Andere Schreibweisen: Obadiah (engl.), Abdias (griech.), Abdia (lat.)
Der Personenname Obadja ist belegt in den Namensformen
Als Person greifbar wird nur der Palastvorsteher Ahabs in . Alle anderen Träger des Namens werden – außer in der Überschrift – nur in Aufzählungen oder Namenslisten erwähnt (; ; und 1 Chr 9,44; 1 Chr 9,16 [Lutherbibel: Abda; vgl. ]; ; ; ; ; ; ; ).
Der Name ist auch in außerbiblischen Quellen aus alttestamentlicher Zeit belegt, z.B. in den in → Samaria und → Arad gefundenen Ostraka (HAE II/1, 78; AHI, 454).
In wird von einer Begegnung Obadjas mit → Elia erzählt. Auf der Suche nach Viehfutter, vermutlich für die Tiere des Palastes, trifft er im dritten Jahr der Dürre den Propheten und geht dann im Auftrag Elias zurück zu → Ahab. Die in betonte Gottesfurcht des Palastvorstehers wird im Zuge der Erzählung dreifach entfaltet: Durch seinen Namen, durch seine Ergebenheit Elia gegenüber und durch sein mutiges Handeln, das 100 Propheten vor der Ermordung durch → Isebel schützt.
Einer Person mit Namen Obadja wird die kürzeste Schrift des Alten Testaments zugeschrieben. Die Person wird allerdings nur in der knappen Überschrift „Schauung Obadjas“ () genannt. Weder der Name des Vaters noch der Herkunftsort noch eine zeitliche Einordnung werden angegeben. Auch der Titel „Prophet“ wird Obadja nicht ausdrücklich beigelegt. Alles, was man über die Person sagen kann, ist deshalb nur indirekt aus der ihr zugeschriebenen Schrift zu erschließen. Die jüdische Tradition hat den Verfasser der Obadjaschrift mit dem Palastvorsteher Ahabs identifiziert (Babylonischer Talmud, Traktat Sanhedrin 39b, Text Talmud; vgl. die Verbindung von mit 2Kö 14,25 und mit 1Kö 22,28). Nach Köckert (2003, 444), könnte der Name eine literarische Fiktion sein. Doch da der Name auch sonst häufig belegt ist, spricht nichts dagegen, von einer konkreten Person Obadja auszugehen. Wie man jedoch die Art von Obadjas Wirksamkeit bestimmt, ob er ein Kult- oder Heilsprophet war, der womöglich am Tempel aufgetreten ist, oder ob er ein „schriftgelehrter“ Autor, der zur Vervollständigung des Zwölfprophetenbuches eine Schrift verfasste, hängt ganz von der Auslegung des Buches ab.
Überschrift ()
Demütigung Edoms ()
Vernichtung Edoms ()
Der „Tag Jahwes“ über Edom und alle Völker ()
Die Überschrift kennzeichnet die ganze Schrift durch die Gattungsbezeichnung „Schauung“ als Jahwe-Botschaft, gibt durch die Angabe des Namens dessen, der die Schauung erhalten und weiter gegeben hat, aber auch zu erkennen, dass die göttliche Botschaft nicht vom Visionär getrennt werden kann. Im ersten Teil wird geschildert, wie sich das göttliche Gericht an → Edom vor allem als Demütigung vollzieht. Im zweiten Teil steigert sich die Aussage zur Ansage der Vernichtung, die vor allem durch die Schuld Edoms gegenüber Juda begründet wird. Der dritte Teil zeichnet das Schicksal Edoms ein in das Völkergericht (→ Wallfahrt / Völkerkampf), das am nahe bevorstehenden → „Tag Jahwes“ erfolgen wird, nämlich dann, wenn Jahwes Königsherrschaft errichtet wird (→ Königtum Gottes).
Für die Beschreibung der Komposition des Buches ist zunächst die Zuordnung von entscheidend. In der Regel wird 15b als Abschluss des ersten (älteren) Teiles angesprochen, der dann gemeinsam mit der verschränkenden Einfügung von 15a um . erweitert wurde (vgl. etwa Barton, 2001, 118f). Das spezifische Gerichtswort über Edom wäre so in späterer Zeit generalisiert und eschatologisiert worden. Demgegenüber lehnt Jeremias (2006) die Aufteilung von auf zwei unterschiedliche literarische Schichten ab und geht von der ursprünglichen Zusammengehörigkeit der Gerichtsansage gegen Edom und der Ankündigung des Tages Jahwes aus: „Edoms Geschick ist für Obadja kein isoliertes Thema, sondern Teil jenes bevorstehendes Weltgerichtes, das die älteren Propheten längst in Gestalt des ‚Tages Jahwes’ geweissagt haben, und dessen ‚Nähe’ (V. 15) in Obadjas Tagen endgültig erkennbar wird …“ (S. 278). Ähnlich wie im Joelbuch werden in dieser Deutung auch bei Obadja konkrete geschichtliche Erfahrungen und noch ausstehende endzeitliche Erwartungen miteinander verbunden.
