
Abb. 1 Ziegen an einem Baum.
Ziegen (Capra) gehören zur Familie der Hornträger (Bovidae). Zu ihnen zählen u.a. die Wild- und Hausziege sowie der → Steinbock. Ihr robuster Körperbau, die Form ihrer Hufe und ihre Genügsamkeit (Gräser, Kräuter, Blätter) ermöglichen es Ziegen, in unwirtlichen gebirgigen und trockenen Gebieten zu leben. Sowohl Ziegenweibchen als auch Männchen verfügen über Hörner, wobei die Hörner der Männchen deutlich länger (bis über einen Meter), stärker nach hinten gebogen und in sich gedreht sind. Die Männchen tragen außerdem ein charakteristisches Bärtchen. Oft sind Ziegen dämmerungsaktiv und gehen besonders in warmen Gebieten in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag auf Nahrungssuche. Während die Weibchen häufig mit ihrem Nachwuchs in Gruppen leben, sind die Männchen Einzelgänger oder schließen sich in Junggesellengruppen zusammen. Zur Paarungszeit schließen sie sich den Weibchengruppen an und versuchen durch zum Teil heftige Kämpfe das Paarungsvorrecht zu erringen.

Abb. 2 Kleinviehherde aus Schafen und Ziegen.
Die palästinische Hausziege (Capra aegagrus hircus) stammt von der vorderasiatischen Bezoarziege (Capra aegagrus aegagrus) ab, die in biblischer Zeit in Palästina vermutlich bereits ausgestorben war. Typisch für die palästinische Hausziege sind die herabhängenden Ohren und die schwarze Färbung sowie ihre gekrümmten Hörner, die kleiner sind als die der Wildziege.
Neben dem Hund ist die Ziege das älteste domestizierte Tier Palästinas. Die Domestizierung der Ziege erfolgte vermutlich noch vor dem 11. Jahrtausend, auf jeden Fall aber vor mindestens 9000 Jahren im Vorderen Orient, in der Levante oder im Zagros. Im Irak weisen zwei Funde wohl auf eine Domestizierung hin: In Ganğ Dareh zeigen Funde von 9000-7500 v. Chr., dass bevorzugt männliche Jungtiere getötet wurden, die zudem kleiner waren als heutige wilde Ziegen. In Ali Koš (7500-5500 v. Chr.) sind ebenfalls Skelette vor allem von Jungtieren gefunden worden, die eine charakteristische Veränderung des Skeletts aufweisen. In Jericho zeugen Funde von Ziegenknochen aus dem vorkeramischen Neolithikum (ca. 7000 v. Chr.) von der Domestizierung der Ziege in Palästina.
Ziegen gehören mit Schafen zum Kleinvieh. Auch heute noch bilden Kleinvieherden eine wichtige Lebensgrundlage für Nomaden in Israel-Palästina, da sie auch in Gebieten leben können, in denen das Halten von Rindern nicht möglich ist. Ziegen liefern Fleisch und Milch sowie Leder und Fell. Ikonographische Zeugnisse belegen, dass sie zuweilen sogar als Zugtiere vor dem Pflug verwendet wurden.

