WiBiLex.de: Das wissenschaftliche Bibelportal der Deutschen Bibelgesellschaft

Kemosch

Kemosch (כְּמוֹשׁ kəmôš) ist der höchste Gott der Moabiter. Die Moabiter werden im Alten Testament als das Volk des Kemosch bezeichnet (; ).

1. Name

Die Etymologie des Namens ist unsicher. Diskutiert wird eine Herleitung aus der Wurzel kmš (sich niederwerfen), der im D-Stamm die Bedeutung „unterwerfen“ zukäme. Der aus dem Verbaladjektiv gebildete Gottesname könnte dann „Unterwerfer“ bedeuten (vgl. Gaß, 169). Diese Bedeutung verweist auf einen kriegerischen Aspekt des Gottes.

2. Herkunft

Ein Gott namens Kamisch (dka-mi-iš bzw. dka-me-iš) ist in den Archiven des bronzezeitlichen Stadtstaates → Ebla (Tell Mardīch, ca. 2600-2250 v. Chr.) in dem Ortsnamen Karkemisch (kar-kamiš) belegt. In der privaten und offiziellen Religion Eblas hat dieser Gott eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Darauf deuten das Vorkommen seines Namens in Personennamen sowie die Menge der Opferrationen, die ihm zukam. Er hat einen eigenen Tempel besessen und der Name des 12. Monats bezieht sich auf ihn („Monat des Festes für Kamisch“). Umstritten ist in der Forschung allerdings, ob es sich beim moabitischen Gott Kemosch der Eisenzeit noch um denselben Gott wie im bronzezeitlichen Ebla handelt. Verbindungen werden außerdem zu weiteren Göttern gezogen.

Aus → Ugarit ist eine Gottheit bekannt, deren Name sich aus den Elementen „Schlamm / Lehm“ und kmt zusammensetzt (KTU 1.100,36; 107,16; 123,5).

Aus dem Neuassyrischen ist eine Gleichsetzung von dKa-mu-uš mit dem Wortzeichen GUD belegt, welches für den Totengeist stehen kann. Außerdem wird in einer neuassyrischen Götterliste dKa-am-muš mit dem Gott Nergal gleichgesetzt.

Die eblaitischen, ugaritischen und neuassyrischen Belege werden als Hinweis auf einen chthonischen Charakter des Gottes interpretiert. Die Gleichsetzung all dieser Gottheiten mit ähnlichem Namen aus verschiedenen Zeiten und geographischen Räumen ist mit Vorsicht zu bewerten, weil weder eine Kontinuität desselben Gottes noch seine Entwicklung zum moabitischen Hauptgott sicher nachweisbar sind. Zur Beurteilung des moabitischen Kemosch, der im Alten Testament erwähnt wird, sollten deshalb allein die moabitischen Zeugnisse herangezogen werden. Diese deuten nicht auf einen chthonischen Charakter des Gottes, sondern auf den Charakter eines Kriegsgottes.

3. Der moabitische Kemosch

Abb. 1 Die Mescha-Stele.

Als wichtigste Quelle über den moabitischen Kemosch ist die Inschrift auf der Mescha-Stele aus dem 9. Jh. v. Chr. zu nennen (→ Mescha / Mescha-Stele mit dem Text der Inschrift). Kemosch wird dort 12-mal erwähnt, inklusive der Nennung innerhalb des Personennamens Kemoschjat und des zusammengesetzten Götternamens Aštarkemosch. Die Inschrift ist formal ein Baubericht des Königs Mescha. Eigentlicher Zweck der Inschrift ist aber die Selbstrepräsentation des Königs. So rühmt sich Mescha in der Inschrift vor allem seiner militärischen Erfolge. Mit König Meschas Baumaßnahmen und seinen errungenen Gebietserweiterungen dürfte Moabs Staatlichkeit begonnen haben. In der Inschrift wird die Stellung Kemoschs deutlich: Kemosch ist der Gott des Königtums. Er gibt Mescha den Auftrag zur Eroberung fremder Territorien, er ermöglicht den Sieg und ihm werden die besiegten Völker geweiht. Die Mescha-Inschrift berichtet darüber hinaus, dass Mescha seinem Gott Kemosch zu Ehren eine → Kulthöhe (bmh) errichtet. Auch ein fragmentarischer Text aus → Dibon erwähnt möglicherweise einen Tempel Kemoschs (bt k[mš]). Archäologisch ist bis jetzt jedoch kein Tempel ergraben und zugewiesen worden.

