
Abb. 1 Karte.
Ai wird im Hebräischen immer mit Artikel gebraucht
Mit dem ‘Ajjāh in der Siedlungsliste des Hauses Joseph in muss eine andere Stadt gemeint sein, ein nördlich, bei Sichem zu suchender Grenzort. Dass der Name mehrfach belegt ist, darf angesichts seiner Bedeutung nicht überraschen (vgl. Ai in Ammon und das häufige Vorkommen von arab. et-Tell; Grintz, 1961, 208).

Abb. 2 Karte: Das Gebiet nördlich von Jerusalem.
Ai wird mit dem 3km südöstlich von → Bethel am Süd-Rand des Wādī el-Ğāja gelegenen et-Tell identifiziert (Koordinaten: 1747.1472; 31°55’00'' N / 35°15’40'' O). Dafür sprechen der Name – auch et-Tell bedeutet „der Trümmerhügel“ – sowie die alttestamentlichen Angaben. Nach ihnen lag Ai östlich von Bethel und südlich eines Tals (; ; ). Da östlich von Bethel nur auf et-Tell vorhellenistische Keramik gefunden wurde, dürfte et-Tell Ai gewesen sein.
Von dem 850m ü.N.N. gelegenen Ort kann man nach Osten bis ins Jordantal blicken und damit die Straße von → Jericho ins Landesinnere beherrschen. Mit „Brüchen“ und „Abhang“ dürften in der von Ai aus sichtbare Felssturz Qurnet Šaḥtūra gemeint sein, der gut 1km östlich beginnt, sich über 1km in West-Ost-Richtung erstreckt und den Abstieg zum Jordangraben markiert (Rösel, 1975, 159-171).
Auch Chirbet Chajjān und Chirbet el-Ḥudrīja sind für die Identifizierung mit Ai vorgeschlagen worden, nachdem man bei Surveys einige Scherben der Frühen und Mittleren Bronzezeit sowie der späten Eisenzeit gefunden hatte. Die Grabungen der 1960er Jahre erwiesen die Orte jedoch als Siedlungen der hellenistischen, römischen, byzantinischen und omajjadischen Zeit (Callaway, BASOR 198 [1970] 8-12).
Chirbet Chajjān (Chirbet Chajjan; Koordinaten: 1756.1458; 31°54’08'' N / 35°16’11'' O) liegt am Süd-Rand von Dēr Dibwān (dem Dargebaam oder Dargiboan der Kreuzfahrer) in einer flachen Mulde mit unübersichtlichen Mauerzügen und zwei Brunnen. 1966 wurde hier im Rahmen der Ausgrabungen auf et-Tell von Callaway 25m westlich des Grabs von Schech Achmed eine Sondagegrabung durchgeführt. Auf dem Felsen fanden sich spätrömische Gemäuer, aus byzantinischer Zeit ein Stall mit Trögen und darüber Baureste aus omajjadischer Zeit und dem Mittelalter (Callaway / Nicol, 1966, 12-19). Unabhängig davon hat man außer Zisternen eine Ölpresse mit Gewichten und eine Weinpresse gefunden.
Chirbet el-Ḥudrīja (Chirbet el-Hudrija; Koordinaten: 1774.1466; 31°54’48'' N 35°17’26'' O) liegt 2,5 km östlich von et-Tell, 200m nördlich der heutigen Straße vor dem Abfall in die tiefe Schlucht des Wādī el-‘Asas. Dieses bildete mit dem Wādī el-Ğāja im Westen und dem Wādī el-Makkūk im Osten eine Linie von → Jericho nach → Bethel, die mit ihren Schluchten eine Grenzlinie zwischen Josef und Benjamin (. bzw. Nord- und Südreich bildete. Der Ort liegt an einem markanten Punkt dieser Linie, nämlich am Übergang von der Wüste zum Kulturland. Angesichts des Ausdrucks „Wüste von Bet-Awen“ in ist er vermutlich mit → Bet-Awen zu identifizieren (G. Schmitt, 1980, 57f).

