
Abb. 1 „Frau im Fenster“ (Elfenbeinplakette; Arslan Tasch [Nordsyrien]; 9.-8. Jh. v. Chr.; BIBEL+ORIENT Datenbank).
Elfenbein (hebräisch

Abb. 2 Elfenbeinschnitzereien mit ägyptischen Motiven. Oben: ägyptische Gottheit, unten: Horusknabe auf Lotosblüte (Samaria; 9./8. Jh. v. Chr.).
Zum luxuriösen Leben der Oberschicht in → Samaria, das von → Amos kritisiert wurde, gehörten mit Elfenbeinplaketten geschmückte Elfenbeinhäuser () und mit Intarsien aus Elfenbein verzierte Betten (), die ebenso wie Stühle und Throne (vgl. ) häufig mit Unheil abwehrenden Tierdarstellungen (Stierköpfen, Löwen) versehen waren und deren Füße die Gestalt von Klauen / Tatzen hatten. Darüber hinaus fand Elfenbein auch bei der Ausschmückung des „Elfenbeinhauses“ → Ahabs in Samaria () Verwendung; erwähnt sind ferner ein Elfenbeinpalast () und die Elfenbeinausstattung eines Prachtschiffes ().

Abb. 3 Pflanzenornamente: links Palme, rechts Baum (Samaria; 9./8. Jh. v. Chr.).
Der Elfenbeinturm, mit dem in der Hals der Geliebten verglichen wird, wird sich auf ein Bauwerk beziehen, von dem ein Teil mit reliefierten Elfenbeinplättchen geschmückt war. Das kostbare Material mit seiner weißen Farbe verlieh dem Turm Glanz und faszinierte den Betrachter ebenso wie der stolz erhobene Hals der Geliebten. Auch hat erotische Konnotationen, wenn der Bauch des Geliebten mit dem polierten Elfenbein einer Schnitz- oder Götterfigur verglichen wird.

Abb. 4 Löwe tötet Stier (Samaria; 9./8. Jh. v. Chr.).
Bei in Palästina, Nordsyrien, Phönizien und Zypern durchgeführten Grabungen, so auch im Palastbereich von Samaria, wurden vielerlei Gegenstände aus Elfenbein entdeckt, z.B. Salb- und Spielgeräte, Kämme, Intarsien für Holzkästen und Möbel etc., deren Stilmerkmale syrischen, phönizischen und ägyptischen Einfluss aufweisen. Ein Großteil der Funde aus dem Palastbereich von Samaria dürfte Möbel verziert haben, so die sich wiederholenden Pflanzenornamente (Abb. 3), eine Löwenplastik und die meisten der Plaketten, wie z.B. die mit dem auch aus Nimrud bekannten erotischen Motiv der „Frau im Fenster“ (Abb. 1). Nordsyrischen Einfluss zeigen die Tierkampfszene (Abb. 4) und eine Sphingenplakette, ägyptischen die Schnitzereien von Abb. 2. Die Motive der Elfenbeine, v.a. Löwe und Sphinx, haben lebensfördernden und zugleich unheilabwehrenden Charakter. All diese Gegenstände zeugen von der hoch entwickelten Schnitzkunst, die im Vorderen Orient zwischen dem 9. Jh. v. Chr. und dem Ende der Eisenzeit ihre Blüte erlebte.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
Bild-Recherche BIBEL+ORIENT Datenbank Online
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