Ganz allgemein bezeichnet der Ausdruck
Die Öffnung eines Hauses ermöglicht den Eintritt in den privaten Raum und darf nicht unaufgefordert überschritten werden (). Daher wird in berichtet, dass der Thron im Audienzsaal sich gegenüber dem (offenen) Eingang befindet, so dass der König die Bittsteller sehen kann, ohne sie hereinbitten zu müssen (Bartelmus, 1989, 845). In Gen 18 sitzt Abraham nach nomadischem Brauch im Zelteingang, um Vorüberziehende nicht zu verpassen, als er plötzlich seinen Besuch erblickt, den er dann außerhalb des Zeltes mit den Speisen bewirtet, die Sara im Inneren zubereitet. Die Wahrung der Privatsphäre hat besondere sittliche Aspekte, wenn hinter den Mauern eines Hauses die Hausfrau () oder die fremde verführerische Frau () verborgen ist. Dass die Frau Jerobeams unaufgefordert in Ahijas Haus eintritt, bringt ihre Sittenlosigkeit zum Ausdruck (). Eine Frau, die von ihrem Mann zu Recht beschuldigt wird, bei der Eheschließung nicht mehr jungfräulich gewesen zu sein, soll vor der Tür ihres Elternhauses – also in einem schutzlosen Bereich – gesteinigt werden ().
Theologische Tiefendimensionen erhält der Begriff
Zum Ort der Gottesbegegnung wird in der Höhleneingang (nur hier findet sich die Verbindung
Während sich die oben genannten profanen Wortbedeutungen auch in Qumran finden, wird die Vorstellung der Tempeltüren als Ort der Gottesbegegnung hier wegen der Distanzierung vom Jerusalemer Tempel nicht übernommen (Hieke, 2001, 929).
Die Tür wird hebräisch mit dem Wort
Der Begriff
Das Wort
Die Türen im Stadttor garantieren den Schutz einer Stadt () und die Kontrolle darüber, wer diese betritt. Beim Abschluss von Bauarbeiten werden die Türflügel in die Mauern der Stadt eingesetzt (; ; .; ; ). Sie werden abends geschlossen und erst am Morgen wieder geöffnet (vgl. ; ) und können gerade dadurch auch zur Falle werden (). Das Fehlen von Türen in der Stadtmauer signalisiert Sorglosigkeit (; ), zerbrochene Türen zeigen aber auch die Verwüstung einer Stadt an (; vgl. ). Als „Tür der Völker“, die in den Augen von Tyrus vernichtet und zerschlagen ist, wird in Jerusalem bezeichnet. Das Öffnen und Zerschlagen von Türen, Toren und Riegeln symbolisiert in . hingegen die beginnende Heilszeit unter dem Perserkönig Kyros (vgl. ).
Auch die Türen des Tempels (; .; ; ; ; .; .) oder eines Hauses () werden mit
Privathäuser werden ebenfalls nachts abgeschlossen (; vgl. Gen 19). Das geschieht entweder aus Angst vor Gefahr (; ), um heimlich seinem Tun nachgehen zu können (; ; ) oder um das Handeln Gottes zu verbergen (.; .). Privathäuser werden durch Riegel verschlossen (; ), so dass an die geschlossene Tür angeklopft werden muss (). Besondere Gastfreundschaft zeigt sich dort, wo Fremden abends die Tür geöffnet wird ().
Auch im übertragenen Sinne betont die Verwendung von
Die Eingänge der Vierraum- bzw. Dreiraumhäuser führten in der Regel in einen zentralen Raum ohne Dach, den Hof des Hauses (→ Haus / Hausbau; Fritz, 1990, 117). Türöffnungen lassen sich für die Frühbronzezeit (Arad Str. I-III) in eingeschossigen (fensterlosen?) rechteckigen Breitraumhäusern nachweisen. Sie befanden sich in einer der längeren Wände und waren 60-70cm breit. Treppenstufen führten von der Tür abwärts in den Innenraum des Hauses (Vieweger, 2003, 297). In einfachen Häusern war die Türöffnung vermutlich mit einem Tuch verhängt.
Türen selbst lassen sich in Palästina archäologisch nicht nachweisen, da sie wohl in der Regel aus Holz waren. Anders liegt der Befund z.B. für Ägypten, wo sich über Darstellungen von Türen auch Modelle von Gebäuden und sogar Holztüren und Metallbeschläge von Torflügeln archäologisch nachweisen lassen (Brunner, 1982/1988, 248). Literarisch sind Perlenvorhänge in mesopotamischen Türöffnungen belegt (Salonen, 1962, 42).

Abb. 1 Türschwelle.
Hinweise auf das Aussehen von Türen in Israel / Palästina geben aber Funde von Schwellensteinen und Angellöchern: Die Türen lagerten auf hölzernen Pfosten, die sich in runden Löchern oben und unten am Türsturz drehen konnten (Abb. 1; vgl. ).

