
Abb. 1 Der Turmbau zu Babel (1423)
Der herkömmliche Titel „Turmbauerzählung“ für ist irreführend. Die Erzählung erwähnt nicht nur ein Bauprojekt, sondern zwei: „Stadt“ und „Turm“ (.). Das Hauptaugenmerk liegt zudem auf „der Stadt“ (). Überschriften wie „Der Turmbau zu Babel“ (Lutherbibel, Einheitsübersetzung) stehen im Bann der breiten Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte. Diese Geschichte hat aus der Themenbreite der Erzählung (s.u.) am stärksten den „Turm“ gewichtet. Solche Einseitigkeit lässt sich von der frühjüdischen Literatur an beobachten (vgl. den jüdisch-hellenistischen Historiker Eupolemos, den sog. samaritanischen Anonymus [Anfang 2. Jh. v. Chr.]: „der bekannte Turm“; s. Eusebius [263-339 n. Chr.], Praeparatio evangelica IX 17,2f; Text Kirchenväter 3), setzt sich bei den Kirchenvätern fort (Justin [… 165 n. Chr.], Dialog mit Tryphon 102; vgl. 127,2; Text Kirchenväter) und prägt mittelalterliche sowie neuzeitliche bildliche Darstellungen (Ebstorfer Weltkarte [13. Jh.]; John Martin: Fall of Babylon [1835]).
Man wollte schon in der Antike die sichtbaren Überbleibsel kennen, die der Turm hinterlassen haben soll (vgl. im babylonischen Talmud Traktat Sanhedrin 109a; Text Talmud). Im 19./20. Jh. versuchte ein historisches Interesse, die Stätte des Turmbaus exakt zu lokalisieren; geraume Zeit war die These akzeptiert, dass die Ziqqurrat (der Stufenturm) von Babylon namens „Etemenanki“ der biblische Turm gewesen sei (Soden 1971).
Doch schon die Übersetzung von
1) Das hebräische Wort, das sonst nie für ein sakrales Gebäude steht, bezeichnet oft eine Zitadelle (vgl. .).

Abb. 2 Stadt und Zitadelle auf einem neuassyrischen Palastrelief aus Nimrud
2) Die auffällige Wortverbindung in

Abb. 3 Der Turmbau zu Babel (1563)
Der kompositorische, facettenreiche Aufbau macht literarische Akzentuierungen der Erzählung deutlich:
Die Verteilung der Leitworte und lautlicher Anklänge im Hebräischen zeugen von einer sorgfältigen Komposition der Erzählung. Sie gliedert sich in zwei Teile, die sowohl parallel aufgebaut als auch konzentrisch aufeinander ausgerichtet sind. Im Zentrum steht die erste Erwähnung JHWHs in .
1) In gleicher Folge werden Worte aus nacheinander in wiederholt (parallelisiert), wodurch JHWHs Inspektion der Bauprojekte () ins Zentrum rückt und die eintretende Wende betont wird (vgl. Kikawada [1974]: ABCDEF A'B'C'D'E'F' – „eine Rede“ .; „dort“ .; „einer … sein Nächster“ .; „Stadt … bauen“ .; „Name/ihr Name“ .; „[nicht] zerstreuen über das Angesicht der ganzen Welt“ .).
2) Zugleich sind Worte und Gleichklänge so platziert, dass sie den Satz „und JHWH stieg herab, um zu sehen“ () wie Ringe umlagern (konzentrischer Aufbau). Das hebt ähnlich JHWHs Aufbruch zur Inspektion hervor (vgl. Raddy [1972]: ABCDEFGH X H'G'F'E'D'C'B'A' – „Stadt und … Turm“ .; „bauen“ .; „wohlan ziegeln /… verwirren wir“ .; „einer … sein Nächster“ .; „dort/von dort“ .; „Erde/Welt“ .; „Rede“ .; „alle Welt“ .).
Die narrative Gestalt hingegen akzentuiert eine gerahmte Doppelstruktur. Nach Westermann (1974; vgl. Bost 1985) „handeln und reden“ zuerst die Menschen (), dann Gott (), und sowie bilden dazu einen Rahmen. Ebenso kann man von einem achterlastigen Rahmen in und ausgehen.
