→ Wagen (Streitwagen), → Verkehr (Transportmittel)
Reiten bezeichnet die Fortbewegungsart eines Menschen bzw. einer menschengestaltigen Gottheit auf dem Rücken eines Tieres. In der stark zergliederten, gebirgigen Levante, die ander als Ägypten und das Zweistromland keine schiffbaren Flüsse kennt, ist das Reiten auf Tierrücken seit der Domestikation von Esel und Pferd im ausgehenden 4. Jt. v. Chr. die wichtigste Fortbewegungsart über längere Distanzen. Reiten ist in der hebräischen Bibel insbesondere auch die Fortbewegungsart der Noblen. Das Aufsteigen aufs Tier kann als Akt der Inthronisation inszeniert werden.
Die geopolitische Lage der Levante im Schnittpunkt dreier Kontinente und damit im Frontbereich von Großmächten mit hegemonialen Ansprüchen führt dazu, dass militärisches Reiten über Jahrhunderte hinweg von Ambivalenz gekennzeichnet ist. Einerseits waren die israelitischen und judäischen Eliten versucht, im Konzert der Mächte mit einer entsprechenden Kavallerie mitzuspielen (; ; ), andererseits ist das Auftauchen fremder Pferde, Reiter und Wagen für die Zivilbevölkerung mit historischen Traumata verbunden (; ). Die darauf reagierende prophetische Kritik an der königlichen Pferdehaltung (; ; ; ) und dem auf Reiten gründenden Kolonialismus (; ) ist singulär im Alten Orient. Komplementär dazu entwickelt sich in der apokalyptischen Literatur die Vorstellung eines göttlichen Reiterheeres, das rettend in die Geschichte eingreift (s.u. 2.2).
Eine ganze Reihe eigenständiger indogermanischer Worte aus dem Wortfeld „reiten / fahren“ werden im Hebräischen durchwegs aus der Wurzel RKB abgeleitet:

Abb. 1 Noch in der ersten Hälfte des 20. Jh.s dominieren Eselreiter und Transportesel den Verkehr von Jerusalem (hier vor dem Jaffator).
Worauf und wie wird geritten? Das älteste, seit der Mitte des 3. Jahrtausends bezeugte Reittier der Levante ist der vom nubischen Wildesel (Equus africanus africanus) her domestizierte, äußerst bedürfnislose, dem Klima und Terrain hervorragend angepasste → Esel (Equus asinus asinus). Bis in die Gegenwart hinein wird er, ähnlich wie das hybride → Maultier, im Orient als Transport- und Reittier verwendet (Abb. 1). Das → Pferd ist wenig später auch als Reittier bezeugt, bleibt jedoch weitgehend Eliten und Militärs vorbehalten. Das → Kamel betritt die Haustierszene der Levante erst in der Eisenzeit (ab ca. 1100 v. Chr.). Es ist ab der hellenistischen Zeit das bevorzugte Reittier der Elite und ganz besonders der Beduinen. Das Reiten auf Tieren geht einher mit der Entwicklung einer tierspezifischen Reittechnik. Es hat Auswirkungen auf den Handel, die Kriegsführung und den Hofstaat, bis hin zu mythologischen Vorstellungen.

Abb. 2 Eselreiter (aufgrund von Farbresten koloriertes Detail einer Stele von Ṣerābīṭ el-Chādem / Sinai, um 1850 v. Chr.).
Die älteste Darstellung eines Eselreiters in der Levante ist ca. 4300 Jahre alt (Keel / Schroer 2005, Nr. 98). Notable Levantiner werden von Ägyptern als Eselreiter dargestellt (Keel / Schroer 2008, Nr. 263), und zwar in der über Jahrhunderte hinweg stabilen Konstellation eines Reiters mit zwei jüngeren Begleitern, einem Führer und einem Treiber (Abb. 2; ; ). Zur Ausstattung des Reiters gehört nebst dem → Zepter bzw. der Zeremonialaxt ein Lenkstab