Mögliche Darstellungen des Gottes konnten bisher nicht eindeutig identifiziert werden. Diskutiert werden immer wieder die Darstellung eines Kriegers auf einem Bildrelief aus Ruğm el-‘Abd, die ägyptisierende Darstellung eines Gottes mit Hörnerkrone auf der sog. Balua-Stele und eine theriomorphe Darstellung auf einem Siegel aus Dibon, auf dem ein Gott als „Herr der Tiere“ erscheint.

4. Kemosch im Alten Testament

Die Hebräische Bibel erwähnt den Namen Kemosch achtmal: ; ; .; ; ; . In wird Kemosch mit den Ammonitern in Verbindung gebracht, was zu Überlegungen bezüglich einer Gleichsetzung Kemoschs mit → Milkom, dem Gott der Ammoniter, geführt hat. Diskutiert wird auch eine Verschreibung. Wahrscheinlicher ist die These, nach der das in gemeinte ammonitische Territorium ursprünglich moabitisch war und der Gott Kemosch immer noch die Oberhoheit über dieses Territorium innehatte (vgl. dazu Mattingly, 218).

Nach dem Bericht von wurde der Kult Kemoschs durch Salomo für seine fremdländischen Frauen eingeführt. Kemosch erhielt ein eigenes kleines Heiligtum (→ Kulthöhe). Der deuteronomistisch und nachdeuteronomistisch bearbeitete Bericht polemisiert gegen die in damaliger Zeit übliche religionspolitische Maßnahme der Integration fremder Gottheiten in das eigene Götterpantheon. Kemosch wird in Konkurrenz zum deuteronomistisch geforderten Alleinverehrungsanspruch JHWHs als Götze (šqṢ) bezeichnet. Der Bericht von der Kultreform → Josias berichtet in von der Zerstörung seiner Kulthöhe.

© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Abb. 2 Vorderasiatische Völker wie die Assyrer deportierten die Götterbilder aus den Tempeln eroberter Städte (Nimrud, 8. Jh.).

Die in angekündigte Verbannung, in die Kemosch seinen Priestern und Fürsten voranzieht, greift die altorientalische Vorstellung auf, nach der die eroberten Götter bzw. Götterbilder als Kriegsbeute von den Siegern mitgenommen wurden.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Dictionary of Deities and Demons in the Bible, 2. Aufl., Leiden 1999

2. Weitere Literatur

  • Gaß, E., 2008, Die Moabiter – Geschichte und Kultur eines ostjordanischen Volkes im 1. Jahrtausend v. Chr. (ADPV), Wiesbaden, 169-172 (im Druck)
  • Mattingly, G.L., 1989, Moabite Religion, in: A. Dearman (Hg.), Studies in the Mesha Inscription and Moab, Atlanta, 211-238
  • Niehr, H., 1998, Religionen in Israels Umwelt. Einführung in die nordwestsemitischen Religionen Syrien-Palästinas (NEB Erg.-Bd. 5), Würzburg, 213-216
  • Worschesch, U., 1992, Der Gott Kemosch, UF 24, 393-401

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Mescha-Stele; aus: H. Gressmann, Altorientalische Bilder zum Alten Testament, Berlin / Leipzig 2. Aufl. 1927, Tf. LIII
  • Abb. 2 Vorderasiatische Völker wie die Assyrer deportierten die Götterbilder aus den Tempeln eroberter Städte; Wandrelief des Palasts von Nimrud, 8. Jh. (© Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart)