Abb. 3 Die Steinigung Achans (William Blake; um 1800).
Das Buch → Josua erzählt, wie die Israeliten auf Geheiß Jahwes den Jordan überqueren und Palästina in Besitz nehmen. Nach der Eroberung Jerichos () erringt Israel in Ai mit Gottes Hilfe einen weiteren großen Sieg. Die Erzählung von lässt die Ereignisse allerdings mit einer Niederlage Israels beginnen. Für sie wird → Achan, der Gottes Gebot missachtet und Banngut unterschlagen hatte, verantwortlich gemacht. Er wird durch Losorakel ausfindig gemacht und gesteinigt, und dem Leser soll damit deutlich werden, welch gravierende Konsequenzen die Missachtung göttlicher Gebote hat. Nach dieser retardierenden und die Spannung erhöhenden Episode fällt der anschließende Sieg Israels um so großartiger aus. Errungen wird er durch einen Hinterhalt. Wie bei der Eroberung → Gibeas in . täuschen die Angreifer mit einem Truppenteil ihren Rückzug vor und locken die Verteidiger so zur Verfolgung der Angreifer aus der Stadt. Daraufhin erobert ein anderer im Hinterhalt liegender Truppenteil den Ort und zerstört ihn.

Abb. 4 Blick auf Ai von Süden.
Als ätiologische Erzählung erklärt die Geschichte, wie der Trümmerhügel „Ai“ zu dem wurde, was er „bis auf den heutigen Tag“ ist: eine „ewige Ruine“ (). Historisch ist allerdings – wie bei → Ätiologien so oft – nur das Erklärte, die Ruine, nicht die Erklärung. Die Ausgrabungen haben nämlich gezeigt, dass Ai in der Mittleren und Späten Bronzezeit nicht besiedelt, ja zur Zeit der Entstehung Israels schon gut 1000 Jahre zerstört war, es hier also nichts zu erobern gab. Vgl. Noth, 1935, 216-228; Zevit, 1985, 58-69.
Alle Versuche, die Differenz zwischen biblischer Erzählung und archäologischem Befund möglichst gering zu halten, sind gescheitert. Gegen Albrights (1939, 11-23) These, in . sei die Überlieferung von der Eroberung Bethels auf Ai übertragen worden, spricht, dass man von Bethel, dem Sitz eines königlichen Heiligtums, auch in der Polemik nicht als einer seit Josuas Zeiten zerstörten Ruinenstadt gesprochen haben kann. Gegen die Auffassung, man habe in Ai einen eilig errichteten Vorposten Bethels erobert (vgl. , beachte jedoch das Fehlen Bethels in der LXX), spricht, dass die Erzählung eine eigene Einwohnerschaft und einen eigenen Stadtkönig Ais kennt. Bimson und Livingston (1987, 40-53.66-68), die Ai, um fundamentalistisch an einer kriegerischen Landnahme festhalten zu können, in Chirbet Nisieh am Südost-Rand von el-Bīre lokalisieren (Koordinaten: 17175.14495; 31°53’47'' N / 35°13’44'' O), stehen vor der Aporie, auch Bethel neu lokalisieren zu müssen (vgl. Rainey, 1988, 67f). Callaway schrieb Phase 1 des früheisenzeitlichen Dorfes von Ai den Hiwitern zu und sah in . eine Überlieferung von der Eroberung dieses unbefestigten Dorfes durch die Israeliten, denen er Phase 2 zurechnete (JBL 87 [1968] 312-320). Dagegen spricht jedoch, dass die Erzählung nicht ein Dorf, sondern eine befestigte Stadt voraussetzt und sich archäologisch weder die erzählte Einäscherung des Ortes noch ein Wechsel in der Bevölkerung zwischen Phase 1 und 2 nachweisen lässt (Kuschke, 1973, 115-119; Zevit, 1983, 23-35). Wenn die Kleinheit Ais hervorhebt, so lässt dies keine historischen Schlüsse zu, da die Kleinheit im Duktus der Erzählung darauf zielt, die Niederlage Israels nicht auf die Stärke Ais, sondern auf den Willen Jahwes zurückzuführen. Callaway hat seine These später aufgegeben und den Widerspruch zwischen biblischer Erzählung und archäologischem Befund anerkannt (1987, 87-99).

