Das Alte Testament berichtet auf sehr unterschiedliche Weise über das Laubhüttenfest, seinen Festcharakter und seine Bedeutung für Israel. Die Ursache dafür ist in der langen und wechselvollen Geschichte des Festes ebenso wie in den diversen Textgattungen zu finden, die gewählt worden sind, um über die Feier des Festes zu berichten oder diese überhaupt erst einzufordern. Belege zum Laubhüttenfest finden sich in den alttestamentlichen Festkalendern (→ Fest in Israel) in ; ; ; ; ; . Aber auch die erzählenden Passagen des Alten Testaments greifen das Thema auf, insbesondere . In Texten wie (); und stellt das Laubhüttenfest den Termin, an dem der → Tempel bzw. der Altar (→ Kultinstallationen) geweiht werden soll und zu dem die Könige der Erde nach Jerusalem kommen werden, um Gott anzubeten. Weniger deutlich ist die Sachlage im Psalter, da das Laubhüttenfest nur in der Septuaginta-Fassung von (MT ) direkt genannt wird. Weitere Psalmen werden mit dem Laubhüttenfest über inhaltliche Anklänge (u.a. ) oder spätere Lesetraditionen (Rezitation von am Laubhüttenfest; Midrasch Sukkot 4,8; s.a. 3,8) verbunden.
Den ältesten Beleg zum Laubhüttenfest bietet das Bundesbuch in . Die Angaben zum Fest sind eng mit Erntevorgängen verbunden und wie folgt wiederzugeben: „Das Fest des Einsammelns (chag hā’āsif) beim Hinausgehen des Jahres“. Ähnlich verhält es sich in dem an orientierten Festkalender in , hier ist vom „Fest des Einsammelns zur Drehung des Jahres“ die Rede. Die Erntevorgänge, die im Festnamen angesprochen werden, beziehen sich auf Reste der Getreideernte und Verarbeitung, der Obsternte und Weinlese (s. ). Sie finden im Herbst statt, bevor der erste Regen fällt, der die Aussaat für das kommende Jahr ermöglicht (→ Ackerbau; → Pflug / pflügen). Der Name des Festes umschließt somit sogleich den Zeitraum der Feier. Die Angabe „beim Hinausgehen des Jahres“ fügt zur Bestimmung des Zeitraumes die Gestirnsbeobachtung hinzu. Es handelt sich hier um die Zeit der Tag- und Nachtgleiche im Herbst, in der das Jahr hinausgeht, d.h. neu beginnt.

Abb. 1 Laubhütte.
Andere Akzente setzt der Kalender . Der Zeitraum wird mit dem Einbringen der Erträge von Tenne und Kelter angegeben, d.h. die gesamte Ernte ist abgeschlossen. Im Unterschied zu den zuvor genannten Texten ist jedoch die Festdauer definiert, nämlich sieben Tage, und der Name hat sich geändert. Das genannte Fest ist das Laubhüttenfest (sukkot „Hütten“). Der Name wird im Kontext des Deuteronomiums nicht weiter gedeutet. Es liegt jedoch nahe, dass er eng mit Erntevorgängen verbunden ist. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass die Laubhütten in den Erntefeldern standen, zum Schutz vorwiegend vor der Mittagshitze. Man hat dort während der Erntezeit auch übernachtet und gefeiert (vgl. ; ; s.a. ; ; ).
Erst in nachexilischer Zeit wird für das Laubhüttenfest ein konkretes Datum genannt (). Es ist am 15. Tag des siebten Monats zu beginnen und sieben Tage lang zu feiern. Ein achter Tag schließt das Fest ab (). Diese Angaben werden auch in jüngeren Texten beibehalten. An dem Datum hat sich bis heute nichts geändert.
Abweichend äußert sich allein . König Jerobeam setzt für das Nordreich ein Fest für den 15. Tag des achten Monats an. Es soll ein Gegenstück zu „dem Fest“ in Juda sein (hæchāg) bezeichnet das Laubhüttenfest; s.a. → Fest in Israel allg. Abschnitt) und die Pilger an die Heiligtümer von → Bethel und → Dan führen (; → Wallfahrt).