1) Auf Ortswechsel () und zwei Reden (.) der Weltbevölkerung folgen Ortswechsel () und eine Rede JHWHs (). Dabei wird Gott als Gegenüber zur Bevölkerung etabliert; in seiner Rede hallen ihre Reden („wohlan, wir“ ..) und ihr Verhalten („einer … sein Nächster“ .) wider.
2) Im Rahmen korrespondieren der Anfangs- und der Endzustand, da es von der gemeinsamen Rede der Weltbevölkerung () zur Verwirrung ihrer Sprache () kommt. Darin liegt die zentrale Wende.
3) Zugleich werden im Schlussteil Linien zusammengeführt und Themen abschließend koordiniert: Die Bauabsicht sowie -vorbereitung () und der Baufortschritt () enden mit dem Bauabbruch (), der die Reaktion auf bzw. Folge () von Gottes Eingriff () darstellt. Dieser Eingriff in Form der Zerstreuung eröffnet () und beendet den Schluss () und hebt so die göttliche Durchkreuzung der menschlichen Bestrebung hervor, nicht zerstreut zu werden (). Durch das eingeschlossene Motiv der Verwirrung der Rede () werden Gottes realisierte Absicht („Rede“ ; vgl. „eine Rede“ ) und seine entsprechende Formung der menschlichen Kommunikation als Mittel zur Zerstreuung angezeigt. Damit verbunden kommt die doppelte Bedeutung von
Hinzu kommen in der Erzählung Alliterationen (hebr. Buchstaben B, L und N in .), Paronomasien („Ziegeln wir Ziegel“ ) und Wortspiele (im Hebr. klingt „Bitumen“ ähnlich wie „Mörtel“ ). Das alles zwang die Forschung, der durchdachten Struktur der Erzählung detailliert nachzugehen. Doch die Forschungsergebnisse differieren. Kein Modell kann alle Phänomene integrieren. Z.B. übergehen die obigen Modelle des Parallelismus und der Konzentrik zentrale Wendungen oder glätten die Thesen zur narrativen Gestalt zwischen Zustands- und Handlungsaussagen (.). Die literarische Kunstfertigkeit der Erzählung entzieht sich dem alles erklärenden analytischen Zugriff durch Modelle, darf aber von der Auslegung nicht übergangen werden.
Akzente beim Thema Sprache wurden mittlerweile als bedeutender Gesichtspunkt für das Textverständnis erkannt (Berges 1994, 2002, Diße 2001).
Im Text geht es zunächst wohl nicht um eine Einzelsprache oder ein Sprachsystem (. wörtlich „eine Lippe“, vgl. .), sondern um intentionale „Einstimmigkeit“ (Uehlinger 1990), etwa in dem Sinne, dass „einer zum anderen“ dasselbe redet (vgl. ), um „Wirklichkeitserschließung“, die „einheitlich(e)“ ausfällt (Seebass 1996; vgl. Kass 2000) oder um einen Sprachvollzug, bei dem man sich widerspruchslos versteht (vgl. Berges 1994, 2002). In diese Richtungen kann auch der zweite Ausdruck in gehen, falls er „einerlei (gleiche) Wörter“ bedeutet (Uehlinger, anders Seebass).
Mit solch „einer (gleichen) Rede“ korrelieren gemeinsames Wohnen und Handwerken, verbindendes Bauprojekt () sowie das göttliche Urteil, „ein Volk“ zu sein (). Die Reden der Menschen bestehen fast nur aus Selbstaufforderungen (5mal; 2mal „wohlan!“). Gegenreden und explizite Dialoge tauchen in der Erzählung nicht auf, weder unter den Menschen noch zwischen JHWH und Menschen. Im Selbstgespräch JHWHs hallen stattdessen die menschlichen Selbstaufforderungen wider ( 2mal; 2mal „wohlan!“). Die Kommunikationen im Text bleiben alle eindimensional. Das ist angesichts des breiten Themas Sprache von Gewicht. Weder Anrede noch Gespräch eröffnen die Chance, eine eingeschlagene Richtung zu korrigieren. Stattdessen folgt auf die menschliche Aktion einfach die göttliche Reaktion.