Abb. 5 Die Areale.
Die erste, 1928 von John Garstang durchgeführte Grabung ist kaum dokumentiert. Die französische Grabung, die 1933-35 von der jungen, in Palästina geborenen Judith Marquet-Krause geleitet wurde, fand durch den Tod der erst 29jährigen 1936 ein vorzeitiges Ende. Ihre Ergebnisse wurden durch die amerikanische, 1964-72 von Joseph A. Callaway geführte Grabung im Wesentlichen bestätigt.
Auf der Kuppe des Hügels gab es zunächst ein großes Dorf, das sich über 200m hangabwärts nach Südosten erstreckte (Str. I). Von ihm wurden in den Arealen A und C unter der Stadtmauer Reste einfacher Häuser gefunden sowie nordöstlich am Fuß des Hügels Gräber. Da das Dorf auch außerhalb der späteren Stadtmauer belegt ist und man diese quer über Häuser gebaut hat, ist anzunehmen, dass sich die Stadt nicht aus dem Dorf entwickelte, sondern das Dorf zerstört wurde (Str. II).

Abb. 6 Der Turm in Areal L.
Bald nach der Zerstörung des Dorfes wurde auf dem Hügel – vielleicht von nördlichen Einwanderern – eine erste 10ha große Stadt (Str. III) mit einer ca. 1200m langen Mauer errichtet. Sie war 4,5-5m dick und hatte mindestens vier Tore (Areale A, L, K, J). Diese waren – wie überhaupt die Tore der Frühen Bronzezeit – 1-1,5m breite, türlose Tunneldurchgänge, die bei Angriffen zugemauert wurden. Außen waren sie von vorspringenden Befestigungstürmen geschützt, für die in der Frühen Bronzezeit I ein elliptischer, in der Frühen Bronzezeit II ein rechteckiger Grundriss vorherrschend war. Der West-Turm in Areal L war vom Stadtinnern aus über einen 1m breiten Mauerdurchgang betretbar. Eine 30cm dicke Ascheschicht und Nischen in der Innenmauer zeugen davon, dass es auf und in dem Steinturm einst eine Holzkonstruktion gegeben hat.
Im Innern der Stadt gab es eine Akropolis mit Tempel und Palast (D), einen Industrie-Bereich (C) und einen Wohnbezirk (G) mit Häusern, die sehr viel größer waren als zur Zeit des Dorfes. Im Innenbereich des Tors von Areal L stand von innen aus gesehen rechts ein Haus mit abgerundeter Ecke (238), das vom Torplatz zugänglich war. Vielleicht wohnte an dieser zentralen Stelle eine wichtige Person, möglicherweise war das Haus ein offizielles Gebäude, von dem aus der Verkehr kontrolliert werden sollte.

Abb. 7 Der Tempel in Areal D (Plan).
Tempel in Areal D. Im Zentrum der Akropolis, die von einer 2m dicken Mauer mit einem Turm im Süden abgegrenzt war, stand auf dem höchsten Punkt des Hügels ein ungewöhnlich großes, rechteckiges Gebäude mit einem einzigen Raum (20 x 6,60m). Die 2m dicken Mauern bestehen aus unbearbeiteten Zyklopensteinen. Im Innern fanden sich fünf Basen von Säulen, die das Dach stützten. Da die Mauern des Tempels in den erhaltenen beiden Schmalseiten und der westlichen Längsseite keine Lücke aufweisen, muss der Eingang in der erodierten Ostmauer gelegen haben, der Bau also ein Breitraumhaus gewesen sein.