Abb. 2 Der Jahresfestkreis.
Der „Datumsangabe“ in „Hinausgehen des Jahres“ liegt die Zweiteilung des Jahres durch die Äquinoktien (Tag- und Nachtgleiche) im Frühjahr und im Herbst zugrunde. Mit der Tag- und Nachtgleiche im Herbst kommt das Jahr zu seinem Ausgangspunkt zurück und beginnt aufs neue. Die hier verwendete Verbform jṢ’ bedeutet im Zusammenhang mit Gestirnen „rauskommen / hinausgehen“ und benennt somit den Anfang des Jahres (in anderem Kontext ist jedoch durchaus die Möglichkeit gegeben jṢ’ im Sinne von „weggehen, enden, aushauchen“ zu verstehen; dementsprechend übersetzen LXX und Vulgata in dem Sinne nach mit „am Ende des Jahres“ – hier ist der Neujahrsaspekt weniger präsent). Der Gegenbegriff dazu ist bô’ „kommen / hineingehen“ und benennt dessen Ende. Danach liegt der Beginn des Jahres in Israel im Herbst. Das ist von besonderer Bedeutung, weil die Zählung der Monate im Frühling beginnt () und weil mit dem Jahresanfang im Herbst die Frage einhergeht, ob das Laubhüttenfest das große Neujahrsfest ist, wie es in Babylon und Ugarit gefeiert wurde.
Die in vorgestellte Zählung der Monate steht in engem Zusammenhang mit der Bedeutung des Passas. Der Monat der Passafeier ist der erste () und d.h. der bedeutendste unter den Monaten. Davon losgelöst ist der Jahresbeginn zu betrachten, der in den siebten Monat fällt. Im Grunde handelt es sich hier um zwei zunächst einmal voneinander unabhängige Zählweisen bzw. Kreisläufe. Dass sie dennoch miteinander verknüpft sind, hängt in erster Linie an der parallelen Position von erstem und siebtem Monat bzw. von Passa / Mazzot und Laubhüttenfest im Kreislauf des Jahres. Alle sind an die Tag- und Nachtgleiche im Frühling bzw. im Herbst gebunden. Sie stellen ein Gleichgewicht im Jahres- und Festzyklus her.
Der Kontext, in dem der Ausdruck „Hinausgehen des Jahres“ verwendet wird, weist allein auf den Erntefestcharakter des Laubhüttenfestes. Mit der Erwartung des Herbstregens und der darauf folgenden Aussaat zeichnet sich jedoch auch für den Bereich des bäuerlichen Lebens und Arbeitens eine Übergangszeit ab. Das Fest findet zu dieser Gelegenheit statt. Ob es jedoch den Abschluss der Ernte feiert oder in das neue Jahr hineinführt, lässt sich nicht weiter präzisieren.
Der Festcharakter des Laubhüttenfestes unterlag über Jahrhunderte hinweg einer Wandlung, die sich auch in den Texten des Alten Testaments widerspiegelt. Aus einem Erntefest wird ein Fest, das die Geschichte Gottes mit seinem Volk feiert und somit Heilsgeschichte erzählt.

Abb. 3 Zwei Münzen mit einem Zweigbündel (Lulav) und einer zitronenartigen Frucht (Etrog) als Symbolen des Laubhüttenfestes (69/70 bzw. 134/5 n. Chr.).
