Während im Griechischen der Löwe λέων leôn genannt wird, kennt das Hebräische mehrere Bezeichnungen (vgl. die Aufzählungen ; ; ):

Abb. 1 Ein brüllender Löwe findet sich als Symbol königlicher Herrschaft auf dem Siegel des Schema‘, des Dieners Jerobeams (Megiddo; 8. Jh. v. Chr.).
Vielfach wird das Verhalten dieses mächtigen Landraubtieres (vgl. ), das die Menschen als Held unter den Tieren bewunderten (), beschrieben. Sein weit hörbares Brüllen (hebr. šā’ag . u.ö.), mit dem er seine Reviergrenzen markiert und das mit Donner verglichen werden konnte (; vgl. ), machte den Menschen Angst. Löwen kamen vor im Dickicht (; ) des → Jordan (; ; vgl. ; ), aber auch in Steppen- und Waldgebieten (; ; ). dagegen hat ein Löwenrudel vor Augen, das sein Lager in einer Höhle hat. Wenn Löwen hungrig sind, verlassen sie ihr Versteck und lauern an verborgenen Orten auf Beute (; ; ). Ausdrücklich nennt die Nacht als die Zeit, die den Löwen von Gott gesetzt ist, um den für ihr Überleben nötigen Beutetieren nachzustellen. Mehrfach wird ihr Jagdverhalten beschrieben, das ihnen von der Mutter beigebracht wird (): Löwen lauern im Dickicht, schleichen sich im hohen Gras lautlos an, um ihr Opfer plötzlich anzufallen. Mit ihren Zähnen, ihrer gefährlichsten Waffe (), reißen sie die Beute (; ; u.ö.), v.a. Wildtiere, wie z.B. Wildesel oder Gazellen ( [Lutherbibel: ]). Sie brachen aber auch in Herden ein, um ein Tier zu reißen (). Dabei konnten sie die Hürden, die die Tiere schützte, überspringen, das Beutetier durch einen gewaltigen Sprung zu Fall bringen, und mit dem kräftigen Gebiss die Wirbelknochen des Halses zerbrechen (). Mit dem Beutetier im Rachen konnten Löwen die Hürde erneut überspringen, um es in ihr Lager zu bringen und dort zu verzehren (; ; ).
Die → Hirten versuchten, Löwen durch Schreien zu vertreiben (), doch war eine Abwehr oft unmöglich (). Um gegenüber den Besitzern der Herde nachzuweisen, dass ein Tier durch Raubtiere gerissen und nicht etwa unterschlagen wurde, mussten die Hirten Überreste des Tieres (ein Ohrläppchen oder zwei Beine) vorweisen, die sie dem Löwen entrissen hatten (). Aber auch Menschen konnten durch Löwen gefährdet werden ( u.ö.), so dass man vor ihnen sein Heil in der Flucht suchte (). Die vom Faulen als Begründung für sein Nichtstun genannte Gefährdung durch Löwen, die ihn daran hindere, das Haus zu verlassen und zu arbeiten, ist allerdings an den Haaren herbeigezogen (; ).
In verödeten und von Menschen verlassenen Gebieten breiteten sich Löwen und andere Wildtiere schnell aus und wurden zu einer grossen Gefahr (). Als Gerichtswerkzeuge erscheinen Löwen mehrfach (; ; ; ). Die Gottesfürchtigen dagegen werden von ihnen verschont (vgl. die Daniellegenden ; ; ; vgl. ferner ). In der Heilszeit, wenn wilde Tiere und Haustiere dasselbe Futter fressen, geht von ihnen keine Gefahr mehr aus (; ). Auch die nach Zion Zurückkehrenden können unbehelligt von Löwen ihren Weg ziehen ().

Abb. 2 Königliche Löwenjagd Assurnasirpals II. (Relief im Nordwest Palast in Nimrūd; 9. Jh. v. Chr.).
Im Alten Orient oblag den Königen die rituelle Jagd auf den Löwen (vgl. die Jagdreliefs aus den assyrischen Palästen): Der Sieg über diesen mächtigsten Vertreter der gegenmenschlichen Welt und damit des Bösen verlieh dem König Eigenschaften, die ihm im Krieg und im Kampf gegen feindliche Mächte zugutekam (zur Löwenjagd als Topos der Königsideologie → Jagd 6.).

Simson tötet Löwen (Lukas Cranach d. Ä.; 1520-1525 n. Chr.).
Im Alten Testament dagegen wird nur selten von der Jagd auf Löwen berichtet: Als Löwenjäger werden → Simson (), → David (; vgl. ) und → Benaja () genannt. Löwen wurden auch in Gruben gefangen (). setzt voraus, dass gefangene Löwen in Gehegen zu Schauzwecken gehalten wurden (vgl. ).

Abb. 4 Löwin in einem Garten (neuassyrisches Relief).
In Vergleichen und Metaphern werden Löwen häufig genannt, um den Mut und die Stärke von Helden (; ; , vgl. ; ), von Volksstämmen (: Juda; : Gad; : Dan; vgl. ferner ; : Israel; : der Rest Jakobs) oder auch der Gerechten () herauszustellen. Der wütende Zorn eines Königs wird mit dem Knurren eines Löwen verglichen, um die drohende Gefahr für die unmittelbare Umgebung des Königs bzw. für die Untertanen allgemein herauszustellen (; ; vgl. ZusEst 3,9 [in Lutherbibel]).

