
Abb. 1 Landkarte: Taanach.
Der Name des Ortes blieb über die Zeiten hinweg praktisch konstant: Im Alten Testament heißt er Taanach
Auf Grund dieser Kontinuität des Namens und der Angaben zur Lage des Ortes ist die Identifikation von Taanach zweifelsfrei gesichert. Der Ort liegt ca. 40 km südöstlich von Haifa und ca. 8 km südöstlich von → Megiddo und damit etwa in der Mitte zwischen Mittelmeer und Jordan am südöstlichen Rand der Ebene Jesreel auf einem Hügel, der zu den Ausläufern des samarischen Berglands gehört (Koordinaten: 171.214; N 32° 31' 20'', E 35° 13' 10''). Der Hügel erstreckt sich ca. 340 m in Nord-Süd und ca. 110 m in Ost-West Richtung und erhebt sich an die 40 m über die Jesreel-Ebene.

Abb. 2 Tell Ta‛annek.
Verkehrsstrategisch liegt Taanach am südlichen Zweig des Übergangs der „Straße am Meer“ (via maris) über den Bergrücken, der sich zum Karmel zieht (die Hauptroute führt über einen Pass bei Megiddo, der nördliche Zweig über Jokneam und der südliche über Taanach). In diesem Zusammenhang findet sich auch die älteste Erwähnung Taanachs, nämlich durch Pharao → Thutmosis III., der für die Schlacht bei Megiddo (1468 v. Chr.) den Anmarsch über den Pass bei Taanach wählte.
Taanach wird erstmals im ägyptischen Bericht des Pharao Thutmosis III. über die Schlacht von Megiddo (1468 v. Chr.) erwähnt, so wie später im Bericht des Pharao → Scheschonk (bzw. Schischak) über seinen Kriegszug nach Israel (922 v. Chr.), wo Taanach in der Liste der eroberten Städte genannt wird.
Wahrscheinlich ist es unter dem Namen Ta-ah-[nu-ka] in einem der → Amarna-Briefe aus dem 14. Jh. (EA 248, Z.14) genannt, demzufolge musste der Prinz Jašdata im Konflikt mit → Sichem nach Megiddo fliehen.
Im Alten Testament ist Taanach in . und als eine der Städte genannt, die Israel nicht erobern konnte, obwohl es in (im Rahmen einer allerdings idealisierten Siegesliste) als Ort eines der 31 von den Israeliten besiegten Könige erwähnt wird. Dort wird die Stadt den Stämmen Issachar und Asser zugeordnet, während sie später an Manasse gegeben wird (; ; ; ).
Für die Zeit Salomos wird Taanach als Hauptstadt des fünften der zwölf Verwaltungsbezirke genannt (). Dieser umfasste die Ebene Jesreel und das Gebiet um die Stadt → Bet-Schean bis jenseits des Jordangrabens.
Taanach wird dann erst wieder in der byzantinischen Zeit im Onomastikon [Ortsnamenliste] des → Hieronymus (98,12; 100,7 Text Kirchenväter 3) als eine villa pergrandis, d.h. als ein großes Dorf, erwähnt. Aus der Kreuzritterzeit (12./13. Jh. n. Chr.) gibt es Nachrichten über den Ort und ein dort bestehendes Kloster; ebenso in einem osmanischen Zensus (Steuerschätzung) von 1596 n. Chr. Dem entspricht der Fund eines kleinen Palastes aus der islamischen (mittelalterlichen) Zeit, von dem aus vermutlich der Ort und die Umgebung verwaltet wurden.
Im 19. Jh. wurde der Ort von dem französischen Palästinareisenden Victor Guérin besucht. Dieser berichtete von Ruinen und hatte den Eindruck, dass die heutige Moschee auf den Fundamenten einer byzantinischen Kirche errichtet ist.

Abb. 3 Zeltlager der Ausgrabung 1963-1968, Blick vom Tell nach Osten.
Auf bzw. beim Tell Ta‛annek wurden drei Mal Ausgrabungen durchgeführt, 1902-1904 von Ernst Sellin, 1963-1968 unter Paul W. Lapp und 1985 von Albert Glock.
