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Gamaliel II., Rabban

1. Leben

Rabban (Rbn.) Gamaliel II. (רבן גמליאל; Ende 1. Jh. bis Anfang 2. Jh. n. Chr.), auch Rbn. Gamaliel von → Jabne, ist eine bedeutende Autorität im Frühjudentum. Er ist Enkel von → Gamaliel I. und Sohn von Sime‘on ben Gamaliel I. Als Nachfolger von → Rbn. Jochanan ben Zakkai führte Rbn. Gamaliel II. das Judentum in der Zeit zwischen ca. 85 und 115 n. Chr. in → Jabne. Er war maßgeblich am Aufbau des dortigen Lehrhauses beteiligt und in dieser Funktion Machtkämpfen ausgesetzt, die seine Autorität in Frage stellten. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang eine von ihm angesetzte Festlegung des Neumonddatums (wesentlich zur Berechnung des Monatsanfangs und der Feste) gegen das Zeugnis von Rabbi (R.) Jehoschu‘a ben Chananja. Rbn. Gamaliel II. fordert von seinem Rivalen eine öffentliche Anerkennung des Urteils seines Gerichtshofes, dem dieser schließlich nachkommt (Mischna, Traktat Rosch HaSchana 2,8-9). Anders ist die Beschreibung im → Talmud: Dort ist die Begebenheit ein Putsch, der zur zeitweiligen Amtsenthebung von Rbn. Gamaliel II. und zur Übergabe der Führung an den aus priesterlicher Familie stammenden R. Eleazar ben Azarja führt (Babylonischer Talmud, Traktat Berakhot 27b-28a, Text Talmud 2; vgl. auch die Darstellung im Jerusalemer Talmud, Traktat Berakhot 4,1 7c-d). Ebenso soll er R. Eliezer ben Hyrcanos gebannt haben (Babylonischer Talmud, Traktat Baba MeṢi‘a 59b). Eine Funktion als jüdischer Patriarch (נָשִׂיא „Fürst“) ist unwahrscheinlich (Jacobs). Die Forschung hat die ihm im Talmud zugeschriebene Seereise nach Rom (zusammen mit R. Eleazar ben Azarja, → R. Akiba und R. Jehoschu‘a ben Chananja) mit der Judenverfolgung unter Domitian in Verbindung gebracht (Schäfer, 73f.).

2. Traditionen

Hervorzuheben sind die Bestimmungen von Rbn. Gamaliel II. über den Tempelritus (z.B. Mischna, Traktat Pesachim 10,5). Eine wichtige Rolle soll er bei der Ausformung des Achzehngebets (→ Amida), das bis heute Hauptbestandteil der jüdischen Gebetsordnung ist, eingenommen haben (Mischna, Traktat Berakhot 4,3). Auf die verwunderte Frage nach dem Aufenthalt Rbn. Gamaliels II. in einem für Aphrodite geweihten Bad in → Akko wird folgende Antwort gegeben: „Nicht ich kam in ihr Gebiet, sie kam in das meinige“ (Mischna, Traktat Sota 3,4). Rbn. Gamaliel II. hat nach rabbinischen Angaben griechische Bildung genossen (Tosefta, Traktat Sota 15,8; Babylonischer Talmud, Traktat Sota 49b).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Encyclopaedia Judaica, Berlin 1928-1934
  • Encyclopaedia Judaica, Jerusalem 1971-1996
  • Theologische Realenzyklopädie, Berlin / New York 1977-2004
  • Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993-2001
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007

2. Weitere Literatur

  • Bacher, W., 1903, Die Agada der Tannaiten, Bd. 1, Straßburg
  • Goldenberg, R., 1972, The Deposition of Rabban Gamaliel II: An Examination of the Sources, JJS 23, 167-190
  • Goodblatt, D., 1984, The Story of the Plott against R. Simeon b. Gamaliel II (hebr.), Zion 49/4, 349-374
  • Goodblatt, D., 1994, The Monarchic Principle (TSAJ 38), Tübingen
  • Jacobs, M., 1995, Die Institution des jüdischen Patriarchen (TSAJ 52), Tübingen
  • Kanter, S., 1980, Tabban Gamliel II. The Legal Traditions (BJS 8), Chico
  • Rosenfeld, B.-Z., 1990, The Standing and Activities of Rabban Gamaliel prior to his move to Yavneh (hebr.), Zion 55/2, 151-169
  • Schäfer, P., 1978, R. Aqiva und Bar Kokhba, in: ders., Studien zur Geschichte und Theologie des rabbinischen Judentums, 65-121
  • Shapira, H., 1999, The Desposition of Rabban Gamaliel – Between History and Legend (hebr.), Zion, 64/1, 5-38
  • Yadin, A., 2006, Rabban Gamliel, Aphrodite’s bath, and the question of pagan monotheism, JQR 96/2, 149-179

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