Abb. 3 Schaf- oder Ziegenbälge wurden am Hals und an den Beinen zugeschnürt, um als Schläuche zum Transport von Getränken zu dienen.
Die Bedeutung der Ziege als Haustier zeigt sich in den biblischen Texten daran, dass sie an verschiedenen Stellen in einer Reihe mit → Rind und → Schaf genannt wird (; ; ; vgl. KAI 69; 74). Fleisch und Milch der Ziegen dienten als Nahrungsmittel (vgl. ; ; ; ). Es wurde zu besonderen Anlässen () zubereitet und um Gäste zu ehren (). Ziegenhaar wurden gesponnen () und zu Stoffen gewebt, die als Decken für Zelte (auch die → Stiftshütte, ; ) verwendet wurden oder wohl auch für Trauerkleidung, sowie für andere Dinge des Alltagsgebrauchs (; vgl. ; ; → Michal ahmt mit Ziegenhaar menschliche Haare nach, um die Boten → Sauls in die Irre zu führen []. Das Fell des für seinen Vater zubereiteten zarten und schmackhaften Ziegenböckchens verwendet → Esau, um → Isaak zu täuschen []). Auch Schläuche für Wasser und Wein wurden vermutlich aus Ziegenleder hergestellt (; .; ; ; ; vgl. ).
Der Besitz von Ziegen zeigt schon in biblischer Zeit Reichtum an, so bei → Nabal (), der 3000 Schafe und 1000 Ziegen besitzt (vgl. ). Die Tatsache, dass → Jakob als Entlohnung für seinen Dienst bei dem geschäftstüchtigen → Laban lediglich die gesprenkelten oder gescheckten Tiere erhalten soll, zeigt, dass diese weit seltener als die schwarzen Exemplare vorkamen und vielleicht auch weniger wertvoll waren (.). Geschlechtsreife Ziegenböcke waren ein wichtiges Handelsgut (). Nach dienten Böcke als Währung für arabische Tributzahlungen an → Joschafat. Ziegenböckchen können ebenfalls als Zahlungsmittel eingesetzt werden, so in der Erzählung von → Tamar und → Juda (.). Der Wert eines Ziegenböckchens zeigt sich auch in seiner Verwendung als Geschenk (), sogar an den König (). → Esau erhält von → Jakob zur Versöhnung 200 Ziegenböcke (). Nach . (Lutherbibel: ) bekommt Tobits Frau für ihre Arbeit eine Ziege als Geschenk. → Tobit vermutet allerdings eine Bezahlung seiner Frau für Prostitution (vgl. .) und verurteilt daher das Geschenk.
Ziegen, Widder und → Gazellen spielen seit dem Neolithikum eine wichtige Rolle im Bildprogramm des Alten Orients und in Syrien-Palästina. Sie finden sich nicht nur in natürlichen Jagdszenen (→ Jagd), sondern auch in religiös konnotierten Bildkontexten. Capriden („Ziegenartige“) repräsentieren einerseits aggressive Stärke, andererseits stehen sie für Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Besonders der zweite Aspekt ist über den gesamten altorientalischen Raum über einen langen Zeitraum hinweg verbreitet.

Abb. 4 Herr der Steinböcke (Akko; Mittelbronze IIB).
Capriden werden in Palästina seit dem Chalkolithikum dargestellt, zum Teil auf den Aspekt der Hörner – wohl als Zeichen von Virilität – reduziert. Die in der Wüste lebenden Tiere stehen für besondere Kraft und Überlebensfähigkeit, wobei vor allem Ziegenböcke aufgrund ihrer langen schwarzen Haare und ihres kampflustigen Verhaltens zunächst negativ konnotiert sind. Als bezwungene Tiere werden Capriden im Bildmotiv des → „Herrn der Tiere“ dargestellt, doch ist das Motiv in dieser Kombination in Palästina nur selten belegt, es findet sich aber in der ramessidischen Massenware und hält sich bis in die Eisenzeit.

Abb. 5 Herr oder Herrin der Capriden zwischen Bäumen (Taanach; Eisenzeit IIB).
Aus der Gegend um → Samaria oder aus → Bet-Schemesch stammt ein Skaraboid mit einem Herrn oder einer Herrin der Capriden. Nicht feststellen lässt sich das Geschlecht „des Herrn / der Herrin der Capriden“ auf zwei Rollsiegeln aus → Taanach und → Hazor. Dass beide Szenen von Bäumen gerahmt werden, könnte auf eine Göttin deuten.

Abb. 6 Der Pharao erschlägt einen Capriden (Ägypten; Mittelbronze II B).
Das Vorkommen von Capriden in Darstellungen vom Typos des „Herrn der Tiere“ lässt vermuten, dass sie für Kräfte stehen können, die von einer Gottheit, einem Helden oder einem König beherrscht werden. Die Unterwerfung von Capriden wird auch in Tierkampfszenen dargestellt, in denen Capriden nicht als Angreifer, sondern nur als Opfer von Angriffen auftreten. So gibt es Darstellungen von Capriden, die vom Pharao erschlagen werden. Häufig ist der Capride Opfer eines angreifenden → Löwen, der möglicherweise den König in seiner Funktion, Feinde niederzuschlagen, darstellt.

