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Ruhm / rühmen (AT)

1. Allgemeines zum Sprachgebrauch

Wie die deutschen Wörter „Ruhm“ und „rühmen“ sind auch die hebräischen Wörter, die so übersetzt werden können, vielschichtig. Weitaus am häufigsten ist das Verb הלל hll (Pi. „rühmen / preisen“; Pu. „gerühmt werden“; Hitp. „sich rühmen“), das über den Imperativ Halleluja, „rühmt / lobt Jah(we)“, Eingang in die christliche Liturgie und damit in viele moderne Sprachen gefunden hat. Daneben gibt es im Biblischen Hebräisch eine Anzahl weiterer Wörter, die im Sinne von „rühmen“ zu verstehen sind, am häufigsten שׁבח šbch Pi. „loben / preisen“, Hitp. „sich rühmen“ und פאר p’r Pi. „preisen / verherrlichen“, Hitp. „sich verherrlichen / sich rühmen“.

In der Mehrzahl der Fälle ist es im Alten Testament Gott, der gerühmt wird, und dementsprechend ist dieses Rühmen durch und durch positiv konnotiert. Vor allem im profanen Sprachgebrauch kann daneben auch im negativen Sinn vom Rühmen die Rede sein. Dann geht es nicht um das (berechtigte) „rühmen / loben“, sondern um das (unberechtigte) „(sich) rühmen / prahlen“.

Die dem Verb entsprechenden Nomina – allen voran תהלה təhilāh – haben meist die Bedeutung von „Rühmen / Lobpreis“ (), manchmal aber auch diejenige von „Ruhm / Ehre“ (; → Ehre). Je nachdem, ob die entsprechenden Genitive und Pronominalsuffixe im Sinn eines Genitivus objectivus oder eines Genitivus subjectivus zu verstehen sind, geht es um einen „Ruhm“, den man jemandem zukommen lässt („Rühmen / Loben“), oder um einen „Ruhm“, den jemand hat („Ansehen / Ehre“). Im Idealfall fällt beides zusammen; entsprechend sind die beiden Möglichkeiten im Hebräischen manchmal nicht auseinander zu halten (; ).

2. Gott wird gerühmt / verhilft zu Ruhm

Von Ruhm und Rühmen ist im Alten Testament hauptsächlich mit Blick auf Gott die Rede, stark gehäuft vor allem im → Psalter und im → chronistischen Geschichtswerk.

2.1. Lobpreis Gottes im Psalter

Mit den Lobliedern (→ Psalmen) enthält der Psalter viele Beispiele, wie Gott im alten Israel gerühmt wurde. Verschiedenes deutet darauf hin, dass der Lobpreis Gottes einen offiziellen Platz im Tempelkult hatte (; ). Im Vordergrund stand dabei das gemeinschaftliche Lobpreisen, wie vor allem die pluralische Anrede im Aufruf zum Lobpreis (Hallelu-ja = „lobt Jah[we]“) zeigt. Häufig finden sich auch Hinweise auf musikalische Darbietungen (; ); deutet auf Rezitationen im Wechsel (→ Musik; → Wechselgesang).

So sehr es in den Lobpsalmen die israelitische Kultgemeinde ist, die Gott rühmt, ist der Lobpreis Gottes nach alttestamentlichem Verständnis nicht nur Angelegenheit Israels, sondern auch fremder Könige und Nationen (; ), ja aller Lebewesen (). In mehreren Psalmen wird die gesamte Schöpfung zum Lobpreis Gottes aufgerufen, nicht nur Menschen, sondern auch Tiere, Pflanzen, Berge und Gestirne (). Gott, der Schöpfer, wird von Gottes ganzer Schöpfung gepriesen.

In Formulierungen wie der wiederholt begegnenden Formel „preist JHWH, denn er ist gut, ewig währt seine Gnade“ (; ; ), ist der Grund des Lobpreises gleichzeitig sein Inhalt. Gepriesen wird Gott in den Psalmen außer wegen seiner Güte und Gnade vor allem auch wegen seiner Größe () und seiner Wundertaten () und der Hilfe, die er den Menschen zukommen lässt (). Die Vergegenwärtigung dieser Größe und Taten dient einem doppelten Zweck: der Ehrung Gottes (Dank) und der Verkündigung an andere (; ; siehe auch ; ).

