
Abb. 1 Männliche Figurine von Tell eṣ-Ṣāfī.
Der meist mit „Hausgott“ übersetzte hebräische Begriff tərāfim („Terafim“), der sowohl im Singular als auch im Plural gebraucht werden kann, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hebraisierte Form des hethitisch-hurritischen Begriffs tarpiš „Dämon / Schutzgeist“ (entsprechend dem akkadischen šēdu). Die LXX kann tərāfim mit εἴδωλον („Götterbild / Idol“) oder γλuπτός („Schnitzbild“) wiedergegeben, die Targumim mit Ṣlm / Ṣlmnj’ („Bilder“) bzw. dm’jn („Figuren“), was die Übersetzung des hebräischen tərāfim mit „Hausgott“ stützt.
Andere Ableitungen wie von trp „faulen“ (Fohrer, BHH III, 1952), rp’ „heilen“ bzw. rəfā’im „Heiler / Totengeister“ (Tropper 1989, 334) sind sowohl in etymologischer wie in sachlicher Hinsicht problematisch. Es besteht daher ein weitgehender Konsens, einer Ableitung von hethitisch / hurritisch tarpiš den Vorzug zu geben (Seybold, THAT, 1057; van der Toorn / Lewis, ThWAT VIII, 766; Lewis, DDD, 845).
Der Begriff tərāfim erscheint 15 mal im Alten Testament (..; ; ...; ; .; ; ; ; ).
In .. ist die Rede von den Terafim als offenbar kleinformatigen Objekten: Rahel eignet sich den Terafim ihres Vaters an und versteckt ihn in einer Satteltasche bzw. unter einer Satteldecke.
In fertigt Micha im Kontext seiner Heiligtumsgründung zwei Ritualobjekte an, den Efod (→ Kultgeräte) und den Terafim, die neben Schnitz- und Gussbild (pæsæl ûmassekāh) zur Ausstattung des Heiligtums gehören. ... rekurrieren ebenso wie auf die Ausstattung von Michas Heiligtum mit Efod, Terafim, Schnitz- und Gussbild.
Bei handelt es sich um eine deuteronomistische Polemik gegen bestimmte religiöse Praktiken, wobei die Terafim neben mantischen Praktiken (qæsæm → „Divination“) genannt werden.
berichtet von Davids Flucht vor den Häschern Sauls: Um David die Flucht zu ermöglichen und Sauls Männer zu täuschen, legt seine Gattin Michal in . einen mit einer Ziegenhaarperücke versehenen und mit einem Mantel zugedeckten Terafim in Davids Bett und behauptet, ihr Mann sei bettlägerig.
nennt im Kontext des Berichtes über die sog. Josianische Reform die Terafim neben den ’obot („Wahrsagegeistern“), jiddə‘onim („Wissenden“, wohl Mantiker), gillulim (von gel „Mist / Kot“, daher: „Mistdinger / Scheissgötter“) unter den „Greueln“, die Josia aus Juda und Jerusalem ausgetilgt habe.
erwähnt die Terafim im Kontext unterschiedlicher mantischer Praktiken, dem Werfen von Pfeilen und der Leberschau, die der König von Babel vor der Belagerung von Jerusalem anstellt.
erwähnt Terafim zusammen mit Efod, → Mazzebe und → Opfer, die, ebenso wie König und Anführer, den Bewohnern des Nordreiches für lange Zeit verlustig gehen sollen.
polemisiert sowohl gegen die Terafim als auch gegen die Wahrsager (qôsəmim), die Falsches reden, Lügen schauen und leeren Trost spenden.
Mit Seybold (THAT II, 1057-1060) muss festgestellt werden, dass der alttestamentliche Gebrauch von Terafim eine Deutung in Richtung unterschiedlicher Ritual- oder Kultobjekte zulässt:
In handelt es sich bei dem Terafim, der in . als ’älohîm „Gott“ apostrophiert wird, deutlich um ein kleinformatiges Objekt, das als Repräsentation eines Familien- oder Hausgottes bzw. eines vergöttlichten Ahnen Labans anzusprechen ist, der für diesen von existentieller Bedeutung ist. Die Deutung von Terafim als Ahnenfigur gewinnt dadurch an Gewicht, dass auch in und der Begriff ’älohîm als Geist eines Verstorbenen zu verstehen ist.
