Rekonstruktion der Redaktionsgeschichte der Samuelbücher zeigt, dass ihre Erzählungen keine unmittelbaren Zeugnisse für die Zeit Davids oder Salomos sind. Die Ebene, auf der die Geschichte spielt (die Lebenswelt der Erzählung) unterscheidet sich, wie bei den meisten Erzählungen, von der Zeit des Erzählers. Geht man davon aus, dass die Gesamtkomposition der Samuelbücher unter Verwendung älterer Überlieferungen im 8. bis 7. Jh. v. Chr. entstanden ist, legt sich nahe, dass die Erzählungen sich mit dem israelitischen und judäischen Königtum davor und zu dieser Zeit beschäftigen; spätere Ergänzungen haben Verhältnisse ihrer jeweiligen Zeit bis ins 3. bis 2. Jh. v. Chr. im Blick.
Als Gegenstand der Samuelbücher können die beiden Staaten Juda und Israel und ihr Verhältnis gelten, wobei sich die in den folgenden Gliederungspunkten genannten Unterthemen bestimmen lassen.
Die Samuelbücher beschreiben Juda als geographische Größe plastischer und differenzierter als Israel, indem sie Kernbereiche und Peripherie unterscheiden: Davids Herkunft aus Bethlehem (1Sam 16) wird von seinem früheren Herrschaftsgebiet in der Gegend um Hebron () und der Errichtung seiner Dynastie in Jerusalem (2Sam 5) unterschieden. Die Fluchtgeschichten, in denen Saul den judäischen König im südlichen Juda verfolgt, setzen Kenntnisse der Orte und der Landschaft des südlichen Grenzverlaufs voraus (1Sam 23: Keilah; 1Sam 24: En-Gedi; 1Sam 26: Zif). Dürfte den Verfassern Juda daher vertrauter gewesen sein als Israel, so identifizieren sie sich offensichtlich mit dem von Saul verfolgten David und spiegeln in dieser Figurenkonstellation die Übergriffe des israelitischen Königs auf Juda. Die wiederholt erzählten Übergriffe lassen auf einen längeren Zeitraum der Verfolgung Judas durch Israel schließen.

Abb. 2 Samuel salbt Saul (1Sam 10); Holbein (16. Jh.)
Rücken die Saul-David-Erzählungen das Verhältnis zwischen beiden Staaten ins Zentrum der Geschichtsdarstellung, so beschreiben die Samuel-Saul-Erzählungen die Verhältnisse in Israel. Der Zeit vor bzw. nach der Dynastie der Sauliden werden die Erzählungen von der von den Philistern eroberten Lade (1Sam 4-6; 2Sam 6) zugeordnet. Juda als geschichtliche Realität kommt in den Samuel-Saul-Erzählungen nicht vor. Insgesamt entwerfen diese (zusammen mit den Saul-David-Erzählungen) ein problematisches Bild von den Zuständen in der ersten israelitischen Dynastie, die aufgrund innerer Schwierigkeiten am Hof Sauls (vgl. 1Sam 18-20) und damit letztlich an Saul (vgl. 1Sam 16; 1Sam 15 und ) scheitert. Äußerlich wird dies am Sieg der militärischen Übermacht der Philister deutlich (1Sam 31), die der spätere judäische König bezwingen kann (.).
Die Samuelbücher verarbeiten auf unterschiedlichen Ebenen Überlieferung, die prophetischen Kreisen entstammt. Die Erzählungen kennen unterschiedliche prophetische Rollen der Figuren. Als Hofpropheten werden → Nathan (1Sam 10-12; 1Kön 1-2), → Gad ( als Berater Davids) und Samuel gezeichnet, der zum König designiert und salbt (; ) und den judäischen gegen den israelitischen König schützt (). Den Gegensatz zwischen dem israelitischen König und dem Propheten spiegeln 1Sam 15; ; , aber auch die deuteronomistischen Ausführungen in 1Sam 8 und 1Sam 12. Die stärkste Ausweitung des prophetischen Amtes im Alten Testament auf das des Priesters und Richters / Königs, zeigt sich in der Gestalt des Samuel (1Sam 7). Entstehungsgeschichtlich wird die Samuelüberlieferung unterschiedlich beurteilt. In einigen dieser Texte (; 1Sam 11; 1Sam 13-14; 1Sam 15?; 1Sam 28) wurde Samuel offensichtlich erst nachträglich eingefügt. Die ältesten Überlieferungen von ihm liegen in 1Sam *1-2 und vor (vgl. Dietrich 2004, 823-824).
