
Abb. 1 Esel als Transporttier.
Eines der ältesten Haustiere ist der vom nubischen Wildesel abstammende Hausesel (Equus asinus asinus; hebr.

Abb. 2 Esel und Kamel als Transporttier.
Durch Esel wurde erstmals der Langstreckenhandel möglich. Dass er auch zum Pflügen und Dreschen verwendet wurde, zeigt (vgl. ), wo das Zusammenschirren von Rind und Esel verboten wird. Diese Bestimmung stellt weniger eine Schutzmaßnahme dar, sondern ist im Tabu begründet, verschiedene Tiergattungen zu mischen (vgl. ).

Abb. 3 Vornehmer Mann auf einem Esel begleitet von einem Führer und einem Treiber (aufgrund von Farbresten koloriertes Detail einer Stele von Ṣerābīṭ el-Chādem / Sinai, um 1850 v. Chr.).
Als Reittier diente der mit einem Sattel versehene (; ) und zum Teil von einem Treiber () begleitete Esel in der Frühzeit vor allem den Vornehmen des Landes (; ; ) und war gewissermaßen ein Statussymbol (vgl. .). Später gehörte er in der durch → Viehzucht bestimmten Gesellschaft Altisraels wie → Rinder und → Schafe zum wichtigsten Besitz () auch von einfacheren Leuten (), den man anders als den ererbten Boden mit Fleiß erwerben (; ), der aber im Krieg den feindlichen Siegern anheim fallen konnte (; ; ). Besonders geschätzt waren weiße Tiere ().
Anders als das → Pferd, das in der späteren Königszeit mehr und mehr Verwendung fand und mit Krieg, Luxus und Hochmut verbunden wurde (vgl. schon ), wurde der Esel im Krieg höchstens im Tross () eingesetzt. Daher ist es verständlich, dass gerade der Esel zum bevorzugten Reittier des messianischen Friedensfürsten wurde (; vgl. die Erfüllungszitate ; und schon ). Rechtsbestimmungen befassen sich mit Diebstahl, Veruntreuung und Verlust von (in Obhut gegebenen) Eseln (; ; ; ; ; vgl. ). Der Missbrauch des Esels durch Überladen steht im Hintergrund der Vorschrift von , wonach man dem Esel des Feindes, der unter seiner Last zusammengebrochen ist, helfen muss.
Da der Esel als Einhufer als unrein galt, durfte er weder gegessen noch geopfert werden (; ). Das Essen von Eselsfleisch in dürfte aufgrund der kriegsbedingten Hungersnot eine Ausnahme darstellen. Seine Erstgeburt musste mit einem Schaf ausgelöst werden (). Die Kadaver toter Esel wurden vor die Stadtmauern geworfen und dort von Raubtieren und anderen Aasfressern vertilgt. Ein solches Eselsbegräbnis einem Menschen anzukündigen, wie es in gegenüber → Jojakim geschieht, ist Ausdruck größter Beschimpfung.
Das enge Verhältnis von Mensch und Haustier kennzeichnet , aber auch die Sabbatgesetzgebung, die dem Esel genau wie dem Menschen eine Zeit des Ausruhens einräumt (; ). Auch sonst wird die Sorge des Menschen für das Tier herausgestellt (; ; ).
Der Stammesspruch , der Issachar mit einem knochigen, d.h. starken Esel vergleicht, bezieht sich auf die Fronpflicht dieses Stammes, der sich zum Lastesel erniedrigte und seine Freiheit aufgab. Die → Bileamgeschichte () enthält im Motiv der sprechenden Eselin einen ironischen Zug, ist es doch das Tier, das in der Erkenntnis Gottes den darin eigentlich geübten Seher Bileam übertrifft und ihn trotz der Misshandlungen vor dem Schwert des Gottesboten rettet (). Auch hier wird die Treue des Tieres gegenüber seinem Herrn herausgestellt ().
Eselsbegräbnisse aus der Mittelbronzezeit (2000-1550 v. Chr.; Tell el-Ḍab’a im Nildelta; Tell Ğemme) in der südlichen Levante bezeugen die hohe Wertschätzung, die man den Tieren entgegenbrachte, da sie den Grund für wirtschaftliche Sicherheit und Wohlstand bildeten (Staubli 2001).
In der Lutherbibel bezeichnet „Füllen“ immer Nachkommen von Eseln (nur in von Kamelen). Das hebräische bzw. griechische Äquivalent meint aber kaum Eselsfohlen, die als Reittiere nicht in Frage gekommen wären, sondern junge, starke Eselshengste, so z.B. in , wo die Parallelbegriffe „Eselshengst“ (‘îr) und „Sohn einer Eselin“ (bənî ‘ǎtonô) zeigen, dass es sich bei dem Tier um einen reinrassigen Eselshengst handelt und nicht um ein Maultier. Auch nach ist das Reittier des messianischen Friedenskönigs „ein Esel (chǎmôr), und zwar ein Eselshengst (‘ajir), der Sohn einer Eselin (bæn ‘ǎtonôt)“. Der Ritt auf dem Esel zeigt an, dass diesem König jeder kriegerische Zug fehlt (vgl. den Gegensatz zum Kriegsross ).
(vgl. .) knüpft an die beiden alttestamentlichen Stellen an und betont, dass Jesus auf einem πῶλος pōlos, also einem männlichen Jungesel, in Jerusalem eingeritten ist (vgl. auch ). Schon durch sein Reittier gibt Jesus sich als Friedensfürst zu erkennen. Der Hinweis, dass das Tier noch von keinem Menschen geritten war, soll zeigen, dass es in besonderer Weise der Würde des Messias entsprach. Auch der Babylonische Talmud kennt den Esel als Reittier des Messias (vgl. Berakhot 56b; Text Talmud). Ungeklärt ist, warum unter Verwendung der LXX-Tradition von von zwei Reittieren Jesu, einer Eselin und ihrem Jungtier, ausgeht.
Ochs und Esel bei der Geburt Jesu sind neutestamentlich nicht belegt. Auf der Grundlage von und (LXX) sind diese beiden Tiere im Pseudo-Matthäus-Evangelium 14 (8./9. Jh; „Am dritten Tage nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus trat die seligste Maria aus der Höhle, ging in einen Stall hinein und legte ihren Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an.“) und zuvor schon in patristischer Literatur (z.B. Hieronymus Ep 108,10; Text Kirchenväter) im Zusammenhang mit Jesu Geburt bezeugt und hielten von dorther Einzug in die christliche Tradition.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
Bild-Recherche BIBEL+ORIENT Datenbank Online
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