Das Laubhüttenfest wird zum Abschluss des Erntejahres gefeiert. Freude und Dank sind mit der Feier dieses Festes verbunden. Der deuteronomische Festkalender () fordert ausdrücklich zur Festfreude auf und bezieht sogleich sozial schwache und ausgegrenzte Bevölkerungsteile mit ein. Auch Knecht und Magd, Witwen und Waisen, der Fremde und der Levit sind eingeschlossen (vgl. ). Dies ist besonders bemerkenswert, da sie als Landbesitzlose auch keine Erntegaben zum Heiligtum bringen können – ein Umstand, der sie von den Feiern ausschließen würde. Doch alle sollen sich freuen, vor dem Herrn feiern und dem Geber der Gaben danken. Ein Ausblick in das kommende Erntejahr und Bitten um Regen im Herbst (vgl. .) sind eingeschlossen.
nimmt im Sinne von die Aufforderung zur Festfreude auf und setzt sie in Form einer Prozession um. Verschiedene belaubte Zweige und Früchte, Zeichen für die Fruchtbarkeit des Landes als Gabe Gottes, sollen in einer Prozession getragen werden.
. nennt ebenfalls Zweige verschiedener Baumarten. Sie unterscheiden sich von den Angaben in . Dieser Sachverhalt hat verschiedene Fragen aufgeworfen, die mit folgender zusammenhängen: War Grundlage für die Feier des Laubhüttenfestes nach ? Diese Frage ist jedoch anhand von schwer zu beantworten, denn es gilt zu bedenken, dass die Zweige in im Rahmen einer Prozession getragen werden, die Zweige in jedoch dem Laubhüttenbau dienen.
Mit . wird erstmals die Wüstenwanderung Israels als Begründung für die Feier des Laubhüttenfestes genannt und das Wohnen in Laubhütten zur Festzeit gefordert, denn „in Laubhütten wohnten die Israeliten während ihres Auszuges aus dem Lande Ägypten“ (). Parallel zu → Passa / Mazzot erhält das Fest eine heilsgeschichtliche Begründung. Der Festkalender (→ Fest in Israel) bildet nun das Exodusgeschehen, das befreiende Handeln Gottes, mit den großen Festen im Frühjahr und im Herbst ab. In nachalttestamentlicher Zeit wird auch das Wochenfest als Feier der Gabe der Tora in dieses Schema integriert (s. Babylonischer Talmud, Traktat Pesachim 68b). Die jährliche Feier der Befreiung Israels aus Ägypten und der Wanderung durch die Wüste (→ Wüstenwanderung) hält die Erinnerung an das Heilgeschehen lebendig und nimmt jede nachfolgende Generation in dieses Geschehen mit hinein.
Die Festkalender des Alten Testaments stellen nur begrenzt Informationen zu den Festen und so auch zum Laubhüttenfest zur Verfügung. Die Kenntnis großer Jahres- oder Herbstfeste im Umfeld Israels einerseits und die spärlichen Hinweise auf kultische Praxis, d.h. auf große Prozessionen, regelmäßige Opfer und Rezitationen im Rahmen der Feste andererseits, haben ein Spannungsfeld erzeugt, in dem das Laubhüttenfest unter variierender Perspektive betrachtet worden ist.
Die Theorien um ein Zelt- bzw. ein Bundeserneuerungsfest, das, so die Vermutung, in Israel gefeiert wurde und aus dem das Laubhüttenfest später hervorging, „suchen“ einen festlichen Kontext für verschiedene in den alttestamentlichen Texten beschriebene Vorgänge, wie z.B. den Bundesschluss (→ Bund). Die Identifizierung des Laubhüttenfestes mit dem babylonischen Neujahrsfest (→ Akitu-Fest) bzw. mit dem Thronbesteigungsfest Jhwhs (→ Thron) berücksichtigt hingegen stärker den orientalischen Kontext. Beiden Richtungen ist gemeinsam, dass sie ihren Ausgangspunkt in einer formgeschichtlichen Fragestellung haben. Es ist die „Suche“ nach einem „Sitz im Leben“ Israels, einem kultischen Kontext für die Rezitation von Rechtstexten oder Psalmen, für die Feier des Bundes Jhwhs mit seinem Volk bzw. für die Feier des → Königtums Gottes.
