„Gibea“

Abb. 1 Landkarte.
Das Alte Testament kennt drei Orte Gibea, einen im Süden Judas (), einen im ephraimitischen Bergland () und das Gibea, das zum Stammesgebiet → Benjamins gehörte (). Mit diesem verbinden sich vor allem zwei Überlieferungen:
1) Die Schandtat von Gibea (Ri 19-21). Die Erzählung spielt in der Richterzeit. Ein → Levit will auf der Durchreise mit seiner Frau in Gibea übernachten, wird aber – schon hier zeigt sich die polemische, gegen Gibea gerichtete Tendenz der Erzählung – nur von einem Fremdling aufgenommen. Die Bewohner der Stadt fordern von ihm, den Leviten auszuliefern, geben sich aber mit dessen Frau zufrieden. Diese vergewaltigen sie die ganze Nacht, bis sie tot zusammenbricht. Der Levit zerteilt die Leiche seiner Frau in zwölf Stücke und verschickt diese im ganzen Land, um Israel gegen Gibea zu mobilisieren. Die Männer Israels sammeln sich in → Mizpa und fordern von Benjamin die Auslieferung der Schuldigen. Doch Benjamin sammelt sich seinerseits in Gibea zum Kampf. Nach ersten Niederlagen, die in der Erzählung eine retardierende Funktion haben, bringt Israel dem Heer Benjamins durch einen Hinterhalt eine vernichtende Niederlage bei und lässt die Stadt in Flammen aufgehen.
Inwiefern die Erzählung – und sei es nur darin, dass sie Gibea mit innerisraelitischen Kämpfen verbindet – historisch ist, wird man kaum mehr sagen können. In ihrer antibenjaminitischen, speziell gegen die Stadt Sauls gerichteten Tendenz entspricht sie der Polemik gegen Saul von 1Sam 13-15. In ist die Schandtat von Gibea zum einen Typos für die gegenwärtige Schuld Israels, zum anderen dafür, dass der Schuld Vernichtung folgt, und zwar wie am Anfang so am Ende der Geschichte Israels durch das Brudervolk. In wird der Anschlag auf den Leviten zum Urbild für die Anfeindung, der der Prophet selbst ausgesetzt ist.
2) Das Gibea Sauls (; ; ; ). Saul stammt zwar, wie das Familiengrab in Sela‘ (= Chirbet Salach ?) belegt (), trotz kaum aus Gibea, hat diesen Ort jedoch zur Residenz und damit zum Zentrum seines Herrschaftsgebiets erhoben (). Deswegen spielen hier eine Reihe von Überlieferungen: David soll Saul hier, nachdem diesen ein böser Geist ergriffen hat, durch Harfenspiel besänftigen (), doch bald wird der König auf David und dessen militärische Erfolge eifersüchtig und trachtet ihm in Gibea bzw. von Gibea aus nach dem Leben, während sein Sohn → Jonathan ihm zur Flucht verhilft (; ). Später werden in dem Ort Sauls sieben seiner Nachkommen von den Gibeonitern aus Rache hingerichtet (2Sam 21).

Abb. 2 Gibea von Südwesten.
Der Ort dürfte mit Tell el-Fūl [Tell el-Ful], dem „Tell der Bohnen“, zu identifizieren sein, der seinen Namen wohl einer entsprechenden Bepflanzung verdankt. Der Tell ragt 5 km nördlich der Jerusalemer Altstadt (Koordinaten: 1719.1367; N 31° 49' 22'', E 35° 13' 53'') auf einem frei stehenden, relativ steilen Hügel 30m empor (862m ü.M.). Von seinem ebenen Plateau (ca. 150 x 90m) hat man einen weiten Blick in alle Himmelsrichtungen, vor allem kann man die seit alters an dem Tell vorbeiführende Hauptstraße, eine Nord-Süd-Achse Palästinas, gut kontrollieren. Das gibt dem Ort seine strategische Bedeutung. Eine größere Stadt kann es auf dem Hügel angesichts der schwierigen, auf Zisternen basierenden Wasserversorgung nicht gegeben haben. Man hat hier nur Dörfer und vor allem militärische Einrichtungen errichtet.
