
Abb. 1 Bauer mit Pflug.
Aus der Zeit des Alten Testaments liegen uns aus Palästina weder Funde noch Darstellungen oder Beschreibungen von Pflügen vor. Deswegen kann man ihr Aussehen nur aus den Pflugscharen, von denen man eine ganze Reihe ausgegraben hat, rekonstruieren sowie aus ägyptischen und mesopotamischen Abbildungen. Ferner kann man die Pflüge heranziehen, die in Palästina bis ins 20. Jh. in Gebrauch waren, da sie sich kaum von den Pflügen auf antiken Abbildungen unterscheiden, die Konstruktion also über Jahrtausende konstant geblieben ist.

Abb. 2 Pflugschar.
Der Pflug dient der Auflockerung des Bodens. Das Pflügen mit Hilfe von Rindern ermöglichte die Beackerung größerer Flächen, und die dadurch erreichte Steigerung der Erträge dürfte zu den Voraussetzungen für den Aufschwung der Stadtkultur in der Frühen Bronzezeit gehört haben.

Abb. 3 Nachbau eines Pfluges.
Das wichtigste Element eines Pfluges ist eine möglichst harte Pflugschar. Sie bestand in der Frühzeit aus einem dicken, angespitzten Stock, seit ca. 2000 v. Chr. aus Bronze und seit ca. 1000 v. Chr. aus Eisen. Mit härterem Metall konnte man den Boden besser auflockern als durch einfaches Aufhacken, größere Flächen bewirtschaften und die Erträge steigern. Deswegen ermöglichte erst die in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzende Erfindung des Pflugs größere Ortschaften und damit auch die Urbanisierung der Frühen → Bronzezeit sowie eine Überschusswirtschaft, die ihrerseits Handel erst möglich machte.
Pflugscharen aus Metall waren nur 15-35 cm lang und bestanden aus zwei Teilen. Unten bohrte sich eine relativ kurze Spitze – also kein Blatt wie bei heutigen Pflügen – in den Boden. Oben war das Metall zu einem rohrförmigen Schaft gebogen, in dem das Pfluggestell mit dem Lenkholz steckte, das der Bauer hielt. Wenn das Lenkholz so konstruiert war, dass der Bauer es mit beiden Händen bedienen musste, benötigte er eine zweite Arbeitskraft, um die Zugtiere anzutreiben. Bei Lenkhölzern, die mit einer Hand bedient werden konnten, hatte der Bauer die andere Hand frei, um die Zugtiere mit einem sog. Ochsenstecken selbst anzutreiben (vgl. [Lutherbibel: ]). Unten am Pfluggestell war der Jochbalken befestigt, der den Pflug mit dem Joch verband, das auf dem Nacken der Zugtiere lag und mit Seilen an ihnen befestigt war. Joch und Jochbalken wurden als „Geschirr der Rinder“ bezeichnet ().

Abb. 4 Pflug mit Saattrichter; Nippur (14. Jh.).
In der Trockenheit des Sommers werden die ohnehin steinigen Ackerböden Palästinas extrem hart. Ende Oktober / Anfang November lässt der erste Winterregen sie jedoch wieder weicher werden (). Die Zeit der Fruchtbarkeit und das landwirtschaftliche Jahr beginnen (→ Ackerbau). Als erstes mussten die Bauern jetzt die Felder pflügen
Sofort nach dem Pflügen wurde gesät, indem man das Saatgut, z.B. Weizen, Gerste, Emmer oder Kümmel (), mit der Hand schwungvoll ausstreute. Um das Saatgut zu bedecken und damit auch vor Vögeln zu schützen, wurde das Feld anschließend ein zweites Mal gepflügt, und zwar quer zur ersten Pflugrichtung

Abb. 5 Pflügender Bauer mit Ochsenstachel.
Saattrichter, die man in Mesopotamien schon im 2. Jt. kannte, sind in Palästina erst im 2. Jh. v. Chr. belegt, nämlich im Jubiläenbuch (Text Pseudepigraphen), das ihre Einführung Abraham zuschreibt (11,23f). Mit ihrer Hilfe konnte das Saatgut gezielt hinter dem Pflug in die frische Furche gestreut werden. Dort wurde es sofort bedeckt und war damit vor Vögeln geschützt. Für diese Arbeit benötigte man eine weitere Person, jedoch erübrigte sich das zweite Pflügen. Nach der Aussaat war weiterer Regen wichtig. Wenn er ausblieb, war das Saatgut, wenn nicht die Ernte verloren.
Pflügen war eine sehr schwere Arbeit (). Sie wurde durchweg von Männern verrichtet. zählt sie zu den Tätigkeiten, für die ein König junge Männer verpflichteten konnte.
Als Zugtiere dienten Rinder (), zuweilen auch Esel (), jedenfalls nicht Pferde. Meist bildeten zwei Tiere ein Gespann und deswegen wurde
Metaphorisch kann „pflügen“ eine zerstörerische Bedeutung haben. kündigt dem Zion an, als Ackerland gepflügt zu werden, und in klagt Israel: „Pflüger haben auf meinem Rücken gepflügt“. Als schwere Arbeit kann „pflügen“ ein Bild für eine besondere Fähigkeit sein: Jahwe hat von Israel, der gelehrigen Jungkuh, erwartet, dass sie pflügen könne (). Der enge Zusammenhang von Pflügen und Ernten kann als Bild für den Tun-Ergehen-Zusammenhang dienen (; ). „Mit dem Rind eines anderen pflügen“ bedeutet „jemanden unrechtmäßig ausnutzen“ (). „Das Meer pflügen“ ist ein Ausdruck für unsinniges Handeln (, Konjektur).
Nicht in diesen Zusammenhang gehört die Verheißung, dass die Völker ihre → Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden (; ). Der Text spricht nämlich nicht von Pflugscharen
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