Direkt zum Artikel

Inhaltsverzeichnis:

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

A
Aaron / Aaroniden
Aaronitischer Segen
Abdi Chepa
Abdon
Abecedarium
Abel
Abel (in Ortsnamen)
Abel-Bet-Maacha
Abel-Keramim
Abel-Majim
Abel-Mehola
Abel-Mizrajim
Abel-Schittim
Abend
Aberglaube
Abgaben (AT)
Abgötterei
Abgrund
Abigajil
Abihu
Abimelech
Abinadab
Abiram
Abischag
Abischai
Abjatar
Abner
Abraham
Absalom
Abschiedsrede (AT)
Abstammung
Abtreibung
Abwehrmittel
Abwesenheit Gottes
Abydos
Ach
Achan
Achat
Achikar
Achior
Achisch
Achjo
Achor
Ackerbau
Adad
Adam (NT)
Adam und Eva
Adler
Adma
Adonaj
Adonija
Adoniram / Adoram / Hadoram
Adrammelech / Anammelech
Adullam
Affe
Ahab
Ahija
Ahikam
Ahimaaz
Ahimelech
Ahinoam
Ahitofel
Ahnfraugeschichte
Ahnväter / Ahnmütter
Ai
Ajalon
Akazie
Akedah
Akiba, Rabbi
Akrostichon
Alalach
Alexander Jannai
Alkimus
Allegorie / Allegorese
Allmacht Gottes
Almosen
Aloe
Alphabet
Alt, Albrecht
Altarhörner
Alter (AT)
Altes Testament im Religionsunterricht
Älteste (AT)
Amalek / Amalekiter
Amarna-Zeit
Amarnabriefe
Amasa
Amasis
Amazja
Amduat
Ameise
Amenemope, Lehre des
Amenophis IV. / Echnaton
Amethyst
Amme
Amos / Amosbuch
Amphiktyonie
Amrafel
Amram und Jochebed
Amsterdamer Schule
Amulett
Anammelech
Anat
Anbetung
Animismus
Anteil
Anthropologie (NT)
Antichrist
Antijudaismus
Antilope
Antiochos IV. Epiphanes
Anubis
Äon
Apfel
Apokalypse des Elia
Apokalypse des Mose
Apokryphen (AT)
Apophis
Apotropäische Riten
Apries
Ar Moab
Araba
Araber
Arauna
Arbeit (AT)
Arbeitsverpflichtung / Fron
Archäologie Palästinas
Aretas
Ariël
Aristeasbrief
Aristobul
Arjoch
Arkandisziplin
Arm (AT)
Armenabgabe
Armut / Arme (AT)
Arnon
Art / Spezies
Arzt
Asaël
Asaf / Asafiten / Asafpsalmen
Asarhaddon
Asasel
Aschima
Aschmodai
Asidäer
Assurbanipal
Astarte
Astruc, Jean
Asyl / Asylrecht (AT)
Ätiologie
Aton / Aton-Hymnen
Audition
Auferstehung (AT)
Aufstiegserzählung
Auge um Auge
Ausländer
Auslegung
Aussatz
Auszug aus Ägypten
Axt
Info Anmeldung

Anmeldung

Derzeit sind Sie als Gast auf den Seiten von WiBiLex unterwegs. Um das Lexikon in vollem Umfang nutzen zu können (z.B. Artikel drucken und durchsuchen, Bilder vergrößert anzeigen), melden Sie sich bitte mit Ihrem Benutzer-Namen an oder registrieren Sie sich kostenlos als neue/r Nutzer/in.

Wenn Sie bereits auf www.die-bibel.de registriert sind, können Sie sich ohne weitere Registrierung mit den gleichen Benutzerdaten auch bei WiBiLex anmelden!