Schon in der hebräischen und vor allem der griechischen Überlieferung des Bibeltextes wurde Gibea mit Geba (→ Michmas / Geba) verwechselt. Das führte in römisch-byzantinischer Zeit dazu, dass man Gibea nicht nur mit Tell el-Fūl, sondern auch mit dem 5km nordöstlich am Wādīi eṣ-Ṣwēnīṭ gelegenen Ğeba‘ identifizierte. In Antiquitates Judaicae V 2,8 lokalisiert Josephus Gibea 20 Stadien nördlich von Jerusalem, was auf Tell el-Fūl deutet (Text Josephus). Antiquitates Judaicae VII 11,7 bestätigt diese Lokalisierung indirekt, denn hier wird für → Gibeon, das über Gibea hinaus etwa doppelt so weit von Jerusalem liegt, eine Entfernung von 40 Stadien angegeben (De bello Judaico II 19,1 weicht davon allerdings mit der Angabe von 50 Stadien ab). Demgegenüber identifiziert Josephus Gibea in Antiquitates Judaicae VI 6,1 mit Geba, und in De bello Judaico V 2,1 lokalisiert er Gibea, wie es für Ğeba‘ (= Geba) ungefähr zutrifft, 30 Stadien von Jerusalem bei dem „Dornental“, womit das Wādī eṣ-Ṣwēnīṭ, das „Tal der Dörnchen“, gemeint sein dürfte.
In neuerer Zeit hat der Identifizierung mit Tell el-Fūl insbesondere P. M. Arnold (1990; vgl. Miller, 1975) mit der These widersprochen, Gibea sei der ältere, im Nord-Reich übliche Name für den später in Juda Geba genannten und mit dem heutigen Ğeba‘ gleichzusetzenden Ort gewesen. Als Gründe für diese Identifizierung seien – mit Entgegnung – genannt:
1) Gibea und Geba können promiscue gebraucht werden. Das in bei einem Philisterposten lokalisierte Gibeat ha-Elohim („Höhe Gottes“) ist nach dem folgenden v10 mit Gibea, nach der Lokalisierung des Philisterpostens in mit Geba zu verbinden. Mit Gibea ist hier also Geba, und umgekehrt ist in (u.ö.?) mit Geba Gibea gemeint.- Der scheinbar promiscue Gebrauch kann jedoch auf Fehlern der Überlieferung beruhen (vgl. Stoebe, 1965, 269ff).
2) Der Hinterhalt bei Gibea, von dem Ri 20 erzählt, setzt eine zerklüftete Landschaft voraus, wie sie sich bei Ğeba‘ findet, nicht jedoch im offenen Gelände von Tell el-Fūl.- Dem ist zu entgegnen, dass der Hinterhalt nach v30ff darin besteht, dass man die Truppen aus dem Ort lockt, ehe man angreift, und das ist auch in der Landschaft von Tell el-Fūl möglich.
3) setzt voraus, dass man von Gibea aus gut sehen kann, was in Michmas (.) geschieht. Das trifft für Ğeba‘ zu, nicht jedoch für Tell el-Fūl.
4) Auf Tell el-Fūl stand archäologisch nachgewiesen in der späten Eisenzeit I nur ein Wachturm. Von einer so bedeutenden Stadt wie dem Gibea Sauls lässt sich nichts finden.- Der Turm von Tell el-Fūl ist jedoch angesichts von Mauer S als Teil einer größeren Anlage zu sehen. Das Gibea Sauls wäre dann als Festungsort zu rekonstruieren.
5) Tell el-Fūl war nach dem Keramikbefund im 8.Jh. v. Chr. unbesiedelt, nach den Propheten Hosea und Jesaja war Gibea zu dieser Zeit dagegen ein wichtiger Ort.- Für eine Besiedlung des Tells im 8. Jh. sprechen jedoch 17 Königsstempel, die man dort gefunden hat.
6) Im Kommentar zu lokalisiert Hieronymus nach Arnold Gibea 7 Meilen nördlich von Jerusalem, also in Ğeba‘ (PL XXV, 861).- Dieses Argument Arnolds beruht auf einem Missverständnis, denn die Angabe des Hieronymus bezieht sich auf Rama.
