Joab
Joab ist einer der drei Söhne der Zeruja (vgl. ) und damit ein Neffe → Davids und Enkel des → Isai aus → Betlehem. Sein Name wird erstmals beiläufig in erwähnt. Als handelnde Person tritt er erst nach dem Tod → Sauls von an auf. Er zählt zu den Gefolgsleuten Davids und ist der oberste Befehlshaber seines Heeres (hebr. Titel:
Obwohl David im 2. Samuelbuch (→ Samuelbücher; → Thronfolgeerzählung) im Mittelpunkt steht, ist Joab dort als ein eigenständiger Charakter gezeichnet, der bei aller Loyalität zu seinem König nicht immer in dessen Sinne handelt. Das zeigt sich bereits in , der hinterhältigen Ermordung → Abners durch Joab. Als Joab erfährt, dass David mit dem Überläufer Abner eine Vereinbarung getroffen hat, macht er dem König heftige Vorwürfe () und beseitigt den suspekten Rivalen auf eigene Faust (). David klagt darüber, dass er sich gegen die Söhne der Zeruja nicht durchsetzen kann ().
Joab erreicht durch die Vermittlung der weisen Frau von Tekoa, dass David den Brudermörder → Abschalom wieder nach Jerusalem zurückkehren lässt (). David ist sich darüber im Klaren, dass Joab im Hintergrund die politischen Fäden gezogen hat (). Für die Aussöhnung Abschaloms mit David setzt sich Joab aber erst ein, nachdem der Königssohn ihn dazu genötigt hat ().
Am deutlichsten ist der Gegensatz zwischen David und Joab bei der Behandlung des aufständischen Abschalom (). Gegen den ausdrücklichen Befehl Davids, Abschalom zu verschonen (; vgl. ), tötet Joab ihn gemeinsam mit seinen Waffenträgern (). Als David wegen des Todes seines Sohnes in Trauer versinkt, redet Joab ihm ins Gewissen und droht ihm sogar mit der Aufkündigung der Loyalität seines Volkes (a). In der Folge verspricht der König die Feldherrnposition dem → Amasa (; vgl. ). Dies zeigt, dass Joab das Vertrauen Davids verloren hat. Da Amasa sich aber als unfähig erweist (), greift David auf → Abischai und damit auch auf dessen Bruder Joab zurück: Beide schlagen den Aufstand des → Scheba nieder (), Joab ermordet Amasa heimtückisch ().
Die Loyalität Joabs gegenüber dem König kommt besonders in der Urija-Episode der → Batseba-Erzählung () zum Ausdruck: Ohne Zögern erfüllt er den Befehl Davids und stellt → Urija an den Platz mit den gefährlichsten Gegnern, sodass er zu Tode kommt (). Auch die Eroberung der Ammoniterstadt Rabba überlässt Joab dem König zu dessen Ehre (). Trotz seiner Bedenken führt Joab die Volkszählung im Auftrag Davids durch (). In kriegerischen Auseinandersetzungen tritt Joab noch in (Kampf gegen Abner, den Feldherrn → Ischbaals) und (Kampf gegen die Ammoniter und Aramäer) auf. Insgesamt gesehen verfolgt Joab eine radikalere und ausgrenzendere Politik als David, der sich um Integration unterschiedlicher Strömungen bemüht. Auf den Königsthron selbst hat er keine Ambitionen.
Das bereits in dem Joab angekündigte Unheil trifft ein, als er sich in den Auseinandersetzungen um die Nachfolge Davids auf die falsche Seite stellt und → Adonija unterstützt (). Unmittelbar vor seinem Tod erinnert David in den neuen König Salomo an die beiden hinterhältigen und noch ungesühnten Bluttaten des Joab, die Morde an Abner () und Amasa (). Die Ermordung Abschaloms () wird in diesem Zusammenhang nicht genannt. Obwohl Joab in das Zelt des Herrn flieht und die Hörner des Altars ergreift und damit Asyl begehrt (vgl. aber ), lässt Salomo ihn dort durch → Benaja töten, der auch sein Nachfolger als Feldherr wird ().
Den Namen Joab tragen außer dem Feldherrn Davids ein judäisches Familienoberhaupt in den genealogischen Listen der Chronik () und eine Heimkehrerfamilie aus dem babylonischen Exil ( par. ; ). Auch epigraphisch ist der Name auf einem in Karthago gefundenen hebräischen Stempelsiegel belegt (vgl. Renz / Röllig, II/2, 244).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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