Dabei „vermengt“ (statt Lutherbibel und Einheitsübersetzung „verwirrt“) JHWH „ihre Lippe“, was bedeuten kann, dass JHWH in die „eine gleiche Rede“ etwas hineinmischt (Jacob 1934). Das Resultat soll sein, „dass sie sich nicht verstehen, einer die Rede seines Nächsten“ (). Verstehensdifferenzen zwischen Sprecher und Adressaten prägen fortan die Kommunikation und endlich bewohnt die „Weltbevölkerung“ die „Fläche der ganzen Welt“ (s.o.). Damit und zugleich durch den Kontext Gen 10 kommt der Aspekt der verschiedenen Einzelsprachen hinzu (Smith 1996).
Die Kriegsrolle von → Qumran lobt Jahrhunderte später die „Sprechvermengung“ (wörtl. „Vermengung der Zungen“; vgl. .. und .) und die „Teilung der Völker“ als Gottes Schöpfungstat (1QM 10,14).
Die traditionelle Auslegung ging bei den planenden und bauenden Menschen von einer Hybris und/oder von einer Schuld bzw. Sünde aus. Doch diese Auslegung wusste auch darum, dass „in der Erzählung das, worin nun eigentlich die Sünde der Menschen bestand, doch nicht mit der letzten Deutlichkeit ausgesprochen ist“ (von Rad 1948). Neuere Auslegungen sind bei der Kennzeichnung des Menschenwerkes als Schuld und Hybris behutsamer geworden oder rücken von solchen Thesen ab (Uehlinger 1990, Berges 1994, 2002, Diße 2001; vgl. Jacob 1934). Entscheidend für entsprechende Einschätzungen ist dabei, was einzelne Wendungen bedeuten können.
Zwei Richtungen wurden eingeschlagen: Wenn die Zitadelle mit „ihrer Spitze an den Himmel“ () reichen soll, könnten die Erbauer mit einem „unerhörten Plan … die himmlische Sphäre“ (Ruppert 1992) erreichen wollen. Doch kann die Wendung auch nur hyperbolisch das Eindruck machende Ausmaß des Baus meinen (vgl. ; ; von Rad 1948).
Mit dem Bau eng verbunden ist das Ziel: „Machen wir uns einen Namen“ (). Derartiges Streben nach Ruhm könnte „das begrenzte Maß vergänglichen Lebens“, das Gott gesetzt hat, sprengen wollen (Zimmerli 1943). Aber zu beachten ist: „Der Erzähler deutet durch nichts an, dass die Absicht, sich einen Namen zu machen, als solche verwerflich sei“ (Westermann 1974; vgl. ).
Das Ziel der Bauprojektanten, Zerstreuung zu verhüten (), erachtet ein Teil der Auslegungen als gegen Gottes Absicht gerichtet, dass Menschen die Erde füllen (Wenham 1987: ; ), oder als ein Stemmen gegen einen natürlichen Lauf der Dinge (vgl. ; Gen 10). Doch ebenso gut kann dieser letzte Satz der Menschen einfach ihre Furcht vor einer Teilung ausdrücken (Delitzsch 1872, Bost 1985), die sich dann auch als berechtigt herausstellt (vgl. ).
Die Worte Gottes in wurden so verstanden, dass sie von weiteren – schlimmeren – Werken der Menschen ausgehen (von Rad). Doch „dies ist ihr Beginnen zu tun. Und jetzt wird ihnen nicht unausführbar bleiben, alles, was sie planen zu tun“ () kann auch lediglich auf den Bau der Stadt und der Zitadelle und auf seinen Fortgang bezogen sein (Jacob, Cassuto 1964).
So kann ein Teil der Auslegungen in JHWHs Eingriff problemlos eine „Strafe“ erkennen (Procksch 3. Aufl. 1924; von Rad 1948; Westermann 1974; Ruppert 1992). Wo aber Auslegungen im menschlichen Projekt und Sinnen keine oder kaum moralisch negative Momente erblicken, stehen sie vor dem Problem zu erklären, worin das Motiv für JHWHs Eingriff liegt. Die Thesen reichen von anthropologischen über theologische bis hin zu politischen Erklärungen: JHWH wolle den Menschen vor den Gefahren und Folgen seiner großartigen Unternehmungen schützen (Seebass 1996). Gott setze sein Ziel durch, dass die Menschheit alle Welt bevölkere (Jacob). JHWH interveniere gegen eine „sich im Bau von 'Stadt und Turm' konkret manifestierende Form politischer Organisation“, gegen „Weltherrschaftsansprüche überhaupt“ (Uehlinger 1990); Gott richte sich gegen die „Konzentration aller kollektiven Kräfte auf den einen Ort“, es gehe um „Distanz zu den Großmächten“ (Berges 2002). Auch die neueren Exegesen kommen letztlich nicht daran vorbei, dass JHWH einen gewissen Missstand oder ein gewisses Defizit unter den Menschen korrigiert.
