Ohne Zweifel war die Sendung von → Boten im Alten Orient von grundlegender Bedeutung für die Kommunikation über größere Distanzen. Literarische Texte, die den Vorgang der Botensendung spiegeln, greifen insbesondere auf die formale Prägung des Botenverkehrs in der Diplomatie zurück. Die Botensendung hat einige sprachliche Formen hervorgebracht. Dazu gehören die Botenformel und der Botenspruch mit je unterschiedlichem Formalisierungsgrad. Im Zusammenhang mit der Aussendung eines Boten wird gewöhnlich das Verb
Doch ist dies nicht überall der Fall: so wird bei der Aussendung des Knechts, der mit der Brautwerbung für Isaak betraut wird (), berichtet, Abraham habe den Knecht durch einen Schwur zu dieser Aufgabe verpflichtet, ohne dass das Verb
Prophetie. In der Erzählung von der Berufung Jesajas (Jes 6) wird das Verb
Die Botenformel wird auch Zitatformel (Bjørndalen) genannt. Sie lautet in ihrer grundlegenden Form
Die damit beschriebene Grundform kann durch eine vorangestellte Konjunktion
Prophetie. Von den ca. 500 alttestamentlichen Belegen der Botenformel entfallen 365 auf die Prophetenbücher, wobei jeweils JHWH als Absender der Botschaft genannt wird. Inmitten eines Zitates, aber auch an dessen Ende kann in prophetischen Texten die Formel
Die Botenformel
In deutschen Übersetzungen der Botenformel wird die hebräische Perfektform (qatal, Afformativkonjugation) sowohl in der Vergangenheit (Präteritum „so sagte / sprach NN; Perfekt „so hat NN gesagt / gesprochen“) als auch mit dem Präsens („so sagt / spricht NN“) wiedergegeben. Die präsentische Übersetzung der hebräischen Perfektform muss jedoch drei Voraussetzungen machen:
1. Das Perfekt drückt einen Koinzidenzfall aus (= direkte performative Äußerung, d.h. mit der verbalen Äußerung wird die in der Äußerung bezeichnete Handlung ausgeführt, z.B.: „Hiermit begrüße ich Sie!“). Jedoch drückt das Perfekt sonst nur sehr selten einen Koinzidenzfall aus.
2. Die in der Botenformel verwendete dritte Person steht eigentlich für eine erste Person. Der Koinzidenzfall verlangt nämlich die erste Person. Eine Redeweise, die die erste Person durch eine dritte Person ersetzt, findet sich im Alten Testament zwar häufiger, besonders bei Reden von untergeordneten Personen an höhergestellte (z.B. spricht Arauna gegenüber König David von sich selbst in der dritten Person; ), fraglich ist jedoch, inwiefern sie bei Koinzidenzfällen belegt ist. GesK §106i nennen für diesen Fall nur Äußerungen in der ersten Person, Waltke / O’Connor 1990, 488, nennen als Beispiel nur . Bei der Botenformel müsste dieser Ausnahmefall als Regelfall angenommen werden.
3. Die Botenformel ist zuweilen um die präpositionale Fügung
Da die These von der präsentischen Übersetzung der Botenformel nicht überzeugen kann, ist die der hebräischen Grammatik am besten entsprechende deutsche Übersetzung das Präteritum.
In den Prophetenbüchern gibt die Botenformel dem Selbstbewusstsein der Propheten Ausdruck, von Gott eine bestimmte Botschaft erhalten zu haben, um diese an Dritte – Einzelpersonen, Gruppen oder das gesamte Volk Israel – weiterzugeben. Besonders häufig und mit größter Dichte ist die Formel
Als Botenspruch bezeichnet man den Teil der Rede eines Boten, in dem der Absender wörtlich zitiert wird. Der Bote spricht als sei er der Auftraggeber.
Prophetie. Handelt es sich bei dem Boten um einen Propheten, kommt nach dem Anspruch der Texte nicht der Prophet, sondern Gott selber zu Wort (Ich-Stil), z.B. in „Denn so sprach JHWH zum Hause Israel: Suchet mich, so werdet ihr leben!“ In prophetischer Rede wird folglich zwischen dem unterschieden, was der Prophet in eigener Vollmacht sagt (Prophetenwort), und dem, was der Prophet unmittelbar von Gott vernommen zu haben glaubt und deshalb im Botenspruch als Gotteswort mit dem „Ich“ Gottes vorbringt.
Der Botenspruch hat über die genannten Merkmale hinaus keine einheitliche Form, in ihm können vielmehr unterschiedliche Redeformen zum Einsatz gelangen.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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