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Sodom und Gomorra

Abb. 1 Die Zerstörung von Sodom und Gomorra; Lot und seine Töchter fliehen (Albrecht Dürer; 1498).

Sodom und Gomorra (Gen 19) sowie Adma und Zebojim gelten im Alten Testament als Orte der Sünde, die von Gott zerstört wurden. Sie sollen im Bereich des Toten Meers gelegen haben, in dem Gebiet, das Abrahams Neffe → Lot nach besiedelte.

1. Die Belege, ihre Herkunft und Chronologie

Die Namen der vier untergegangenen „Städte Lots“ kommen erst in späten Texten zusammen vor (; ; ). Sonst zerfallen sie in zwei Gruppen: Adma und Zebojim ohne Sodom und Gomorra () oder Sodom und Gomorra ohne Adma und Zebojim (; ; ; ; ; ; ; ; ; ; ; ; ; ). Während die „Südreichstradition“ von Sodom und Gomorra breit belegt ist, steht für die „Nordreichstradition“ von Adma und Zebojim nur ein Vers Hoseas zur Verfügung.

1.1. Sodom und Gomorra

Gomorra wird immer nur zusammen mit Sodom genannt, Sodom steht hingegen oft allein. Die – wahrscheinlich Jerusalemer – Tradition handelte ursprünglich von einem Strafgericht des Sonnengottes (Keel; Janowski), des Hüters der Gerechtigkeit, an einer exemplarisch sündhaften Stadt oder Gruppe von Städten. Sie will die Existenz des Toten Meeres und der umliegenden Landschaft damit erklären, dass dieser Gott hier die Erde „umgestülpt“ habe (; ; ; ). Ein arabischer Geograph beschreibt das Gebiet zutreffend als „Hölle auf Erden“: Hier tritt das Innere der Erde, wie Asphalt und Schwefelquellen, zutage, hier quillt das lebensfeindliche Urmeer () an die Oberfläche. Und dieser Kontext steht in starkem Kontrast zur tropischen Vegetation der Oasen, die das Tote Meer umgeben (Jericho, En Gedi, Kallirhoë).

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Die unwirtliche Landschaft am Toten Meer.

Die besonders schwere Sünde von Sodom wird von den biblischen Texten ganz verschieden konkretisiert: z.B. Hochmut und Geiz () oder Bruch der Gastfreundschaft (Gen 19, als Gegensatz zu Abraham in Gen 18 konstruiert). Der sexuelle Aspekt wird erst in der christlichen Tradition ab Augustin wichtig genommen, wobei verschiedene Kulturen bis heute unter „Sodomie“ Verschiedenes verstehen (im Englischen: Analverkehr; im Deutschen: Sexualverkehr mit Tieren).

Dass die Sodom-Tradition älter ist als die → Abrahamgeschichte, zeigt , denn erstens will → Ezechiel von Abraham und seinen Tradenten nichts wissen (), zweitens hätte er sich die Sünde von Gen 19 kaum entgehen lassen, wenn er sie gekannt hätte, und drittens schließt die Erzählung Gen 19 jeden Gedanken an eine Wiederherstellung Sodoms () aus. In der im 6. Jh. v. Chr. um Abraham erweiterten Vätergeschichte dient Sodom der dramatischen Ironie (Lots Habgier in erweist sich als kurzsichtig, sein Reichtum als unbeständig). Mit dem Kontrast des vorbildlichen Landbewohners Abraham mit den ruchlosen Städtern hat die Erzählung aber wohl auch das verwüstete Jerusalem der Exilszeit vor Augen und denkt bei „Lot“ vielleicht auch an die Landjudäer, die nach 597 v. Chr. in die Stadt gezogen waren (vgl. ), um dann 588-586 umzukommen oder deportiert zu werden. Die Gleichsetzung von Jerusalem mit Sodom vollziehen auch ; ; , wobei es sich bei den Jesaja-Texten um frühestens exilische Fortschreibungen handelt.