Die Ausgrabung unter Ernst Sellin, damals Professor für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie in Wien, erfolgte 1902 und 1903. Auf Grund der Textfunde wurde 1904 eine ergänzende Grabung durchgeführt, bei der man ebenfalls noch einmal Tontafeln mit Keilschrift fand. Sellin hatte bewusst einen Grabungsort im ehemaligen Nordreich Israel gesucht. Seine Ausgrabung war die erste im nördlichen Teil Israels. Er arbeitete wie damals üblich mit (meist 5m breiten) Suchgräben, die diagonal über den Tell verliefen und die, wo man auf Mauern stieß, auf die Fläche des entsprechenden Gebäudes erweitert wurden. Dazu kamen Sondagen an auffallenden Stellen des Tells (z.B. das sog. nordöstliche Vorwerk bzw. die Nordostburg). Sellin verwendete ausdrücklich die damals noch relativ neue Methode der Keramikchronologie und verglich seine Funde insbesondere mit den damaligen Erkenntnissen aus Zypern (auf Grund der Nähe zum Mittelmeer gab es in Taanach eine Reihe von Objekten und Gefäßformen, die mit der mykenischen Kultur vergleichbar waren). Sellin erkannte und unterschied bereits die wesentlichen Siedlungsschichten, allerdings datierte er die älteste Schicht zu spät in den Anfang des 2. Jt.s v. Chr., weil es die damalige Keramikchronologie noch nicht erlaubte, die in Taanach bestehende, ca. 500-jährige Besiedlungslücke zwischen der Frühbronzezeit und der späten Mittelbronzezeit zu erkennen. Neben der in groben Zügen zutreffenden Folge der Siedlungsschichten konnte er auf Grund der zahlreichen Kleinfunde ein anschauliches Bild der Kulturgeschichte des Tells entwickeln. Besonders wichtig wurden ein Dutzend Tontafeln mit Texten in der damals international verbreiteten akkadischen Keilschrift. Daneben entdeckte Sellin die Reste zweier Kultständer mit religiösen Bildmotiven, von denen einer wieder zusammengesetzt werden konnte. Neben einem reichen Repertoire aus Keramikgefäßen fanden sich auch einige Schmuckobjekte und vor allem ein Rollsiegel, das neben der ägyptisierenden Abbildung einer Gottheit den Namen des Besitzers in akkadischer Keilschrift enthielt und mit ägyptischen Hieroglyphen verziert war. (Zu den Texten siehe unten).
In den Jahren 1963, 1966 und 1968 wurde eine groß angelegte Ausgrabung von Seiten des Concordia Seminary St. Louis und der American Schools of Oriental Research unter der Leitung von Paul W. Lapp durchgeführt. Diese Ausgrabung konnte nur auf einem Teil des Tells durchgeführt werden, weil zugleich das jordanische Militär eine Stellung auf dem Tell hatte. Die Ausgrabungen sollten einerseits die alten Ergebnisse von Sellin überprüfen und andererseits zu neuen Erkenntnissen führen, zumal inzwischen die Archäologie erhebliche Fortschritte gemacht hatte (neue Grabungs- und Dokumentationsverfahren, differenzierte Keramikchronologie). Zwar war die Fortsetzung der Grabungen nach dem sog. 6-Tage-Krieg von 1967 offensichtlich ohne Schwierigkeiten möglich, die Grabungen kam aber durch den überraschenden Unfalltod von Paul Lapp im Jahre 1970 zu einem Ende. Leider hat dieses Ereignis auch die Publikation der Grabungsberichte erheblich beeinträchtigt. Neben den damaligen preliminary reports ist bis heute nur ein Teil der Materialen genauer untersucht und publiziert.
Die Ausgrabungen führten zu dem Ergebnis, dass Taanach schon in der Frühen Bronzezeit (ab FB II und III) eine Stadt mit starker Stadtmauer war; insgesamt ließen sich dieser Epoche vier Bauphasen zuschreiben. Auffallend ist das starke Glacis (eine der Stadtmauer vorgelagerte Rampe, die Angriffe auf die Mauer erschwert), eine Neuerung in der damaligen Verteidigungstechnik.