Für die Identifizierung mit Tell el-Fūl lässt sich Folgendes anführen:
1) In erscheinen Geba und Gibea als eigene Größen. Arnold (46) kann dies nur durch eine Änderung des Textes vermeiden. In beruht die Differenzierung zwischen Geba (v24) und Gibea (v28) zwar auch auf einer Textänderung (MT hat
2) In kommen für den Leviten, der auf dem Weg von Jerusalem nach Norden zieht, als Quartierorte Gibea und → Rama in Frage. Die Entscheidung für Gibea ergibt sich aus dem Einbruch der Dunkelheit (v14). Deswegen bezeichnen die beiden Orte gegen Arnold nicht je eine Station an der westlichen Höhen- und der östlichen Bergstraße, sondern eine nähere und eine ferner Quartiermöglichkeit an der Höhenstraße (vgl. ).
3) Als Fluchtwege bieten sich von Gibea aus nach die Wege nach → Bethel und → Gibeon an. Dies passt zu Tell el-Fūl.
4) Nach Hieronymus (Brief 108,8; Donner, 1979, 152) zog die Pilgerin Paula (4. Jh. n. Chr.) von Emmaus über Gibeon und Gibea nach Jerusalem (Text Kirchenväter). Bei dieser Route kann mit Gibea Tell el-Fūl, nicht aber Ğeba‘ gemeint sein.
Da die biblischen Erzählungen, die in Gibea spielen, keine historisch zuverlässigen Informationen zur Geschichte des Ortes bieten, kann sich die Darstellung der Geschichte nur auf die Ausgrabungen stützen. Der Grabungsbefund ist jedoch in vielen Punkten äußerst unklar. Deswegen bleibt die Darstellung der Geschichte Gibeas mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.
Die Ausgrabungen: Tell el-Fūl war einer der ersten Grabungsorte in Palästina. So kommt es, dass die Schichten hier noch von unten nach oben statt von oben nach unten gezählt werden. Die Grabungen begannen 1868 mit einer zweiwöchigen Kampagne von Charles Warren, die jedoch ohne Bedeutung blieb. Zu umfangreicheren Ausgrabungen kam es unter der Leitung von W. F. Albright 1922-23 (Albright, 1924) und 1933 (Sinclair, 1960). Um offene Fragen zu klären, hat P. W. Lapp 1964 (nach seinem Tod publiziert von seiner Frau N. L. Lapp, 1981, dazu Hübner, 1987) eine endgültig letzte Kampagne unternommen, ehe König Hussein von Jordanien anfing, hier einen Palast zu errichten, der seit der Eroberung des Gebiets durch Israel 1967 als unvollendeter Rohbau dem Verfall preisgegeben ist. Die großen zeitlichen Abstände zwischen den einzelnen Grabungen sowie ihren Publikationen haben, da die Grabungs- wie Datierungsmethoden im Laufe der Zeit verfeinert werden konnten, zu erheblichen Unterschieden in der Datierung und Deutung der Funde geführt. Die Datierungen kranken daran, dass sie nicht auf Keramikfunden basieren, die Fußböden der Festung zugeordnet sind (vgl. Finkelstein, 1988, 56-60). Jede Rekonstruktion der Geschichte des Tells bleibt deswegen mit großen Fragezeichen versehen. Heute ist auf dem Tell von den Grabungen – abgesehen von Grabungslöchern im Nordosten – nichts mehr zu sehen.

Abb. 3 Festung I und II nach Albright.
Die Geschichte des Tells beginnt, lässt man die wenigen Scherben der Mittleren Bronzezeit außer Acht, in der Eisenzeit.
Str. I: In der frühen Eisenzeit I entstand auf dem Tell eine kleine Siedlung, von der nur geringe Reste der Wohnbebauung unter Mauern von Str. II zeugen. Entgegen vorschnellen Behauptungen nach der Kampagne von 1922/23 belegt nichts, dass hier in vorstaatlicher Zeit – wie Ri 19f voraussetzt – eine befestigte Stadt durch Krieg und Feuer zerstört wurde.
Str. II: Nach einer längeren Siedlungslücke wurde eine Festung mit vier Ecktürmen gebaut, von der man allerdings nur wenig gefunden hat, nämlich die aus großen, groben Steinen in unregelmäßigen Reihen gesetzten Mauern des Südwest-Turms (17,80x11,60m), die noch bis zu 2m hoch standen, ferner an sie anstoßende Mauern und in einem Trench von 1964 ein 3m langes Stück der 1,5m breiten West-Mauer („Wall-S“) mit Scherben der späten Eisenzeit I im Fundamentgraben. Der so ummauerte Platz war wohl unbebaut.

Abb. 4 Festung I und II nach Lapp.