1.2. Adma und Zebojim

Über die beiden Orte ist nichts weiter bekannt, als dass sie Ende des 8. Jh.s v. Chr. in Nordisrael als Paradebeispiele für gründlich zerstörte Städte dienen konnten (), wie Arbel (Irbid oder Arbela / Galiläa?) in . An zerstörten Städten hatte Israel besonders nach dem Feldzug → Tiglat-Pilesers III. 733 v. Chr. keinen Mangel. Die Namen weisen lediglich auf verschiedene ökologische Kontexte hin: „Ackerkrum“ und „Gazellherdingen“.

2. Historischer Hintergrund

So sinnlos die archäologische (oder geologische) Suche nach einer „Pentapolis“ von Sodom (mit Bela = → Zoar als fünftem Ort; ; ) ist, so wird sie doch immer wieder versucht. Die Fünfzahl ist durch die Verbindung der Sodom-Tradition mit der Lot-Tradition (Gen 13; Gen 19) und deren Haftpunkt Zoar (Zoara, Ġor es-Ṣāfī) entstanden, also durch die Verbindung von zwei mal zwei exemplarisch untergegangenen Städten mit einer fünften, die zumindest vom 7. Jh. v. Chr. bis zur Gegenwart kontinuierlich, wenn auch bisweilen spärlich besiedelt war. Damit besteht kein Grund, die Suche nach Sodom auf das flache und zur Zeit wieder einmal, wie schon öfters in den letzten 5000 Jahren, fast ganz verschwundene Südbecken des Toten Meeres zu beschränken. Je tiefer auf dem Grund des Meeres man die Lage von Sodom annimmt, umso mehr folgt man der Intention der alten Tradition. Das Tote Meer als ganzes trägt den schönen arabischen Namen baẖr / buẖairat Lūṭ „Meer / Meerchen Lots“. Ein geologisches katastrophales Ereignis, auf das die Entstehung des tiefstgelegenen Sees der Erde zurückginge, hat es nicht gegeben (sieht man von der Entstehung des syrisch-afrikanischen Grabenbruchs ab, die sich ohne jegliche menschliche Zeugenschaft abspielte und mit der Tektonik der arabischen und mediterranen Platten zusammenhängt). Das Tote Meer ist der Überrest eines prähistorischen Sees, des Lisan-Sees, der einmal von → Hazor bis nahe → Elat reichte. Konstellationen von fünf bedeutenden Siedlungsplätzen, z.B. aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., um den Ġor es-Ṣāfī herum sind für die Entstehung der Sodom-Tradition, zu der die Zahl 5 ursprünglich nicht gehört, ebenfalls bedeutungslos.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998ff.

2. Weitere Literatur

  • Brunner, H., 1988, Gen 19 und das „Frauenverbrechen“, BN 44, 21-22
  • Janowski, B., 1989, Rettungsgewißheit und Epiphanie des Heils. Das Motiv der Hilfe Gottes „am Morgen“ im Alten Orient und im Alten Testament. Band I: Alter Orient (Wissenschaftliche Monographien zum Alten und Neuen Testament 59), Neukirchen-Vluyn
  • Keel, O. / Küchler, M., 1982, Orte und Landschaften der Bibel II, Göttingen, 247-257
  • Letellier, R.I., 1995, Day in Mamre, Night in Sodom. Abraham and Lot in Genesis 18 and 19 (Biblical Interpretation Series 10), Leiden
  • Loader, J.A., 1990, A Tale of Two Cities. Sodom and Gomorrah in the Old Testament, Early Jewish and Early Christian Traditions (Contributions to Biblical Exegesis and Theology 1), Kampen
  • Noort, E. van / Tigchelaar, E. (Hg.), 2004, Sodom’s Sin. Genesis 18-19 and Its Interpretations (Themes in Biblical Narrative. Jewish and Christian Traditions 7), Leiden

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Die Zerstörung von Sodom und Gomorra; Lot und seine Töchter fliehen (Albrecht Dürer; 1498)
  • Abb. 2 Die unwirtliche Landschaft am Toten Meer (© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

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