
Abb. 1 Landkarte
Das Gebirge Gilboa (hebr. gilboa‘) ist mit dem Ğebel Fuqū‘a zu identifizieren, einem Bergzug am Nordost-Rand des mittelpalästinischen Berglands. Er erstreckt sich bananenförmig ca. 18 km von Südosten nach Nordwesten. Am südlichen bzw. westlichen Rand der Bucht von Bet-Schean, die ca. 100 m unter NN liegt, ragt er auf fast 500 m über NN steil empor.
Der meist mit Artikel gebrauchte Name, dessen Bedeutung unsicher ist – vielleicht „Hügelland“ –, hat sich in dem arabischen Dorf Ğalbūn, 9km südwestlich von → Bet-Schean, erhalten (Koordinaten: 1893.2073; N 32° 27' 35'', E 35° 24' 57''). Dort wurde bei einer Oberflächenuntersuchung Keramik der Eisenzeit I, vor allem aber der byzantinischen Zeit und verschiedener arabischer Epochen gefunden (Kochavi, 1972, 209 Nr. 10).

Abb. 2 Sauls Tod in den Gilboabergen (Pieter Brueghel der Ältere; ca. 1525-1569)
Biblisch treten die Gilboaberge nur als Schauplatz einer Philisterschlacht in Erscheinung, in der → Saul sein Leben verlor. Nach lagerte das Heer der → Philister in der Jesreel-Ebene bei → Schunem, das Sauls dagegen in Gilboa, d.h. nicht in der Ebene, sondern in den Bergen. In 1Sam 29-30 folgt ein Einschub, der sich auf Ereignisse bezieht, die in der Erzählfolge weiter zurückliegen – in lagert das Heer der Philister nämlich (nach unvermittelt) viel weiter südlich in → Afek, Saul dagegen an der Quelle von → Jesreel. nimmt die Konstellation von 1Sam 28 wieder auf und schildert die Niederlage Israels. Die Philister verfolgen die flüchtenden Israeliten in die Berge Gilboas. Dort liegen am Ende die Gefallenen herum, drei Söhne Sauls werden getötet und der König selbst wird von einem Pfeil so schwer verletzt, dass er sich das Leben nimmt, um nicht durch Philisterhand zu sterben. Am folgenden Tag finden die Philister nur noch seine Leiche, schlagen den Kopf ab und hängen den Körper sowie die Leichen seiner Söhne an der Mauer von → Bet-Schean auf. In dem Klagelied, das David in auf die Ereignisse anstimmt, wünscht er den Gilboabergen Unfruchtbarkeit ().

Abb. 3 Jordangraben mit Gilboabergen
Eine herrliche Panoramastraße über den Kamm der Gilboaberge zweigt ca. 7km südlich von Bet-Schean von der Jordanstraße nach Westen ab und führt durch Wälder von Nadelbäumen, Johannisbrotbäumen und Eukalyptus nach Jesreel. Wegen der Lichtverhältnisse befährt man die Strecke, von der einige Wanderwege ausgehen, am besten spätnachmittags. Sie führt zunächst auf den Har Abinadab (440 m), der nach einem der Söhne Sauls benannt ist, die in den Gilboabergen ihr Leben ließen. Vorbei an Maale Gilboa geht es in kurzer Abfolge über die Berge Har Jizpor (475 m), Har Achinoam (451 m), Har Barqan (497 m), Har Lafidim (434 m) und schließlich zwischen dem Har Schaul (302 m) und dem Har Giborim (350 m) hindurch. Auf dem markantesten Berg, dem Har Barqan („Berg des Stachels“), steht ein Feuerwachturm, von dem man eine hervorragende Aussicht in alle Richtungen hat.
Am Nordhang der Gilboa-Berge liegt der Ort Gidona. In dem dortigen Steinbruch „Even Vesid“ hat man 1992/93 eine Grabhöhle ausgegraben (1846.2162). Ein Schacht führte in eine größere, westliche Kammer (ca. 6 x 6 m), von der sieben Stollen für Tote ausgingen. Ein Steinsarkophag stand fast in der Mitte der Kammer, und Nägel zeugten von Holzsärgen. Bei der runden östlichen Kammer handelte es sich wohl um eine Höhle, auf die man beim Bau der westlichen Kammer gestoßen war. Ausweislich der Keramik wurde die Anlage schon in der Frühen Bronzezeit benutzt, vor allem aber in persischer, römischer, byzantinischer, früharabischer und mamlukischer Zeit. Ihre endgültige Form hatte sie wohl in römischer Zeit erhalten (2. Jh. n. Chr.).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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