Mit der „Ebene im Land Schinar“ () wird eine Landschaft des Zweistromlandes evoziert. Die bautechnischen Ausdrücke in wollen für das Handwerk in Mesopotamien zutreffen (z.B. „Bitumen“ für die Backsteinbauweise). Die relativ offenen Ortsangaben „dort“ (.) sowie „von dort“ (; vgl. 9b) werden erst fast am Schluss pointiert präzisiert, als über das Geschehen hinausgegangen und die Gegenwart einbezogen wird („deshalb nennt man“ ). Der Name „Babel“ (bābæl) wird dabei vom ähnlich klingenden „vermengen“ (bālal) her erklärt. Das geht an der Namensdeutung vorbei, wie sie die Babylonier selbst vorgenommen haben: Sie wollten Bābili(um) als bāb ili / ilī „Tor Gottes bzw. der Götter“ verstehen (aus der Langform bāb ilāni entstand griech. Βαβυλών „Babylón“). Einerseits gibt die → Ätiologie in dem Namen (vgl. ) der bekannten Großstadt einen despektierlichen Beiklang. Andererseits kann nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Text die babylonische Namensinterpretation voraussetzt: Babylon wurde das Einfallstor für JHWH, Menschen auf die „Fläche der ganzen Welt“ zu bringen (Berges 1994; Sals 2004).
Gunkel (1901.1910) ging von zwei Quellen aus, die der Erzählung zu Grunde liegen: ein „Stadtbericht“ mit dem Thema Sprachverwirrung (Gen 11,1.3a.4a*.5a*.6a*.7.8b.9a) und eine „Turmbaurezension“ mit dem Thema Zerstreuung (Gen 11,2.4a*.b.3b.5a*.b.6a*.8a.9b). Gunkels These wurde vielfach übernommen und modifiziert (Skinner 1910, Chaine 1948, Wallis 1966, Schreiner 1975; vgl. Rose 2004).
Weitere literarhistorische Erklärungen kamen hinzu: Man nahm eine Verflechtung der unterschiedlichen Themen auf der traditionsgeschichtlichen Ebene an, in einer Vorgeschichte der Erzählung also (Zimmerli 1943, von Rad 1948, Westermann 1974, Bost 1985, Seebass 1996). Andere wollten auf der schriftlichen Ebene einen bis drei redaktionelle Eingriffe erkennen (Weimar 1977, Neveu 1984, Uehlinger 1990, Ruppert 1992), wobei derartige Modelle recht unterschiedlich ausfallen: Beispielsweise meinte Seybold (1976), eine „ätiologische Babelgründungsaussage“ mit dem Thema Sprachverwirrung sei zuerst gerahmt, ergänzt und zu einer Urzeiterzählung gestaltet („Jahwist“ Gen 11,1.6*.9a*) und dann mit dem Thema Zerstreuung glossiert (Gen 11,4b.8a.9b) worden. Hingegen nahm Witte (1998) an, eine weitaus kürzere „Babelätiologie“ sei von einem Redaktor (der Urgeschichte Gen 11,1.2*.3.4b.5b[?].6-7.8ab[?]9a*.b) umfangreich ergänzt worden.
Budde (1925), Jacob (1934) und Cassuto (1964) gingen von der Einheitlichkeit der Erzählung aus. Der Text wird teilweise bewusst als Einheit gelesen (Harland 1998), oder von der Frage nach dem Wachstum wird einfach abgesehen (Auffret 1981, Croatto 1998, Wolde 2000).
Das uneinheitliche Bild in der Forschung rührt von der Beurteilung her, ob Spannungen (z.B. zwei Motive, den Turm zu bauen: einen Namen machen – nicht zerstreut werden ), Dopplungen (zweimal steigt JHWH herab .) usw. vorliegen, die nur von einer Entstehungsgeschichte her erklärt werden können (Diße 2003), oder ob sich derartige Phänomene anders verstehen lassen (Westermann 1974). Hinzu kommt die Vermutung, dass die kunstvolle Struktur literarhistorische Fragestellungen erübrigen würde (Fokkelman 1975).
