Der Personenname Amazja stammt aus dem Hebräischen und ist in zwei Varianten überliefert:
Von Amazja, Sohn des → Joasch, König von Juda, wird in und berichtet. Der Bericht von 2Kön 14 scheint im Kern historisch verlässlich zu sein, auch wenn er literarisch überarbeitet wurde (Würthwein) und manche Ereignisse auf Grund fehlender Hintergrundinformationen merkwürdig erscheinen. Demnach dürfte Amazja im Jahre 824 geboren worden sein und von 800-786 als König über Juda und Jerusalem geherrscht haben.
Erwähnt wird erstens (), dass er die Söhne der Mörder seines Vaters Joasch am Leben ließ, was vom deuteronomistischen Autor des Berichts mit Verweis auf , wo Sippenhaft ausgeschlossen wird, positiv gewürdigt wird. Zweitens () kämpfte er gegen die → Edomiter und konnte die Stadt Sela erobern, die er in Jokteel umbenannte. Drittens () brach er, ohne dass ein Grund dafür genannt würde, einen Kampf gegen den Nordreichskönig → Joasch vom Zaun. Amazja hat sich nach seinem Erfolg über die Edomiter vermutlich so stark gefühlt, dass er die umstrittene Grenzstadt → Bet-Schemesch dem Reich Juda eingliedern wollte. Trotz der höhnischen Warnung des Joasch von Israel, der seine Überlegenheit über das Südreich in einer kleinen Fabel mit derjenigen einer → Libanon-Zeder über einen → Dornstrauch vergleicht (), begann Amazja den Kriegszug, wurde jedoch geschlagen und gefangengenommen. Joasch führte einen Gegenschlag durch, eroberte Jerusalem, plünderte den Tempel- und den Königsschatz und riss ein Stück der Nordmauer ein. So kommt Amazja die unrühmliche Rolle zu, durch seine Selbstüberschätzung zwei einmalige Dinge provoziert zu haben: Es war das einzige Mal, dass ein judäischer König von einem Nordreichskönig gefangen genommen, und das einzige Mal, dass Jerusalem vom Nordreich erobert wurde. Viertens wird berichtet (), dass Amazja, mindestens 15 Jahre nach diesen Ereignissen, einer Revolte zum Opfer fiel, deren Gründe im Dunkeln bleiben. Amazja konnte noch nach → Lachisch fliehen, wurde aber dort ermordet. Bestattet wurde er jedoch, anscheinend ehrenvoll, in Jerusalem.
Jepsen (38) hat die These aufgestellt, Amazja sei nach seinem misslungenen Feldzug abgesetzt und sein Sohn → Asarja / Usija als Regent eingesetzt worden. Nach 15 Jahren habe er dann versucht, die Macht wieder zu erlangen, was zu seiner Ermordung geführt habe. Diese These muss jedoch zuviel in die mageren Angaben des Textes hineinlesen (Würthwein 373).
In der Notiz wird Amazja eingeschränkt positiv bewertet, insofern er „tat, was JHWH wohlgefiel, doch nicht wie sein Vater David“. Insbesondere wird ihm der stereotype Vorwurf gemacht, er habe den Kult an den Höhenheiligtümern nicht unterbunden.
Der Bericht der → Chronik schmückt den Bericht von 2Kön 14, der mit nur geringfügigen Änderungen übernommen wird, mit zusätzlichen Episoden aus, die deutlich machen sollen, dass Amazja zunächst als JHWH-treuer König begann, weshalb er im Rahmen seines Edom-Feldzuges auf den Rat eines namenlosen Gottesmannes hörte (), dann aber von JHWH abfiel, indem er die eroberten Götterstatuen der Edomiter anbetete (). Auf den daraufhin von JHWH gesandten Propheten hörte Amazja dann nicht mehr (), weshalb er im Kampf gegen den Nordreichskönig Joasch eine vernichtende Niederlage erlitt. So wird nachträglich, und sehr wahrscheinlich ohne dass sich der Chronist auf zusätzliche Quellen stützen konnte, die Eroberung Jerusalems als Strafe für den Abfall von Gott und den Ungehorsam gegenüber einem Propheten erklärt.
Von dem Priester Amazja wird nur in berichtet. Die Angaben über ihn sind spärlich. Gleich bei seiner ersten Nennung wird er als „der Priester von → Bethel“ () bezeichnet. Die Determination spricht dafür, dass er am dortigen Heiligtum eine hervorgehobene Stellung hatte. Vermutlich war er der Oberpriester. Auf jeden Fall fällt es in seinen Zuständigkeitsbereich, dem König, als dem Herrn des Staatsheiligtums, Meldung über staatsfeindliche Umtriebe daselbst zu machen. Diese Meldung enthält zwei Teile: Zum einen legt er dem König in eigenen Worten seine Einschätzung dar, dass die Tätigkeit des → Amos einer Verschwörung
Nachdem Amazja den Boten zum König abgeschickt hat, wendet er sich Amos zu. Da nicht erzählt wird, dass Amazja vom König eine Antwort erhalten hat, ist vorausgesetzt, dass er die folgende Rede an Amos () in eigener Autorität gesprochen hat. Meist wird sie als formale Ausweisung des judäischen Sehers Amos in sein Herkunftsland verstanden, da Amazja aber agiert, ehe die Antwort des Königs eingetroffen ist, dürfte es sich eher um einen gut gemeinten Ratschlag an Amos handeln. Amazja bestreitet Amos weder seine prophetische Sendung, noch sein Recht öffentlich aufzutreten; er legt ihm lediglich nahe, dass er in Juda gefahrlos sein Brot essen könne (), wohingegen er sich ausmalen könne, was ihn am Königstempel des Nordreichs erwarte.
