Als „Wortspiel“ wird die absichtsvolle Verwendung mehrdeutiger Begriffe oder die Kombination von im Laut- oder Schriftbild ähnlichen oder identischen, semantisch aber unterschiedlichen Wörtern bezeichnet. Dabei können die aufeinander bezogenen Wörter entweder im Text enthalten sein, oder ein Wort kann sich auf ein kontextuell zu erschließendes, aber nicht explizit genanntes anderes Wort beziehen. Absicht des Wortspiels ist es, eine (häufig hintergründige) Beziehung zwischen den Denotaten herzustellen, Aufmerksamkeit zu wecken oder einen euphonischen oder onomatopoetischen Effekt zu erzielen.
Die Bibel selbst kennt keinen Begriff für „Wortspiel“, in der rabbinischen Literatur findet sich dafür der Ausdruck lāšôn nôfel ‘al lāšôn „Sprache, die auf Sprache fällt“ (vgl. Bereschit Rabba 18,4; 31,8).
Das Spiel mit der Bedeutungsvariabilität, Vieldeutigkeit und Klangvielfalt nutzt spezifische Eigenschaften von Lexemen, wobei sich für das hebräische Alte Testament folgende Formen unterscheiden lassen:
Zuweilen beruhen Wortspiele auf der Mehrdeutigkeit (Polysemie) von Wörtern.
So trägt etwa zur Metaphorik von : „Meine Tage eilen schneller als ein Weberschiffchen, sie sind zuende, sobald
In b ist sowohl das Verb
Ein Spezialfall von Wortspielen mit polysemen Begriffen ist die Verwendung desselben Wortes in konkreter und in übertragener Bedeutung (Amphibolie).
Die Nathansverheißung in etwa spielt mit der Bedeutung des Nomens
Homonyme Begriffe, also Wörter, die von verschiedenen Wurzeln abgeleitet sind und unterschiedliche Bedeutungen haben, aber gleich ausgesprochen (Homophonie) und / oder geschrieben (Homographie) werden, können wortspielerisch miteinander in Verbindung gebracht werden.
In dem auf mündliche Weitergabe zielenden und daher rhetorische Eingängigkeit anstrebenden Prahlspruch : „Mit dem Kinnbacken eines Esels
Das Sprichwort in : „Denn wie das Prasseln der Dornen
Die häufigste, oft auch als „Wortspiel“ im eigentlichen Sinn beschriebene Form des Wortspiels ist die Kombination semantisch unterschiedlicher, lautlich aber ähnlicher Wörter mit demselben Grundbestand an Vokalen oder Konsonanten (Paronomasie). Ein solcher lautlicher Bezug bei differierender Bedeutung wird im Hebräischen z.B. bei Verben durch die Verwendung derselben Wurzel in unterschiedlichen Stammformen erzielt.
In c-d: „Glaubt
Dieselbe Absicht verfolgt in : „Seid ihr willig und gehorsam, so sollt ihr das Gut des Landes essen
Bei etymologisch voneinander unabhängigen Wörtern beruht die Paronomasie auf 1) der Klangidentität oder Klangähnlichkeit der Vokale bei leicht abweichendem Konsonantenbestand oder 2) der unterschiedlichen Vokalisation von Wörtern mit gleichen (oder nahe verwandten) Konsonanten.
1) Abweichende Konsonanten. Der erste Fall setzt im biblischen Hebräisch in der Regel die Übereinstimmung von zwei der drei Basiskonsonanten voraus. Das dafür illustrativste Beispiel ist b: „Er hoffte auf Rechtsspruch
Oft kann solche Lautähnlichkeit durch die teilweise unterschiedliche Reihenfolge derselben Konsonanten (Metathesis) verursacht sein. In b: „um ihnen Schmuck
2) Gleiche Konsonanten. Ein Beispiel für den zweiten Fall ist : „Das Wort des Herrn erging an mich: Was siehst du, Jeremia? Ich antwortete: Den Zweig eines Mandelbaums
Es gibt im Alten Testament einige Beispiele für zweisprachige Wortspiele. Im Vorwurf des Pharao an die Israeliten in : „Ihr habt Böses
Die ursprünglich enge Verbindung des Wortspiels zu magischen Vorstellungen und Praktiken wird etwa aus ägyptischen religiösen Texten deutlich. Das Wortspiel ist vor allem in Ritualen das sprachliche Instrument schlechthin, mit dem man die kultische und die götterweltliche Sphäre aufeinander bezieht. Auch das Wort des Traumdeuters und Zauberers erweckt den im Lautzusammenhang enthaltenen Sinnzusammenhang und macht ihn sich im Wortspiel durch imitative Magie nutzbar.
Anklänge an solche Vorstellungen finden sich im Alten Testament, wenn Wortspiele dazu dienen, das Wesen und die Bedeutung von Orten oder Personen zu erhellen. Das ist z.B. häufig der Fall bei der ätiologischen Erklärung von Personen- oder Ortsnamen durch eine auf einem Wortspiel beruhende etymologische Deutung.
So wird in etwa der Name des ersten Menschen Adam
erklärt den Namen der Stadt Babel
Mit Hilfe von Wortspielen kann die Enthüllung auch des künftigen Geschicks von Personen oder Orten geschehen.
Neben dem schon erwähnten Beispiel (vgl. 2.3) ist dafür etwa anzuführen, wo der Prophet einen Korb mit Obst
Im Zusammenhang von erscheint der Name Jakob
Das Wesen einer Person kann auch durch ihre Umbenennung aufgrund einer schicksalhaften Erfahrung offengelegt werden.
So enthält die Aufforderung: „Nennt mich nicht mehr „Liebliche“
Das Wortspiel ist in zahlreichen Fällen als rhetorisches Gestaltungsmittel eingesetzt. So dient die Paronomasie häufig zur Formulierung von euphonisch eingängigen Wortpaaren, wie etwa
In wird die Ankündigung der Vernichtung durch die Wiederholung klanglich nahe stehender Begriffe verstärkt: „Schrecken
In einer längeren Textpassage kann mit dem Mittel der Paronomasie ein Zusammenhang zwischen verschiedenen Abschnitten hergestellt werden.
Die Ermahnung Labans in : „Es ist nicht Sitte in unserm Lande, die Jüngere vor der Älteren
Besonders das Stilmittel der Ironie und die Gattung des Rätsels sind vielfach durch Wortspiele konstituiert.
In „Ihr habt gesagt: Nein, auf Rossen wollen wir dahinfliegen
handelt von einer rätselhaften Schrift an der Wand des Palastes Belsazars (): „Mene mene tekel uparsin“
Zuweilen hat die Paronomasie die lautmalerische (onomatopoetische) Funktion, die thematisierten Sachverhalte klanglich abzubilden.
vergleicht die Heeresmacht Ägyptens mit den landestypischen Fliegen und ahmt – zumal bei einer gedehnten Aussprache der s-Laute (Frikative) – zugleich das von ihnen verursachte Geräusch nach: „An jenem Tag wird pfeifen
Dabei ist ein Wort zuweilen mit einem semantisch funktionslosen anderen allein um des phonetischen Effekts willen verbunden (engl. Farrago).
In : „Die Erde war Wüste
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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