
Abb. 1 Abigajil vor David (Chronik des Rudolf von Ems; 13. Jh.).
Der Name
Abigajil wird in eingeführt als die Frau → Nabals, eines reichen Bauern, der in → Maon wohnt, aber in → Karmel, einem Ort südlich von → Hebron, also im Süden Israels / Palästinas, Herden besitzt. Sie ist die Hauptfigur der Erzählung vom Konflikt zwischen Nabal und → David. In der Folge wird Abigajil mehrmals als Davids Frau erwähnt, und zwar meist in der Formulierung: „Abigajil, die Frau Nabals, aus Karmel“ (; ; ; ), und nur noch als „Abigajil, aus Karmel“ in .
Eine Abigal, Tochter Nahaschs, Schwester Zerujas, der Mutter → Joabs, wird in als Mutter → Amasas genannt und eine Schwester Davids mit Namen Abigajil in ebenfalls als Mutter Amasas erwähnt.
Abigajil steht im Zentrum der Erzählung zwischen ihrem Mann Nabal und David. Ihr Reden und Handeln charakterisieren sie als Prophetin und als weise Frau im Gegenüber zu David. Durch die Darstellung Abigajils sowohl in diesen Rollen als auch im Hinblick auf ihre Ehe mit David wird deutlich, dass sich das erzählte Geschehen nicht in politische und private Aspekte aufteilen lässt. gehört zu den Erzählungen vom Aufstieg Davids () (→ Aufstiegserzählung). Zum erzählten Zeitpunkt führt David, auf der Flucht vor Saul, eine Gruppe von Menschen an, die finanziell und sozial am Rande der Gesellschaft stehen ().

Abb. 2 Abigajil vor David (Juan Antonio de Frías y Escalante; ca. 1630-1670).
beginnt mit der Nachricht vom Tod → Samuels und stellt damit voran, dass David nun zum ersten Mal ohne den Propheten, der ihn gefördert und beraten hat, zurechtkommen muss.
Gleich zu Beginn der Erzählung werden Nabal und seine Frau Abigajil als Kontrastfiguren vorgestellt. Nabal ist zwar „sehr reich“, aber „hart und bösartig in seinen Taten“, eben ein „Nabal“, übersetzt „Narr“ oder „Dummkopf“, noch dazu ein Kalebiter, eine Volksbezeichnung, die vom Klang her an
Als sie und David sich treffen, wendet Abigajil das Schicksal durch ihr Verhalten und ihre Rede: Sie begegnet David mit größter Höflichkeit – ein Verhalten, das nicht als Unterwürfigkeit missverstanden werden darf. Sie nimmt die Schuld für das Geschehene auf sich und betont noch einmal selbst den Kontrast zwischen ihrem Mann, dem Nabal, dem „Dummkopf“, und sich selbst. Schließlich drängt sie David, Nabal und seinen ganzen Haushalt nicht umzubringen, damit er nicht Blutschuld auf sich lade. Sie übergibt ihre Geschenke und fährt fort mit einer prophetischen Rede über Davids Zukunft. David nimmt ihre Gaben und ihre Entschuldigung an. Durch ihre Rede ist er von seinem Racheschwur entbunden. Dankbar segnet er Gott, segnet Abigajil und ihre Klugheit (; s.u. im Exkurs). Erst jetzt erzählt Abigajil Nabal von der Sache, worauf sein Herz in ihm erstirbt. Er ist wie versteinert und bald darauf tot. Sobald David das hört, wird Abigajil, von David gefragt, dessen Frau. Die Erzählung endet mit der Notiz, dass David auch Ahinoam aus Jesreel heiratete, dass aber → Michal, Davids erste Frau, von ihrem Vater Saul an einen anderen Mann, → Palti, gegeben wurde.
Abigajil hat in David gegenüber die Rolle der Prophetin / des Propheten, der seit Samuels Tod fehlt (; Fischer, 56). Ihre Rede ist als prophetische erkennbar, es ist Gottes Verheißung, die sie hier verkündet ().
