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Der Textus receptus 

Textus receptus (lat. »der [allgemein] akzeptierte Text«) nennt man jene Textform des griechischen Neuen Testaments, die seit der Zeit der Reformation in Wissenschaft und Kirche maßgebend war. Der Name geht auf den Verleger Elzevier zurück, der mit dieser Bezeichnung deutlich machte, dass dieser Text im allgemeinen Gebrauch war (1633). In der Regel wird bereits die Ausgabe des griechischen Neuen Testaments von Erasmus von Rotterdam aus dem Jahr 1516 dem »Textus receptus« zugeordnet.

Problematisch ist der »Textus receptus« insofern, als er auf relativ späten und unzuverlässigen neutestamentlichen Handschriften beruht. Erasmus hat seiner Erstausgabe vier Handschriften des so genannten byzantinischen Reichstextes zu Grunde gelegt, die aus dem 12./13. Jahrhundert stammten. Dieser Text wird zwar – mit Abweichungen – von der Mehrheit der erhaltenen Handschriften überliefert, ist aber nach den Erkenntnissen der heutigen Textforschung eine späte Entwicklung, die sich vom Urtext bereits recht weit entfernt hatte.

In der Kirche hat der »Textus receptus« große Verbreitung gefunden, da er den wichtigen Bibelübersetzungen aus der Reformationszeit (etwa der Übersetzung Martin Luthers oder der englischen King-James-Bibel) zugrunde liegt.

In der Wissenschaft wurde der Textus receptus seit dem 18. Jh. in Frage gestellt: So notiert Johann Albrecht Bengel in seiner Ausgabe des griechischen Neuen Testaments von 1734, an welchen Stellen eine vom Textus receptus abweichende Lesart Anspruch auf Ursprünglichkeit erheben kann. Durch die Ausgaben von Konstantin von Tischendorf von 1869/1872 und von Westcott/Hort 1881 wurde der Textus receptus in der wissenschaftlichen Forschung schließlich überwunden, auch wenn er seine Bedeutung in Kirche und Liturgie zu jener Zeit noch nicht eingebüßt hatte. Dies ist erst das Verdienst des »Novum Testamentum Graece« von Eberhard Nestle. In der Folge kam es dann zu revidierten Bibelübersetzungen wie der Luther-Bibel von 1912/1984 und der »Revised Standard Version«, einer Überarbeitung der King-James-Bibel.

Einzelne moderne Bibelübersetzungen haben allerdings immer noch den »Textus receptus« als Grundlage, etwa die Schlachter-Bibel oder die »New King James Version«. Auch in der orthodoxen Kirche ist nach wie vor ein dem »Textus receptus« nahestehender Text in Gebrauch.

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