Abb. 3 Pferdereiter mit Führer (Abrollung eines Rollsiegels im mittelassyrischen Stil, Emar, 13. Jh. v. Chr.).
Pferdereiter sind vereinzelt ab dem ausgehenden 3. Jt. v. Chr. in Ur und anderen Orten des Zweistromlandes bezeugt. Zaumzeug ist zunächst unbekannt. Man reitet im „Eselsitz“ auf der Kruppe des Tiers. Die Zügel sind an einem Nasenring befestigt. Der älteste Beleg für berittene Militärs stammt von einem Schriftstück des frühen 2. Jt. v. Chr. vom Tell Leilan (Nordostsyrien). Noch im 350 Exemplare umfassenden Corpus der Siegel von Emar (13. Jh. v. Chr.) finden sich nur zwei mit Pferdereitern. Das eine zeigt einen Pferdereiter, der in der altherkömmlichen Eselreittradition von einem Begleiter geführt wird (Abb. 3), das andere einen Reiter mit zwei Pferden (Abb. 4).

Abb. 4 Behelmter (?) Reiter mit zwei Pferden (Abrollung eines Rollsiegels im Mitannistil, Emar, 13. Jh. v Chr.).
Das zweite Pferd hält er wahrscheinlich nach damaliger Jagdsitte für einen – nicht dargestellten – Bogenschützen. Etwa aus derselben Zeit stammt der sog. „Kukkuli-Traktat“ aus → Hattuscha, eine Trainingsanweisung für Streitwagenpferde. Die darin verwendeten indoeuropäischen Fachbegriffe belegen, dass die Pferdehaltung von zentralasiatischen Völkern erlernt wurde.

Abb. 5 Terrakottafigur eines Pferdereiters (judäisches Bergland, 8. / 7. Jh. v. Chr.; BIBEL+ORIENT Datenbank).
Die Hurriter vermittelten das Wissen nach Mesopotamien weiter. Ab dem 9. Jh. bildeten Urartäer und Mannäer in Armenien und Aserbaidschan, Aramäer in Syrien und Nubier in Ägypten () eine eigene Kavallerie aus, die sich oftmals als schlagfertigste Truppeneinheit erwies. Erst im Verlauf des 8. Jh. v. Chr. lernten die Assyrer freihändig auf dem Pferd zu reiten und mit dem Bogen zu schießen. Sie entwickeln Reitdecken, Schabracken und Transportsättel, die später von den Medern und Persern und deren Verbündeten in der phönizischen Oberschicht (Abb. 5) übernommen wurden, dann auch von den Lykern, Griechen und Skythen, die schließlich den eurasischen Reitsattel entwickelten. Im 7. Jh. v. Chr. hatte der Streitwagen in Assyrien nur noch zeremonielle Funktion. Die Kavallerie hatte sich durchgesetzt. Die Pferdehaltung war äußerst kostspielig. Unter anderem standen der Kavallerie Veterinäre zur Verfügung, die vielfältige, teils sehr aufwendige magische Reinigungs- und Schutzzeremonien für Pferdeställe durchführten. Im Alltag kann sich das Reiten auf Pferden auch in Mesopotamien nicht etablieren; es bleibt auf den militärischen Bereich und die Jagd beschränkt.
Ganz im Gegensatz dazu gingen die Ägypter nie zum Reiten auf Pferden über. Auch Israeliten und Judäer unterhielten wie die Ägypter ein Streitwagenkorps, scheinen aber nie im Besitz einer Kavallerie gewesen zu sein. In der hebräischen Bibel sind es fast immer Fremde, die auf Pferden reiten: Aramäer: ; Assyrer: par. ; ..; Babylonier: ; ; ; .; Meder, Perser, Skythen: ; .. Ausnahmen sind einzig einheimische Boten (; ). Jesaja warnt eindringlich vor dem Reiten auf Pferden (; ). Jeremia droht den babylonischen Rossen und Reitern den Untergang durch berittene Rosse anderer Länder an (.) und Ezechiel prophezeit den Vögeln und Tieren des Feldes ein leckeres Mahl von Rossen und Reitern (; → Weltreiche). Auch der Segen Jakobs macht sich über fremde Rosse und Reiter lustig, wenn er den Stamm Dan als Schlange charakterisiert, die das Pferd in die Ferse beißt, so dass der Reiter zu Boden fällt (). Die Erzählung vom Exodus, bei dem das ägyptische Reiterheer – gemeint sind hier natürlich Streitwagen – von JHWH bezwungen wurde (→ Meerwundererzählung), hat den Sinn, die immer wieder von Kolonialmächten bedrohten Judäern und Judäerinnen mit zuversichtlichem Gottvertrauen zu erfüllen ().