Dieser diplomatische Versuch des Amazja, den unliebsamen Judäer los zu werden, ohne dessen göttliche Sendung in Frage zu stellen, wird allerdings von Amos äußerst scharf abgewiesen (). Amazja stelle sich gegen den Willen JHWHs, der ihm ausdrücklich aufgetragen habe, sich an das Nordreich Israel zu wenden. Der Vorwurf, gegen den König zu agitieren, spielt in Amos’ Antwort dagegen keine Rolle. Dann richtet Amos eine schreckliche Strafansage gegen die Familie des Amazja (): Dessen Frau wird in der Stadt Hurerei treiben, Söhne und Töchter werden im Krieg sterben, der Landbesitz der Familie wird, vermutlich von den militärischen Eroberern, anderen zugeteilt werden und Amazja selbst wird im Exil, im unreinen Land sterben. Damit endet die Episode, ohne dass man erfährt, wie die Beteiligten sich weiter verhalten haben.
Für diejenigen, die die Episode, vermutlich unter Veränderung einiger weniger Formulierungen, in den Visionenzyklus eingebaut haben, war aber offensichtlich, dass sich die Drohungen gegen Amazja, das Königshaus und das Nordreich, im Rahmen der assyrischen Eroberung Israels erfüllt haben. Damit war Amos als wahrer Prophet erwiesen.
Weitere → Redaktoren haben zudem angenommen, dass Amos trotz seiner scharfen Antwort an Amazja nach Juda gegangen ist. So dürfte die Nennung des Zion in und des judäischen Königs Usija in erklärbar sein.
Die Historizität des Vorfalls und damit auch die des Priesters Amazja wird gelegentlich bestritten (Levin 310; Gertz 157). Die gesamte Szenerie spricht aber sehr für deren historische Glaubwürdigkeit (Riede 293-294). Wer sollte z.B. später erfunden haben, dass es Amos ablehnt, ein „Prophet“
Die Auseinandersetzung zwischen Amazja und Amos wurde für die Tradenten der Amosüberlieferung insbesondere deshalb wichtig, weil Amazja den königskritischen Aspekt der Botschaft des Amos erspürt hatte. Historisch gesehen hat Amazja Amos, bewusst oder unbewusst, missverstanden, aber für die Tradenten hatte Amazja aufgedeckt, dass auch Amos genauso wie Hosea das Nordreichskönigtum als gottvergessen abgelehnt hat. Die Tradenten untermauerten dies noch dadurch, dass sie den Vers einfügten und so dem Amos ein Wort in den Mund legten, auf das sich die Zusammenfassung der Botschaft des Amos durch Amazja in stützen konnte (Jeremias 112; Schart, 88.115).
Die ganze Episode erklärt, wenn man sie in ihrem literarischen Kontext der Abfolge der fünf Visionen liest, in den sie durch wörtliche Aufnahme ganzer Phrasen verwoben ist (Jeremias 107), warum Amos in der dritten → Vision (), im Gegensatz zu den ersten beiden Visionen, keine → Fürbitte für Israel mehr leistet, und JHWH an Israel nicht mehr schonend vorüber geht (Jeremias 107). Amos konnte nicht mehr Fürsprache leisten, weil die führenden Repräsentanten Israels, nämlich König und Priester, zusammenwirkten, um ihm in Bet-El das Wort zu verbieten. Weil Amazja Amos „nicht mehr länger“ prophezeien lässt (), darum kann JHWH „nicht mehr länger“ Geduld üben (; ; Jeremias 108). Amazja gebührt deshalb nach Meinung der Amosschrift die unrühmliche Rolle, mit seinem Verhalten den Untergang des Nordreichs besiegelt zu haben.
Diese Rolle dürfte der Grund sein, warum mit der Wurzel des Namens Amazja zweimal in der Amosschrift gespielt wird: In . wird bei der Beschreibung der kommenden militärischen Niederlage Israels zweimal die Wurzel
Am Beispiel der Auseinandersetzung zwischen Amazja und Amos wurde erstmals in der Schriftprophetie Israels der Grundkonflikt zwischen Priester und Prophet erzählerisch entfaltet. Dabei hat sich für die Amosschrift das Gotteswort der institutionell ungebunden auftretenden, intuitiven Einzelgestalt gegenüber dem offiziellen, im Interesse des herrschenden Königs agierenden Amtsinhabers bewahrheitet.
In wird im Rahmen der Aufzählung der Geschlechter des Stammes Simeon ein Amazja als Vater von Meschobab, Jamlech und Joscha genannt.
Eine weitere Person namens Amazja wird in als Vater von Haschabja und Sohn von Hilkija genannt. Nach der Vorstellung der Chronik gehört er zur → Etan-Familie, einer der drei levitischen Familien, die → David als Sänger eingesetzt hatte und die seit → Salomo dieses Amt am Jerusalemer → Tempel wahrnahmen.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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