Der „Bann“
In der Grundbedeutung meint die Wurzel
Man könnte, schon aus apologetischen Gründen, geneigt sein, dies alles für reine Fiktion zu halten, wenn es nicht die → Mescha-Stele gäbe: eine moabitische Monumentalinschrift aus der 2. Hälfte des 9. Jh.s v. Chr., in welcher der Moabiterkönig sich rühmt, er habe die (israelitische) Bewohnerschaft der Orte Atarot und Nebo ausnahmslos seinem Gott → Kemosch hingeschlachtet (wobei einmal auch die Wortwurzel
Anscheinend hat, wie → Moab, so auch Israel damals gelegentlich Bannkriege geführt. Jedenfalls tadeln Propheten israelitische Könige dafür, dass sie das Banngebot, d.h. die Pflicht zur Tötung des Gegners, nicht konsequent eingehalten hätten (, evtl. auch ein Kern von 1Sam 15).
Der weitaus größte Teil der Belege für die Wurzel
Diesem (angeblichen) Vorgehen Israels bei der Landnahme wurde im → Deuteronomium eine rechtliche Grundlage gegeben. Im sog. Kriegsgesetz hatte es in einer vordeuteronomistischen Grundfassung geheißen, nach der Eroberung einer Stadt seien „nur“ die Männer
An einigen spätdeuteronomistischen Stellen werden die Bannbestimmungen noch weiter verschärft: Nicht nur Nichtisraeliten sollen gebannt werden, sondern auch Israeliten, ja ganze israelitische Ortschaften: dann nämlich, wenn sie vom rechten Jhwh-Glauben abgefallen sind (; ; ) – eine wiederum horrende und erst recht fiktive Idee. In tritt ein weiteres Element hinzu: Zusammen mit den Menschen soll nicht nur das Vieh einer solchen Ortschaft abgeschlachtet werden; vielmehr soll man alle Sachbeute auf einem Platz zusammentragen und zusammen mit dem ganzen Ort in Flammen aufgehen lassen. Die Bannkrieger dürfen keinerlei Beute machen! Dieser Gedanke taucht auch in Jos 6-7 anlässlich der Eroberung → Jerichos auf. Hatte es dort in einem deuteronomistischen Grundtext geheißen, in der Stadt seien, abgesehen vom Haus der → Rahab, alle Menschen und Tiere zu „bannen“ (so . in bereits überdehnter Aufnahme von ), so handelt eine Erweiterung von der Sachbeute: Alle Wertgegenstände aus Jericho müssen dem „Schatz Jhwhs“ zugeführt und dürfen nicht privat vereinnahmt werden (). Als ein Israelit dieses Verbot missachtet, hat das schlimme Folgen: zuerst für Israel, das nunmehr selbst dem Bann verfällt (; ), dann für den Missetäter und seine Familie, die gemeinsam hingerichtet werden ().
Was in dieser spät-deuteronomistischen Sicht verbunden ist, tritt in der Folgezeit auseinander. In priesterlich beeinflussten Texten bezeichnet der
In der Spätzeit des Alten Testaments verliert die Idee der Vernichtungsweihe deutlich an Gewicht. Die Chronik verwendet den Begriff nur viermal, überwiegend im Rückgriff auf Vorlagen im → deuteronomistischen Geschichtswerk (vgl. mit Jos 7; mit bzw. ; mit – wo der Begriff allerdings nicht fällt); interessant ist , wo von einer Episode zur Zeit → Hiskijas (725–696) die Rede ist, in der angeblich ein
In der → Priesterschrift und im Psalter, in den Büchern Hiob und Prediger fehlt die Begrifflichkeit völlig. In einigen sehr späten Texten erscheint sie als poetisch-antikisierendes Stilmittel, ihr einst blutiger Ernst steht kaum mehr vor Augen (; ; ). Anscheinend hat sich der archaische Brauch schon in den Augen der damaligen Menschen überholt.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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