Abb. 6 Terrakottafigur eines Pferdereiters (Küstenregion der Südlevante, 5. / 4. Jh. v. Chr.; BIBEL+ORIENT Datenbank).
Die Reiter müssen die Judäer und Judäerinnen ungemein fasziniert haben (..). Pferde werden in Aufzählungen von Vieh oder Reittieren immer an erster Stelle genannt (; ; ; ; ; ; ). Auch gehören Reiterdarstellungen vom 9.-4. Jh. v. Chr. nach den Aschera-Säulenfiguren (→ Aschera) zu den beliebtesten Terrakottafiguren der Region. Bei rund drei Vierteln von ca. 1460 aus Palästina / Israel bekannten Pferdedarstellungen – den häufigsten Tierdarstellungen – handelt es sich um solche Figuren. In der Eisenzeit werden sie einfach, aber vollplastisch und realistisch inszeniert (Abb. 6).

Abb. 7 Pferde- und Kamelreiter (mesopotamisches Rollsiegel, 6.-5. Jh. v. Chr.).
In persischer Zeit werden sie so gestaltet, dass sie nur von vorne betrachtet einigermaßen sinnvoll proportioniert erscheinen, wobei der Reiter viel stärker betont ist als früher und eine Filzmütze (griechisch: kyrbasia) trägt, wie sie für Skythen, Meder und Perser typisch ist (Abb. 7). Im Perserreich gehörte das Reiten zu den wichtigsten Tugenden (Herodot I, 136; III 88 [Text gr. und lat. Autoren]; vgl. ). Nach dem Vorbild des effektiven persischen Heeres, seiner berittenen Postboten und Spione (Herodot III, 126; Herodot VIII, 98; .) stellte man sich nun das Himmelsheer JHWHs bestückt mit Kavallerie vor (; ). Von göttlichen, teilweise dem sol invictus angeglichenen Reitern erwartete man Hilfe in Schlachten (; ; ; ). Naheliegender als in den Terrakottafiguren bestimmte Gottheiten oder Stifterfiguren zu sehen, ist daher ihre Deutung als Schutzengel bzw. „individuelle Repräsentanten des Himmelsheeres“ (Uehlinger, 2001b, 40f; vgl. .; ; ), im Sinne rettender göttlicher Boten, gestaltet nach dem damals faszinierenden Vorbild assyrischer und persischer Kavallerie. Immerhin war es nach und möglich, sich auch den künftigen König Israels als auf dem Pferd reitend vorzustellen.

Abb. 8 Frau mit Kind auf einem Maultier mit Decke, das von einem Mann angetrieben wird (Relief des Südwestpalastes Sanheribs, Ninive, 7. Jh.).
Auf dem → Maultier, das – wie das Pferd – „mit Zaum und Zügel“

Abb. 9 Kamelsatteltypen: a) Südarabischer chaulāni-Sattel; b) syrischer Kissensattel; c) nabatäischer šaddād-Sattel; d) palan-Sattel (Transportsattel); e) Palladium für Prozessionen mit heiligen Objekten.
Die Söhne des Ostens, die → Midianiter und → Amalekiter, haben mit Möndchen (śahǎronîm; .) und Kettenzeug / Zaumzeug (‘ǎnāqôt; ) geschmückte Reitkamele, auf denen sie bei Razzien das Land der israelitischen Bauern überfallen (; ; ). Die → Ismaeliter bzw. die → Araber sind handelnderweise mit Karawanen (’orchāh) von Kamelen unterwegs (; .). Auch die Königin von → Saba lässt ihre Schätze auf Kamelen transportieren (; ), aber auch die Judäer selber tun es ().

Abb. 10 Kamel mit Reiter im „Eselritt“ (Jemen, ca. 2. Jh. v. Chr.).
Zentrum des arabischen Karawanenhandels zu sein ist eine judäische Wunschvorstellung (). Transporte mit Kamelkarawanen implizieren immer auch das Reiten auf Kamelen, denn die langen Handelsdistanzen auf der arabischen Halbinsel können nur auf diesen Tieren reitend zurückgelegt werden.

