Im Sinne eines Beisammenseins von Personen zu einem bestimmten Zweck kennt das Neue Testament sowohl informelle, meist spontane Versammlungen, als auch solche zur Abhaltung antik-jüdischer und frühchristlicher → Gottesdienste.
Das informelle Sich-Versammeln von Menschen wird im Neue Testament meist mit dem Verb (epi-)synagō ([ἐπι-]συνάγω) oder mit den Substantiven ochlos (ὄχλος), laos (λαός) oder plēthos (πλῆθος) bezeichnet, die nicht selten synonym verwendet werden (; ; ; ; ; ; ). Für die antik-jüdische Gottesdienstversammlung steht synagogē (συναγωγή), für die frühchristliche ekklēsia (ἐκκλησία) oder plēthos (πλῆθος). In der Profangräzität wird ekklēsia zur Bezeichnung der Bürgerversammlung einer Polis verwendet ().
In den neutestamentlichen Evangelien wird Jesus sehr häufig als von Menschen umringt dargestellt. Diese hören sein Lehren (; ; par. ; par ; par ; ; ), staunen über seine Wundertaten ( par. / ; ; par. ; ) und Exorzismen (; ) oder kommen zu Speisungen ().
Jesu Wirken wird gelegentlich als das eschatologische (Ver-)Sammeln (; ; par. ; ) des endzeitlichen Gottesvolkes charakterisiert.
Auch von Versammlungen der Gegner früher Christen wird berichtet (; ).
Jesus versammelt um sich einen Kreis von → Jüngern und Jüngerinnen (), die ihm nachfolgen. Der Zwölferkreis (; ) zeigt dabei schon eine gewisse Institutionalisierung. Nach Ostern setzen sich die Versammlungen der Jünger (; ; ) fort. Die Pfingsterzählung markiert typologisch den Übergang von einer informellen Versammlung aus Juden und Nicht-Juden zur ersten frühchristlichen Gemeinde in Jerusalem (). Weitere frühchristliche Gemeinden entstehen in der Diaspora vor allem aus Abspaltungen von jüdischen Synagogengemeinden ().
Spezielle Versammlungsgebäude waren im antiken Judentum zur Zeit Jesu selten (zu den archäologischen und literarischen Belegen für Synagogengebäude siehe → Synagoge). Viel eher traf man sich in privaten Räumlichkeiten oder unter freiem Himmel. Nur in einzelnen Fällen ist im NT eindeutig zu entscheiden, ob für das griechische synagogē (συναγωγή) der Aspekt der Gemeindeversammlung oder der eines Gebäudes im Vordergrund steht. Eindeutig auf eine jüdische Gottesdienstversammlung bezieht sich . Explizit ein Synagogengebäude wird von einem Hauptmann in Kapernaum gestiftet (). In Korinth zieht Paulus mit seiner Anhängerschaft in ein Gebäude um, das direkt neben einem Synagogengebäude liegt (). Alle anderen Stellen im NT lassen beide Möglichkeiten offen. Bedenkt man jedoch, dass auch in der LXX (außer ) und bei Philo (außer in Bibelzitaten nur Prob 81) bei den durchaus zahlreichen Vorkommen von synagogē fast immer die Versammlung und nicht ein Gebäude gemeint ist, so ist auch für den neutestamentlichen Sprachgebrauch in den nicht eindeutigen Fällen viel eher an eine Versammlung von Menschen als an eine architektonische Struktur oder eine Versammlungsstätte zu denken. Josephus und eine Reihe von Inschriften (v.a. CIJ 1404) kennen beide Aspekte.
Ferner erwähnt das NT Versammlungen des Hohen Rates (→ Synhedrion / Sanhedrin; par. ; ; ; ), jener Versammlung von Hohenpriestern, Ältesten und Schriftgelehrten (), die in der Zeit der römischen Besatzung Palästinas als oberster jüdischer Gerichtshof fungierte.
Nach dem Vorbild der jüdischen Synagogengemeinden versammelten sich auch die frühen Christen in Hausgemeinden, das heißt in Privathäusern einzelner Mitglieder (; ; ; ; ; ; ). Die frühen Christen trafen sich wohl bereits in neutestamentlicher Zeit am ersten Tag der Woche (; ). Ihre Versammlungen werden vor allem mit den Begriffen ekklēsia (ἐκκλησία; u.a. ; ) und plēthos (πλῆθος; vgl. u.a. mit ; mit ) bezeichnet. Programmatisch wird der Zusammenhang von Ortsgemeinde und überörtlicher → Kirche in deutlich: Paulus schreibt an die konkrete Gemeinde in Korinth (), die mit anderen, „die den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen an jedem Ort“ () verbunden ist. Gemeinde beziehungsweise Kirche ist dort, wo man „in der Versammlung“ ( vgl. ) zusammenkommt und sich als „ganze Gemeinde“ () zum Gottesdienst versammelt. Dabei konstituiert sich die Gemeinde jedoch nicht durch den Akt des Sich-Versammelns sondern theologisch vom Bild des Leibes Christi her (; ), zu dem die einzelnen Gemeindeglieder hinzu getauft sind ().
Vor allem Lukas nutzt neben ekklēsia auch plēthos als christliche Gemeindebezeichnung (vgl. mit ; mit ), etwa im Sinne der Gemeindevollversammlung (). Da er jedoch auch das Synhedrion () und die Jünger () mit plēthos bezeichnet, liegt hier kein technischer Sprachgebrauch vor.
Nur einmal (; vgl. episynagogē in ) steht synagogē, das ansonsten durchweg jüdische Versammlungen bezeichnet, für eine christliche Versammlung.
Im Griechentum wird die Versammlung der stimmberechtigten freien Männer einer Polis ebenfalls mit dem technischen Ausdruck ekklēsia bezeichnet. Diese städtische Bürgerversammlung fällt sowohl politische als auch juristische Entscheidungen. Ein solches Gremium wird beim Aufruhr der Silberschmiede in Ephesus () genannt und wird von einer spontanen, nicht verfassten Versammlung (; ) unterschieden, auch wenn in beiden Fällen der Terminus ekklēsia Verwendung findet.
Die griechisch-römische Antike kennt ferner ein ausgeprägtes Vereinswesen. Menschen mit einem gemeinsamen religiösen und geselligen Interesse schlossen sich zu einem Verein (θίασος, collegium) mit einer Vielzahl von Versammlungsaktivitäten zusammen und standen damit in unmittelbarer Konkurrenz zu den antik-jüdischen und frühchristlichen Versammlungen.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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