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Eli / Eliden

1. Der Name „Eli“

„Eli“ (עֵלִי ‘elî; griechisch Ηλι Ēli) bedeutet „der Erhabene / der Höchste“. Der Name ist wahrscheinlich Kurzform des auf mehreren Siegeln belegten Satznamens „Erhaben ist Jahwe“ (עליהו / עליו; HAE II/2, 127.347f; vgl. auch יהועלי; WSS Nr. 181). Äquivalente zu „Eli“ sind in südsemitischen Inschriften zu finden (s. HALAT s.v.; Gesenius, 18. Aufl. s.v.).

2. Der Priester Eli in 1Sam 1-4

Abb. 1 Hanna bringt Samuel zu Eli an den Tempel von Silo (Psalter des Heiligen Ludwig; 13. Jh.).

Eli wird in als → Priester des Jahwe Zebaot (→ Jahwe; → Zebaot) am → Tempel von → Silo eingeführt. Von ihm wird in im Zusammenhang mit Geburt und Kindheit → Samuels erzählt: Er verkündet der unfruchtbaren → Hanna, dass Jahwe ihr Gebet um einen Sohn erhört habe (). Hanna nennt ihr Kind Samuel und weiht es Jahwe (); Samuel wächst als Elis Diener am Heiligtum von Silo auf ().

Elis Söhne → Hofni und Pinhas sind ebenfalls Priester in Silo (); sie missbrauchen jedoch ihr Amt (vgl. die Söhne Samuels in ), indem sie sich Anteile am Opferfleisch nehmen, die ihnen nicht zustehen (; vgl. ). Auf Elis Zurechtweisung hören sie nicht ().

Abb. 2 Samuel bei Eli (Gerrit Dou; 1613-1675).

Daraufhin verkündet ein „Gottesmann“ dem Eli die fast vollständige Ausrottung seines Geschlechts und das Ende des elidischen Priestertums (). Samuel, der im Tempel nächtigt (→ Inkubation), empfängt dort eine Botschaft Jahwes, die von einer bevorstehenden Katastrophe spricht und die Worte des Gottesmanns gegen das Haus Elis bestätigt ().

Im Krieg mit den → Philistern kommt es bei → Eben-Ezer zu einer Niederlage der Israeliten (). Die Philister erbeuten die → Lade Jahwes, die die Israeliten aus Silo geholt hatten; Elis Söhne, die die Lade begleitet hatten, kommen zu Tode (.). Eli selbst stirbt, als ihm die Unheilsnachricht mitgeteilt wird (). Bei der hochschwangeren Frau des Pinhas löst der Schock die Wehen aus; sie bringt einen Sohn namens → Ikabod zur Welt und stirbt kurz nach der Geburt ().

3. Literargeschichte und historischer Hintergrund

Die Erzählung von Eli ist nicht einheitlich. Eindeutige Ergänzungen sind das Lied der Hanna (), die Nachrichten über die Sünde der Söhne Elis (.) und der Auftritt des Gottesmannes (; dazu s. 6.); auch das Jahweorakel im Tempel () dürfte (mindestens teilweise) von einer Bearbeitung verfasst sein, die bereits auf zurückgreift ().

Der älteste Kern ist in und in . sowie in Teilen von zu suchen. Darin wird Samuel als Nachfolger des Priesters Eli eingeführt (fortgesetzt in ). Die Entstehungszeit der Erzählung lässt sich wegen ihres legendenhaften Charakters schwer bestimmen. Terminus ad quem könnte das Ende des Königreiches Israel sein. Über das 11. Jh., in dem die Erzählung spielt, sind vom Text aus keine sicheren Kenntnisse zu gewinnen.

4. Eli als Richter

Nach einer Notiz, die an die Erwähnung des Todes Elis angehängt ist, hat Eli „Israel vierzig Jahre lang gerichtet“ (b). Es handelt sich um einen Zusatz, der vom deuteronomistischen Rahmenwerk des → Richterbuches beeinflusst ist: Eli soll auch im Blick auf das Amt des → Richters als Vorgänger Samuels erscheinen, der nach „Israel alle Tage seines Lebens richtete“. Die Notiz über Elis vierzigjähriges Richten widerspricht jedoch den redaktionellen Angaben über die vierzigjährige Herrschaft der Philister () und die zwanzigjährige Richtertätigkeit Simsons (; ).