Abb. 11 a) Ismaelitische Krieger im Huckepack auf syrischem Kissensattel (Nordpalast Assurbanipals, Ninive, 7. Jh. v. Chr.); b) Kamelreiter auf Löwenjagd (Skaraboid, Tell Ğemme, 7. Jh. v. Chr.).
Dazu war die Entwicklung geeigneter Sättel vonnöten (Abb. 9). Der älteste, in Südarabien entwickelte chaulāni-Sattel bildete eine Kuhle hinter dem Buckel. Er wurde im Jemen bis in römische Zeit verwendet (Abb. 10). Vom syrischen Kissensattel aus kämpften die ismaelitischen Stämme im Huckepack gegen das assyrische Heer (Abb. 11).

Abb. 12 Šaddād-Sattel: a) Kamelreiter mit Lanze (Philisto-arabische Münze, 5. Jh. v. Chr.); b) Kamel nabatäischer Meharistenausrüstung (Südjordanien, 1. Jh. n. Chr.).
Die Nabatäer entwickelten, wahrscheinlich inspiriert vom assyrischen Pferdetransportsattel mit seinen Sattelbogen, den bis heute gebräuchlichen šaddād-Sattel (Abb. 12). In persischer Zeit sind Kamel- und Eselkarawanen, genauso wie Pferdegespanne und Reiter, Teil militärischer Konvois (; ). Im Gegensatz zu Pferden gehören Kamele nach der priesterschriftlichen Geschichtsschreibung des 6. Jh.s v. Chr. zum Haushalt der → Erzeltern (; ; ; .).

Abb. 13 Kamel mit Frauensänfte (Terrakottafigur, Levante oder Syrien, 2. Jh. n. Chr.).
Im Sattel des Kamels versteckt → Rachel die Hausgötter. Vielleicht ist damit bereits ein Frauenreitsattel gemeint, wie er uns von palmyrenischen Darstellungen bekannt ist (Abb. 13; → Palmyra). Auch vom Pharao glaubt man zu dieser Zeit, dass er Kamele hat (), sowie von → Hiob (.; ). Nach dem → deuteronomistischen Geschichtswerk gehören sie zur Habe der Amalekiter und anderer Stämme des Negev (; ), die von den Judäern beraubt werden (; ).

Abb. 14 Römische Münzen a) König Aretas kniet als Unterworfener Roms mit Friedenszweig neben seinem Reitkamel (58 v. Chr.); b) Judäischer Bacchusverehrer in derselben Pose (55 v. Chr.).
Nach Esras und Nehemias Listen gehörten Kamele zum Tragen von Lasten und Menschen zur Ausstattung der Heimkehrer aus Babylon (Esra 2,67; ). Nach den Chronikbüchern gibt es am judäischen Hof einen ismaelitischen Aufseher über die Kamele (). Es scheint, dass für die jüdischen Notablen das Reiten auf Kamelen Ausdruck ihres Standesdenkens war, denn die Römer haben nicht nur die Nabatäer, sondern auch die Judäer als unterworfene Kamelreiter dargestellt (Abb. 14).

Abb. 15 Tonfigur eines Kriegselefanten in voller Montur (Myrina / Kleinasien, 2. Jh. v. Chr.).
Der indische Elefant wurde von den → Seleukiden als Kriegsmaschinerie eingesetzt, die die Feinde schon durch ihren Lärm und ihr Aussehen in Angst und Schrecken versetzte. Antiochos V. Eupator verfügte über 32 (), Lysias über 80 () und Antiochos III. gar über 120 Elefanten (). Die gepanzerten Tiere trugen hölzerne Türme (vgl. ) und Glocken (Abb. 15) und wurden von einem Inder gelenkt (). Um die Tiere zu stimulieren, gab man ihnen Trauben- und Maulbeerensaft zu trinken (). Wahrscheinlich ist mit dem vierten Tier in der berittene Kriegselefant gemeint.
Südlevantinische Gottheiten reiten zur Stärkung ihrer furchterregenden Ausstrahlung auf → Löwe (Qudschu [→ Göttin], Baal-Seth [→ Baal; → Seth]), → Stier (Erdgöttin, → Wettergott), → Gazelle (→ Reschef) und → Mischwesen (Regengöttin, Wettergott), → Dämonen auch auf → Ziegenbock (s.u. Asasel [→ Sündenbock]), Onager und → Schlange (s.u. Lamaschtu [→ Dämonen]). Nur Asasel wird in der Bibel namentlich genannt (..).
Zum „Reiten“ auf dem → Wagen siehe dort.

