Andere Schreibweise: Bathseba, Bathsheba (engl.)

Abb. 1 Stationen der Batseba-Erzählung (Kreuzritterbibel; 13. Jh.).
Der Name Batseba – hebr.
In wird Batschua – hebr.
Batseba spielt an den Rändern der sogenannten → Thronfolgegeschichte Davids eine Rolle: 2Sam 11-12 und 1Kön 1-2 (→ Frauen in der Literatur des AT 6.3). In diesen beiden erzählenden Texten steht Batseba in sehr unterschiedlichen Funktionen, so dass die Interpretation ihres narrativen Charakters häufig davon abhängig ist, in welches Verhältnis die beiden Geschichten gesetzt werden. In der Chronik wird nicht von Batseba erzählt.
Mit wird der Wendepunkt in der von den → Samuelbüchern dargestellten Biografie Davids markiert. Im Kontext der Ammoniterkriege steht die Erzählung, in der David eine schöne Frau sieht, sie als Frau eines seiner Krieger erkennt, sie zu sich holen lässt und sexuell mit ihr verkehrt. Batseba wird von dieser Begegnung schwanger; der Versuch Davids, dem Ehemann Uria die Schwangerschaft unterzuschieben, misslingt und endet mit der Ermordung Urias. Das Kind aus dieser ersten Begegnung Davids mit Batseba stirbt, die beiden heiraten und Batseba gebiert Salomo. Die Ablehnung des Verhaltens Davids durch die Erzählgemeinschaft wird deutlich gezeigt () und durch den Propheten → Nathan in ihren weiteren Konsequenzen ausgeführt ().
Batsebas Rolle ist nicht die einer voll entwickelten Hauptfigur (Berlin 1983). Batseba bringt den Plot voran, der auf David zentriert ist, sie selber spricht nur einen Satz und ist auch hinsichtlich der nichtsprachlichen Handlungen kaum eigenständig aktiv. Dementsprechend ist die häufig gestellte Frage nach den Absichten Batsebas und die Diskussion um ihr Mitwirken am sexuellen Akt dem Text nicht angemessen: Zu Batsebas Perspektive, ihren Intentionen oder gar Gefühlen gibt der Text keinen Zugang. Die Verweigerung einer solchen narrativen Subjektposition in dieser Erzählung wird von Exum (1993) als „Rape by the Pen“ bezeichnet. Demgegenüber stehen Auslegungen, die von 1Kön 1-2 her kommend auch für 2Sam 11 Batseba durchaus strategische Motive unterstellen (etwa Nicol 1997).
Mehrere Motive der Erzählung sind auch aus anderen antiken Kontexten bekannt, etwa das Motiv vom Todesbrief und der Ehebruch (Frei; Naumann 2000; Kunz). In diese Reihe gehört auch die Frage nach der Verfügungsgewalt des Königs (s.u. 2.3).
Batseba steht in dieser Erzählung in der Reihe machtvoller Frauen des judäischen Königshofs. Wenn die These vom Amt der Königsmutter auch zu hinterfragen ist, so kommt ihr doch eine höchst machtvolle Funktion zu (Kiesow), die in durch den eigenen Thron für Batseba und ihren Platz an der rechten Seite Salomos symbolisiert wird. Im Rahmen dieser Erzählung sichert Batseba im Zusammenspiel mit dem Hofpropheten → Nathan ihrem Sohn Salomo die Thronnachfolge dadurch, dass sie David an ein Versprechen erinnert (.), das allerdings in der vorausgegangenen Davidserzählung nie explizit gegeben worden ist. Dass es sich hier um eine List handelt, liegt nahe. Die Interpretation von Batsebas Intervention in ist strittig. Auf Bitten des Rivalen → Adonija hin setzt sich Batseba für eine Hochzeit Adonijas mit → Abischag von Schunem ein. Salomo interpretiert dieses Anliegen als Machtanspruch Adonijas und lässt diesen hinrichten. Das kann sowohl als Kritik am Machtverlust der Königsmutter und an der Machtzentrierung in der Hand des Königs gelesen werden (Häusl) als auch als weitere List Batsebas.
Entgegen einer ahistorischen Romantisierung des Liebesbegriffs müssen die sexuellen Handlungen Davids und auch die seiner Söhne in den Kontext staatspolitischen Handelns gestellt werden (Müllner 1997). Mit David nehmen die biblischen Erzählungen den Gründer des dynastischen Königtums in den Blick, Davids Geschichte wird nicht als Geschichte einer Einzelperson, sondern von Anfang an als Geschichte des Davidshauses erzählt (Knauf). Der Begriff des Hauses hat Leitwortcharakter in den Davidserzählungen, vor allem in der sog. → Thronfolgegeschichte 2Sam 11 - 1Kön 2. Die Auseinandersetzungen um die Thronnachfolge Davids werden – beginnend mit der Erzählung um Batseba – sowohl militärisch als auch sexuell geführt (Müllner 1997). Davids Verbindungen können als staatspolitisch motiviert angesehen werden (Willi-Plein); Batseba verkörpert in diesem Interpretationsansatz die Jerusalemer Oberschicht. Bereits die Exposition von 2Sam 11 stellt durch die Einbindung des Geschehens in die Ammoniterkriege und Davids zwielichtige Rolle darin die Szenerie in das staatspolitische Umfeld. Das Leitwort nehmen
Erzähltechnisch wird diese Politisierung des Geschehens unter anderem durch die Verwendung von Motiven erreicht, die inner- wie außerbiblisch auch in der Verbindung mit anderen antiken Herrschern bekannt sind. Während die erzählerischen Konventionen aber die Erwartung eines positiven Ausgangs des Geschehens wecken (vgl. etwa Gen 12; Gen 20), tritt diese Wende zum Positiven in 2Sam 11-12 nicht ein, was die negative Charakterisierung Davids verstärkt (Naumann 2000).
(vgl. ) bezieht sich auf . Anders als in 2Sam wird in 1Chr 3 auch auf Batseba / Batschua Bezug genommen (zur Namensänderung s.o.). Außerdem führt die Chronik Salomo als vierten Sohn der Batseba ein, nicht als ihren ersten (oder zweiten), wie es die Samuelvorlage vorsieht. Eine Referenz auf das in Sam und Kön erzählte Geschehen findet sich nicht.
Im Matthäusevangelium wird Batseba im Stammbaum Jesu als „Frau des Uria“ bezeichnet (), obwohl sie hier als Mutter Salomos und damit als Frau Davids steht. In dem Stammbaum () werden vier Frauen genannt, neben Batseba Tamar, Rahab und Rut. Immer wieder weisen Auslegerinnen und Ausleger auf die merkwürdige Zusammenstellung dieser Frauengestalten hin, deren Erzählungen eine Menge Irreguläres enthalten. Mit der Benennung Batsebas als „Frau des Uria“ werde gerade die sperrigen Seiten der Erzählung von Batseba in Erinnerung gehalten, die nicht-jüdische Herkunft Urias ebenso wie der Ehebruch Davids.