Abigajil spricht von David als
Frettlöh betont darüber hinaus die zentrale Rolle, die der Segen (, oft als „Segensgeschenk“ übersetzt) in dieser Erzählung hat, so dass sie „die Gestalt der Abigajil als prophetische Mitarbeiterin des segnenden Gottes“ sieht (Frettlöh, 348). Diese Mitarbeit Abigajils besteht darin, dass sie mit ihrem Handeln die Tora auslegt: Indem sie die Lebensmittel, die sie David und seinen Leuten von ihrem Reichtum bringt, als Segen bzw. Segensgeschenk bezeichnet, „zeigt sich ihre Einsicht in die Sozialverpflichtung des Eigentums“ (Frettlöh, 352). Den engen Zusammenhang, der in den Sozialgesetzen des → Deuteronomiums zwischen sozialem, solidarischen Handeln, Segen und erfolg- und ertragreichem Tun hergestellt wird (z.B. ; ), legt sie aus, indem sie von ihrem Reichtum, d.h. dem Ertrag erfolgreichen Tuns, an David und seine Leute abgibt, die als Flüchtige und Marginalisierte die Möglichkeit zu solchem Tun nicht haben. – Die Wendung, dass David Gott, Abigajil und ihre Klugheit „segnet“ (; hebr.
Abigajil ist in als weise Frau dargestellt, mit „klarem Verstand“ () und diplomatischem Geschick, die durch ihr kluges Eingreifen Gewalt verhindert. In all dem entspricht sie dem weisheitlichen Modell der „fähigen Frau“ (; Fischer, 53; vgl. andere weise Frauen in den Samuelbüchern: die Frau aus → Tekoa ; die Frau aus Abel-Bet-Maacha ). Auch der Kontrast von Abigajils Klugheit zu Nabals Torheit findet sich ähnlich in weisheitlichen Texten (vgl. ).
Abigajils Einsatz für eine gewaltlose Lösung des Konflikts wird im unmittelbaren literarischen Kontext hervorgehoben. So wird ihr Einsatz, mit dem sie Blutvergießen verhindert, zwischen den beiden „Verschonungserzählungen“ berichtet, in denen David ebenfalls Gewalt hätte anwenden können und darauf verzichtet ( und ; Berlin, 77). Eingebettet in diese beiden Episoden von Davids Konflikt mit Saul kann auch der Konflikt zwischen David und Nabal in durchscheinend auf das Verhältnis von David und Saul gelesen werden (Gunn, 96-102, entfaltet bei van Wolde 363ff). Abigajils Eingreifen und ihre Rede sind damit auch als eine Stellungnahme für Gewaltverzicht in diesem politischen Konflikt zu sehen (siehe v.a. .).
Anders als von vielen Kommentatoren vorausgesetzt, ist keine private Romanze mit politischem Beiwerk (so z.B. Levenson), auch keine romantische Ausschmückung der politischen Karriere Davids (s. Kritik bei Fischer, 60f). Politisches und Privates sind in der Figur Abigajils untrennbar verbunden (anders Berlin, 79). In ihrer prophetischen Rede setzt Abigajil sich selbst zu David in Beziehung und erreicht, dass er sie preist und begehrt (.); zugleich lässt sie durch ihre Rede David – und damit auch die Leserinnen und Leser – Entscheidendes darüber wissen, was JHWH mit David vorhat. Durch ihr weises Eingreifen verhindert sie, dass David ihren Haushalt, ihre Familie und vermutlich auch sie selbst umbringt, und erreicht zugleich, dass David sich nicht durch ein Massaker als zukünftiger gottgewollter König disqualifiziert. Für Abigajil, die Davids weiteren Weg schon prophezeit hat, bedeutet die Ehe mit David einen Aufstieg in der Zukunft. Diese Deutung der Ehe als Verbesserung für Abigajil wird durch die negative Darstellung ihres ersten Ehemanns Nabal unterstrichen. Doch zuerst stellt die Ehe mit Abigajil, der Witwe eines vermögenden Mannes, für David als herumstreifenden Bandenführer eine deutliche Verbesserung seiner Position in dieser Gegend des Landes dar. Sie ist möglicherweise ein weiterer Schritt zu seiner Königsherrschaft in Hebron über Juda (Willi-Plein, 355).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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