Durch die Überlieferungskreise um Samuel, Saul, David (und Salomo) laufen von diesen unabhängige thematische Fäden.

Abb. 3 Samuel salbt David (1Sam 16); Wandmalerei in der Synagoge von Dura Europos (3. Jh.)
Die Thronfolge bzw. die judäische Dynastiebildung in ihrer Frühzeit ist ein Hauptthema der Geschichtsüberlieferung, das die um den Absalomaufstand in 2Sam 15-19 als Kernbestand wachsende Überlieferung ebenso wie die Samuel-Saul- und die Saul-David-Erzählung in ihrer Kontrastierung der Protagonisten entfaltet.
Die juridische Thematik der Tötung mit und ohne Vorsatz, der Legitimität von Rache (vgl. nur ; ; ) wird unter anderem an der Figur des Joab entfaltet. Staat und Gottesherrschaft als grundsätzliches Thema greifen besonders die deuteronomistischen Abschnitte in der Zuspitzung zur Konfrontation zwischen König und Prophet bzw. einem Gegensatz zwischen Gottes- und Königsherrschaft auf (1Sam 8 und 1Sam 12; vgl. 1Sam 15; ; ).
Als narrative Geschichtsschreibung sind die Samuelbücher entsprechenden altorientalischen Geschichtsdarstellungen, aber auch der griechischen Geschichtsschreibung verwandt (→ Geschichte / Geschichtsschreibung).
Anfang des 20. Jahrhunderts erhob man die Besonderheiten der narrativen Passagen der Samuelbücher (besonders der → Thronnachfolgegeschichte in der Abgrenzung von Rost 1926) durch einen Vergleich mit der griechischen Geschichtsschreibung, auf deren Formparallelen Rost hingewiesen hatte.
Vielzitiert und häufig rezipiert in der alttestamentlichen Forschung ist die Auffassung des Historikers E. Meyer (1906, 486): „Es ist etwas Erstaunliches, dass eine derartige Geschichtsliteratur damals in Israel möglich gewesen ist. Sie steht weit über allem, was wir sonst von altorientalischer Geschichtsschreibung wissen, über den trockenen offiziellen Annalen der Babylonier, Assyrer, Ägypter, über den märchenhaften Geschichten der ägyptischen Volksliteratur. …. So hat sie ihr Analogon einzig und allein auf griechischem Boden: von Anfang an stellt sich mit ihr die israelitische Kultur, allein von allen anderen, in der Tat als geistig gleichberechtigt neben die griechische.“
Die Daviderzählungen des zweiten Samuelbuches verdanken ihre forschungsgeschichtlich prominente Stellung im Bereich der Historiographie besonders diesem Vergleich mit Texten der griechischen Antike. Meyers Versuch einer sachadäquaten Verhältnisbestimmung zwischen altisraelitischer und griechischer Historiographie, der die Fachwelt bis in die jüngste Zeit prägt, ist jedoch aus mehreren Gründen zu hinterfragen.
Meyers kulturelle Wertung der alttestamentlichen Überlieferung im Bezug zur griechischen muss nach heutigem Erkenntnisstand aus mindestens zwei Gründen revidiert werden. Zum einen liegt ihr ein für alle Kulturen als gültig erachtetes Entwicklungsmodell für die Geschichtsschreibung zugrunde. Solche kulturgeschichtlichen Wertungen verstellen oder verengen häufig den sachadäquaten Blick auf die Zeugnisse antiker Nachbarkulturen. So steht das Geschichtsbewusstsein im mesopotamischen Kulturraum dem von Syropalästina im ersten Jahrtausend in nichts nach (Gese 1974).
Darüber hinaus haben sich die Rahmendaten der Verhältnisbestimmung der altisraelitischen und der griechischen Geschichtsschreibung allein aufgrund der zeitlichen Einordnung der Überlieferungen der Samuelbücher geändert.