Abb. 2 David sieht Batseba (Handschrift, 1457).
Die Thematisierung des Blicks in der biblischen Erzählung hat sich in der europäischen Kunstgeschichte niedergeschlagen. Dabei ist eine Bewegung festzustellen, die den beobachtenden David zunächst immer mehr in den Bildhintergrund rückt, um ihn schließlich ganz verschwinden zu lassen (Welzel).

Abb. 3 Batseba (Rembrandt, 1654).
Erkennbar ist Batseba nicht so sehr am ikonographischen Element des Bades (das teilt sie mit anderen Gestalten) als am Brief in ihrer Hand, wie es beispielhaft am Gemälde Rembrandts zu sehen ist.
Im Gegensatz zur bildenden Kunst ist es gerade die Batseba-Episode, die in der David-Literatur und in der Musik immer wieder ausgelassen wird (Leneman). Dennoch finden sich Beispiele für die literarische Rezeption der Batseba-Gestalt, etwa in den David-Romanen des 20. Jahrhunderts, die kaum ohne Batseba-Kapitel auskommen (Motté; ein Überblick über die David-Literatur findet sich bei Langenhorst). Die Charakterisierungen Batsebas sind unterschiedlich, je nach Empathiezentrum (etwa Michal in Grete Weils, Der Brautpreis oder aber Batseba im gleichnamigen Roman von Torgny Lindgren). Besonders in den letzten beiden Romanen wird eine Entpolitisierung und Romantisierung der Beziehung zwischen David und Batseba vorgenommen (Müllner 1999).
Literatur-Recherche Bibelwissenschaftliche Literaturdokumentation Innsbruck
Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne
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