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Schwerter zu Pflugscharen

Abb. 1 „Schwerter zu Pflugscharen“ (Symbol der Friedensbewegung der DDR, 1980).

Historisch gesehen hat der Prophet → Micha – wie voraussetzt – Juda nur Unheil angesagt. Deswegen kann es sich bei der Verheißung von , die ein weltweites endzeitliches Friedensreich ankündigt und später auch in eingeflossen ist, nur um eine – wohl nachexilische – Fortschreibung handeln. Die Völker werden nach Jerusalem strömen, und Gott wird ihnen dort Weisung (Tora) geben und ihre Konflikte schlichten. Alle Kriegsgeräte werden dann überflüssig sein, und deswegen werden die Völker „ihre Schwerter zu Pflugscharen schlagen und ihre Speere zu Winzermessern“. Für אֵת (’et) hat sich in ; (und auch in ) die Übersetzung „Pflugschar“ eingebürgert, doch meint das Wort vermutlich eine → Hacke mit einem rechtwinklig abstehenden Spatenblatt. In kann אֵת (’et) nämlich neben מַחֲרֵשָׁה (machǎrešāh) „Pflugschar“ (< חרשׁ, chrš „pflügen“) nicht ebenfalls „Pflugschar“ bedeuten. Jedoch ist die Übersetzung mit „Pflugschar“ insofern richtig, als sie das Friedensbild im Deutschen besser zum Ausdruck bringt als der Begriff „Hacke“.

Das Bild vom Frieden in ; ist nur auf den ersten Blick mit der Zerstörung der Waffen in vergleichbar. Dort sorgt Jahwe als überlegener Krieger für Frieden, indem er die heranbrausenden Völker unterwirft und ihre Waffen zerstört. Hier erscheint er als Lehrer und Schlichter, der den heranpilgernden Völkern seine Tora schenkt. Nicht er zerbricht die Waffen, sondern die Völker selbst schmieden sie um zu Werkzeugen des Friedens. Es regiert nicht das Diktat des Siegers, sondern Einsicht macht Feinde zu Freunden.

2. „Pflugscharen zu Schwertern“ bei Joël

Eine bewusste Umkehrung der Friedensverheißung von ; bietet . In dem Kapitel wird zum Heil Judas die endzeitliche Vernichtung der Völker im Tal → Joschafat (der Name bedeutet „Jahwe richtet“) angekündigt. Als mächtiger Krieger fordert Jahwe die Völker zum Kampf heraus, ja befiehlt ihnen höhnisch, ihre Pflugscharen zu Schwertern umzuschmieden, um ins eigene Verderben zu rennen. An die Stelle des Traums vom friedlichen Zusammenleben der Völker ist die brutale Vision von der Vernichtung der Völker getreten. Bemerkenswert ist, dass im kanonischen Endtext beide Visionen nebeneinander erhalten blieben und sich wechselseitig korrigieren sollen.

3. Die Rezeption des Friedensbilds

Abb. 2 Evgeniy Vuchetich, „WE SHALL BEAT OUR SWORDS INTO PLOWSHARES“ (1959).

In New York steht im Garten des UNO-Hauptgebäudes eine Bronze-Skulptur des russischen Bildhauers Evgeniy Vuchetich (1908-1974), die die Sowjetunion 1959 der UNO geschenkt hat. Sie zeigt einen Mann, der ein Schwert zu einem Pflug schmiedet, und trägt den Titel „WE SHALL BEAT OUR SWORDS INTO PLOWSHARES“. Der Titel nimmt das biblische Friedensbild auf, ändert den Text aber in einem Punkt. spricht von den Völkern in der 3., der Titel dagegen in der 1. Person. Dadurch wird aus der prophetischen Heilsschilderung ein Gelöbnis, das von Soldaten oder kriegerischen Völkern – im Garten des UNO-Hauptgebäudes wird man an die Mitgliedsstaaten der UNO denken – gesprochen wird: Sie erklären, dass sie die Umsetzung der Heilsschilderung als ihre Aufgabe ansehen. Der Titel geht damit einen Schritt weiter als der biblische Text, da die Völker in ihrer Zusage schon zu tun beginnen, was der Prophet angekündigt hat.

Eine Zeichnung der Skulptur Vuchetichs mit dem Schriftzug „Schwerter-zu-Pflugscharen“ hat die Friedensbewegung der DDR 1980 zu ihrem Symbol gemacht. Jugendliche trugen das Bild als Aufnäher. Als dies verboten wurde, haben manche es aus ihren Jacken geschnitten, doch stellte auch das kreisrunde Loch ein Bekenntnis dar.

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Symbol der Friedensbewegung der DDR (1980)
  • Abb. 2 Evgeniy Vuchetich, „WE SHALL BEAT OUR SWORDS INTO PLOWSHARES“ (1959)

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