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Vulgata

Die Biblia Sacra Vulgata und ihre Geschichte

Der wissenschaftlich maßgebliche Text der Vulgata ist heute die von Robert Weber und Roger Gryson herausgegebene Biblia Sacra Vulgata. Editio quinta. Die Ausgabe enthält den aufwändig rekonstruierten lateinischen Bibeltext mit einem umfangreichen Variantenapparat. Damit bietet die Edition nicht nur eine zuverlässige Textbasis für das Studium der lateinischen Bibel, sondern zugleich Einblick in die Geschichte der Textüberlieferung der Vulgata.

Die erste Ausgabe der Biblia Sacra Vulgata erschien 1969 bei der Württembergischen Bibelanstalt. Das Werk trat damals neben die anderen wissenschaftlichen Handausgaben, die schon im gleichen Verlag erschienen waren: die Biblia Hebraica von Kittel, die Septuaginta von Rahlfs und in kleinerem Format das Neue Testament von Nestle-Aland. Ziel war es, eine Edition zu erstellen, die auch schon ihrer äußeren Anlage nach den ursprünglichen Text so genau wie möglich darbietet und dabei zugleich in einem umfangreichen Apparat die wichtigsten Varianten berücksichtigt.

Die Biblia Sacra Vulgata ist denn auch eine wissenschaftliche Rezension nach den Handschriften mit Hilfe der großen kritischen Ausgaben; das sind für das Alte Testament die Edition der Benediktiner von S. Girolamo in Rom und für das Neue Testament die Oxforder Ausgabe von J. Wordsworth und H. J. White. Der Text dieser Ausgaben wurde, soweit er in diesen Editionen vorlag, übernommen, zuvor aber sorgfältig kontrolliert und – wo es notwendig war – verbessert. In gleicher Weise wurde für das Psalterium iuxta Hebraeos die Ausgabe von H. de Sainte-Marie benützt. Dagegen wurde der Text für die Propheten, Makkabäer, Oratio Manasse, III-IV Esra und den Laodicenerbrief neu erstellt, und zwar aufgrund von Photokopien der Handschriften, von Kollationen und anderen Vorarbeiten, die von der Abtei S. Girolamo in Rom und vom Vetus Latina Institut in Beuron zur Verfügung gestellt wurden. Benutzt wurde auch die Edition der Makkabäerbücher von D. De Bruyne und für IV Esra die von R. L. Bensly und B. Violet, für den Laodicenerbrief die von J. B. Lightfoot und A. Harnack.

Vierzig Jahre nach dem Erscheinen der Erstausgabe liegt diese kritische Handausgabe der Vulgata in fünfter Auflage vor und hat sich als die maßgebliche wissenschaftliche Ausgabe der Vulgata durchgesetzt. Hauptherausgeber ist heute Roger Gryson. Die fünfte Auflage erschien 2007; sie enthält eine überarbeitete Fassung des textkritischen Apparats zu den Büchern Rut, Jesaja und Offenbarung.

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