Die alttestamentlichen Aussagen zu dem Themenfeld „Rausch“ sind besonders mit der hebräischen Wurzel
Ähnlich wie das Verb kommt auch das ein Getränk bezeichnende Substantiv
Zur Klärung kann akkadisch šikaru herangezogen werden. Es bezeichnet in der Regel Bier, doch gerade in Texten aus Syrien wird es häufiger auch für Wein verwendet und kann möglicherweise jedes alkoholische Getränk bezeichnen (Chicago Assyrian Dictionary, XVII, 428). Für das hebr.
An 18 von 20 Stellen kommt
Sowohl das Getränk (Wein, Bier) als auch der damit beschriebene Zustand (Rausch) sind ambivalent. Vom Wein heißt es, dass er des Menschen Herz erfreue (; ; vgl. ), und auch Bier / Rauschtrank trägt zur Freude bei (; ; vgl. ; ). In feiert → Josef – noch unerkannt – mit seinen Brüdern: „Und sie tranken und wurden fröhlich mit ihm“ (Lutherbibel). „Wurden fröhlich“ ist hier eine freie, euphemistische Wiedergabe für hebr.

Abb. 1 Noah entblößt volltrunken seine Scham (Rathaus in Leuven; 14. Jh.).
Negativ führt Wein zur Trunkenheit. Um den Fluch über Kanaan zu begründen, erzählt , wie der Weinbauer → Noah im Rausch nackt in seinem Zelt liegt, so dass sein Sohn → Ham, der Vater Kanaans, seine Scham sieht. Doch → Sem und → Jafet, die beiden andere Söhne Noahs, gehen rückwärts zu ihrem Vater und bedecken sie.

Abb. 2 Lot und seine Töchter (Francesco Furini; 1640).
Die Verbindung von Trunkenheit und → Sexualität zeigt sich in . Die Erzählung schreibt → Moabitern und → Ammonitern einen inzestuösen Ursprung zu: → „Lots Töchter, die bei der Zerstörung von → Sodom ihre Verlobten verloren haben, machen ihren Vater betrunken, schlafen mit ihm und werden schwanger. Die Kinder erhalten die Namen Moab und Ben-Ammi, die als ‚vom Vater’ bzw. ‚Sohn des Verwandten’ gedeutet werden, um das Wesen ihrer Nachfahren, der Moabiter und Ammoniter, polemisch auch in ihren Namen zu verankern.“ (Hübner / Koenen, Art. Moab).
erzählt von → Nabal, dessen Name „Verrückter“ bedeutet, wie er sich betrinkt. Der Rausch, in dem der Betrunkene wie etwa auch in die Kontrolle verliert und der mit Erbrechen und Hinfallen einhergeht, ist eindeutig negativ qualifiziert.
Trotz der insgesamt festzustellenden Ambivalenz (vgl. besonders auch ) überwiegen bei den ausdrücklich genannten Folgen des Genusses die negativen Phänomene: Einschränkungen der Wahrnehmung und des Urteilsvermögens (; vgl. ; ), Erbrechen (), Taumeln (), Hinfallen (), Lallen (), Entblößen (; ). Das lässt sich allerdings teilweise dadurch erklären, dass die Wortgruppe vor allem in prophetischen Gerichtsworten aufgegriffen wird, in denen „Trunkenheit“ bildlich für einen durch → Gottes Gericht herbeigeführten Zustand steht (→ Taumelbecher), in dem der Mensch so sehr seiner Sinne und seines Verstandes beraubt ist, dass er nicht mehr für Gott offen und von Gott ansprechbar ist und sich so von der Quelle seiner Lebensmöglichkeiten abschließt.
Nach Dubach (2009, 284f) lassen sich die verschiedenen Wertungen am ehesten sozialethisch differenzieren: Wenn das gemeinsame Feiern die kollektive Verbundenheit stärkt, kann auch der Rausch positiv betrachtet werden. Feiert die Oberschicht dagegen exklusive Gelage auf Kosten der Armen, dann ist der Rausch das Ziel der prophetischen Kritik. Kritik am extensiven Alkoholkonsum wäre so gesehen in erster Linie Sozialkritik.
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