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BHK

Die Biblia Hebraica von Rudolf Kittel (BHK)

Der Leipziger Alttestamentler Rudolf Kittel (1853–1929) entwickelte um 1901 den Plan einer kritischen Ausgabe der hebräischen Bibel. Rudolf Kittels Biblia Hebraica (BHK) erschien 1906 in zwei Bänden bei der Verlagsbuchhandlung J.C. Hinrichs in Leipzig.

Als Ausgangspunkt hat Kittel den sogenannten hebräischen Textus receptus gewählt. Dabei handelt es sich um eine von Jakob ben Chajim bearbeitete Fassung des masoretischen Textes, die 1524/25 bei Daniel Bomberg in Venedig als Druckausgabe erschienen war und sich dann über Jahrhunderte als maßgeblicher hebräischer Bibeltext durchgesetzt hatte. Diesen hebräischen Text druckte Kittel mit den Vokal- und Betonungszeichen, aber ohne die masoretischen Kommentare und Notizen (Masora magna und Masora parva). Am unteren Rand der Seiten fügte er einen knappen kritischen Apparat mit Textvarianten aus masoretischen Handschriften und aus den antiken Übersetzungen (vor allem der Septuaginta) hinzu.

1921 erwarb die Württembergische Bibelanstalt (WBA) von Hinrichs die Rechte für Kittels Biblia Hebraica. Neben dem Nachdruck der bestehenden Ausgabe wird ab 1925 eine Neubearbeitung des Werks in Angriff genommen. Als Textgrundlage soll künftig der von Paul Kahle entdeckte »Codex Leningradensis« aus dem Jahr 1008 dienen, die älteste vollständig erhaltene Handschrift des masoretischen Textes. Der kritische Apparat wird zweigeteilt in »bloße Varianten und minder wichtige Mitteilungen« und »die wirklichen Textänderungen und das sonst Bedeutsamere«, sodass für die Leser auch eine Gewichtung der Information erkennbar wird. Vor allem aber wird am äußeren Rand der Seiten die kleine Masora des Codex Leningradensis mit abgedruckt, freilich ohne weitere Bearbeitung oder Erläuterung. Die vollständige Neubearbeitung erscheint im Jahre 1937 als 3. Auflage von Kittels Biblia Hebraica (BHK3) bei der WBA. Die BHK3 begründet das hohe internationale Ansehen der Biblia Hebraica und wird zur Wegbereiterin der BHS.

1947 eröffnen die Textfunde von Qumran eine neue Dimension für die allttestamentliche Textforschung: Als Vergleichstexte stehen mit einem Mal Handschriften zur Verfügung, die rund 1000 Jahre älter sind als der Codex Leningradensis. Dadurch fällt ganz neues Licht auf die Textgeschichte und es liegt auf der Hand, dass die Textvarianten der Qumran-Handschriften im Apparat der Biblia Hebraica nicht fehlen dürfen. Doch aus technischen Gründen waren Veränderungen am Satz der BHK3 nur noch in ganz beschränktem Umfang möglich; außerdem waren die Matrizen für die in BHK3 verwendete hebräische Schrift im Krieg verlorengegangen. Deshalb konnten beispielsweise die für die Forschung außerordentlich wichtigen Varianten aus den beiden am besten erhaltenen Qumran-Texten, der Jesaja-Rolle 1QIsa und dem Habakuk-Kommentar 1QpHab, nicht ohne weiteres in den bestehenden Apparat eingearbeitet werden. Als Notlösung wurden diese Qumran-Varianten dann ab der 7. Auflage 1951 in den betreffenden Büchern als dritter Apparat-Teil am unteren Seitenrand in deutlich anderer Schrift angefügt. In dieser Form erschienen Nachdrucke der BHK bis in die Mitte der siebziger Jahre.

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