→ Albrecht Alt (1934) und später → Gerhard von Rad (1938) greifen den Gedanken auf, dass mit der Feier des Jahresbeginns im Herbst in jedem siebten Jahr ein Neuanfang stattfindet (). In dieser Zeit des Ruhens wird die Gesellschaft neu und ideal geordnet. Gekoppelt ist dieses Geschehen an einen Rechtsvortrag (.) im Rahmen einer Bundeserneuerungsfeier (s.a. ). Gott verwirklicht sein Eigentumsrecht an Israel und Israel verpflichtet sich ihm neu. Die Verbindung des Bundeserneuerungsfestes (→ Bund) mit dem Laubhüttenfest ergibt sich aus der Feier von Sukkot im Herbst, zur Zeit des Jahreswechsels und aus der Vorgabe von , die Gesetzesverlesung zum Laubhüttenfest durchzuführen. Eine Weiterführung dieses Gedankens hat H.-J. Kraus (1954) präsentiert, wiederum im Rückgriff auf Alt (1950). Er spricht vom Laubhüttenfest als dem „Zeltfest“. Seine Wurzel hat dieses Fest nach Kraus im nomadischen, vorstaatlichen Israel als Feier des Zwölfstämmebundes. Hinweise darauf findet er u.a. in ; , während . und bereits Belege für die Anpassung des Festes an das Kulturland sind. Kraus integriert in seine These vom Zeltfest schließlich auch den Azazelritus (→ Sündenbock) von , der seiner Ansicht nach im Zentrum des Geschehens steht. Eine einmal alle sieben Jahre stattfindende Feier als Basis des Laubhüttenfestes konnte sich jedoch ebenso wenig durchsetzten wie die These vom sakralen Zwölfstämmebund, die für das Zeltfest konstitutiv ist.
S. → Mowinckels Ausgangspunkt ist die Annahme, dass die sog. „Jhwh-König“-Psalmen einem „Sitz im Leben“ zugehören. Den findet er im „Thronbesteigungsfest Jhwhs“ (→ Thron), das die Inthronisation Gottes mit dem Aufruf „Jhwh ist König geworden“ immer wieder neu kultisch als aktuelles Geschehen realisiert. Dieses Thronbesteigungsfest ist nun, nach Mowinckel, Teil des großen Herbstfestes, das Israel nach Abschluss der Ernte als Neujahrsfest feiert (s. bereits Volz). Das babylonische → Neujahrsfest bietet den Hintergrund, auf dem Mowinckel seine These entfalten kann. Tag des Lärmblasens und Versöhnungstag erweisen sich als nachträgliche Ausgliederungen aus einem umfassenden Herbstfest, das zudem Neujahrsfeier und Schöpfungserinnerung einschließt. Doch bleibt das Problem, dass Laubhüttenfest und Königtum Gottes nur in ausdrücklich miteinander in Verbindung gebracht werden. Regelmäßig stattfindende Prozessionen, wie sie für das babylonische Neujahrsfest konstitutiv sind, an denen Gott, König und Volk beteiligt wären, ja, die Gott aus dem Heiligtum hinaus und nicht nur in den Tempel hineinführen, sind nicht belegt.
Schließlich hat sich keine der präsentierten Thesen durchsetzten können. Größte Breitenwirkung hatte der Zugang Mowinckels zum Thema, da die Frage nach einem dem babylonischen Neujahrsfest parallelen Festgeschehen in Israel weiterhin virulent ist und zudem die „Suche“ nach dem „Sitz im Leben“ der Psalmen nicht abgeschlossen ist. Doch auch die Lektüre der Sinai-Erzählung (→ Sinai) als einer Festlegende (von Rad) bekommt insofern wieder neue Nahrung, als sich Fragen nach der Komposition alttestamentlicher Textsammlungen stärker in den Vordergrund drängen. Den Festen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Von einem Bundeserneuerungsfest (→ Bund), das den „Sitz im Leben“ für die Gesetzesverlesung bietet, ist jedoch keine Rede mehr.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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