Marquet-Krause hat das markante Gebäude als Palast gedeutet. Nach Callaway erstreckte sich der Palast jedoch unmittelbar westlich dieses Baus bis zur Akropolismauer. Darauf deuten die Basen zweier Säulenreihen, die später teilweise von der zwischen ihnen errichteten, abgerundeten Mauer der Frühen Bronzezeit II überbaut wurden. Das markante Gebäude deutet Callaway dagegen als Tempel. Demnach lag der Tempel im Osten und die Palasträume zogen sich um dessen Schmalseiten und westliche Rückseite. Für die Deutung als Tempel sprechen zwei Beobachtungen: 1) Breiträume waren in der Tempelarchitektur der Frühen Bronzezeit verbreitet (vgl. → Arad und mit Altar → Megiddo Str. XVI; Weippert, 1988, 161ff), Palastbauten sahen dagegen anders aus. 2) Zwei in dem Tempel in Str. VI gefundene Alabastergefäße (s.u.) sind nach Parallelen aus dem Heiligtum des benachbarten Areals A als Kultgefäße zu deuten und belegen damit die kultische Funktion des Raumes zumindest für die Zeit dieses späteren Stratums (Frühe Bronzezeit IIIA). Da die Alabastergefäße jedoch älter sind als Frühe Bronzezeit IIIA, darf man angesichts der häufigen Kontinuität kultischer Orte vermuten, dass schon die Vorgängerbauten der Frühen Bronzezeit I und II Tempel waren.

Abb. 8 Der Tempel in Areal D (Rückwand und Säulenbasen).
Welche Gottheit wurde in dem Tempel verehrt? Da wir die Götter der Frühen Bronzezeit angesichts des Fehlens schriftlicher Quellen nicht kennen, können wir nur nach dem Typus der Gottheit fragen und auch dann lassen sich allenfalls Indizien sammeln, die nur eine mehr oder weniger hypothetische Vermutung erlauben. Der Tempel, dessen Achse im rechten Winkel zur Westmauer steht, ist geostet, weicht aber um 16 Grad nach Süden ab. Da diese Abweichung nicht vom Gelände vorgegeben ist, bezieht sie sich möglicherweise auf den Lauf der Sonne. Deren Aufgangspunkt liegt am 30. Oktober genau auf der Tempelachse, also zu Beginn der Regenzeit, mit der die Fruchtbarkeit einsetzt und das Leben neu aufblüht. Der Tempel von et-Tell ist somit sehr genau auf den Punkt ausgerichtet, an dem die Sonne zu Beginn der Regenzeit aufgeht, und das dürfte der Beginn des Jahres gewesen sein. Der Lauf der Sonne und der Beginn der Regenzeit werden in der Ausrichtung des Tempels also zusammengebracht, und so kommen in der Architektur mit Sonne und Regen zwei für die Fruchtbarkeit des Landes entscheidende Faktoren zur Sprache. Die hier verehrte Gottheit war dann wohl eine Fruchtbarkeitsgottheit, die speziell im Blick auf landwirtschaftliche Fruchtbarkeit und das für solche Fruchtbarkeit nötige Wetter angerufen wurde (Koenen, 2003).
Um 2950 v. Chr. wurde die Stadt von Feinden zerstört, wie insbesondere eine Brandschicht auf der Zitadelle (A) zeigt.
In der Frühen Bronzezeit II baute man die Stadt in modifizierter Form wieder auf (Str. IV). Die Stadtmauer wurde innen um 0,75m verdickt. Dabei wurde das Tor von Areal A zugemauert. Auch das Tor in Areal L hat man – vielleicht weil es bei der Zerstörung der Stadt stark beschädigt worden war – geschlossen, woraufhin das Haus auf dem Torplatz nach Osten erweitert werden konnte. Ein neues Tor eröffnete man ca. 50m südöstlich. Daneben gab es weiter Tore in den Arealen K und J.