Die zeitliche Einordnung der Erzählung wurde von der Forschung lange anhand von übergeordneten Erklärungsmodellen vorgenommen, wie der → Pentateuch entstanden sei. Dabei schrieb man die Erzählung meist dem sog. Jahwisten zu. Ende des 20. Jh.s nahmen dann Forscher präzise zeitliche Zuschreibungen vor:
Uehlinger (1990) bot für sein redaktionsgeschichtliches Modell die detaillierteste historische Zuschreibung: Der Verfasser einer Grundschicht habe den Machtzuwachs des assyrischen Reiches unter den Königen Tiglatpileser III. (745-727 v. Chr.) und Sargon II. (721-705 v. Chr.) gesehen, um den plötzlichen Fall Sargons, um die damit verbundene Aufgabe der neuen Hauptstadt Dur-Šarrukin gewusst und daraus ein Paradigma für JHWHs Opposition gegen menschliche Weltherrschaftsansprüche entwickelt. Der erste Bearbeiter (Gen 11,1b.3*.9a) habe den Text auf die Großmacht Babylon bezogen und in der Exilszeit oder kurz danach kritisch auf die Baumaßnahmen → Nebukadnezzars II. (605-562 v. Chr.) in Babylon und die Weltherrschaftsansprüche dieses Königs geantwortet. Der Einbau in die vorpriesterliche → Urgeschichte () habe die politische Erzählung in eine mythologische Frühzeiterzählung umgewandelt. Ein weiterer Bearbeiter (Gen 11,4b.8a.9b) übernehme (wohl im 5. Jh. v. Chr.) von den persischen Königen die Weltreichsidee und bewerte die Sprach- und Völkervielfalt wie die Völkertafel Gen 10 positiv. Uehlinger kann dabei teilweise altorientalisches Material und entsprechende Traditionen als Verstehenshorizonte aufzeigen. Doch weist in nichts auf das Königtum hin (so Seebass 1996); assyrische und persische Hintergründe kann man bestenfalls indirekt erschließen.
Witte versteht die Arbeit der umfangreichen Redaktion (s.o.) vom Versuch Alexanders d. Gr. (336-323 v. Chr.) her, mit 10.000 Soldaten Babylon und seine Ziqqurrat wieder zu errichten, als Hauptstadt des makedonischen Reiches auszubauen und damit seine „kulturelle Verschmelzungspolitik zu stützen“. richte sich gegen solche „Einheitskultur“. Doch scheint Gen 11,1-9 von der Neugründung einer Metropole auszugehen (so Uehlinger 2002). – Alle exakten zeitgeschichtlichen Thesen zur Erzählung haben weitgehend hypothetischen Charakter (Ruppert 1992; Seebass 1996).
Abgesehen von der Entstehungszeit ist das zeitgeschichtliche Ambiente zu beachten, welches mit den Namen „Schinar“ und „Babel“ etabliert werden soll. Beim Ambiente ist ein Durchschimmern der Exils- und/oder Nachexilssituationen möglich (vgl. Sals 2004). Dieses Ambiente muss nicht pragmatisch im und für den gemeinten „exilischen bzw. nachexilischen“ Zeitraum entstanden sein, es kann auch paradigmatisch für analoge Situationen gelesen werden. Das Exil eines Unterdrückers wie Babylon werde den „Exilierten“ bzw. territorial Entwurzelten prognostiziert (vgl. Croatto 1998); „Baustopp und Zerstreuung“ könnten befreiend auf solche wirken, die sich mit den aus Israel, Juda und den Nachbarvölkern Deportierten identifizieren können (vgl. Berges 2002); dabei klingt eine „Befreiung vom Joch eines verhassten Zwangsstaates“ mit an (Krauss / Küchler 2003).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
Derzeit sind Sie als Gast auf den Seiten von WiBiLex unterwegs. Um das Lexikon in vollem Umfang nutzen zu können (z.B. Artikel drucken und durchsuchen, Bilder vergrößert anzeigen), melden Sie sich bitte mit Ihrem Benutzer-Namen an oder registrieren Sie sich kostenlos als neue/r Nutzer/in.
Wenn Sie bereits auf www.die-bibel.de registriert sind, können Sie sich ohne weitere Registrierung mit den gleichen Benutzerdaten auch bei WiBiLex anmelden!