Abb. 16 Baal-Seth als geflügelter Mann auf einem Löwen stehend ist die häufigste Verkörperung des Sturm- und Wettergottes in der Südlevante während der frühen Eisenzeit, 1150-1000 v. Chr. (Stempelsiegelamulett, Tell el-Fār‘a Süd).
Die Titel „Keruben-, Wolken-, Steppen- und Himmelsthroner“ sind eng verwandt und quasi austauschbar (→ Keruben). Sie beziehen sich auf → Wettergottheiten, die sich im Gewittersturm manifestieren. Nach reitet JHWH auf einem → Kerub, der in diesem Fall den Sturm verkörpert. Als Sturmgott übernahm JHWH das Sonnenheiligtum von Jerusalem, worin er fortan, im (Wolken-) Dunkel thronend über Keruben repräsentiert war (vgl. a in der ursprünglicheren Fassung der LXX). Wolkenreiter ist ein Titel des Gottes → Baal im ugaritischen Baal-Zyklus (1.2 IV,8ff; 1.92:97.40). In wird JHWH analog als „Steppenreiter“
In wird JHWH, nachdem er zuvor schon „Steppenreiter“ genannt worden war, auch als „Urhimmelsreiter“ (rokhev bišmê šəmê-qædæm) bezeichnet, dazu ist von seiner mächtigen Stimme die Rede. Offensichtlich ist die Epiphanie JHWHs im Gewittersturm angesprochen.
Jegliches Reiten erhöht über den zu ebener Erde gehenden Menschen, macht beweglich und in Verbindung mit Waffen auch wehrhaft. Das Manipulieren des Tieres ist außerdem ein kultureller Akt der Dressur und Unterwerfung. Daher ist Reiten im Alten Orient und in der Bibel fast immer ein Statussymbol.

Abb. 17 Mordechai auf einem Schimmel (Detail aus den Fresken der Synagoge von Dura-Europos, 256 n. Chr.).
Die Vornehmen des Volkes reiten auf (weißen) Eseln (; ; ; ) in Begleitung von Dienern; so auch → Abraham () und → Bileam () und der alte Prophet von → Bethel (). Der Esel konnte ein geeignetes Fortbewegungsmittel für körperlich Behinderte sein (). Nur in der Ester-Geschichte reitet der Israelit → Mordechai zum Zeichen seines erhobenen Standes auf einem Pferd aus dem Stall des Königs, eine Ehrung, die sein Widersacher → Haman auf sich selber gemünzt vorgeschlagen hatte (.; Abb. 17).

Abb. 18 Reiter im gestreckten Galopp (Stempelsiegelamulett, Bet-Schean, wahrscheinlich 10.-7. Jh. v. Chr.).
Jäger machten von Pferd und Kamel aus Jagd auf Strauße (; Abb. 18), Hirsche, Gazellen, Eber, Löwen und andere Tiere.