Tempel und Residenz in Areal D wurden erneuert, die Residenz dabei auf die Hälfte verkleinert und im Westen von einer 2m dicken Mauer mit abgerundeten Ecken umgeben. Neue Keramikformen lassen auf eine neue Bevölkerung schließen, die vielleicht aus der näheren Umgebung kam. Die Abydos-Ware wird einer späteren Schicht zugerechnet (Str. V). Die flächendeckende, gründliche Zerstörung der Stadt, von der dicke Schutt- und Ascheschichten zeugen, geht wohl auf ein Erdbeben zurück, das auch einen Spalt in den Felsboden des Tempels riss (D, bei der N-Mauer).
In der Frühen Bronzezeit IIIA – nach Callaway eine Zeit ägyptisch-imperialistischen Einflusses – wurde die Stadt langsam wiederaufgebaut. Zunächst errichtete man die Stadtmauer, für die jetzt nur noch zwei Tore mit nach innen verlegten Schutztürmen belegt sind (C; J), später Häuser an der Mauer (Str. VI). Auf dem Gipfel entstand in Areal A hinter der Stadtmauer auf den Resten der älteren Mauer ein massiver rechteckiger Turm (8,50 x 29,50m), von dem aus man die ganze Stadt samt Umgebung überwachen konnte. Vergleichbare Türme fanden sich in den Arealen K und J.
Der Tempel in D wurde erneuert – vielleicht mit ägyptischer Hilfe (so Callaway, vorsichtiger Wimmer, 1990, 1074f). Er hat nur noch 4 Pfeiler, deren Basen mit einer Kupfersäge bearbeitet sind, wie sie zu dieser Zeit sonst nur in Ägypten belegt ist, und die Mauern bestehen ägyptischer Technik entsprechend aus ziegelformatig geschlagenen Steinen und Lehm-Mörtel mit mehrschichtigem Putz auf der Innenseite. Zwei Kultgefäße aus importiertem ägyptischem Alabaster weisen den Bau, da im Heiligtum von Areal A enge Parallelen gefunden wurden, als Tempel aus.
In Areal K wurde das Stadttor geschlossen. In der Südost-Ecke der Mauer wurde an einem relativ tiefen Punkt der Stadt auf einer nierenförmigen Vertiefung aus Steinen und dicken Lehmschichten überirdisch ein großes Wasserreservoir gebaut (bis zu 25m breit; 2,5m hoch). Geht man davon aus, dass bei sparsamer Haushaltung pro Person 1m3 Wasser im Jahr ausreicht, kommt man unter Berücksichtigung der ca. 600m nordwestlich unten im Wādī el-Ğāja gelegenen kleinen Quelle für die Stadt auf ca. 2000 Einwohner. Um 2550 wurde die Stadt zerstört, wie Brandspuren in Areal A und die Zerstörung der Mauer in Areal C westlich des Tores belegen.
In der Frühen Bronzezeit IIIB wurden die Zerstörungen der 3. Stadt ausgebessert (Str. VII). Eine neue Mauer wurde außen an die Mauer der Frühen Bronzezeit IIIA gesetzt, so dass man in Areal H eine 8m dicke Anlage fand, die noch 7m hoch anstand. Das Tor in Areal C wurde aufgegeben, das in J blieb als kleiner Durchgang bestehen. Der Tempel in Areal D wurde zur Herrscherresidenz. Die angrenzenden Räume wurden mit Schutt gefüllt und so zu einer Schutzmauer für den zentralen Raum. Da nur er noch bewohnbar war, musste der Kult verlagert werden.

Abb. 9 Der Tempel in Areal A (Plan).
Tempel in Areal A. In Areal A wurde ein an die Stadtmauer gebautes Wohnhaus der Frühen Bronzezeit IIIA – angesichts der exponierten Lage mag es das Haus des Priesters gewesen sein – zu einem Heiligtum umgebaut. Hier fanden sich ein Altar, ein Becken, eine Zella, ein kleiner Stierkopf aus Elfenbein und Räuchergeräte, außerdem Kultgefäße, die aus der Frühen Bronzezeit II stammen, also älter sind als die Keramik und der nach ihr datierte Tempel, und deswegen vermutlich aus dem bisherigen Tempel mitgebracht worden waren.
