
Abb. 1 Absaloms Tod (Bibel von San Isidoro in León; um 1156 n. Chr.).
Die hebräische Namensform
Absalom war nach ; der dritte Sohn → Davids. Seine Mutter Maacha war die Tochter Talmais, des Königs von → Geschur, einem aramäischen Fürstentum östlich des Sees Genezareth.
Erzählungen über Absalom finden sich in der sog. → Thronfolgegeschichte. Nach wird Absaloms Schwester → Tamar von ihrem Halbbruder → Amnon vergewaltigt. David gerät zwar über das Geschehen in Zorn, bleibt aber sonst passiv und tut seinem Sohn nichts zuleide. Im Gegensatz dazu sinnt Absalom, in dessen Haus die geschändete Tamar lebt, auf Rache. Zwei Jahre nach der Tat lässt er Amnon auf einem Fest umbringen und flieht daraufhin zu seinem Großvater mütterlicherseits nach Geschur. Dort verbringt er drei Jahre.
Durch eine List gelingt es Joab, der erkennt, dass David seinem Sohn zugeneigt ist, Absalom wieder zurückzuholen (). Er schickt eine Frau aus → Tekoa zu David, die ihm einen fingierten Rechtsfall vorträgt, wonach ihr einzig verbliebener Sohn von der Sippe getötet werden soll, weil er seinen Bruder umgebracht hat. Als ihr David zusagt, sich für ihre Sache einzusetzen, überträgt sie den Fall auf den im Exil lebenden Absalom, dessen Verbannung sie mit dem unzeitigen Tod eines Menschen vergleicht. Durch diese Intervention lässt sich David dazu bewegen, Absalom nach Jerusalem zurückkehren zu lassen. Allerdings darf er zwei Jahre lang nicht vor dem König erscheinen. Erst als Absalom massiven Druck auf Joab ausübt (er lässt dessen Felder in Brand stecken), setzt sich dieser dafür ein, dass er am Hof vorgelassen und rehabilitiert wird.
Im Rahmen von 2Sam 14 findet sich eine Notiz über Absaloms äußere Gestalt. In wird seine Schönheit hervorgehoben, in v26 (wobei es sich vermutlich um eine nachträgliche Hinzufügung handelt) die Fülle seines Haupthaars, die als besonderes Zeichen der Manneskraft galt. Nach7 hatte er drei Söhne und eine Tochter, deren Name Tamar (Namensgleichheit mit Absaloms Schwester) eigens hervorgehoben wird. Demgegenüber konstatiert , dass Absalom keine Söhne hatte und sich deshalb eine → Mazzebe (einen Gedenkstein) errichten ließ – bei der Bemerkung dürfte es sich um eine spätere Ergänzung handeln (Conroy 1978; Stolz 1981).
In 2Sam 15 – 18 wird über Absaloms Aufstand gegen seinen Vater und dessen Niederschlagung berichtet. Die Erzählung beginnt in mit der Feststellung, dass sich der Königssohn eine aus Wagen und Fußtruppen bestehende Leibwache zulegt. Dies ist eine Parallele zu Adonijas Verhalten in , das dort als überheblich gebrandmarkt wird. Darüber hinaus greift Absalom in die richterliche Kompetenz des Königs ein, indem er denjenigen, die bei diesem Recht suchen, einzureden versucht, sie fänden bei ihm kein Gehör. Nach vier Jahren bricht der Aufstand los. David muss aus Jerusalem fliehen, befiehlt aber, dass die Priester → Zadok und → Abjatar und deren Söhne als Informanten in der Stadt zurückbleiben, ebenso sein Freund → Huschai, der dort gegen Absaloms Ratgeber → Ahitofel intrigieren soll.
In wird Davids Flucht zum Jordan und Absaloms Einzug in Jerusalem geschildert. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen nun die Berater Ahitofel und Huschai, Davids geheimer Bundesgenosse, dessen Loyalitätsbekundungen Absalom Glauben schenkt. Nach einer vermutlich sekundären Einfügung in . (Würthwein 1974; Werner 1988) übernimmt Absalom auf Anraten Ahitofels den Harem der Nebenfrauen, die David in Jerusalem zurückgelassen hat, womit er seinen Anspruch auf dessen Nachfolge demonstriert und den endgültigen Bruch mit seinem Vater vollzieht. Rät Ahitofel in zu Recht, man solle David sofort verfolgen, kann Huschai die Aufständischen in einer wortreichen, kunstvoll gestalteten Rede davon überzeugen, es sei besser, erst den Heerbann ganz Israels zusammenzuziehen, um dann mit vereinten Kräften David zu überwältigen. Dies bietet dem vertriebenen König die Gelegenheit, seine Truppen neu zu formieren.