Für das Geschichtswerk der frühen Königszeit geht man von einer Entstehung im 8. bis 7. Jh. aus, unter Verarbeitung älterer, z. T. noch aus der frühen Königszeit stammender Überlieferungen (Dietrich 1997, 267). Kratz (2000, 187-188) nimmt eine um 722 v. Chr. entstandene vordeuteronomistische Komposition an (1Sam 1 bis 2Sam 5, bzw. 1Sam 1 bis 1Kön 2), die Saul und David in 1Sam 16 - 2Sam 5 (8-10) zusammenbringt und darauf in 2Sam 11 - 1Kön 2 die Salomozeit folgen lässt.
Die zwischenzeitlich erheblich vorangeschrittene Erforschung antiker Nachbarkulturen erfordert eine Reformulierung des Verhältnisses zwischen den Erzählungen der Samuelbücher und der griechischen Geschichtsschreibung. Während beide in ihrer Datierung näher zueinander gerückt werden, bleibt der Unterschied zwischen der griechischen Geschichtsschreibung durch einzelne Historiker und der anonymen Traditionsliteratur Israels hervorzuheben (Blum 2000, 4-14).
Ihren Namen erhielten die Samuelbücher aufgrund der Notiz In der rabbinischen Tradition vermutet man aufgrund dieser Erwähnung Samuel oder Samuel, Nathan und Gad als Verfasser der Bücher.
Die Samuelbücher bilden in der hebräischen Bibel zusammen mit den Königsbüchern ein Buch. Die Trennung von den Königsbüchern drang, ebenso wie die Zweiteilung der Samuelbücher erst nach 1448 aus der → Septuaginta (LXX) in die hebräischen Handschriften ein. LXX und Vulgata zählen 1Sam bis 2Kön als Buch 1-4 der Königsherrschaften (βασιλεῶν). Die Abtrennung der Samuel- von den Königsbüchern kann sich daher textgeschichtlich nicht auf die antiken Tradenten der hebräischen Textfassung berufen. Für die Zusammengehörigkeit mit den Königsbüchern spricht auch die Kontinuität in der dargestellten Handlung; 1Kön 1-2 setzen die Daviderzählungen fort. Die Trennung der Samuel- von den Königsbüchern nach der Schlussmasora kann allerdings als durch den bereits in den Qumran-Handschriften belegten Nachtrag 2Sam 21-24 motiviert sein.
Der griechische Text der LXX ist kürzer als der Masoretische Text (MT). Das Verhältnis der beiden Versionen zueinander wird in der Forschung diskutiert. Der längere MT dürfte sich im Wesentlichen aus dem kürzeren der LXX entwickelt haben.
Doppelungen und Mehrfachüberlieferungen (vgl. Davids doppelte Einführung bei Saul in und ; der dreimalige Speerwurf, (nur MT); und ; Davids zweimaliger Aufenthalt bei Achisch und u.v.a.) führten zur Annahme zweier durchlaufender Quellen, aus denen die Samuelbücher schöpften. So erwog man im Gefolge von Rost 1926 die Annahme großer selbständiger Unterquellen (Thronfolgegeschichte, Aufstiegsgeschichte; zu Eigenart und Entstehung der Geschichte von Davids Aufstieg, Weiser 1966; zur Forschungsgeschichte vgl. Dietrich / Naumann 1995, 47-119, bes. 66-79). Diese Vermutung fand mit Noths Hypothese einer exilischen deuteronomistischen Redaktion (→ Deuteronomistisches Geschichtswerk) weite Verbreitung und wurde durch eine Theorie redigierter Dokumente eines „Geschichtswerks der frühen Königszeit“, das aus Sagenkränzen um Samuel und Saul, die Lade, David und Salomo entstanden ist, modifiziert (Dietrich 1997, 229-273; vgl. Kratz 2000, 161-193 mit einer gemeinsamen Entstehungsgeschichte der Samuel- und der Königsbücher). Die Erkenntnis über redaktionelle Bearbeitungen in 1Sam und 2Sam höhlt die Rost’sche Entstehungstheorie der Samuelbücher aus (Cook 1899/1900; Würthwein 1974; Langlamet 1982, bzw. Bietenhard 1998, 218-228).