Auffällig ist ein heute in Jerusalem im Rockefeller-Museum ausgestelltes Alabastergefäß, das in Form und Größe einen Ziegenbalg imitiert, wie er zum Wassertragen verwendet wurde. R. Amiran versteht den Ziegenbalg unter Verweis auf Parallelen, insbesondere auf die in Gilat, 20km nordwestlich von → Beerscheba, gefundene, chalkolithische Statuette einer Göttin mit einem Ziegenbalg auf dem Kopf, als Symbol von Wasser und Regen und schließt daraus, dass der Tempel in Areal A – und vermutlich auch sein Vorgänger in Areal D – einer Regengottheit gewidmet war. Die Fülle der Kerak-Ware lässt Callaway vermuten, dass an die Stelle des ägyptischen Einflusses eine Orientierung nach Norden getreten war. Um 2400 wurde die Stadt zerstört (Str. VIII), und der Ort blieb über 1000 Jahre unbewohnt.

Abb. 10 Das eisenzeitliche Dorf.
Erst nach langer Zeit errichtete man zu Beginn der Eisenzeit I auf den noch sichtbaren Trümmern von „Ai“ wieder ein unbefestigtes, kaum 10% des ehemaligen Stadtgebiets umfassendes, ringförmiges Dorf mit gepflasterten Straßen (Str. IX). Die teils unregelmäßig, teils parallel gesetzten Häuser sind einfache Vorläufer des Dreiraumhauses (→ Haus / Hausbau). Die Mauern sind zweireihig mit einer Füllung zwischen den Reihen, und die Dächer wurden von langen, den Hauptraum unterteilenden Steinpfeilern gestützt. Die Häuser verfügten über je eigene kleine, glockenförmige Zisternen, die in den Kalkstein geschlagen und unverputzt dicht waren. Von Landwirtschaft zeugen Terrassen in Areal G sowie die Knochen von Schafen und Ziegen in den einzelnen Häusern. Vielfach gefunden wurden die in der Zeit verbreiteten Vorratskrüge mit Kragenrand.
Eine zweite, um 1150 einsetzende Phase des Dorfes lässt sich von der ersten durch eine neue Keramik, kleine Umbauten (z.B. Verlegung von Eingängen) und neue Fußböden unterscheiden, sowie durch überirdische, gemauerte Getreidesilos, die zuweilen auf die älteren, gepflasterten Straßen gesetzt sind und Vorratskrüge zum Teil ersetzten (Str. X). Der Raum des früheren Tempels (D) wurde durch eine Mauer in zwei Wohnräume geteilt, mit Silos in den Ecken.
Schon Mitte des 11. Jh.s gab man den Ort wieder auf, und danach wurde er nie wieder besiedelt. Nur Terrassen aus byzantinischer und islamischer Zeit bedecken die älteren Schichten. Bei den Bewohnern des Dorfes wie überhaupt der Dörfer des Berglands in der Eisenzeit I handelt es sich nach Callaway (1985, 31-49) nicht um zur Sesshaftigkeit übergehende Nomaden, sondern um Flüchtlinge, die ausweislich der Übereinstimmungen in der materiellen Kultur aus dem Küstenland Palästinas stammen und dort vermutlich dem Druck der Seevölker weichen mussten.
Nach kam im 8. Jh. ein von Norden gegen Jerusalem rückendes Heer auch nach ‘Ajjat
Die Heimkehrerlisten der nachexilischen Zeit setzen voraus, dass Ai in der späten Königszeit besiedelt war (; ). Vielleicht gab es schon im 8. Jh. im Bereich von Dēr Dibwān einen Ort, der den Namen Ais (in leicht veränderter Form) übernommen hatte.
Für die nachexilische Zeit bezeugt in der Nähe von Bethel einen besiedelten Ort ‘Ajjāh
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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