Umstritten sind angesichts der geringen Funde vor allem drei Punkte:
1) Der Grundriss der Anlage. Albright und Lapp rekonstruieren aufgrund von Analogien (vgl. Weippert, 1988, 480ff) eine rechteckige Festung mit vier vorspringenden Ecktürmen. Bei Albright ist sie länglich (34x52m), bei Lapp aufgrund der später gefundenen West-Mauer fast quadratisch (ca. 62x57m). Arnold rekonstruiert dagegen keine größere Anlage, sondern nur einen Wachturm mit anliegenden Gebäuden (1990, 52; 2001, 184). Die W-Mauer spricht jedoch für eine größere Anlage, allerdings ist die Rekonstruktion Lapps sehr hypothetisch.
2) Die Mauer. Albright betrachtete die Mauer als eine in ihren Räumen zum Teil genutzte, zum Teil mit Schutt gefüllte Kasemattenmauer, die lange als die älteste Kasemattenmauer Palästinas galt (→ Befestigungsanlagen). Nach dem Fund der West-Mauer hat Lapp dieses Bild korrigiert und sie ohne Kasematten rekonstruiert. Finkelstein (1988, 59) bestreitet, dass die West-Mauer zur Festung gehörte, da auch nach der Zeichnung Lapps (1981, 310) von der Eckbastion eine Kasemattenmauer abgeht.
3) Die historische Zuordnung. Albright unterscheidet zwischen Festung I und II (anders Lapp). Für Festung I soll eine Ascheschicht belegen, dass sie zerstört wurde und dass es im Turminnern eine Holzkonstruktion gegeben hat, die von der Mehrstöckigkeit und Höhe des Gebäudes zeugt. Festung II ist ein Wiederaufbau dieser Anlage, bei dem man wesentlich kleinere Steine verwendet hat und der bald wieder aufgegeben wurde. Festung I wird entweder aufgrund von (vgl. ) den Philistern oder wegen des Fehlens sog. Philisterkeramik Saul zugeschrieben, Festung II dementsprechend im ersten Fall Saul oder im zweiten David. Archäologisch sind solche Zuschreibungen problematisch.

Tabellenvorschau.
Tabelle: Die Strata von Tell el-Fūl
Man hat in dem relativ kleinen Grabungsbereich 24 in den Fels geschlagene, glockenförmige Silos gefunden, die wohl der Lagerung von Vorräten, bes. Wein und Getreide, in großen Krügen dienten. Die großen Kammern erreichen eine Tiefe von durchschnittlich 2,25m, die kleinen von 1,6m. Sie stammen zum Teil – falls die Überbauung tatsächlich in die Eisenzeit II datiert – aus der Eisenzeit I, zum Teil aber auch erst aus späteren Zeiten und sind zuletzt in hellenistischer Zeit benutzt worden.

Abb. 5 Festung III.
Str. III-A: Nach einer langen Siedlungslücke entstand Festung III, die sich nach den Rekonstruktionen von den Vorgängerbauten erheblich unterscheidet: keine Zitadelle mit vier Ecktürmen, sondern ein Wachturm mit Kasemattenmauer; keine selbständige Residenz, sondern ein Vorposten im Festungssystem um Jerusalem (anders Hübner [1987, 228], der aufgrund von Revetmentresten im Nordosten und Analogien wieder eine Festung mit mehreren Türmen für möglich hält). 17 Königsstempel, die inzwischen nicht mehr der Josia-, sondern der Hiskiazeit zugeschrieben werden, lassen die Festung ins 8.Jh. v. Chr. datieren. Rosettenstempel, die am Ende der Königszeit ein Pendant für die älteren Königsstempel bieten, belegen den Fortbestand der Anlage im 7.Jh.
Spuren von Reparaturarbeiten führen zur Unterscheidung zweier Phasen mit einer dazwischen liegenden Zerstörung, die man mit dem syrisch-ephraimitischen (734 v. Chr.) oder dem assyrischen (701 v. Chr.) Angriff auf Jerusalem in Verbindung bringt. Gefunden wurden von der Festung ein außen 17x15m messender Turm, der über dem Südwest-Turm von Festung II stand und rundum mit massiven, 60 Grad schrägen Steinböschungen (Revetments) geschützt war, sowie Reste einer relativ schmalen Kasemattenmauer (2,5-3m), die sich im Westen vom Turm aus auf über 11m und im Osten auf über 20m verfolgen ließ. Hausreste zeugen darüber hinaus von einem Dorf an der Ost-Seite des Tells.