Die gegenwärtigen Erklärungen der Entstehung zeigen bei allen Unterschieden zwei Tendenzen. Zum einen nimmt man verstärkt eine gemeinsame vordeuteronomistische Entstehungsgeschichte der Samuel- und der Königsbücher an. Zum anderen veranschlagt man die Rolle der Deuteronomisten bei der Zusammenführung der Überlieferung der Samuel- und der Königsbücher insgesamt geringer als im Deuteronomistischen Geschichtswerk Noths. Anstelle großer vom Deuteronomisten eingefügter Quellenwerke (→ Thronfolgegeschichte, → Aufstiegsgeschichte Davids) rechnet man zumeist mit kleineren Abschnitten. Das Verhältnis von Quellenmaterial im Verhältnis zu redaktioneller Überarbeitung wird kontrovers beurteilt. Während Einigkeit bezüglich der spätdeuteronomistischen Anteile der Überlieferung besteht, etwa in den Reden (1Sam 8; 1Sam 12; jedoch mit Zuschreibung zu unterschiedlichen deuteronomistischen Sprachstufen, vgl. Nentel 2000), erwägt die Forschung der letzten drei Jahrzehnte zunehmend nicht-deuteronomistische redaktionelle Bearbeitungen bzw. Fortschreibungen innerhalb der Erzählüberlieferung (→ Erzählende Gattungen).
Die am häufigsten verwendete Gattung der Samuelbüchern ist die Erzählung, häufig mit einem hohen Anteil an direkter Rede. Formal und inhaltlich sind Unterformen erkennbar. Das Verständnis der Erzählfiguren und die spezifischen Aussageleistungen als Geschichtsschreibung variieren.
Die Erzählüberlieferung besonders der Davidgeschichten der Samuelbücher, die die Forschung zunächst als Novelle einordnete (vgl. B. Luther 1906), ist zugunsten einer Einordnung ausgehend von der Entwicklung einer Königsüberlieferung der Samuelbücher von den kurzen Notizen der Rahmenformulierungen der Königsbücher (auch Königsschema genannt) zu ersetzen. Es lassen sich unter anderem die (Makro-)Gattungen einer Hofgeschichte und der Vita aufzeigen.
Hofgeschichte: Die Saul- und die Daviderzählungen beschreiben Ereignisse am israelitischen bzw. judäischen Hof um Saul, David und Salomo.
Vita: Die Überlieferungen von Samuel, Saul und David sind als Viten dieser Könige biographisch angeordnet, die jeweils das Ganze des Lebens überblicken. Sie enthalten Jugendgeschichten mit proleptischen Ereignissen (Samuel: 1Sam 1-3; Saul: ; David: 1Sam 16-18), Erzählungen von den Königen als reifen Männern (Samuel: ; Saul: 1Sam 11-15; 1Sam 18-24; 1Sam 26; ; , David: 1Sam 25; ; 1Sam 29; 1Sam 30; 2Sam 1 bis 1Kön 2) und sie erwähnen jeweils den Tod der Protagonisten (Samuel: ; ; Saul: 1Sam 31; David ).
Einzelabschnitte der Überlieferung werden ins Verhältnis zu altorientalischen Gattungen gesetzt. In den kleineren Erzählwerken der Thronfolgegeschichte und der Geschichte vom Aufstieg Davids erkannte man Parallelen zur altorientalischen Literatur, insbesondere zur autobiographischen Literatur, wie der hethitischen Apologie des Hattusilis und der biographischen Erzählung des Idrimi von Alalah.

Abb. 4 David und Saul; Lucas van Leyden (1494-1533)
Die Erzählfiguren Samuel, Saul, David sind nicht nur Individuen, sondern vor allem Repräsentanten ihrer Institutionen, der (judäischen) → Prophetie, des judäischen bzw. israelitischen → Königtums. Sie agieren als Figuren in Erzählungen über die frühen israelitischen und judäischen Könige und stehen als solche im Zusammenhang weiterer Überlieferungen über Könige Israels und Judas aus der späteren Königszeit. Bei der Interpretation der Erzählfiguren, sind die Konstellationen zu beachten. Besonders deutlich zeigen sich diese in der durchgängigen Gegenüberstellung Sauls zu David (J. Klein 2002), aber auch in der kritischen Haltung des Propheten Samuel gegenüber Saul.