5. Die Eliden

Durch die genealogische Notiz in a wird die Linie der Eliden mit dem Priestergeschlecht von → Nob ( und dem Priester → Abjatar (; ; etc.) verknüpft: Demnach war der Priester → Ahija, der unter → Saul amtierte, „der Sohn des → Ahitub, des Bruders des Ikabod, des Sohnes des Pinhas“ (s. 2.). Ahitub ist nach der Vater des → Ahimelech, der in als Priester von Nob eingeführt wird. Der Ahimelechsohn Abjatar, der als Einziger dem von Saul befohlenen Blutbad an den Priestern von Nob entrinnt () und ein Hauptpriester Davids wird, erscheint damit ebenfalls als Elide.

Die Verbindung von Ahimelech und Abjatar mit den Eliden wird allerdings sonst nirgends erwähnt. Die genealogische Notiz a erweist sich als – wahrscheinlich deuteronomistischer – Zusatz (Veijola, 39-43).

Über die Vorfahren Elis macht das Alte Testament keine genauen Angaben (zu s. 6.). Nach Josephus (Antiquitates 5.11.5 § 361; Text gr. und lat. Autoren) war Eli der erste → Hohepriester aus der Familie des → Itamar, des zweiten Sohnes des → Aaron. Im Hintergrund dieser Mitteilung steht neben a wahrscheinlich , wo Ahimelech zu den Söhnen des Itamar gezählt wird.

6. Das Ende des elidischen Priestertums

Der Auftritt des „Gottesmannes“ in , dessen Botschaft weit über den Horizont von hinausgreift, ist seit langem als jüngerer Zusatz erwiesen. Die genealogische Verknüpfung durch a (s. 4.) wird vorausgesetzt.

Der Inhalt der Prophezeiung ist vielschichtig: In Ägypten hatte Jahwe den Eliden ein ewiges Priestertum zugesichert (); wegen der Sünde der Söhne Elis und Elis Unfähigkeit, ihnen zu wehren, nimmt er dies jedoch zurück () und kündigt die Ermordung der Priester von Nob (vgl. mit ) und die Flucht Abjatars zu David (vgl. mit ) an. Weitere Voraussagen betreffen den Tod der beiden Söhne Elis (), die Verbannung Abjatars durch Salomo () sowie den Aufstieg → Zadoks und seiner Dynastie zum alleinigen Priestertum (a.35). Schließlich wird sogar auf die Absetzung der Höhenpriester durch Josia () vorausgeblickt ().

Umstritten ist, ob der Text deuteronomistisch oder nachdeuteronomistisch einzuordnen ist. Die Prophezeiung könnte allerdings in mehreren Stufen entstanden sein. Unklar ist, worauf sich Jahwes Offenbarung an das Vaterhaus Elis in Ägypten und seine Erwählung zum ewigen Priestertum () bezieht. Meist denkt man an das Priestertum des Stammes der Leviten (vgl. mit ; anders Achenbach, 301-304).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • New International Dictionary of Old Testament Theology and Exegesis, Grand Rapids 1997
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2005

2. Weitere Literatur

  • Achenbach, R., 1999, Levitische Priester und Leviten im Deuteronomium. Überlegungen zur sog. „Levitisierung“ des Priestertums, in: ZAR 5, 285-309
  • Dietrich, W., 1992, David, Saul und die Propheten. Das Verhältnis von Religion und Politik nach den prophetischen Überlieferungen vom frühesten Königtum in Israel (BWANT 122), 2. Aufl. Stuttgart u.a.
  • Eynikel, E.E.M., 2000, The Relation between the Eli Narratives (1 Sam. 1-4) and the Ark Narrative (1 Sam. 1-6; 2 Sam. 6:1-19), in: J.C. de Moor / H.F. van Rooy (Hgg.), Past, Present, Future: The Deuteronomistic History and the Prophets (OTS 44), 88-106
  • Mommer, P., 1991, Samuel. Geschichte und Überlieferung (WMANT 65), Neukirchen-Vluyn
  • Schley, D.G., 1989, Shiloh. A Biblical City in Tradition and History (JSOT.S 63), Sheffield
  • Veijola, T., 1975, Die ewige Dynastie. David und die Entstehung seiner Dynastie nach der deuteronomistischen Darstellung (AASF Serie B 193), Helsinki
  • Wonneberger, R., 1992, Redaktion. Studien zur Textfortschreibung im Alten Testament, entwickelt am Beispiel der Samuel-Überlieferung (FRLANT 156), Göttingen

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Hanna bringt Samuel zu Eli an den Tempel von Silo (Psalter des Heiligen Ludwig; 13. Jh.)
  • Abb. 2 Samuel bei Eli (Gerrit Dou; 1613-1675)

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