2.2. Lobpreis Gottes im Chronistischen Geschichtswerk

In den Büchern → Esra und Nehemia sowie in den → Chronikbüchern (→ Chronistisches Geschichtswerk) sind weitere Details über die institutionellen Aspekte von Israels Gottesruhm in nachexilischer Zeit zu erfahren. Der Lobpreis Gottes lag in dieser Zeit in der Hand der → Leviten, die Gott zum Lobpreis sangen und musizierten (→ Musik / Musikinstrumente), während das Volk nur noch am Rand beteiligt war (; ).

2.3. Ruhm (und Ehre) in den Prophetenbüchern

Vor allem in den Prophetenbüchern verdienen einige Stellen Beachtung, in denen das Wort „Ruhm“ (תהלה təhilāh) als Parallelbegriff zu „→ Ehre(כבוד kāvôd) gebraucht wird. Mancherorts geht es dabei um Gottes Ruhm, auf den Gott bedacht ist (; ) und der von den Menschen verkündigt wird (; ). An anderen Stellen geht es um menschlichen Ruhm – sei es, dass dieser den Feinden Israels genommen wird () oder dass Gott ihn den Seinen verschafft (; ). Interessant sind , wo Gott das Volk als seinen „Ruhm“ bezeichnet, und , wo Jeremia Gott als seinen „Ruhm“ anspricht (vgl. ).

3. Menschen werden gerühmt / rühmen sich

Neben diesem auf Gott bezogenen Sprachgebrauch wird im Alten Testament auch profan von Ruhm und Rühmen gesprochen. Gerühmt werden herausragende Gestalten (wie der König, ; die Geliebte, ; die Mutter und Ehefrau, ; die Toten, ; die „Väter“ Israels, ) und herausragende Errungenschaften und Qualitäten (wie Schönheit, ; Verstand, ; Macht, ; Ertrag / Werke, ; Geschäftserfolg, ; Freude, ; Gottesfurcht, ).

Dass man bei solch menschlichem Rühmen genau hinsehen muss, wer sich wessen rühmt, wird im → Proverbienbuch und in manchen → Psalmen betont (; ; ). Nach ist es in jedem Fall falsch, wenn man sich selbst rühmt. Häufig sind in diesem Zusammenhang Formulierungen mit הלל hll oder שׁבח šbch im Hitp. „sich rühmen“. Neben den erwähnten negativen Verwendungen gibt es darunter auch positive. Mit ganz wenigen Ausnahmen geht es dabei immer darum, dass sich jemand Gottes rühmt. Solches Rühmen wird positiv beurteilt (; ), denn letztlich handelt es sich dabei ja wieder um ein Rühmen Gottes (). In diesen Zusammenhang gehört auch . (vgl. LXX), die Stelle, an die Paulus in seinen Überlegungen zum Rühmen anknüpft ().

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973ff.
  • Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament, 3. Aufl., München / Zürich 1978-1979
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003
  • Handbuch theologischer Grundbegriffe zum Alten und Neuen Testament, Darmstadt 2006
  • New Interpreter’s Dictionary of the Bible, Nashville 2006ff.

2. Weitere Literatur

  • Hutchinson, J. H., 2005, The Psalms and Praise, in: D. Firth / P. S. Johnston (Hgg.), Interpreting the Psalms Issues and Approaches, Downers Grove, Illinois, 85-100
  • Miller, P. D., 1985, „Enthroned on the Praises of Israel“. The Praise of God in Old Testament Theology, Interpretation 39, 5-45
  • Schreiner, J., 1974, Jeremia 9:22,23 als Hintergrund des paulinischen „Sich-Rühmens“, in: J. Gnilka (Hg.), Neues Testament und Kirche (FS Rudolf Schnackenburg), Freiburg, 530-542
  • Seybold, K., 2004, Der Lobruf: Halleluja, in: ders., Der Segen und andere liturgische Worte aus der Hebräischen Bibel, Zürich, 89-95
  • Wagner, A., 1997, Der Lobaufruf im israelitischen Hymnus als indirekter Sprechakt, in: ders. (Hg.), Studien zur hebräischen Grammatik (OBO 156), Freiburg (Schweiz) / Göttingen, 143-154
  • Westermann, C., 1954, Das Loben Gottes in den Psalmen, Göttingen

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