Insgesamt wird die Entstehung des Buches in der Literatur sehr unterschiedlich rekonstruiert. In der Regel geht man von mehreren Wachstumsstufen aus. Zenger (2006, 545f) etwa nimmt einen in drei Phasen verlaufenden Fortschreibungsprozess an (.; .; ; könnte Elemente aus allen drei Phasen enthalten), der in der 1. Hälfte des 6. Jh.s begann und erst im 4./3. Jh. v. Chr. abgeschlossen wurde. Nach Wöhrle (2008, 209-218) ist das Obadjabuch dagegen bis auf ein einheitlicher Text, dessen Entstehung er in frühhellenistische Zeit datiert (Anfang 3. Jh.).
Für das Verständnis des Obadjabuches ist die Klärung des Verhältnisses zu wesentlich. Eindeutig ist, dass zwischen und Obadja eine literarische Beziehung besteht. Nach Wolff (1977, 21) gehen und „auf einen und denselben mündlich verkündigten Text zurück“. Auch nach Barton (2001, 125f) wurde hier ein anonymer Text unabhängig voneinander sowohl in das Jeremia- als auch in das Obadjabuch aufgenommen. Für Rudolph (1971, 297) und Dietrich (1994, 718) hat dagegen die Textfassung des Obadjabuches Priorität. Raabe (1996, 22-31) und Jeremias (2007, 63-65) wiederum gehen von einer Priorität des Jeremiatextes aus. Nach Jeremias ist letztlich das gesamte Obadjabuch eine Auslegung von (2007, 65).
Die meisten Ausleger beziehen auf das Verhalten der Edomiter bei der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier (587 v. Chr.), vgl. und . In Verbindung mit der Priorität von Obadja gegenüber schließt z.B. Wolff (1977, 24) daraus auf eine Entstehung des Grundbestandes recht bald nach diesen Ereignissen. Auch Jeremias (2007, 57f) bezieht auf die Eroberung Jerusalems, verweist aber zusätzlich auf . Diese Verse setzen seiner Ansicht nach das bereits erkennbare Gericht über Edom voraus, das sich durch das Eindringen der arabischen Stämme vollzog. Die Entstehung des Buches wäre demnach erst im 5. Jh. anzusetzen.
Da Wöhrle (2008, 209-218) das Buch erst in frühhellenistische Zeit datiert (Anfang 3. Jh.), bezieht er auf die Eroberung Jerusalems durch Ptolemaios I. (vermutlich 302 v. Chr.).
Kennzeichnend für das Buch ist, dass trotz seiner Kürze mehrere zentrale Themen alttestamentlicher Theologie angesprochen und miteinander verbunden werden: Das Verhältnis zu Edom und den Völkern, die Talionsformel und die Entsprechung zwischen Schuld und Ergehen (→ Tun-Ergehen-Zusammenhang), der → Tag Jahwes und die Rettung für → Zion an diesem Tag, der Besitz des → Landes, die Königsherrschaft Jahwes (→ Königtum Gottes).
Aus christlicher Perspektive wurde häufig die Schärfe der gegen Edom gerichteten Aussagen kritisiert. Allerdings betont besonders , dass die Strafe genau dem entspricht, was die Edomiter zunächst selbst ausgeübt haben. Da dieser Vers an einer zentralen Stelle im Buch steht, ist es also mehr die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes, die den Gedankengang des Buches bestimmt, nicht so sehr der Hass gegen die Edomiter. Außerdem wird in das Gericht über Edom auch unabhängig von seiner Schuld gegenüber den Judäern durch seinen Hochmut begründet (vgl. ). Und schließlich zeigt der letzte Vers des Buches, dass es in Obadja insgesamt auch um eine universale und nicht nur um eine judäisch-nationale Perspektive geht. Nach Rudolph (1971, 318) war es gerade diese „Glaubenskraft, die sich selbst durch den gegenteiligen Anschein nicht irremachen ließ und darauf beharrte, dass Jahwe trotz allem die Welt regiere und das in Bälde beweisen werde“, die der „Miniaturprophetie des Obadja“ zur Aufnahme in das Zwölfprophetenbuch verhalf.
In der Hebräischen Bibel steht Obadja an vierter Stelle des → Zwölfprophetenbuchs, zwischen → Amos und → Jona. Die engen, wörtlichen Bezüge von Obadja auf hat bes. Nogalski herausgestellt (61-74). Dies dürfte signalisieren, dass Obadja die Amos-Visionen vom Untergang Israels um eine weitere ergänzen will, die den Untergang Edoms darstellt. Das unmittelbar folgende Jonabuch wiederum zeigt, dass auch die Völker dem göttlichen Gericht entgehen können.
In der → Septuaginta kommt Obadja erst an fünfter Stelle, nach Hosea, Amos, Micha und Joel, wiederum gefolgt von Jona. Bei dieser Buchfolge wird besonders das Joel und Obadja gemeinsame Thema des „Tages Jahwes“ hervorgehoben (vgl. Jones, 194-199, 239-242; Sweeney). Obwohl die Septuaginta-Abfolge gelegentlich für ursprünglich gehalten wird, spricht alles dafür, dass der griechische Übersetzer die ihm vorliegende hebräische Abfolge änderte, um die Propheten Hosea, Amos und Micha zu einem geschlossenen Block zusammenzufügen, die zum einen auf Grund der Datierung und zum anderen deshalb auf das Engste zusammengehören, weil sie primär das Nordreich Israel adressieren (Schart, → Zwölfprophetenbuch 2.2.).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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