Abb. 5 Löwenmonster, das Menschen am Schopf packt (altsyrisch).
Vergleiche mit Löwen werden auch benutzt, um soziales Unrecht, Ausbeutung und frevlerisches Verhalten von Menschen zu charakterisieren: Vergleichsempfänger sind dann Reiche ( [Lutherbibel: ]), Herrscher oder Beamte, die wegen ihrer ungehemmten Aggressivität und Profitgier und unter Ausnutzung ihrer Macht die Existenz von Menschen vernichten (; vgl. ; ). Mehrfach beziehen sich die Klagelieder des Einzelnen auf den Löwen und sein Jagd- und Angriffsverhalten, um die erdrückende Übermacht und bedrohliche Aggressivität der Feinde des Beters herauszustellen (; ; ; .; ; ; ; vgl. bezogen auf JHWH ; ). Ähnliche Vergleiche werden in der prophetischen Literatur für feindliche Fremdvölker (Ägypten, Assyrien, Babylonien) verwendet (; ; ; ; ; ). Besonders eindrücklich schildert mit einem Löwenbild das System des assyrischen Weltreiches, das die unterworfenen Länder schonungslos ausbeutete. Aber auch JHWH wird mit einem brüllenden (; ) bzw. lauernden und angreifenden () Löwen verglichen, der Furcht verbreitet (; ). Doch nicht nur JHWHs Straf- und Gerichtshandeln, auch sein rettendes Eingreifen für sein Volk kann mit dem Bild des Löwen umschrieben werden (; ). dagegen verdeutlicht die Vernichtungsmacht der Heuschrecken dadurch, dass ihre Zähne mit denen von Löwen verglichen werden (vgl. ; ein ähnliches Bild bezogen auf die Sünde [Lutherbibel: ]). dagegen bezieht sich auf die Gefräßigkeit dieser Landraubtiere und vergleicht sie mit der eines Schwertes.
Die in den Thronwagenvisionen → Ezechiels genannten vier Wesen (; ) haben vier menschen- bzw. tiergestaltige Gesichter, unter anderem das eines Löwen, und werden so als Wesen mit außergewöhnlicher Kraft ausgewiesen. Der Löwe in der → Vision → Daniels () dagegen steht für das babylonische Reich.

Abb. 6 Wächterlöwe aus Sam’al (ältere aramäische Periode).
In der bildenden Kunst des Alten Orients und Israels fanden sich nach Ausweis der Texte und der archäologischen Funde vielfach Löwendarstellungen (vgl. dazu Schroer 1987). So waren nach . die Kesselwagen im Salomonischen → Tempel mit Löwen verziert (vgl. auch ). Löwenstatuen vor Tempeln und Palästen hatten Wächterfunktion, d.h. sie sollten Unbefügte und Böses symbolisch abwehren.

Abb. 7 Ein Löwe tötet einen Stier (Elfenbeinschnitzerei; Samaria; 9./8. Jh. v. Chr.).
Der Löwe symbolisierte aber auch die Herrschaft des Königs (vgl. die Löwenmetaphorik ). Löwendarstellungen finden sich daher auch im Umkreis des Königtums, so z.B. am Thron → Salomos (). Mehrfach sind Löwenmotive auf Siegeln belegt, so z.B. der brüllende Löwe auf dem bekannten Siegel des Schema, des Knechtes Jerobeams II. aus dem 8. Jh. v. Chr. (Abb. 1). Auch das Angriffsverhalten findet sich häufig dargestellt, v.a. auf → Elfenbeinschnitzereien, wie sie aus → Samaria, → Megiddo und → Lachisch bekannt sind. Dabei ist die Darstellung von einem Löwen, der ein anderes Tier oder einen Menschen besiegt, vielleicht im Rahmen der Königsideologie als symbolischer Sieg des Königs zu verstehen.

Abb. 8 Die Kriegsgöttin Ischtar steht mit Pfeil und Bogen bewaffnet auf ihrem Symboltier, dem Löwen, davor ein Beter und kämpfende Steinböcke (assyrisches Rollsiegel; 8./7. Jh. v. Chr.).
Löwen erscheinen ferner als Attributtiere von Gottheiten, z.B. der kriegerischen → Ischtar. Als löwengestaltige Göttinnen finden sich in Ägypten Sachmet, Bastet, Tefnet oder Wadjet: Sie sind entweder in reiner Löwengestalt oder als Mischwesen mit Löwenkopf und Frauenkörper belegt.
nennt unter Bezugnahme auf den Stammesspruch (vgl. ) Jesus den „Löwen aus Juda“, um ihn als den erwarteten Heilskönig auszuweisen; das Gegenbild findet sich , wo der Teufel wie ein brüllender, raublustiger Löwe auftritt. Mehrfach werden Attribute von Mischwesen mit Körperteilen des Löwen verglichen, um ihre Gefährlichkeit zu unterstreichen (.; ), wobei das genannte Tier mit dem Löwenmaul für das Römische Weltreich steht. Auch eines der vier zur Wacht am Thron Gottes bestellten Engelwesen hat das Aussehen eines Löwen, um die allumfassende Macht Gottes darzustellen (). Der Hinweis auf die Rettung aus dem Rachen des Löwen nimmt ein alttestamentliches Bild auf und bekennt damit JHWHs rettendes Handeln. schließlich spielt auf die Daniellegenden an (vgl. ).
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