
Abb. 1 Karte: Das Wādī eṭ-Ṭumēlāt.
In werden Pitom (Pitom) und Ramses (Ra‘amses) als die Städte erwähnt, die von den Israeliten erbaut werden mussten. Der Name Pitom geht auf ägyptisch pr-Jtm „Haus des (Gottes) Atum“ zurück. Während die Lage der Ramsesstadt mittlerweile gesichert ist, gibt es über die Lokalisierung von Pitom bis heute keinen allseitigen Konsens. Es lag aber auf jeden Fall im Wādī eṭ-Ṭumēlāt [Wadi et-Tumelat], einem gut 50 km langen Tal, das vom östlichen Nildelta (beim heutigen el-Abbasa) zum Timsah-See (beim heutigen Ismailija) führt: Herodot (II, 158; Text gr. und lat. Autoren) erwähnt, dass der Kanal, der unter → Necho II. (610-595 v. Chr.) begonnen wurde und von einem Nilarm bei Bubastis durch das Wādī eṭ-Ṭumēlāt zum Roten Meer führte, an „der arabischen Stadt Patumos“ vorbeifließt.
1883 hat E. Naville (1903) die Ruinen von Tell el-Maschūṭa [Tell el-Maschuta] im östlichen Wādī eṭ-Ṭumēlāt (ca. 16 km westlich von Ismailija) untersucht und ist zum Ergebnis gekommen, dies sei Pitom. Unter den Funden waren mehrere Denkmäler aus der Zeit → Ramses’ II., eine Statue aus der 22. Dynastie, auf der das „Haus des Atum“ (pr-Jtm) erwähnt wird, eine große Stele aus ptolemäischer Zeit („Pitomstele“), die als Namen des Ortes Ṯkw und pr-Jtm angibt, und aus römischer Zeit eine lateinische Inschrift mit dem Ortsnamen Ero (castra), offenbar eine Entsprechung des griechischen Heroonpolis. In der Übersetzung der → Septuaginta wird in die hebräische Ortsbezeichnung Gosen durch Heroonpolis wiedergegeben, die koptische Bibelübersetzung (im bohairischen Dialekt) wiederum ersetzt Heroonpolis durch Pethom (Gardiner 1918, 268). Für Naville ergab sich daraus die sichere Gleichsetzung Heroonpolis = Pitom = Tell el-Maschūṭa, während Ṯkw der Name des ganzen Gebietes sein sollte.
1905 hat W.M.F. Petrie bei Tell er-Reṭāba (beim heutigen el-Qassāsīn), etwa 15 km westlich von Tell el-Maschūṭa, eine Festungsstadt aus dem Neuen Reich ausgegraben (Petrie 1906). → Ramses II. ließ dort einen Tempel für den Kult des Atum, Herr von Ṯkw, bauen; aus seiner Zeit stammen ferner eine Stele und eine Statue, die ihn mit Atum darstellt. Auch → Ramses III. hat hier Denkmäler hinterlassen; zudem ließ er die Festung verstärken (Morris 2005, 504-508, 740f). A. Gardiner (1918, 267-269) hat daher vorgeschlagen, nicht Tell el-Maschūṭa, sondern Tell er-Reṭāba mit Pitom gleichzusetzen, während er Ṯkw, eine Ortsbezeichnung, die sowohl ein größeres Gebiet als auch eine bestimmte Stadt benennen kann, mit Tell el-Maschūṭa identifizierte.
Die Siedlung Tell el-Maschūṭa ist seit 1977 durch Surveys und Ausgrabungen systematisch untersucht worden (Holladay, 1982; 1999a; 2001; Redmound 1989), und dabei hat sich herausgestellt, dass es dort in der Mittelbronzezeit („Zweite Zwischenzeit“) eine Siedlung der Hyksos gab. Während des gesamten Neuen Reiches und der Dritten Zwischenzeit (ca. 1500 bis kurz vor 600) war diese Stätte hingegen nicht besiedelt, wie die Analyse der dort gefundenen Keramik ergeben hat. Im Neuen Reich war die Festungsstadt von Tell er-Reṭāba der einzige größere Ort im Wādī eṭ-Ṭumēlāt, der aber seinerseits nach 600 v. Chr. für etwa 200 Jahre nicht mehr besiedelt war (Goedicke 1986, 353; Holladay, 1999b, 880). Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Tell el-Maschūṭa die Nachfolgesiedlung von Tell er-Reṭāba war und dass sie ein Stück weiter östlich neu gegründet wurde, als → Necho II. (610-595 v. Chr.) durch das Wādī eṭ-Ṭumēlāt einen Kanal zum Roten Meer anlegen ließ. Die Denkmäler aus Tell el-Maschūṭa, die aus der Ramessidenzeit oder der Dritten Zwischenzeit stammen, müssen sekundär dorthin gebracht worden sein. K. Kitchen hat dem lebhaft widersprochen (Kitchen 2003, 256-259; 555 Anm. 35). Er glaubt, dass sowohl Tell er-Reṭāba („Pitom“) als auch Tell el-Maschūṭa („Ṯkw“) im Neuen Reich als bedeutende Siedlungen existierten, aber das berücksichtigt den entscheidenden keramischen Befund nicht („the Wadi Tumilat Project found not a single fragment of eighteenth or nineteenth dynasty pottery out of the hundreds of thousands of sherds and intact vessels surveyed or excavated and studied at the site“ [Holladay 2001, 51]).
Sowohl Tell er-Reṭāba als auch die Nachfolgesiedlung Tell el-Maschūṭa sind daher mit dem Namen Ṯkw (im engeren Sinne) und wohl auch Pitom (pr-Jtm) bezeichnet worden (Letzteres nur für Tell el-Maschūṭa explizit belegt). Die „storehouses“, die Naville dort entdeckt und auf bezogen hatte, stammen aus ptolemäischer Zeit und wurden vermutlich angelegt, als Ptolemaios II. den Kanal erneuern ließ. Im 1. Jh. vor und nach Chr. scheint die Stadt nicht besiedelt gewesen zu sein, aber schon kurz danach, als Trajan den Kanal erneut ausbauen ließ, gewinnt sie ihre größte Ausdehnung (Holladay 1999a, 788-789). Auch dies zeigt deutlich die Bedeutung dieses Siedlungsplatzes für den Kanal zum Roten Meer.
Ob er in hellenistischer Zeit tatsächlich als Heroonpolis bezeichnet wurde, ist nicht ganz sicher: Strabo (XVII 1, 21 und 26) zufolge lag Heroonpolis „im (äußersten) Winkel des arabischen Meerbusens“ (ähnlich Plinius und Ptolemäus [Lloyd 1988, 154]). Falls das kein Irrtum ist (so Yoyotte 1997, 116 Anm. 244), kann Heroonpolis nicht die Siedlung von Tell el-Maschūṭa sein (so Bleiberg 1983, 27).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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