Die häufige Erwähnung der Terafim im Kontext mantischer Praktiken, insbesondere deren explizite Befragung in und ihr Reden in spricht für eine Deutung der Terafim als Ritualmedium in der Totenbefragung (→ Totenkult). In diese Richtung ist auch zu interpretieren, da , quasi das „Programm“ für die josianische Reform (→ Josia), in der Aufzählung der verbotenen Praktiken statt von Terafim von den Toten (metîm) spricht.
Weniger klar ist die Bedeutung von Terafim in und ..., wo der Begriff klar von Schnitz- und Gussbild unterschieden ist, aber mit dem hier wohl als Kleidungsstück zu interpretierenden Efod zusammengestellt wird. Es ist daher erwogen worden, den Terafim im Heiligtum Michas als eine vom Priester getragene Kultmaske zu interpretieren (Seybold, THAT II,1058). Auch für den von Michal in . als Substitut für David benutzten Terafim ist eine Deutung als Maske erwogen worden (u.a. Elliger, in: Die RGG, 3. Aufl., VI, 691; Fohrer, in: BHH, III, 1952), da dieses Objekt größer gewesen sein muss als eine Figurine.
Die offensichtliche Mehrdeutigkeit von Terafim spricht dafür, dass der Begriff wohl unterschiedliche, im weiteren Sinne anthropomorphe Ritualobjekte bezeichnen konnte. Da jedoch die Mehrzahl der Belege auf kleinplastische Objekte hinweist, ist im Kontext der häuslich-familiären Religion am ehesten an eine der auch archäologisch bezeugten Ahnenstatuetten zu denken, die zur Befragung des Totengeistes des Ahnen Verwendung finden konnte (Lewis 1989; Loretz 1992).

Abb. 2 Männliche Figurine aus Megiddo.
Bei den in Gen 31 mit Terafim bezeichneten Objekten liegt eine Deutung in Richtung einer anthropomorphen göttlichen Repräsentation am nächsten. Da archäologisch in der Eisenzeit I-II keine hölzernen und nur in Ausnahmen metallene Statuetten gefunden wurden, ist bei Terafim wohl am ehesten an eine der zahlreichen in Palästina belegten Terrakottafigurinen zu denken. Diese Objekte sind gleichzeitig leicht und stabil genug, um sie mit sich nehmen zu können. Wenn bei den Terafim an eine Repräsentation des persönlichen Gottes Labans bzw. an eine Repräsentation eines Ahnen zu denken ist, muss an eine Identifikation mit einer männlichen Terrakottafigurine gedacht werden. Diese sind zwar prozentual gegenüber den eisenzeitlichen Säulenfigürchen der Brüste haltenden Frau bzw. der Frau mit der Rahmentrommel deutlich weniger stark repräsentiert, aber dennoch recht gut bezeugt: Beispiele der Eisenzeit II B-C finden sich in u.a. in → Megiddo, → Morescha, → Lachisch und → Jerusalem. Häufiger sind männliche Terrakottafigurinen in der philistäischen Küstenebene. Stilistisch weisen die israelitisch-judäischen Exemplare kaum Unterschiede zu den philistäischen auf: Es handelt sich um zumeist nackte männliche Figurinen mit einer oft runden Kopfbedeckung (jedoch keiner Götterkappe) von rund 10-15 cm Größe (Abb.1 und 2). Bemerkenswert bei den männlichen Figurinen, von denen zumeist nur Kopffragmente, weniger jedoch Torsi sich erhalten haben, ist, dass diese über prominent ausgeführte männliche Geschlechtsmerkmale verfügen können. Die Symbolik verweist auf eine Funktion in der Sicherung der Fruchtbarkeit.
Eine Deutung der Terafim als Kultmasken kann zwar von den textlichen Befunden aus erwogen werden, erscheint aber in Hinblick darauf, dass Masken aus Israel und Juda nur selten, vor allem nicht in Kultanlagen belegt sind, deren Inventar sich erhalten hat (Lachisch room 49; Megiddo, locus 2081 und room 340), nur schwer verifizierbar.
Am wahrscheinlichsten sind die Terafim daher mit den männlichen Kleinplastiken zu identifizieren, die als Repräsentationen der Ahnen anzusprechen sind.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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