Nach einer Lücke von ca. 500 Jahren wurde Taanach in der Mittelbronzezeit ab ca. 1700 v. Chr. wieder besiedelt (MB II C). Diese Neugründung der Stadt erfolgte offensichtlich durch eine von Norden gekommene Bevölkerungsgruppe, wahrscheinlich die Hyksos. Die Stadtmauer wurde in der damals neuen Technik einer Kasemattenmauer errichtet und die Stadt planvoll angelegt (→ Befestigungsanlagen).
Die Besiedlung der Spätbronzezeit (SB) war etwas bescheidener, stand aber in Kontinuität zur vorausgehenden Besiedlung, was sich daran zeigt, dass zum Teil ältere Gebäude weiter verwendet wurden. Ähnlich wie etwa gleichzeitig in Megiddo waren Häuser zu Häuserblöcken mit dazwischen verlaufenden Straßen zusammengefasst.
Eine Besonderheit ist ein 7,4m in die Tiefe verlaufender Schacht, der vermutlich einen unvollendet gebliebenen Brunnen darstellt, der bis zum Grundwasser hätte hinabreichen sollen (ähnlich jenen Anlagen, wie sie dann für die Eisenzeit aus Hazor, Megiddo und anderen Orten bekannt sind).
Einen Einschnitt stellen die Zerstörungen durch Thutmosis III. im Zusammenhang seines Asienfeldzugs und der Schlacht von Megiddo 1468 v. Chr. dar. Die Stadt existierte aber weiter und bildete offensichtlich ein, wenn auch von Megiddo abhängiges regionales Zentrum mit einem Stadtfürsten (dessen Name wahrscheinlich Talwašur lautete). Dies ergibt sich insbesondere aus den aus der Zeit um 1450 v. Chr. stammenden Tontafeln, die schon Sellin gefunden hatte und von denen eine weitere in den amerikanischen Ausgrabungen gefunden wurde.
Die spätbronzezeitliche Siedlung war vermutlich bescheiden, aber immerhin wurde eine aus der Zeit nach 1200 v. Chr. stammende Tontafel in alphabetischer Schrift gefunden, was auf Schreiber- und damit Verwaltungsaktivität hinweist.
Die früheisenzeitliche (EZ I) Besiedlung war vermutlich ebenfalls bescheiden. Genaueres ist allerdings schwer zu sagen, weil bei den amerikanischen Ausgrabungen wegen der damaligen Präsenz des Militärs nur ein kleiner Teil des Tells erforscht werden konnte.

Abb. 4 Der von Sellin gefundene Kultständer aus Taanach (10. Jh. v. Chr.).
Im 10. Jh. war der Ort anscheinend wieder stärker besiedelt. In diese Phase gehört der bei der amerikanischen Ausgrabung gefundene Kultständer – wahrscheinlich ebenso auch der seinerzeit von Sellin gefundene Kultständer. (Wenn man der in neuerer Zeit von manchen Forschern vertretenen „Low Chronology“ folgt, wäre diese Phase auf den Anfang des 9. Jh. zu datieren. Allerdings ist diese Low Chrononoly umstritten und fraglich). Der Ort wurde 922 v. Chr. beim Kriegszug des Pharao Scheschonk erobert.
Als Gebäude aus dem späten 9. Jh. wurde das sog. „nordöstliche Vorwerk“, identifiziert; eine kleine vorgelagerte Befestigung, die den Zugang von der Ebene her bewachte. Es umfasste mindestens zwei Bauphasen. Dieser Befund zeigt, dass auch die Besiedlung auf dem Hügel umfangreicher gewesen sein muss, als bei der Ausgrabung auf dem Tell selbst nachgewiesen werden konnte. Dieses „Vorwerk“ wurde in persischer Zeit restauriert und weiter verwendet.
Über die jüngeren Phasen gibt es keine weiteren archäologischen Befunde, was an der begrenzten Ausgrabungsfläche liegt und daran, dass der Tell landwirtschaftlich genutzt und damit auch wiederholt umgepflügt wurde. In der hellenistisch-römischen Zeit wurde die Siedlung an den Fuß des Tells verlegt, wo auch heute das Dorf Ti‘innik liegt. Auf dem Tell zu finden waren die Reste der im Mittelalter dort gelegenen „Burg“, die das Verwaltungszentrum bildete und vermutlich auch einen gewissen Schutz gegen Überfälle gewährte.