Die Erzählung als Form der → Geschichtsdarstellung der Königszeit in Israel und Juda transportiert bestimmte Inhalte. Anders als chronologische Notizen sind die Ereignisse der Erzählungen nicht zeitlich verortet, sondern spielen in einer nicht präzise datierten Epoche des frühen Königtums. Indem sie historische Personen auftreten lassen und einzelne Handlungen sowie Motivationen und Entscheidungen beschreiben, entsteht der Eindruck, die Erzählungen wollten den Charakter von Individuen darstellen. Die Betrachtung einzelner Figuren hat jedoch gezeigt, dass diese aufgrund außerhalb der Erzählung selbst liegender Zusammenhänge mit einer bestimmten Tendenz dargestellt werden. So begründet die Ausgestaltung der Figur Joabs in den Erzählungen die Verweigerung seines Asyls am Altar in . Ein Redaktor der Erzählung verstärkt die Begründung für die Verweigerung des Altars am Asyl, indem er zusätzlich willentlich begangene Tötungen Joabs einführt (: Absalom; : Amasa; vgl. Würthwein 1974). Die genaue Intention der Erzählungen bei der Beschreibung von Charakteren muss daher von Fall zu Fall ermittelt werden.
In der Motivik der Samuelbücher sind die Themen der dynastischen Sukzession und deren Unterbrechung durch eine Usurpation von besonderer Bedeutung. Diesem inhaltlichen Schwerpunkt kann man die Erzählungen um die Schwierigkeit der Thronfolge Davids zuordnen, wie Rost aufgezeigt hat. Dynastie und Usurpation sind jedoch nicht auf diesen Textbereich beschränkt. Auch die Erzählungen von Saul und seiner abgebrochenen Dynastie im ersten und zweiten Samuelbuch sind der Frage nach dem Nachfolger des Königs verpflichtet.
1. Angaben zur Regierungszeit. In Analogie zu den Rahmenformulierungen der Königsbücher finden sich Regierungszeitangaben mit Regierungsdauer, Begräbnisnotiz (und teilweise Residenz). Diese Notizen und Berichte bilden nicht die literarische Grundlage für die Entstehung der Samuelbücher, denn sie finden sich nur vereinzelt. Teils sind sie nachgebildet, wie z.B. die umstrittene Angabe zu Sauls Regierungszeit in (2 Jahre MT, fehlt in LXX), die ebenso wie die Nennung des israelitischen Herrschaftsgebietes der Sauliden (vgl. besonders ) einer Wertung über die jeweiligen Könige entspringt.

Abb. 5 Sauls Tod; Pieter Brueghel der Ältere (ca. 1525-1569)
2. Genealogien bzw. Angaben zu Frauen und Nachkommen. Genealogische Angaben finden sich in den Samuelbüchern zu Saul und David.
Ferner finden sich Bezeichnungen von Erzählfiguren mit Patronym oder Matronym („Sohn der Zeruja“ ; .; ; ; ; .; ; ; .; ; . und ; .).
Listen (vgl. z.T. auch bereits unter 6.2) finden sich an folgenden Stellen:
Für die Heldenlisten finden sich keine vergleichbaren Formen in der israelitischen Überlieferung. Diese werden zumeist als Quellen der Samuelbücher verstanden.
Als poetische Texte im Samuelbuch finden sich folgende Abschnitte:
Die poetischen Texte haben unterschiedliche Funktionen für ihren Erzählkontext. Davids kurzes Siegeslied hat in den Erzählungen eine wichtige Bedeutung für die Handlungsabfolge. Die Klage um Abner ist als Ausdruck der Unschuld Davids für die Motivik der Erzählungen von Bedeutung. Die poetischen Texte im Anhang 2Sam 21-24 sind unabhängig von Einzelerzählungen und innerhalb des Kontextes von 2Sam 21-24 als Mittelglieder einer chiastischen Struktur zu lesen mit Anspielungen auf verschiedene literarische Ebenen der Samuelbücher. Im Buchkontext bilden das Danklied der Hanna ( mit Elementen der Armenfrömmigkeit), und das Lied Davids ; bzw. einen Rahmen.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
Derzeit sind Sie als Gast auf den Seiten von WiBiLex unterwegs. Um das Lexikon in vollem Umfang nutzen zu können (z.B. Artikel drucken und durchsuchen, Bilder vergrößert anzeigen), melden Sie sich bitte mit Ihrem Benutzer-Namen an oder registrieren Sie sich kostenlos als neue/r Nutzer/in.
Wenn Sie bereits auf www.die-bibel.de registriert sind, können Sie sich ohne weitere Registrierung mit den gleichen Benutzerdaten auch bei WiBiLex anmelden!