Abb. 7 Geflügelte Herrin (?) der Capriden, Jagd, Greif und Capride am Baum, Adorationszene (Bet-Schean; Eisenzeit IIC).
Bestimmte Darstellungen des „Herrn der Capriden“ könnten dafür sprechen, in den Capriden nicht nur unterworfene Mächte zu sehen, sondern auch Repräsentanten der Kraft der „Herren“. Ein Rollsiegel aus → Bet-Schean (ausgehendes 8., frühes 7. Jh.), zeigt den von einem Capriden und einem Greif flankierten Lebensbaum. Das Rollsiegel kombiniert drei Aspekte der Capridendarstellung: Im oberen Register zielt ein Bogenschütze auf einen springenden Capriden, daneben hält eine geflügelte „Herrin (?) der Tiere“ zwei Capriden an ihren Hinterläufen fest. Die Szene wird vielleicht mit Astralsymbolik kombiniert, falls die abgebildeten vier Punkte → Sterne darstellen sollen.
Die Gottheit kann auch hinter einem Capriden am → Baum stehen und den gespannten Bogen auf einen Löwen richten. In solchen und ähnlichen Darstellungen tritt der „Herr“ bzw. die „Herrin der Capriden“ als wohl als Beschützer(in) der zugeordneten Tiere auf. Es scheint, dass positiv-schützende (und mit Fruchtbarkeit verbundene) Darstellungen des „Herrn der Tiere“ vor allem mit Capriden verbunden sind.
Eine andere Konnotation von Capriden, nämlich die Verbindung mit Fruchtbarkeitssymbolik, ist im gesamten Vorderen Orient verbreitet. Im Bildprogramm des Vorderen Orients gelten Capriden von den → Sumerern bis in die → Perserzeit als Repräsentanten der (nackten) → Göttin bzw. als Symbol der → Fruchtbarkeit.

Abb. 8 Nackte Göttin mit Widderköpfigem, Taube, Skorpion und Greif (altsyrisch).
Besonders der liegende Capride mit zurückgedrehtem Kopf findet sich auf altsyrischen Siegeln häufig in Verbindung mit der nackten Göttin. Seit der Bronzezeit werden Zweig, Capride und Göttin kombiniert: Auf den Beinen einer spätbronzezeitliche Figurine von Tell Ḥărāšīm sind je ein Capride an einem → Baum abgebildet. An den Brüsten der Frau, die ihre Hände öffnend an ihre Scham hält, saugen zwei menschliche Figuren (Kinder?). Auf einem altsyrischen Rollsiegel kniet ein Mischwesen mit widderartigem Kopfschmuck vor der nackten Göttin, die ihren Mantel öffnet. Das Bild zeigt außerdem → Skorpion und → Taube, die wohl als Fruchtbarkeitssymbole fungieren (Abb. 8), ein geflügelter Greif dient vielleicht als Schutzsymbol.

Abb. 9 Göttin mit Widderhörnern und Zweigen (Jericho; Mittelbronze IIB).
Die Beziehung von Baum bzw. Zweig zur Fruchtbarkeitssymbolik zeigt sich auf verschiedenen Skarabäen der Mittelbronzezeit IIA, die die nackte Göttin von Zweigen flankiert darstellen bzw. so, dass Zweige aus ihrer Scham sprießen.

Abb. 10 Verehrer vor Capride (Tell Mubārak; Eisenzeit IIA).
Ab der Eisenzeit wird die Göttin nicht mehr dargestellt. Statt dessen finden sich Bildkompositionen, die die Attribute der Göttin (Capriden, Lebensbaum, Zweig) kombinieren. So können auf → Siegelamuletten Adoranten vor einem Capriden dargestellt werden.

Abb. 11 Capriden am Baum; nackte Göttin (Akko; Spätbronze).
Ebenso lassen sich Darstellungen von Verehrern am Baum finden. Dabei wird der ursprüngliche → Lotusbaum auf grob in die Eisenzeit II-III datierbaren palästinischen Stempelsiegeln zur → Palme stilisiert dargestellt. Baum und Ziegen werden im Motiv „Capriden am Lebensbaum“ kombiniert. Dieser bereits auf altsyrischen Siegeln belegte Bildertyp hält sich in Syrien-Palästina bis in die Eisenzeit III (Abb. 10).