Aus den Ausgrabungen und den literarischen Quellen ergibt sich, dass Taanach ab der Frühen Bronzezeit (FB II) eine zumindest regional bedeutende, gut befestigte und wohl auch gut ausgebaute Stadt war, die mehrere Bauphasen hatte und die bis gegen Ende der Frühbronzezeit existierte.
Nach einer Lücke von ca. 500 Jahren, für die jedenfalls keine Stadtmauer und keine größeren Gebäude nachgewiesen sind, wurde Taanach um 1700 v. Chr., wahrscheinlich von Hyksos-Gruppen, neu aufgebaut und mit einer Stadtmauer versehen. Die Stadt existierte auch nach dem Einschnitt durch den Kriegszug des Pharao Thutmosis III. im Jahr 1468 weiter und war ein dem übergeordneten Megiddo zugeordnetes Verwaltungszentrum mit einem Stadtfürsten, an dessen Hof es zumindest einen Schreiber gab, der die Briefe und Listen in der damals üblichen akkadischen Silbenkeilschrift verfassen bzw. lesen konnte. Die Keramik wie auch die Text- und Kleinfunde (z.B. das mit akkadischer Schrift, aber ägyptischen Symbolen versehene Rollsiegel) zeigen, dass die Stadt so wie die Ebene Jesreel und die Region insgesamt im Überlappungsbereich von ägyptischem und syrischem Einfluss wie auch der Mittelmeerkultur (mykenische Welt) lag.
Die Stadt existierte durch die Spätbronzezeit und die Eisenzeit hindurch, wenn auch in unterschiedlicher Größe.
Die bald nach 1200 v. Chr. zu datierende, in alphabetischer Keilschrift verfasste Tontafel zeigt, dass auch in dieser Zeit Schreibkenntnisse und vermutlich auch eine gewisse Verwaltung in Taanach vorhanden waren.
Im 10. Jh. wurde Taanach – sofern die Liste von 1Kön 4 zutreffende historische Information bewahrt – zu einem israelitischen Verwaltungszentrum, nämlich für einen der Gaue Salomos. 922 v. Chr. war der Ort von den Zerstörungen durch den Kriegszug des Pharao Scheschonk (bzw. Schischak) betroffen. Es gab aber im 9. und 8. Jh. weiterhin eine gewisse Besiedlung und zumindest regionale Bedeutung der Stadt, die auch weiterhin eine Befestigung hatte.
Ab ca. 733 v. Chr. muss Taanach zur assyrischen Provinz Megiddo gehört haben. Über die assyrische und die babylonische Zeit gibt es aber weder archäologische noch literarische Zeugnisse.
In der Perserzeit wurde das nordöstliche Vorwerk instand gesetzt, was auch auf eine gewisse Bedeutung des Ortes (vielleicht wieder als Stützpunkt der Verwaltung) schließen lässt.
In hellenistischer Zeit wurde der Ort an den Fuß des Tells verlegt. Um 400 n. Chr. bezeichnet → Hieronymus den Ort als villa pergrandis, d.h. als größeres Dorf. Offensichtlich gab es auch eine kleine Kirche, auf deren Fundamenten später die Moschee des Ortes erbaut wurde.
Im Mittelalter gab es auf dem Tell eine ummauerte Siedlung von etwa 140 x 110m mit einer kleinen Burg bzw. Residenz, die vermutlich das regionale Verwaltungszentrum war und wohl auch einen gewissen Schutz bot. Im Mittelalter gab es offensichtlich auch ein kleines christliches Kloster bzw. eine Einsiedelei. Die Besiedlung in der Antike und im Mittelalter ist auch durch eine Vielzahl von Kleinfunden wie Fragmenten von Öllampen oder Gefäßen bezeugt.
In osmanischer Zeit ist das Dorf Taanach bezeugt, das wohl eine kleine landwirtschaftliche Siedlung darstellte – wie es noch heute eine ist. Seit 1948 ist der Ort durch die Nähe zur jordanisch-israelischen bzw. palästinensisch-israelischen Grenze beeinträchtigt.