Abb. 6 Die Straßen nördlich von Jerusalem mit der Anmarschroute der Feinde nach Jes 10,28-32.
Der syrisch-ephraimitische Krieg: Im Jahr 734 v. Chr. wurden Gibea und andere nordjudäische Orte von der gegen Jerusalem anrückenden Koalition aus Aram (=Syrien) und Israel (=Ephraim) zunächst eingenommen, aufgrund des assyrischen Drucks jedoch bald wieder aufgegeben (→ Syrisch-ephraimitischer Krieg). Jes 10,27ff hat, wenn der Text eine reale militärische Operation dokumentiert, bei dem von Norden anrückenden, namentlich nicht genannten Angreifer ursprünglich wohl nicht die Assyrer, die von Westen über → Lachisch kamen, im Blick – das suggeriert erst der redaktionelle Kontext (..) –, sondern das syrisch-ephraimitische Heer. Indem Jesaja Gibea schon auf der Flucht und den Vorposten Jerusalems damit genommen sieht, kündigt er Juda (ex eventu) Unheil an. Im Nord-Reich bezieht sich Hosea in vermutlich auf den wenig später erfolgten Rückzug der eigenen Truppen. Er ruft die judäischen Orte Gibea und Rama zum Gegenschlag auf und kündigt damit Israel Unheil an.
Str. III-B: Nach der Zerstörung des 8.Jh.s wurde Festung III bald wieder ausgebessert, ehe das Schicksal sie erneut ereilte. Eine Zerstörungsschicht, die Albright immer wieder, Lapp dagegen nur in der Asche eines nordöstlichen Gebäudes fand, wird der Zerstörung durch → Nebukadnezar im 6.Jh. zugeschrieben. Nach Sinclair war der Ort danach unbesiedelt, bis er in frühnachexilischer Zeit wiederaufgebaut wurde (Str. IV-A). Demgegenüber hat Lapp gezeigt, dass die Zerstörung nur die Befestigungsanlage betraf, während die Wohnbebauung in der Exilszeit im Rahmen einer unbefestigten Siedlung fortbestand, ja über die Grenzen der zu Wohn- und Lagerzwecken weiter genutzten Kasemattenmauer hinausging. Erst in frühnachexilischer Zeit wurde der Ort aufgegeben.
Str. IV: Die persische Zeit bringt eine lange Siedlungslücke. Erst in hellenistischer Zeit, vor allem im 2.Jh., gibt es – und zwar auch außerhalb des Bereichs von Festung I und II – wieder eine Wohnbebauung, die vom auf und ab des Ortes zeugt. Str. IVA und C sind fast nur durch Silos und Fußbodenreste belegt, die Hauptphase, Str. IVB, wieder durch eine Festung. Sie ist im Wesentlichen ein Neubau des Wachturms von Str. III, nur der Innenraum wurde anders gestaltet. Besondere Funde von Str. IV sind ein eiserner Zirkel, zwei Henkel mit Siegel (jršlm [=Jerusalem] + Pentagramm; jhd [=Jehud / Juda]), ein Ostrakon („[dem] Chanania, Sohn des Chagab“), 25 meist ptolemäische und seleukidische Münzen und eine Anlage mit zwei verputzten Becken im Südwesten über einem Silo der Eisenzeit II.
Str. V: Eine Fülle römischer Scherben deuten darauf, dass der Tell um 70 n. Chr. nochmals für kurze Zeit besiedelt war. Eine Festung gab es auf dem Tell zu dieser Zeit nicht. Zerstört wurde der Ort vermutlich von Titus, der hier (oder in Ğeba‘) vor seinem Angriff auf Jerusalem sein Lager aufschlug (Josephus, De bello Judaico V 2,1; Text Josephus).
Nach wurden die aaronidischen Priester → Eleasar und sein Sohn → Pinhas in einem Ort Gibea begraben, der in Ephraim lokalisiert und auffälligerweise nach dem Sohn „Gibea des Pinhas“ genannt wird. Heute werden in Awerta (’Awartā) bei Nablus Gräber als diese Gräber der Aaroniden gezeigt (Näheres → Eleasar).
enthält eine Liste der Städte Judas. In ihr findet sich ein weiterer Ort Gibea, der im Judäischen Bergland gelegen haben muss, sich jedoch nicht näher lokalisieren lässt.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
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