Abb. 12 Ziegengott mit Schlangen (Westzagros; Urukzeit).
Wohl weil beide Tiere schwarz sind, werden → Schlange und Ziege in der Ikonographie ähnlich konnotiert. Die enge Verbindung zeigt sich bereits in der Ikonographie des Ziegengottes der Urukzeit. Auf Siegeldarstellungen ist der ziegengestaltige Gott gemeinsam mit Schlangen abgebildet.

Abb. 13 Nackte Göttin mit Schlangen und Capriden auf Löwe (Mīnet el-Bēdā; Spätbronze I/IIA).
Sowohl Schlangen als auch Capriden wird „aggressive Lebendigkeit“, „Lebenskraft“ sowie „Heilkraft“ zugeschrieben (Keel, 1992a, 208). Daher dienen sie auch als Attributtiere weiblicher Gottheiten. So können Capriden im Bildtypos der Qudschu (→ Göttin) die Göttin rahmen. In späterer Zeit werden sie durch die – ebenfalls schwarze – Schlange ersetzt.

Abb. 14 Säugende Ziege mit Skorpion (Taanach; Eisenzeit IIA).
Dass Göttin und Capriden zusammengehören und als Zeichen für → Fruchtbarkeit und Leben dienen, wird schließlich in einem Bildtypos aufgenommen, der ab der Eisenzeit I vorkommt. Ziegen oder Wildziegen und Steingeißen werden als Muttertiere dargestellt, die ihre Jungen säugen. Das säugende Muttertier und die Capriden am Zweig sind auch in Eisenzeit IIB noch beliebt. Dabei können die säugenden Capriden zu zweit, zusammen mit der Göttin und einem Verehrer, mit → Skorpion oder einzeln schreitend dargestellt werden. In einer Parallele aus dem 8. Jh. aus → Sidon wird der Skorpion durch das ankh-Zeichen ersetzt. Ein Siegel aus der Eisenzeit IIB zeigt einen Capriden mit Jungtier und Astralsymbolen, möglicherweise ein weiterer Hinweis auf den himmlisch-göttlichen Aspekt des Bildes.
Der Ziegenbock kann mit verschiedenen Begriffen bezeichnet werden.
1) Ziege / Ziegenbock
2) Ziegenbock
3) Leitbock
4) Ziegenbock
5) Ziegenbock
6) Böckchen
7) weitere Begriffe: Wie die in genannten Tierbezeichnungen
Der Ziegenbock dient im Alten Testament als Bild für Macht und Stärke. In werden in Parallele zu „allen Königen der Völker“ „alle Mächtigen
Dem Leitbock
vergleicht die Krieger Israels mit einem elenden Häuflein Ziegen
In dem Friedensbild von zeigt sich das friedliche und opfergleich Image des Böckchens
Das → Hohelied vergleicht das schwarze Ziegenhaar
Wenn im Hohenlied () der Geliebte seine Freundin anweist, „ihre Zicklein“
Die Decken des Stiftzeltes bestanden nach ; aus Ziegenhaar
1) Sündopfer: Im Zusammenhang mit dem Sündopfer
Nur in wird im Zusammenhang mit einem Sündopfer der Ziegenbock nicht
2) Brandopfer: Nach gehören makellose männliche Schafe oder Ziegen
In nichtpriesterschriftlichen Zusammenhängen fungiert auch der Leitbock
Das → Richterbuch erzählt an zwei Stellen von der Umdeutung eines Gastmahls in ein Opfer für Gott: In wird die von → Gideon für den Boten Gottes zubereitete Gabe
3) Heilsopfer: An 18 Stellen wird
4) Hebopfer: Das wertvolle Ziegenhaar
5) Gen 15,7-21: Umstritten ist die Interpretation des Vorgangs in , der mit dem Bundesschluss zwischen Gott und Abram endet. Abram schlachtet eine „dreijährige Jungkuh“, eine „dreijährige Ziege“
6) Ziegen als Opfertiere in Qumran: Auch in Qumran fungiert die Ziege als Opfertier zu verschiedenen Festen. Tempelrolle 52,5 legt fest, dass trächtige Tiere als fehlerhafte Tiere gelten und nicht geopfert werden dürfen. Die Bestimmungen von werden in der Hinsicht präzisiert, dass Rinder, Schafe und Ziegen zu profanen Zwecken nicht in Städten geschlachtet werden dürfen, die näher als drei Tagesreisen von Jerusalem entfernt sind.
Als Paarhufer und Wiederkäuer gehören Ziegen nach (vgl. ) neben Rindern und Schafen zu den reinen Tieren.
