Der Begriff Nasiräer (hebr.
Das Nasiräat galt wahrscheinlich ursprünglich auf Dauer. Dafür spricht, dass in Nasiräer neben Propheten erwähnt werden. Der Abschnitt stammt von der deuteronomistischen Bearbeitung der → Amos-Überlieferung. Für sie erinnerten die Propheten durch ihre Verkündigung und die Nasiräer durch ihren Verzicht auf Wein an die Heilstaten JHWHs bei der Befreiung Israels aus Ägypten und der Führung in der Wüste (vgl. ), aber die Israeliten wollten diese Erinnerung verhindern (). Hier wird vorausgesetzt, dass Nasiräer an ihrem langen Haupthaar erkannt wurden.
Nach ; aβ war → Simson ein Nasiräer von Mutterleib an. Zumindest ein Grundbestand der Erzählung in und aβ stammen von demselben Verfasser (anders z.B. Römheld, 44f). In ist zwar v5aα mit dem Verbot, dass kein Schermesser auf das Haupt des Kindes kommen soll, ein Zusatz (vgl. v7 und Römheld, 43ff), aber die Anweisung an die Mutter, keinen Alkohol zu trinken und nichts Unreines zu essen, wurde schon im Grundbestand damit begründet, dass der Knabe „ein Nasiräer Gottes“ sein wird (aβ.7). Dabei handelt es sich um eine spätere Deutung Simsons, die aus der Delila-Erzählung () entwickelt wurde. Nach ihr waren im Unterschied zu den älteren Simson-Überlieferungen in .* die langen Haare Simsons die Quelle seiner Kraft. Da die Nasiräer ihr Haupthaar wachsen ließen, wurde Simson durch die Einfügung von aβ und die Erzählung in zu einem Nasiräer. In dem → Gelübde der → Hanna ist ihr Versprechen (v11bβ), dass kein Schermesser auf das Haupt des erbetenen Knaben kommen wird, ein Zusatz, mit dem in Anlehnung an den Nasiräer Simson betont wurde, dass das Kind JHWH gehören wird.
In nachexilischer Zeit konnten sich Männer und Frauen durch ein Gelübde zu einem zeitweisen Nasiräat verpflichten. Das Nasiräer-Gesetz in hat drei Teile: Grundbestimmungen (), Verunreinigung durch einen plötzlichen Todesfall (), Beendigung des Nasiräats (). Die ursprünglich für einen Nasiräer geltenden Vorschriften werden in erheblich verschärft. Er muss auf alle Produkte des Weinstocks verzichten (v3f) und jeden Kontakt mit Toten, auch den Leichen seiner nächsten Angehörigen, meiden (v6f). Die Verunreinigung an verstorbenen Familienangehörigen war nur noch dem Hohepriester untersagt (). Nach musste der Nasiräer bei Verunreinigung durch einen plötzlichen Todesfall die Mindestopfer einer Frau nach einer Geburt () bzw. die für Verunreinigung durch Ausflüsse vorgeschriebenen Opfer (.) darbringen (das Schuldopfer in aβ ist ein Zusatz). Danach begann das Nasiräat von Neuem, ohne dass die bisherige Zeit angerechnet wurde. Das Nasiräaer-Gesetz endete ursprünglich mit a*. Später wurde durch das Ende des Nasiräats mit dem Kult verknüpft. Durch das befristete Nasiräat erhielten Laien die Möglichkeit, zeitweise heilig zu sein (.), wie es die Priester durch ihr Amt lebenslang waren (vgl. z.B. ). Das Nasiräer-Gelübde enthielt ursprünglich keine Bedingung, die Gott zu erfüllen hatte (anders Cartledge). Später wurde aber das Nasiräat auch für die Errettung aus Not gelobt. Außerdem wurde seine Dauer auf mindestens 30 Tage festgelegt.
Der Begriff „Nasiräer“ wird im Jakob- und → Mosesegen in den beiden Stammessprüchen über → Josef (; ) in übertragenem Sinn für einen Menschen mit einer besonderen Beziehung zu Gott gebraucht. Danach war Josef „der Geweihte
Nach . übernahm Paulus für vier Männer die Kosten für das Ende ihres Nasiräats (vgl. ), um seine Treue zum Gesetz zu zeigen. Das galt im Judentum damals als verdienstliches Werk. Umstritten ist, ob sich auf ein Nasiräer-Gelübde des Paulus bezieht. Dagegen spricht, dass ein Nasiräat nur am Jerusalemer Tempel beendet werden konnte. Andererseits ist das Gelübde, seine Haare wachsen zu lassen, für ein Nasiräer-Gelübde charakteristisch. In der Verheißung der Geburt Johannes des Täufers in wird bei der Ankündigung, dass der Sohn nicht Wein und Rauschtrank trinken wird (), das Alkoholverbot für die Mutter Simsons (..) abgewandelt. Der Verzicht auf Alkohol weist hier nicht auf ein Nasiräat, sondern auf die besondere Nähe von Johannes zu Gott hin (vgl. Wolter, 78f).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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