Die schon von Sellin gefundenen Tontafeln in akkadischer Keilschrift bilden ein zwar kleines, aber noch immer das umfangreichste, bisher in Kanaan (Israel / Palästina) gefundene Keilschriftarchiv. Es handelt sich um 12 bzw. 14 Tontafeln (die Fragmente 4a und 8a gehören nicht wie ursprünglich gedacht zu den Texten 4 und 8, sondern sind Reste separater Tontafeln; um Verwirrungen durch eine neue Zählung zu vermeiden, wurde aber die Bezeichnung beibehalten). Der Name auf dem Rollsiegel (Personenname „Atanahili“) wird als akkadischer Text Nr. 13 und die 1968 gefundene weitere Tontafel (mit der Fundnummer TT 950) als Text Nr. 14 gezählt. Die Tafeln (außer TT 14) befinden sich im Archäologischen Museum in Istanbul; allerdings sind nicht mehr alle Tafeln vorhanden und ihr Zustand hat sich seit ihrer Auffindung verschlechtert.
Es handelt sich um Briefe und um Listen mit zahlreichen Personennamen. Die Briefe sind an den Stadtfürsten Talwašur (so die wahrscheinliche, aber nicht ganz sichere Lesung) gerichtet und stammen von Ahiama, dem Stadtfürsten von Megiddo (TT 1 und 2), sowie von Amanhatpa, dem Gouverneur von Gaza (wo damals die ägyptische Provinzverwaltung war) (TT 5 und 6). In den Briefen geht es um Unterstützung und die Ausrüstung von Kriegswagen, aber auch um die Entsendung bzw. den Verkauf von Personen sowie um Kritik, dass Talwašur nicht vor dem Gouverneur erschien bzw. gewünschte Ausrüstung nicht lieferte. Die Texte TT 8, 8a, 9, 10 und 11 sind vermutlich ebenfalls Briefe, aber zu fragmentarisch, um etwas über den Inhalt sagen zu können.
Die übrigen Texte sind Listen mit Personennamen. Der genauere Zweck (Soldaten, Vertreter von Sippen?) ist unklar. Auffallend ist, dass in TT 3, 4 und 7 neben jedem Namen eine Zahl von 1 bis 3 und auch Summenangaben zu finden sind. Ob es sich dabei z.B. um mitzubringende weitere Personen oder um Ausrüstungsgegenstände oder sonstiges handelt, ist unklar.
Interessant an den ca. 80 Personennamen ist die sprachliche Zusammensetzung: Soweit sie lesbar sind, sind ca. 60 % der Namen westsemitisch, etwas über 20 % indo-arisch und etwas unter 20 % hurritisch. Auch wenn man von den Namen nicht unmittelbar auf die Volkszugehörigkeit schließen kann, so verweisen die Namen doch auf einen gewissen Anteil von Menschen, die bzw. deren Vorfahren aus den entsprechenden Gebieten (Obermesopotamien, Mitannireich, Nordsyrien) stammen.
Der 1963 gefundene Text TT 433 bzw. TT 15 (in den Ausgaben ugaritischer Texte unter der Nr. 4.767 geführt) ist demgegenüber gut zwei Jahrhunderte jünger und ist einer der ältesten Texte in Alphabetschrift. Die Zeichen entsprechen dem ugaritischen Keilschriftalphabet (→ Schrift; → Ugarit), eventuell in lokaler Ausprägung bzw. von noch ungeübter Hand. Wegen seiner Kürze und seiner Gestaltung (zwei Zeilen mit Tennstrich dazwischen, ein Zeichen am Rand und nur drei Zeichen auf der Rückseite) ist der Text schwer zu deuten. Es könnte sich um eine Mitteilung, ein Rezept oder einen magischen Text handeln. Möglicherweise ist der Text eine Schreibübung. Jedenfalls zeigt der Text die weite Verbreitung der ugaritischen Alphabetschrift bis nach Palästina und weist das Vorhandensein von Schreiberkenntnissen in dem (neben Städten wie Megiddo und Hazor) vergleichsweise kleinen Ort Taanach nach.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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