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Holofernes

Abb. 1 Judit tötet Holofernes (Artemisia Gentileschi; ca. 1620).

Der Name Holofernes gehört zu den x-varnah- / x-farnah-Namen wie Artafarna (Brandenstein / Mayrhofer, 118). Er ist als „nach Wunsch Herrschaftsglorie habend“ zu deuten. Belege des persischen Namens Orofernes finden sich in Inschriften (Knidos), auch Münzen (Priene) und in antiker Literatur (u.a. ein General Artaxerxes’ III. und später ein König von Kappadokien; Diodorus Siculus 31,19,2-3.31f); s. Justi, 234. Der dabei bezeugte r/I-Wechsel in Orofernes / Olofernes ist ein Indiz für einen der persischen l-Dialekte.

Im griechischen Bibeltext (s.u.) lautet der Name Ολοφέρνης, Olophérnēs. Die Aspiration im Anlaut, also die Fassung mit „H“ (Holofernes), die sich in der Vulgata findet, geht vermutlich auf eine Assoziation mit griechisch hólos „ganz“ zurück.

2. Biblischer Befund

Holofernes ist im Buch → Judit, einer Novelle der Seleukidenzeit, der Heerführer des assyrischen Königs (er war historisch gesehen babylonischer König) → Nebukadnezzar II. (Nabuchodonosor), „des Großkönigs und Herrn der ganzen Welt“ (; nicht in Lutherbibel, die der → Vulgata folgt, vgl. jedoch ). Für das Weltreich soll er alle Völker von Obermesopotamien bis Äthiopien unterwerfen. Holofernes bricht mit 120 000 Mann und 12 000 Reitern auf (; Lutherbibel: ) und verwüstet viele Länder.

Gegen den Rat des Ammoniters → Achior marschiert Holofernes nach Esdraelon nahe Dotaia (EÜ: Jesreel nahe bei Dotan; die Lutherbibel folgt der Vulgata und hat einen anderen Text) im Tal von Skythopolis / → Bet-Schean (; nicht in Lutherbibel, die der → Vulgata folgt, vgl. jedoch ) und belagert → Betulia. Während die Verteidiger wegen Wassermangels ihre Kapitulation erwägen, betört die wunderschöne und gottesfürchtige Witwe → Judit mit ihrem Charme den Holofernes. Sie gibt vor, ihm eine Liebesnacht zu schenken. Als er aber in seiner Vorfreude betrunken ist, enthaupten sie und ihre Magd den General (). Mit dem abgeschnittenen Haupt entkommen sie in das belagerte Betulia. Die Entdeckung des Attentats führt zur panischen Flucht vieler Belagerer, die Verwirrung ermöglicht den erfolgreichen Gegenangriff der Belagerten.

3. Rezeption

Holofernes ist (wie → Haman im Buch → Ester) der zeitlose Gegenspieler Israels. Der Midrasch macht ihn zum „König von Jawan“ (Griechenland). Seine Enthauptung blieb ein beliebtes Thema von der Barockmalerei bei Caravaggio (1598), Artemisia Gentileschi (1614/20) und Michelangelo (in der Sixtinischen Kapelle) bis ins 20. Jh. Beispiele dafür finden sich im Artikel → Judit.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Paulys Real-Encyclopädie der classischen Alterthumswissenschaft, Stuttgart 1894-1972 (VIII, 2137-2140)
  • Der Kleine Pauly, Stuttgart 1964-1975 (Taschenbuchausgabe, München 1979)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • The Anchor Bible Dictionary, New York 1992
  • Calwer Bibellexikon, Stuttgart 2003

2. Weitere Literatur

  • Brandenstein, W., Mayrhofer, M., 1964, Handbuch des Altpersischen (HdAp), Wiesbaden
  • Justi, F., 1895 / 1963, Iranisches Namenbuch, Marburg / Hildesheim
  • Hellmann, M., 1992, Judit – eine Frau im Spannungsfeld von Autonomie und göttlicher Führung, EHS, Reihe XXIII, Bd. 444, Frankfurt a. M.
  • Moore, C. A., 1985, Judith (AncB 40), Garden City, N.Y.
  • Zenger, E., 1981, Das Buch Judit (JSHRZ I/6), Gütersloh

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Judit tötet Holofernes; Artemisia Gentileschi (ca. 1620).

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