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Testament Hiobs

1. Einleitungsfragen

Das Testament Hiobs (Text Frühjüdische Schriften) ist eine erbauliche pseudepigraphe Fortschreibung des biblischen Hiobbuches, die einerseits ihrer literarischen Gattung nach der jüdischen Testamentliteratur zuzuordnen ist und sich andererseits als protorabbinischer narrativer → Midrasch deuten lässt. Die ursprünglich in griechischer Sprache abgefasste Schrift ist allein in christlicher Tradition in griechischen, altkirchenslavischen und koptischen Manuskripten überliefert.

Zeit. Fehlende historische Anspielungen im Text ermöglichen nur eine ungenaue Datierung. Einen Anhaltspunkt zur Bestimmung des terminus a quo im 1. Jh. v. Chr. gibt die Verwendung einer rehebraisierenden Form der Hiobseptuaginta als Hauptquelle (sonstige Schriftzitate sind kaum enthalten). Als terminus ad quem gilt die Rezeption des Testaments Hiobs durch frühchristliche Autoren des 2. Jh. n. Chr.

Ort. Eine genaue Bestimmung des Herkunftsortes (Ägypten?; vgl. 27,7f.) ist nicht möglich. Für die Entstehung der Schrift innerhalb des antiken Judentums sprechen die Inhalte der → Paränesen und Hymnen, insbesondere die Betonung der → Genealogie, die Warnung vor Mischehen und die in begründete Spekulation über den Thronwagen Gottes (Merkava-Tradition).

Verfasser. Obwohl haggadische Traditionen bzw. Erzählblöcke unterschiedlichen Ursprungs verwendet wurden, zeigt sich das Testament Hiobs aufgrund seiner stilistischen und sprachlichen Homogenität als zusammenhängende und einheitliche literarische Komposition aus der Hand eines Autors. Übergreifende narrative Strukturelemente sind Verzahnungen in Form der Wiederaufnahme bestimmter Phrasen und Wörter sowie textinterne Anspielungen und Zitate.

2. Inhalt

Im Testament Hiobs begegnen alle Charaktere der biblischen Hioberzählung; vor allem dessen Rahmenkapitel werden breit ausgeschrieben. In der knappen Situationsbeschreibung im Prolog (1) versammelt Hiob vor seinem Tod seine Söhne und Töchter, um ihnen seine Lebensgeschichte zu erzählen und um ihnen für die Zukunft Worte der Mahnung und der eschatologischen Belehrung mitzuteilen. Die eigentliche Vermächtnisrede im Hauptteil des Buches gliedert sich in mehrere narrative Einheiten. Zunächst wird von Hiobs paganer Vergangenheit und seiner Bekehrung aufgrund einer Angelophanie berichtet (2-5). Satan erscheint bei Hiob und erhält von Gott Vollmacht über seinen Besitz (6-8). Hiob preist seine persönlichen Vorzüge und Fähigkeiten (9-15). Die Angriffe Satans bewirken den Verlust des Viehs, den Tod der Kinder und die Krankheit Hiobs (16-20). Ausführliche Schilderung erfahren Fürsorge und Leiden seiner Frau Sitis (21-26). Hiobs beispielhafte Frömmigkeit und bewusste Bewährung im Leiden werden von Gott belohnt (27). Die Streitgespräche Hiobs mit den befreundeten Königen Eliphas, Baldad und Sophar, in deren Mittelpunkt die Bedeutungslosigkeit alles Irdischen steht, nehmen besonders breiten Raum ein (28-45). Bei der Verteilung des Erbes Hiobs erhalten seine drei Töchter keine materiellen Güter wie ihre sieben Brüder, sondern wunderwirkende Gürtel, die zum himmlischen Leben führen (46-51). Der Epilog (52f.) schildert Sterben, Tod und Begräbnis Hiobs sowie die Himmelfahrt seiner Seele.

3. Funktion und religionsgeschichtliche Bedeutung

Hauptthemen des Testaments Hiobs sind die Geduld im Leiden, die Wohltätigkeit gegenüber Bedürftigen und die Erkenntnis Gottes als Schöpfers der Welt und endzeitlichen Richters. Das Theodizeeproblem des biblischen Hiobbuchs wird hingegen an keiner Stelle berührt. Dem Autor geht es vor allem um eine volkstümlich-erbauliche, narrative Darstellung der durch eschatologische Heilshoffnungen motivierten individualistischen Frömmigkeit. Die biblische Hiobgestalt, der Archetyp der frommen Geduld, wird hier zum Prototyp des jüdischen Gerechten und Glaubenszeugen, der wegen seines Bekenntnisses bedrängt wird und ihm dennoch treu bleibt aus Liebe zum Gott Israels.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon für Antike und Christentum, Stuttgart 1950ff
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Aufl., Tübingen 1998-2007
  • Encyclopaedia Judaica, 2. Aufl., Jerusalem, Detroit u.a. 2007

2. Textausgaben und Übersetzungen

  • Brock, S., Testamentum Iobi (PVTG 2), Leiden 1967, 1-59
  • Kraft, R.A., The Testament of Job (SBL.TT 5), Missoula, Mont. 1974
  • Schaller, B., Das Testament Hiobs (JSHRZ III 3), Gütersloh 1979
  • Spittler, R.P., Testament of Job, in: Charlesworth, J.H. (Hg.), The Old Testament Pseudepigrapha, Bd. 1, Garden City, N.Y. 1983, 829-868

3. Weitere Literatur

  • Begg, Chr., Comparing Characters: The Book of Job and the Testament of Job, in: Beuken, W.A.M. (Hg.), The Book of Job (BEThL 114), Leuven 1994, 435-445
  • Charlesworth, J.H., The Pseudepigrapha and Modern Research (SCSt 7), Missoula, Mont. 1976, 134-136
  • Garrett, S.R., The „Weaker Sex” in the Testament of Job, JBL 112 (1993), 55-70
  • Jacobs, I., Literary Motifs in the Testament of Job, JJS 21 (1970), 1-10
  • Omerzu, H., Das bessere Erbe, in: dies. / Greschat, K. (Hgg.), Körper und Kommunikation, Leipzig 2003, 57-93
  • Nordheim, E.v., Die Lehre der Alten, B. 1 (ALGHJ 13,1), Leiden 1980, 119-135
  • Rahnenführer, D., Das Testament des Hiob und das Neue Testament, ZNW 62 (1971), 68-93
  • Schaller, B., Das Testament Hiobs und die Septuaginta-Übersetzung des Buches Hiob, Biblica 61 (1980), 377-406
  • Knibb, M.A. / van der Horst, P.W. (Hg.), Studies in the Testament of Job (MSSNTS 66), Cambridge 1989
  • Wahl, H.-M., Elihu, Frevler oder Frommer, in: JSJ 25 (1994), 1-17

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