Andere Schreibweisen: Shaphan (engl.); Chafan (frz.); Safan (niederl.)
Schafan (hebr.
Alttestamentliche Nachrichten über Nachkommen Schafans belegen, dass die Schafaniden in den Jahrzehnten vor und bei Beginn des babylonischen Exils (587 v. Chr.) führende Positionen in der judäischen Politik einnahmen; ferner betonen die Quellen, dass die Familie dem Propheten Jeremia nahe stand. Dies gilt, selbst wenn nicht immer auszuschließen ist, dass die Filiation „Sohn Schafans“ auf eine andere Person gleichen Namens verweist.
kennt Ahikam ben Schafan als durchsetzungsfähigen Parteigänger Jeremias in den mitunter lebensbedrohlichen Konflikten, in die jener verwickelt war.
Nach Jer 36 gehörte ein Sohn Schafans namens Gemarja zum engsten Zirkel um König Jojakim und besaß das Privileg, über eine Räumlichkeit am Tempel zu verfügen, die Jeremias Schreiber → Baruch für die öffentliche Rezitation einer Schriftrolle mit jeremianischer Prophetie offen stand. Sein Sohn Michaja habe die Bedeutung der Worte erkannt und den Hof unterrichtet (). Als Jojakim der Rolle habhaft wurde und sie verbrannte, habe u.a. Gemarja (und Ahikams Sohn Gedalja? so → Septuaginta) ihn daran zu hindern gesucht ().
Laut Jer 29 richtete der Prophet einen Brief an die babylonischen Exilanten, wobei er die Botendienste eines Schafan-Sohnes namens Elasa in Anspruch nehmen konnte, der zusammen mit Gemarja ben Hilkija (= der Oberpriester aus 2Kön 22-23?) als Diplomat Zedekias tätig war ().
Nach der Einnahme Jerusalems setzten die Babylonier Ahikams Sohn Gedalja als Chef der judäischen Verwaltung ein (; ; ). Auch dieser Schafanide soll mit dem Propheten ein Verhältnis gegenseitigen Beistands gepflegt haben (; ).
Dem üblichen Bild widerspricht , wo Jaasanja ben Schafan der Teilnahme an illegitimen Kultpraktiken im Jerusalemer Tempel bezichtigt wird.
Mehrere Personen namens Schafan sind im (späten) 7. Jh. auf → Siegeln bzw. Siegelabdrücken belegt (HAE II/2): špn bn mtn (21.97), špn (bn) pdjhw (21.98), špn bn chgb (21.99), špn bn ‘zrqm (21.100) sowie [’]chjqm [b]n špn (1.52; vgl. o. Ahikam den Sohn Schafans), gmrjhw [b]n špn (3.28; vgl. o. Gemarja den Sohn Schafans) und jšm‘’l bn špn (10.90).
Der Buchauffindungsbericht in 2Kön 22 und die Stoßrichtung der josianischen Reform deuten darauf hin, dass sich die Maßnahmen auf eine Vorform des Buches Deuteronomium stützten („Urdeuteronomium“). Der Anspruch, Schafan sei gemeinsam mit dem Oberpriester Hilkija bei der Initialzündung der Reform involviert gewesen, wird als Hinweis zu werten sein, dass Schafan samt seiner Sippe eine Schlüsselrolle in der so genannten deuteronomistischen Bewegung spielte, einer Gruppe einflussreicher Persönlichkeiten aus Politik und Kultbetrieb Judas, die die deuteronomischen Zentralforderungen der Kulteinheit und Kultreinheit propagierten und die darauf bezogene deuteronomische bzw. deuteronomistische Literatur hervorbrachten (→ Deuteronomismus). Die Assoziation der Schafaniden mit Jeremia und die Bestellung Gedaljas zum babylonischen Amtsträger belegen, dass die Familie in politischen Richtungskämpfen zur Zeit König → Zedekias gegen einen verbreiteten zionstheologisch inspirierten Enthusiasmus für eine Haltung realistischer Gefügigkeit angesichts des babylonischen Imperialismus eintraten.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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