Abb. 2 Einfacher Türriegel eines Privathauses.
Haustüren konnten durch Balken verriegelt werden, die man innen schräg gegen die Türen stellte. Nachgewiesen sind solche Riegel nur durch die Fußbodenlöcher, die den Riegeln Halt gaben (z.B. auf Tell Ḥalāf [Tell Halaf]; Galling / Rösel 1977, 349). In selteneren Fällen konnten Häuser mit einfachen Riegeln, die in die Hauswand eingelassen wurden, verschlossen werden (Abb. 2).
Der Türsturz bzw. die Oberschwelle eines Hauses wird mit dem Wort

Abb. 3 Mesusa an einem New Yorker Wohnhaus.
Das Wort wird später außerhalb des Alten Testaments auch auf ein am Türrahmen befestigtes Röhrchen übertragen, in dem sich ein Pergament befindet (Abb. 3; s.u. 3.2).
Der Türpfosten markiert die Grenze zum gesicherten Eigentum bzw. zum geschützten Raum, den nicht jede/r betreten darf (; .; ; ; ; ) und der bewacht werden muss (). Entsprechend wird ein Sklave durch das Durchstechen der Ohres an der Tür (s.o.) oder am Türpfosten zum ständigen Eigentum seines Besitzers ().
Türpfosten gelten zudem als Grenzmarkierung zwischen der Sicherheit des Hauses und der gefährlichen Außenwelt. Die Bedeutung der Grenzmarkierung von Innen und Außen zeigt sich u.a. im auch heute noch geübten jüdischen Brauch, die am rechten Türpfosten angebrachte → Mesusa – ein Metallröhrchen (s. 3.1) – beim Betreten und Verlassen eines Hauses bzw. eines Raumes zu berühren.
Flavius Josephus bezeugt die weite Verbreitung der Sitte (Antiquitates II 213; Text gr. und lat. Autoren). Die älteste bekannte Mesusa-Inschrift stammt aus Qumran (Höhle 8) und enthält . Der rabbinisch vorgeschriebene Text besteht hingegen aus (→ Schema Israel „Höre Israel“; ) und (mit der Gottesbezeichnung → Schaddai; vgl. ).
Der Brauch, die Pfosten der Türen zu markieren und so zur ständigen Erinnerung an JHWH zu machen, hat seinen Ursprung wohl in der Auffassung, dass Türschwellen als Grenzen mit magischen Hilfsmitteln geschützt werden müssen (vgl. Raschi, Babylonischer Talmud, Traktat Menachot 32b; Text Talmud 2). Türen und Tore markieren auch in Ägypten Grenzen und dienen damit der Gliederung der Gesellschaft und der Natur (Brunner, 1982/1988, 261). In mesopotamischen Beschwörungen gegen die dämonischen Mächte Udug und Ala werden diese daran gehindert, die Schwelle eines Hauses zu überschreiten. Sie sollen stattdessen ins Gebirge bzw. in die Steppe zurückkehren (Geller, 1985, 36/37 Z.315-317; 78/79 Z.842-843; TUAT I 194f). In der Beschwörungsserie utukki lemnūti Z. 25-35 wird von den bösen Geistern gesagt, dass keine Tür und kein Riegel sie davon abhalten kann, ein Haus heimzusuchen. Besonders eindrücklich für den vorliegenden Zusammenhang ist ein mesopotamisches Löseritual (Namburbi), bei dem im Eingangsbereich einer Schänke – also einem Ort, an dem die Gefahr bestand, sich mit vielen Unreinheiten zu infizieren – unreiner Stoff abgeladen wird. Um die durch diese Praxis wiederum entstehende Verunreinigung der Schänke aufzuheben, wird im sog. „Schänkenzauber“ der Türpfosten der Schänke mit einer apotropäisch wirkenden Paste bestrichen und → Ischtar als der Schutzgöttin der Kneipen geopfert. Einer der wichtigsten Textvertreter für dieses am vorletzten Tag eines Jahres durchgeführte Ritual ist ein Amulett (→ Amulett / Siegelamulett), das man im Torbereich der Gastwirtschaft aufhängen konnte und das so ständigen Schutz vor Unglück durch Verunreinigung gewährleistete (Maul, 1992, 394, vgl. Maul, 1994).
Auf diesem Hintergrund ist auch das Ritual in Ex 12 zu verstehen: Der Passaritus in berichtet von dem apotropäischen (abwehrenden) Ritual, Unheil
Nach soll am Neumond des Frühlingsmonats Blut auf den Türpfosten des Tempels „gegeben“ werden. Dieses Ritual dient nicht nur dazu, das Heiligtum zu entsündigen
Dass gerade der Eingang des Tempels besonderen Schutzes bedarf, zeigt auch das Amt der „Tempelwächter“
Bereits in der historischen Frühzeit wurden Häuser durch verschiedene Symbole gekennzeichnet, um die Eigentumsverhältnisse zu klären. Chalkolithische Ossuarien (Knochenkästen) in Hausform zeigen Werkzeuge über den Eingängen, die vielleicht auf den Beruf des Besitzers hinweisen sollten. Mesopotamische Tempel wurden durch Siegel über den Eingängen den jeweiligen Gottheiten zugewiesen, ebenso wie Grabinschriften in Ägypten und Byblos an Oberschwellen bzw. Türpfosten die Identifizierung der Begrabenen ermöglichten (Milgrom, 1984, 802).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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