In wird die Schlacht gegen die Aufständischen beschrieben. Dabei wird betont, dass David, der nicht am Kampf teilnimmt, ausdrücklich dazu auffordert, mit seinem Sohn schonend zu verfahren. Das Heer der Rebellen wird geschlagen. Absalom, der sich mit seinem Kopf in den Zweigen einer → Terebinthe verfangen hat, wird von Joab getötet. Als David, der vor allem um das Leben seines Sohnes bangt, die Nachricht von dessen Tod erhält, verfällt er in unermessliche Trauer (). Dies trägt ihm den Vorwurf Joabs ein, er beschäme das Heer, das sich für seine Rettung eingesetzt habe. Daraufhin zeigt er sich den Truppen, um die Sieger zu ehren.
Was die Frage der Historizität betrifft, so ist zu beachten, dass nicht nur die auf den familiären Bereich beschränkten (), sondern auch die staatspolitisch relevanten Ereignisse in stark stilisierter Form dargeboten werden. So zielt etwa die Darstellung der Vorgänge in 2Sam auf die Kontrastierung der beiden Ratgeber Ahitofel und Huschai ab (vgl. die ausführliche Rede Huschais in ). Die Schilderung der Auseinandersetzung mit den Rebellen konzentriert sich auf das Ergehen Absaloms und die Reaktion Davids auf den Tod seines Sohnes. Denkbar ist, dass die in angedeuteten Probleme rechtlicher Art, die Absalom etliche Anhänger zuführen, mit den Umbrüchen in Zusammenhang stehen, die sich durch die Errichtung und Konsolidierung des Königtums ergeben hatten.
Bereits in wird ein ambivalentes Bild Absaloms erkennbar. Einerseits wird er als derjenige geschildert, der – anders als David – eindeutig für Tamar Partei ergreift, andererseits steht er bei der Ermordung Amnons in seinem listigen Vorgehen und seiner Kaltblütigkeit diesem in nichts nach. Dass er mit Amnon einen unliebsamen Konkurrenten im Blick auf die Thronfolge beseitigen wollte, wie von manchen angenommen wird, geht aus der Erzählung allerdings nicht hervor. Um sein Ziel, vollständig rehabilitiert zu werden, zu erreichen, greift er nach zu gewaltsamen Maßnahmen (s.o.); er wird hier ebenso zielstrebig wie rücksichtslos dargestellt. Gleiches gilt für die planmäßige Vorbereitung des Aufstands, die sich über vier Jahre erstreckt (vgl. ; ). Sein Verhalten wird vom Erzähler mit den Worten kommentiert, dass er das Herz der Israeliten „stahl“ (). Deutlich wird hier seine Hinterhältigkeit herausgestrichen.
Nach der Thronfolgegeschichte fällt er allerdings auch selbst einem Betrug zum Opfer, als er Huschai, dem Vertrauten Davids, Glauben schenkt, was letztlich zu seinem Untergang führt. Im Rahmen der Erzählung vom Absalomaufstand begegnet eine der seltenen theologischen Deutestellen der Thronfolgegeschichte in (vgl. b; b*), in der konstatiert wird, dass JHWH selbst die Verwerfung des Rates Ahitofels veranlasst hatte, um Unheil über Absalom zu bringen. Diese Stelle bzw. der gesamte Abschnitt wird von manchen als sekundäre Einfügung betrachtet (Würthwein 1974; Langlamet 1976).
Demgegenüber wird in Davids Sorge um Absalom hervorgehoben. Eindrücklich wird seine Verzweiflung bei der Nachricht über dessen Tod geschildert (). Seine Liebe (), aber auch seine Nachgiebigkeit und Schwäche () gegenüber Absalom prägen das Bild des Verhältnisses zu seinem Sohn.
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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