Balak
Die Etymologie des biblischen Eigennamens Balak konnte bislang nicht zweifelsfrei geklärt werden. Meist wird Balak von der seltenen Wurzel BLQ abgeleitet, die mit dem arabischen balaqa „öffnen / aufreißen“, dem altsüdarabischen blq „Öffnung“ und dem syrischen blaq „öffnen / überwinden“ verbunden werden kann. Aufgrund dieser Kognate und der masoretischen Vokalisation als Nomen (qātāl; Bauer / Leander §61 m’’) und nicht als Verbum wird Balak vielleicht als elliptischer Nominalsatz „(Gott) ist Öffner“ zu deuten sein, wobei das theophore Element ausgefallen ist und als Objekt des Öffnens wohl der Mutterschoß vorausgesetzt ist.
Die andere Ableitung des Eigennamens Balak als „(Gott) ist ein Zerstörer“ bleibt fraglich, da sie sich lediglich auf eine vermutete biblische Bedeutung der Wurzel BLQ (; ) stützt. Auch eine symbolische Deutung des Namens Balak als „Zerstörer“ – und zwar Israels im vorliegenden Kontext (Ross, 342; Levine 144) – nimmt die breite Bezeugung dieses Namens (s.u.) nicht ernst, zumal sie dann nur als eine ad-hoc-Bildung für den bestehenden Kontext zu bewerten ist und die anderen Belege nicht erklären kann.
Gegen die frühere Deutung dieses Namens als heros eponymos der Landschaft el-Belqā‘ (Abel, 383) oder als literarische Erfindung aufgrund dieses Toponyms (Rouillard, 43) sprechen hingegen die weite Verbreitung des Namens Balak und der fehlende Laryngal.
Trotz seiner rätselhaften Bedeutung ist der Eigenname Balak im semitischen Bereich des Öfteren belegt: frühaltbabylonisch Ba-la-qū-um bzw. Ba-la-qī-im (Simmons, 118:16), neuassyrisch Ba-la-qú (Parker, 92: BT 108:12), altarabisch BLQ, DBLQ bzw. ’BLQ (Ryckmans, 52) sowie reichsaramäisch möglicherweise BLQ (Sachau, 247.251: APO 70:5; 72:1; Mulzer, 236; Zadok, 109. Die Lesart ist jedoch unsicher, vgl. Porten 221, der SLK liest). Der auf einem Sarkophag der Nekropole von Tyrus belegte griechische Name Βαλλικιος (Rey-Coquais, 103) ist aufgrund der Endung und der Doppelkonsonanz wohl kaum mit dem biblischen Balak zu verbinden (so aber Zadok 109).
Balak ist neben → Bileam der Hauptakteur in der Bileamerzählung (35 Erwähnungen). Nachdem die Israeliten die → Amoriter besiegt haben und in der Ebene → Moabs lagern, lässt der Moabiterkönig Balak den Seher Bileam durch die Ältesten von Moab und → Midian rufen, um Israel vor der befürchteten Auseinandersetzung effektiv zu verfluchen. Balak ist davon überzeugt, dass der mächtige Seher Bileam bei entsprechender Bezahlung ein wirkmächtiges Wort gegen Israel auszusprechen imstande sein wird. Nur dann könne Moab siegreich aus dem bevorstehenden Kampf mit Israel hervorgehen. Jedoch weist Bileam in der Erzählung wiederholt darauf hin, dass er nur das Wort seines Gottes → JHWH mitteilen könne. In drei Anläufen versucht Balak, ein ihm günstiges Wort von Bileam zu erhalten. Hierfür wechseln sie jeweils ihre Position (Bamot-Baal, Pisga, Peor), um Israel von verschiedenen Seiten zu sehen. Beide glauben nämlich, dass aus dem Anblick Israels bereits Segen oder Fluch abgeleitet werden könne. Balak handelt in der vorbereitenden Routine als Opferpriester, während sich Bileam für den Orakelempfang zurückzieht. Nach dem dritten positiven Orakel entbrennt der Zorn Balaks und er drängt Bileam, zu verschwinden. Jedoch muss er noch ein viertes Mal ein weiteres Segenswort anhören.
Außerhalb der Bileamerzählung wird Balak im Alten Testament nur noch sporadisch erwähnt (; ; ). Balak steht hier synonym für den vergeblichen Versuch, Gottes Pläne zu durchkreuzen. Die Bileam-Tradition gilt als ein besonderes Beispiel für den Schutz Israels durch Gott (Ross, 342).
Im Neuen Testament wird Balak mit den Ereignissen von Schittim (s. Abel-Schittim → Abel in Ortsnamen) und dem Abfall zum Baal-Peor in . sowie dem Midianiterkrieg in . verbunden (). Nach war es allerdings lediglich Bileam, der die Midianiterinnen zu einer Verführung der Israeliten angestiftet hatte. Die Ausweitung auf Balak ist wohl eine midraschartige Erweiterung und soll im neutestamentlichen Kontext vor Götzendienst und Unzucht warnen (Baltzer, 192).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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