Nach der → Priesterschrift soll das Tier, das zu → Passa verzehrt wird, ein makelloses einjähriges männliche Jungtier von Schaf oder Ziege
Das Verbot, das → „Böcklein
Der Grund für diese Bestimmung ist ungeklärt. Lange hielt sich die These, dass es sich hier um die Abgrenzung zu alten Fruchtbarkeitsriten handle. Diese These wurde begründet mit einer (vermeintlichen) Parallele zu dem ugaritischen Šaẖar-Šalim-Text (KTU 1.23,14f.), der von dem siebenmaligen Kochen eines Böckchens in Milch berichtet, um El zu neuen Kräften zu verhelfen. Botterweck (1973, 926) vermutet daher, dass das Verbot in seinen Grund darin hat, eine synkretistische Verwechslung mit dem Passalamm zu verhindern, das nicht in Milch und Wasser gekocht werden durfte. Als diese Gefahr nicht mehr gegeben war, sei das Gebot an die Speisegebote in angeschlossen worden. Jedoch ist der Sitz im Leben des ugaritischen Textes ungeklärt und die Parallelität zu zweifelhaft. Haran (1979; 1985) sieht daher in dem Gebot eine allgemein-humane Regel, die von einem Respekt vor der Bindung zwischen Mutter- und Jungtier zeugt. Keel (1980) denkt an eine Tabuvorstellung, die in dem Respekt vor der Weitergabe des Lebens gründet und verbietet, das Muttertier mit seinem Jungen zu opfern. Mit dem Verbot solle verhindert werden, dass die Beziehung zwischen Muttertier und Jungem sofort nach der Geburt zerstört werde. Dieser Ansatz wird von Knauf (1988) weitergeführt, der vermutet, dass das Tabu ursprünglich auf die (Mutter-)göttinnen Anat und Aschtart bezogen gewesen sei und durch das Deuteronomium als Abgrenzung gegen den außerisraelitischen Brauch, Fleisch in Milch zu kochen, aufgenommen wurde. Milgrom (1991, 741) wiederum vermutet hinter dem Verbot den Versuch, die Vermischung von Leben und Tod zu verhindern. Das tote Jungtier soll nicht in der ihm als lebensspendenden Stoff zugedachten Nahrung gekocht werden. Textkritische Vorschläge (Heckl, 2002; Sasson, 2002) wollen statt „Milch“
Die Pluralform
Das frühe Judentum hat die
Jedoch zeigt sich bei der getrennten Betrachtung von Texten und ikonographischen Zeugnissen folgendes Bild: In der Bildkunst Syrien-Palästinas werden Capriden ambivalent dargestellt. Sie gelten einerseits als Tiere, die gebändigt werden müssen, und dienen so auch als Podesttier, andererseits gehören sie in die Sphäre der Göttin und sind eng mit Fruchtbarkeit, Lebens- und Heilkraft verbunden. Besonders der zweite Aspekt ist über den gesamten altorientalischen Raum über einen langen Zeitraum verbreitet. In den alttestamentlichen Texten wird der Begriff auf zwei unterschiedliche Weisen verwendet: Die negativen Eigenschaften der śə‘îrîm bestehen nach und darin, dass sie der Ausschließlichkeit der Jahwe-Verehrung widersprechen. Dass sie von den sie verehrenden Menschen gefürchtet worden wären, erschließt sich aus bzw. nicht. Die hier angewandte Polemik assoziiert die śə‘îrîm mit der Todessphäre, die den Bereich außerhalb des kultisch reinen Gebiets kennzeichnet. Als Furcht einflößende Tiere erscheinen die śə‘îrîm bzw. der śā’îr hingegen in und . Hier gehören die śə‘îrîm zum Topos der von der Zivilisation abgeschnittenen gegenmenschlichen Welt und befinden sich als Einwohner der Ödnis immer in Gesellschaft anderer unheimlicher, weil peripherer Wesen. Diese Belegstellen legen es gerade nicht nahe, den śə‘îrîm Kräfte zuzusprechen, die ihre Verehrung sinnvoll machen.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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