Abb. 19 a) Bogenschütze auf Kamel jagt Strauße (5. Jh. v. Chr.); b) Jagdszene mit Jäger zu Pferd, Jagdhund und Steingeiß (Tell el-Mazār / Jordanien, 5. Jh. v. Chr.).
Die Jagdreiterei kam in persischer Zeit auf (Abb. 19) und avancierte zur Lieblingsbeschäftigung der Aristokraten in omajjadischer Zeit und der Beduinen in osmanischer Zeit, mit verheerenden Konsequenzen für den Wildtierbestand des Vorderen Orients, besonders nachdem im 19. Jh. Handfeuerwaffen aufkamen.
Die entschiedene Tatkraft → Abigails (.) und der Frau von Schunem () kommt u.a. in ihrem Aufbruch auf dem Esel zum Ausdruck. Wie die notablen Männer reiten sie nicht allein, sondern in Begleitung von Dienern. Wenn eine ganze Familie unterwegs ist, so reiten die Frauen und Kinder des Mannes. So → Zippora mit ihrem Sohn bei der Heimkehr Moses’ nach Ägypten () und Maria mit Jesus bei der Flucht Josefs nach Ägypten nach der Bildtradition (in wird der Esel nicht ausdrücklich erwähnt). → Rebekka und ihre Mägde reiten auf Kamelen von Haran in den Negev (.), ebenso Jakobs Frauen (). In der Bildkunst fehlen reitende Frauen (siehe aber u. 4.5. Göttin). Nur ausnahmsweise erscheinen sie zusammen mit Kindern in assyrischen Deportationsszenen als „Gepäck“ auf dem Maultierpacksattel.
Indem der Kronprinz vor versammeltem Hofstaat auf dem Maultier seines Vaters reitet, wird seine Nachfolge als Herrscher öffentlich legitimiert (.38.44). Der auf dem Esel reitende König ist ein Sinnbild für die erhoffte friedliche Herrschaft eines lokalen Herrschers in der Zukunft (), denn auf dem Esel reitend lässt sich nicht Krieg führen. Die Darstellung des Einzugs Jesu in Jerusalem in den Evangelien knüpft an dieses Hoffnungsbild an ( par.). Das Bild des Königs auf dem Pferd bleibt – wohl unter dem Eindruck persischer Herrscherikonographie – episodenhaft in und . Dasselbe gilt für den mit Christus zu identifizierenden weißen Reiter der Apokalypse (), in dem abendländische, was die Farbe anbetrifft mithräische, Symbolik weiterlebt.

Abb. 20 Im obersten Register eines Kultständers aus Taanach reitet die geflügelte Sonne auf einem Pferd (10. Jh. v. Chr.).
Für

Abb. 21 a) Die bewaffnete Göttin Anat auf einem Pferd, über einen Feind hinwegreitend (Südlevante, 14./13. Jh. v. Chr.,); b) Stele mit Qudschu auf einem Löwen, flankiert von Min und Reschef (Dēr el-Medīna, 1279-1213 v. Chr.); c) Auf einem Pferd reitende Göttin, die Elemente von Anat und Qudschu verbindet (Goldblech, Lachisch, 13. Jh. v. Chr.).
Das Reittier der Göttin in der südlichen Levante ist das Pferd oder der Löwe (Abb. 21a-c). Auf dem Pferd verkörpert sie → Anat (Abb. 21a), im ugaritischen Pantheon die Schwester → Baals, die energisch die Ansprüche ihres Bruders durchsetzt. Auf dem Löwen (Abb. 21b) ist sie eine auch in Ägypten rezipierte Erscheinungsform der Qudschu, der „Heiligkeit“ (→ Göttin). Als solche verkörpert sie die bezwingenden Kräfte der Erotik und der Heilung.

Abb. 22 Die Dämonin Lamaschtu, auf einem Onager reitend (Amulett aus Stein, Nordwestmesopotamien, 800-550 v. Chr.).
Die auch in der Levante bekannte, aus Mesopotamien stammende Fieberdämonin Lamaschtu (→ Dämonen) reitet auf einem Onager, der seinerseits auf einer Schlange steht (Abb. 22). Die unreinen, symbolisch ambivalenten Tiere verweisen auf den dämonischen Charakter der Reiterin.
Spätestens ab persischer Zeit sind die schnellen Pferde die typischen Reittiere von Boten (; ). Sie inspirieren die religiöse Phantasie, die mit berittenen Boten Gottes rechnet (s.o. 2.2 mit Abb. 5-6), die rettend in die Geschichte eingreifen können (4Makk 4,10). Die eschatologischen Reiter der Apokalypse schließen daran an. Sie können zerstörerische und rettende Funktion haben (; ).

Abb. 23 Georgsikone aus dem Kloster Dēr Mar Ğirğis (Syrien).
Der in der Levante sehr beliebte und verbreitete Hl. Georg (Mar Ğirğis), reitet immer auf einem Pferd und bekämpft von da aus den Drachen mit einer Lanze (Abb. 23). Er hat in christlicher Gestalt das Erbe des Wettergottes angetreten, der gegen Leviathan kämpft. Das Gleiche gilt für den manchmal am gleichen Ort wie der Hl. Georg verehrte el-Chadr, „den Grünen“ (Sure 18), der aber nicht dargestellt wird.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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